Schädigungen fürs Herz: Frühstücksverzicht gefährdet die Gesundheit

Nina Reese

Auslassen des Frühstücks erhöht das Risiko für Herzerkrankungen

Rund um das Thema Ernährung ranken sich viele Mythen. Eine davon ist, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit am Tag ist. Ob das wirklich so ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, doch offenbar hat das Essen am Morgen Auswirkungen auf unser Herz. Spanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen, die morgens sehr wenig oder gar nichts essen, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Die Studie wurde nun im Fachmagazin „Journal des American College of Cardiology“ veröffentlicht.

Frühstück: Wichtig oder nicht?

Ausgiebig frühstücken ja oder nein? Bei dieser Frage herrscht unter Experten alles andere als Einigkeit. Die einen sind überzeugt davon, dass das Essens am Morgen notwendig ist, um dem Körper die notwendige Energie für einen guten Start in den Arbeitstag zu liefern. Ein Frühstück erhöht die Konzentration und Leistungsfähigkeit, so die Meinung der Befürworter. Andere behaupten hingegen, dass die positive Wirkung des Essens am Morgen weit überschätzt wird. Demnach ist das Frühstück nicht die wichtigste Mahlzeit am Tag.

Wer auf ein gesundes Frühstück am Morgen verzichtet, hat einer neuen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Störung. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Ablagerungen behindern Blutfluss

Eine neue Studie vom Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares Carlos III (CNIC) in Madrid hat nun gezeigt, dass Frühstücken offenbar eine wichtige Rolle in Hinblick auf die Herzgesundheit spielt. Wie das CNIC mitteilt, erkannten die spanischen Forscher um Dr. Irina Uzhova, dass sich das Risiko für eine Atherosklerose (oft auch als Arteriosklerose bezeichnet) um das Doppelte erhöht, wenn das Frühstück ausgelassen wird oder am Morgen nur sehr wenig gegessen wird.

Bei einer Atherosklerose lagern sich in den Wänden mittelgroßer und großer Arterien Fett und kalkhaltige Verbindungen (arteriosklerotische Plaques) ab, die den Blutfluss behindern und blockieren. Daher wird die Erkrankung auch Arterienverkalkung genannt. Sie stellt die häufigste Grunderkrankung des arteriellen Gefäßsystems sowie die Hauptursache für die koronare Herzkrankheit (KHK) dar, welche hierzulande die Todesursache Nr. 1 ist.

Nur ein Fünftel nimmt regelmäßig ein gesundes Frühstück ein

Laut einer Mitteilung des CNIC hatten die Forscher die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten von 4.000 Büroangestellten mittleren Alters sowie deren Tendenz für atherosklerotische Plaques miteinander verglichen. Von den Studienteilnehmern verzehrten demnach nur 20% regelmäßig ein energiereiches Frühstück mit mehr als 20% der empfohlenen Kalorienzufuhr.

Der größte Teil (70%) nahm ein energiearmes Frühstück (zwischen 5% und 20% der täglichen Kalorienzufuhr) zu sich. 3% aßen am Morgen gar nichts oder nur sehr wenig (<5% der täglichen Kalorienzufuhr). Das CNIC-Forschungsteam fand zudem heraus, dass die letzte Gruppe tendenziell eher ungesunde Essgewohnheiten und eine höhere Prävalenz kardiovaskulärer Risikofaktoren hatte, so der Bericht.

Erhöhte Atherosklerose-Werte unabhängig von klassischen Risikofaktoren

Es zeigte sich, dass Personen, deren Frühstück weniger als 5% der empfohlenen täglichen Kalorienzufuhr (d.h. 100 Kalorien bei einer täglichen Gesamtkalorienzufuhr von 2000) enthielt, im Durchschnitt doppelt so viele arteriosklerotische Läsionen wie jene hatten, die ein energiereiches Frühstück gegessen hatten. Dieses erhöhte Risiko bestand den Wissenschaftlern nach unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, hohem Cholesterinspiegel und körperlicher Inaktivität.

Weitere Untersuchungen erforderlich

„Die Analyse deutet darauf hin, dass das Auslassen des Frühstücks ein echter Risikomarker in den Anfangsstadien der atherosklerotischen Erkrankung sein könnte, was weitere Untersuchungen des zugrundeliegenden Wirkmechanismus erfordert“, so der Studienautor und Experte für Nutrigenomik, Dr. José María Ordovás.

Dies betont auch der Wissenschaftliche Koordinator der Studie, Dr. Antonio Fernández-Ortiz: „Wir brauchen frühere und genauere Risikomarker für die frühen Phasen der Atherosklerose, die es uns ermöglichen, Strategien zur Vorbeugung von Herzinfarkt, Schlaganfall und plötzlichem Herztod zu verbessern. Die neuen Ergebnisse tragen entscheidend dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.“ (nr)