Schlechte Kita-Ganztagsbetreuung im Westen

Fabian Peters

Schlechte Kita-Ganztagsbetreuung in Westdeutschland

06.07.2011

Die Ganztagsbetreuung der Kleinkinder ist in Westdeutschland deutlich schlechter aufgestellt als in Ostdeutschland, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die westdeutschen Kommunen kommen beim Ausbau der Kindertagesstätten (Kita´s) offenbar nicht hinterher. In Ostdeutschland ist das Angebot sehr viel besser und wird entsprechend häufiger genutzt, berichten die Experten der Bertelsmann-Stiftung.

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Die gute Betreuungssituation in Ostdeutschland gilt als eines der erfreulichen Vermächtnisse der ehemaligen DDR. Da hier schon früher die meisten Frauen berufstätig waren, bildete die Kinderbetreuung stets ein besonderes Anliegen der DDR-Staatsführung. Diese positive Struktur hat sich offenbar bis heute erhalten, so das Ergebnis der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zwar steigt auch in Westdeutschland die Nachfrage, aber die Kommunen können – nicht zuletzt aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel – nicht schnell genug reagieren, erklärten die Forscher der Bertelsmann-Stiftung.

Steigende Nachfrage nach Ganztagsbetreuungsangeboten
Insgesamt ist die Bereitschaft der Eltern, die eigenen Kinder in eine Ganztagsbetreuung zu geben, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, so eine der Aussagen der aktuellen Studie. Doch der hieraus resultierende Bedarf nach entsprechenden Kita-Plätzen kann längst nicht überall in Deutschland gleichermaßen bedient werden, erklärten die Forscher der Bertelsmann-Stiftung. Ihre Studie habe ein deutliches Ost-West-Gefälle bei der Ganztagsbetreuung festgestellt. Laut Aussage der Forscher werden in den ostdeutschen Bundesländern derzeit fast 72 Prozent der Kita-Kinder im Alter über drei Jahren ganztags betreut, wohingegen in Westdeutschland lediglich 27 Prozent der Kita-Kinder eine entsprechende Betreuung erhalten. Zwar seien auch in Westdeutschland die Ganztagsangebote immer stärker gefragt, doch die Kommunen kommen mit dem Ausbau der Kita-Plätze einfach nicht hinterher, erklärten die Forscher.

Deutlich mehr Kita-Ganztagsangebote in Ostdeutschland
Der aktuellen Studie zufolge stehen bei der Ganztagsbetreuung der Kinder im Alter über drei Jahren sämtliche ostdeutschen Bundesländer deutlich besser da, als die westdeutschen Länder. Am besten sei die Situation in Thüringen, wo 90,7 Prozent der Kita-Kinder ganztags betreut werden, gefolgt von Sachsen mit 81,4 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 61,5 Prozent. Auf den letzten Plätzen liegen die westdeutschen Länder Schleswig-Holstein mit 18,4 Prozent, Niedersachsen mit 16,2 Prozent und Baden-Württemberg mit 13,6 Prozent. Für die Studienautoren der Bertelsmann-Stiftung sind die aktuellen Studienergebnisse auch Anlass, einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Kita-Ganztagsplatz zu fordern. Der Bedarf sei vor dem Hintergrund, dass heute immer häufiger beide Elternteile ganztags arbeiten, deutlich gestiegen, berichten die Forscher. Die bisher von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen sollten durch eine bundesweit einheitliche Gesetzgebung ersetzt werden, forderten die Experten.

Kommunen kommen mit dem Kita-Ausbau nicht hinterher
Doch nicht zuletzt aufgrund der leeren Kassen haben die westdeutschen Kommunen erhebliche Schwierigkeiten, die wachsende Nachfrage zu bedienen. So hinkt der Ausbau geeigneter Kita-Plätze in Westdeutschland deutlich hinterher, während die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst. Auch bei den Migrantenfamilien sei die Bereitschaft zur Ganztagsbetreuung deutlich gestiegen, berichten die Forscher der Bertelsmann-Stiftung. So würden in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mehr Kita-Kinder im Alter über drei Jahren aus Migrantenfamilien betreut als als deutsche Altersgenossen, erklärten die Experten. Die Nachfrage fällt und steht jedoch mit der Qualität des Angebots, so dass in den westdeutschen Bundesländern dringender Nachholbedarf bestehe, betonten die Forscher. (fp)

Bild: Melanie Mieske / pixelio.de