Schnelles Handeln ist beim Schlaganfall lebenswichtig

Sebastian
FAST-Regel hilft bei der richtigen Einschätzung der Situation
Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast jeder vierte Betroffene stirbt innerhalb des ersten Jahres an den Folgen. Dementsprechend stellt die plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns nach dem Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland dar.

Typische Kennzeichen eines Schlaganfalls sind u.a. plötzlich auftretende Ausfälle wie z.B. eine Lähmung, Seh- oder Sprachstörungen. In solchen Fällen muss schnell gehandelt werden. Um Situation in wenigen Sekunden richtig einschätzen zu können, bietet die so genannte FAST-Regel eine gute Hilfestellung, so die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Hirninfarkt: Das sind die ersten Hinweise. Bild: psdesign1 - fotolia
Hirninfarkt: Das sind die ersten Hinweise. Bild: psdesign1 – fotolia

Seh- und Sprachstörungen können ein wichtiges Warnsignal sein
Doppeltes oder verschwommenes Sehen, eine lallende, verwaschene Sprache, starke Kopfschmerzen oder eine plötzliche einseitige Lähmung: Dies sind nur einige typische Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten können. Auch plötzliche Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder Gesichtsbereich sowie ein einseitig herabhängender Mundwinkel können Warnsignale sein, die unbedingt ernst genommen werden müssen.

Denn der Schlaganfall stellt laut der der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) hierzulande die dritthäufigste Todesursache und den häufigsten Grund für Behinderungen bei Erwachsenen dar.

Bei Verdacht sofort den Notarzt rufen
Es handelt sich also immer um einen Notfall, bei dem der Betroffene schnellstmöglich professionell versorgt und in ein Krankenhaus gebracht werden muss. Dementsprechend wichtig ist es, dass sofort der Notruf unter 112 abgesetzt wird, betont die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich des heutigen Welt-Schlaganfalltags. Bei Unsicherheit könne die so genannte FAST-Regel helfen, einen Schlaganfall zu erkennen und richtig zu handeln.

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Das „F“ steht dabei für „Face“ (Gesicht), denn Helfer sollten den Betroffenen zum Lächeln auffordern. Ist das Gesicht einseitig gelähmt oder verzogen, kann dies ein wichtiger Hinweis auf einen Schlaganfall sein. Neben dem wird der Patient gebeten, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen („A“ für „Arms“). Denn liegt eine einseitige Lähmung vor, lässt sich diese Bewegung nicht ausführen bzw. lassen sich die Arme in dieser Position nicht halten.

FAST-Regel leitet Überprüfung der Symptome an
Das „S“ für Speech (Sprache) deutet an, dass bei einem Schlaganfall häufig Sprachstörungen auftreten. Kann sich der Betroffene also plötzlich nicht mehr richtig artikulieren, sondern spricht stattdessen undeutlich, lallend oder mit langen Pausen, kann dies ebenfalls ein wichtiges Zeichen sein. „T“ bedeutet nach der FAST-Regel „Time“ (Zeit) und soll daran erinnern, dass bei den genannten Warnsignalen unverzüglich die 112 gewählt und die Symptomatik geschildert wird, so die Information der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

„Jede Minute zählt, weil Hirngewebe abstirbt und dadurch Funktionen verlorengehen. Viele Patienten können wir heute schon gut behandeln, wenn sie rechtzeitig auf eine Stroke Unit kommen“, erklärt der Bielefelder Neurologe und Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz.

App bietet mobile Notfall-Begleitung
Als „mobiler Notfall-Begleiter“ kann eine kostenfreie Schlaganfall-App genutzt werden, welche die Deutsche Schlaganfall-Hilfe für Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem iOS und Android entwickelt hat. Diese enthalte unter anderem den FAST-Test und zahlreiche Informationen zu Schlaganfall-Symptomen, zudem bekomme der Nutzer verständliche Handlungsbeschreibungen und die Möglichkeit der direkten Anwahl des Notrufs 112, so die Information der Stiftung.

Wer die App nutzen möchte, um im Notfall sicherer handeln zu können, sollte sich jedoch schon vorher mit den Inhalten vertraut machen, rät Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Wenn hieraus später eine schnellere Entscheidung zur Auslösung des Notrufs resultiert, wäre das schon ein tolles Ergebnis“, sagte Albrecht gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Wer dazu noch keine Möglichkeit hatte, sollte sich im Notfall auf die Alarmierung des Notarztes konzentrieren und erste Hilfe leisten. Denn in dieser konkreten Situation „[…] sind die Umstände in der Regel ungewohnt, chaotisch und hektisch, so dass kaum die Ruhe bestehen wird, sich mit einer App auseinanderzusetzen“, ergänzt der Experte, der sich bereits seit Jahren mit Gesundheits-Apps beschäftigt. (nr)