Schwankende Sehschärfen können ein erstes Symptom für Diabetes mellitus sein

Oft sind Schwankungen der Sehschärfe auf Diabetes zurückzuführen. Bei einer augenärztlichen Untersuchung können die Schäden durch die Erkrankung schnell festgestellt werden. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)
Fabian Peters
Veränderungen der Sehschärfe im Tagesverlauf möglicher Hinweis auf Diabetes
Viele Menschen leiden im Tagesverlauf unter Schwankungen der Sehkraft, was bei deutlich wahrnehmbaren Beeinträchtigungen der Sehstärke dringend ärztlich überprüft werden sollte. Denn Ursache kann eine unbemerkte Diabetes-Erkrankung sein. Verändert sich die Sehschärfe innerhalb eines Tages, ist dies ein mögliches frühes Warnzeichen für Diabetes mellitus, so die aktuelle Mitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Starke Schwankungen der Sehkraft im Tagesverlauf werden von vielen Betroffenen schlicht auf eine Ermüdung der Augen zurückgeführt. Doch kann auch eine unentdeckte Erkrankung an Diabetes der Auslöser sein. „Die Zahl der Diabeteserkrankungen steigt in Deutschland dramatisch an“ und „schätzungsweise zwei Millionen Menschen sind betroffen, ohne davon zu wissen“, berichtet die DOG. Bei deutlich wahrnehmbaren Veränderungen der Sehschärfe im Tagesverlauf sollte daher dringend eine fachärztliche Untersuchung erfolgen.

Oft sind Schwankungen der Sehschärfe auf Diabetes zurückzuführen. Bei einer augenärztlichen Untersuchung können die Schäden durch die Erkrankung schnell festgestellt werden. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)
Oft sind Schwankungen der Sehschärfe auf Diabetes zurückzuführen. Bei einer augenärztlichen Untersuchung können die Schäden durch die Erkrankung schnell festgestellt werden. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)

Oft wissen Betroffene nicht von ihrer Diabetes-Erkrankung
„Zu uns kommen jede Woche Patienten in die Augenklinik, die unter Schwankungen der Sehschärfe im Tagesverlauf leiden“, berichtet die DOG-Expertin Prof. Dr. med. Gabriele Lang. Die Ursache dafür sei meist Diabetes mellitus, so die Leiterin der Sektion konservative Retinologie und Laserchirurgie der Universitäts-Augenklinik Ulm weiter. Ein Teil der Patienten wisse bis zur Augenuntersuchung nicht von der eigenen Stoffwechselstörung. „Typische Schilderungen dieser Patienten lauten: Heute früh habe ich noch verschwommen gesehen, jetzt ist es wieder besser“, so Prof. Lang. Auch könne beispielsweise eine optimal angepasste Brille nach zwei Tage später nicht mehr passen.und Betroffene sehen „dann mit den neuen Gläsern in der Ferne oder Nähe plötzlich wieder schlechter.“ In vielen dieser Fälle liege die Ursache bei Blutzuckerschwankungen, die auf Diabetes zurückgehen.

Blutzuckerschwankungen beeinträchtigen die Sehkraft
Durch einen steigenden Blutzuckerspiegel wird der osmotische Druck im Auge erhöht, was wiederum zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse führt und damit Auswirkungen auf die Sehschärfe hat, berichtet Prof. Lang. Die Form der Linse verändere sich vorübergehend, was die Fähigkeit, scharf zu sehen, beeinträchtige. „Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen“, betont die DOG-Expertin. Der Augenarzt könne „Folgen der Stoffwechselerkrankung schon mit einer einfachen Untersuchung des Augenhintergrundes erkennen“, ergänzt Professor Dr. med. Horst Helbig, Präsident der DOG. Sowohl die Früherkennung als auch regelmäßige Untersuchungen des Auges seien bei Diabetes wichtig, weil sonst schwere Netzhautschäden drohen.

Schäden an der Netzhaut
Bei der fachärztlichen Untersuchung können mittels einer Spiegelung des Augenhintergrundes die Gefäße der Netzhaut, der Retina, untersucht und diabetesbedingte Veränderungen festgestellt werden – noch bevor die Stoffwechselerkrankung sich mit anderen Symptomen bemerkbar macht, berichtet die DOG. Im Rahmen der Untersuchung seien je nach Schweregrad der Erkrankung kleine rote Pünktchen auf der Netzhaut zu erkennen. „Dabei handelt es sich um Blutungen oder Aussackungen an den Gefäßen, sogenannte Mikroaneurysmen“, erläutert Prof. Lang. Als weitere krankhafte Veränderungen seien Schwellungen, Gefäßneubildungen der Netzhaut oder Glaskörperblutungen erkennbar. Wird die Frage nach einer bekannten Diabetes-Erkrankung von Betroffenen verneint, überweisen wir an den Hausarzt oder einen Internisten, um die Patienten auf Diabetes untersuchen zu lassen, so Prof. Lang.

Drohende Erblindung der Betroffenen
Wird die Stoffwechselstörung nicht erkannt und schreitet ungebremst voran, schädigt der Blutzucker zunehmend die kleinen Blutgefäße, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorge, erläutern die DOG-Experten. 80 Prozent der Patienten, die unter Diabetes mellitus Typ 2 leiden, würden nach zwanzig Jahren eine diabetische Retinopathie aufweisen. In den Industrienationen sei dies die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter. „Regelmäßige Augenuntersuchungen sind für Diabetespatienten deshalb sehr wichtig, zumal die Erkrankung für den Patienten lange Zeit symptomlos verläuft“, so Prof. Gabriele Lang. (fp)

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