Qualität in deutschen Kliniken stabil

Heilpraxisnet

Qualitätsniveau in den Krankenhäuser weitestgehend stabil

22.08.2014

Das Qualitätsniveau in den deutschen Kliniken ist weitestgehend stabil, so die Mitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) unter Berufung auf den Qualitätsreport 2013, dessen Veröffentlichung der G-BA am Donnerstag beschlossen hat. „Der nun seit zwölf Jahren erscheinende Report bietet einen umfassenden Überblick über die bundesweite Behandlungs- und Ergebnisqualität zu ausgewählten medizinischen und pflegerischen Leistungen in Krankenhäusern“, berichtet der G-BA.

Die vorab bekanntgegebenen Ergebnisse des Qualitätsreports 2013 zeigen ein „flächendeckend stabiles Qualitätsniveau“ ohne wesentliche Veränderungen bei den meisten Indikatoren, so die Mitteilung des G-BA. Allerdings waren auch nur wenige Verbesserungen der Leistungen erkennbar, obwohl in einigen Bereichen durchaus Handlungsbedarf festgestellt wurde. Erstellt wurde der Qualitätsreport durch das Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH (AQUA-Institut) im Auftrag des G-BA.

Mehr als drei Millionen Datensätze ausgewertet
Zur Ermittlung des Qualitätsniveaus in den Kliniken analysierten die Experten „im Erfassungsjahr in 1.557 Krankenhäusern mehr als 3,2 Millionen Datensätze zu 434 Qualitätsindikatoren aus 30 sogenannten Leistungsbereichen (z.B. gynäkologische Operationen), von denen 403 eine Tendenzaussage ermöglichen.“ Seit zwölf Jahren wird mittels dieser Methode die Leistung der Kliniken bewertet. Die Auswertung ergab bei 40 Qualitätsindikatoren (9,9 Prozent der Indikatoren) eine Verbesserung und bei 17 Qualitätsindikatoren (4,2 Prozent) Verschlechterungen. Die weitaus meisten Indikatoren (85,9 Prozent) zeigten indes im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen, sondern ein flächendeckend stabiles Qualitätsniveau, so die Mitteilung des G-BA.

Verbesserungspotenzial bei der Geburtshilfe
Zu den Ergebnissen des Qualitätsreports 2013 erklärte Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung, dass „die externe stationäre Qualitätssicherung das Flaggschiffunter den G-BA-Maßnahmen zur Qualitätssicherung“ darstelle. Das Verfahren sei langjährig etabliert, schaffe Transparenz und bilde die Grundlage für Verbesserungen. Daher seien auch in diesem Jahr diejenigen Leistungsbereiche und Indikatoren von besonderem Interesse, deren Qualitätsverbesserungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Hier bezieht sich die Expertin zum Beispiel auf den Leistungsbereich Geburtshilfe, bei dem ein „besonderer Handlungsbedarf“ in Bezug auf die „Anwesenheit eines Pädiaters bei Frühgeburten“ festzustellen sei.

Erhebliche Bandbreite an Klinikleistungen bewertet
Zwar erfasst der Qualitätsreport nicht sämtliche Leistungsbereiche, die in den Kliniken abgedeckt werden, doch wurde für das Jahr 2013 erneut eine beachtliche Bandbreite an Behandlungen evaluiert. Den Angaben des G-BA zufolge fanden „unter anderem die Ergebnisse der Versorgung beim Einsatz von Hüft- und Knie-Totalendoprothesen, bei Organtransplantationen, gynäkologischen Operationen, kathetergestützten Eingriffen an Herzkranzgefäßen und Herzklappen sowie bei der Versorgung von Früh- und Reifgeborenen (Geburtshilfe und Neonatologie)“ Berücksichtigung. Darüber hinaus enthalte der vorliegende Report Ergebnisse zur Dekubitusprophylaxe (Druckgeschwür-Prophylaxe) sowie ein Kapitel zu den sogenannten Krankenhaus-Infektionen (nosokomiale Infektionen), die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten Behandlung standen.

Verbesserungspotenzial in einzelnen Bereichen
Der Qualitätsreports 2013 zeigt auch für den Bereich der Mammachirurgie Anhaltspunkte, dass hier weitere Verbesserungen wünschenswerte wären. Im Frühstadium von Brustkrebserkrankungen erfolge zu häufig eine radikal Entfernung der Lymphknoten, berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“ von den Ergebnissen des Reports. Die Fachzeitung verweist zudem darauf, dass die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, Verbesserungspotenzial bei Oberschenkelhalsbrüchen benannt habe, da mitunter immer noch Wartezeiten von mehr als 48 Stunden auf eine Operation zu verzeichnen seien, obwohl dies die Behandlungsergebnisse deutlich verschlechtere. Insgesamt wird das stabile Qualitätsniveau in den Kliniken von den meisten Experten jedoch positiv bewertet. Hierzu erklärte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“, dass „durch gezielte Qualitätssicherungsmaßnahmen das hohe Qualitätsniveau aus dem Vorjahr in 96 Prozent der Fälle gehalten beziehungsweise weiter verbessert werden“ konnte. Gleichzeitig sei der Anteil der dokumentierten Daten auf inzwischen mehr als 99 Prozent gestiegen.

Weitere Verbesserungen des Qualitätsreports geplant
Insgesamt wird in dem Qualitätsreport trotz der umfangreichen Datenauswertung, nur ein Teil der Leistungen bewertet, was die Aussagekraft des Reports leicht relativiert, berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“ unter Berufung auf Wolf-Dietrich Trenner, einen der Patientenvertreter im G-BA. Trenner verwies auch auf hohe Fehlerquoten bei einzelnen Datenerfassungen. Allerdings werde diesen Fehlerquoten nachgegangen. Auch befinde sich der G-BA im Dialog mit auffälligen Kliniken. Als ein fester Bestandteil des Verfahrens im Rahmen des sogenannten strukturierten Dialogs werden beispielsweise konkrete Zielvereinbarungen zur Behebung qualitativer Mängel geschlossen, berichtet hierzu der G-BA. Des Weiteren arbeiten die Experten nach eigenen Angaben stets an „der methodischen Weiterentwicklung der stationären Qualitätssicherung.“ Dabei liege der Schwerpunkt zum einen auf der Risikoadjustierung der Indikatoren, um valide und faire Qualitätsvergleiche zu ermöglichen und zum anderen auf einer Entbürokratisierung durch Verwendung vorhandener Routinedaten, erläuterte Dr. Regina Klakow-Franck. (fp)

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