Studie: Deutschland, Land der Sportmuffel

Fabian Peters

Sport als Fremdwort – Immer Deutsche sind Bewegungsmuffel und Sportverweigerer

30.07.2013

Immer mehr Deutsche sind regelrechte Bewegungsmuffel. „Sieben Stunden verbringt jeder Erwachsene in Deutschland durchschnittlich im Sitzen – Tag für Tag“ und „von den Berufstätigen sitzt jeder Dritte sogar mehr als neun Stunden“, berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) in einer aktuellen Pressemitteilung zur Vorstellung der Bewegungsstudie 2013.

Viele würden gerne mehr Sport treiben
Zwar sind den meisten Deutschen die Vorteile regelmäßiger körperlicher Bewegung durchaus bewusst, doch „das Leben vieler Menschen in Deutschland ist weitestgehend bewegungslos“, so die Mitteilung der TK. Der zu verzeichnende Zustrom in den Fitnessstudios und Sportvereinen ist demnach zwar erfreulich, aber spiegelt die Realität nur begrenzt wieder. Viele Befragte würden sich der aktuellen TK-Bewegungsstudie zufolge gerne mehr bewegen und Sport treiben, doch den Schritt der Umsetzung vollziehen nur wenige – nicht zuletzt, weil ihnen auch die Zeit hierfür fehlt. Haupthindernis bleibt laut Angaben der TK „der innere Schweinehund“, der fast jedem zweiten Befragten im Weg stehe und sie – statt in die Turnschuhe – zu Sofa und Fernbedienung ziehe.

Die meisten Befragten bewegen sich weniger als eine Stunde am Tag
Im Auftrag der Techniker Krankenkasse hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine repräsentative Umfrage durchgeführt, „um herauszufinden, wie aktiv die Menschen in Deutschland in Alltag, Job, Freizeit und Urlaub sind und welche gesundheitlichen Folgen dies für sie hat“, so die Mitteilung der TK. Das Ergebnis ist dem Forsa-Geschäftsführer Professor Manfred Güllner zufolge erschreckend. „Nur vier von zehn Menschen hierzulande sind im Alltag noch zu Fuß unterwegs. So kommen zwei Drittel nicht einmal mehr auf eine Stunde Bewegung am Tag – jeden Gang zum Kopierer mit eingerechnet“, erläuterte Güllner das Ausmaß des festgestellten Bewegungsmangels.

Sportmuffel in der Mehrheit
Insgesamt hat sich der Anteil der Bewegungsmuffel beziehungsweise Sportverweigerer seit der letzten Erhebung im Jahr 2007 von 45 Prozent auf 52 Prozent erhöht. „Nicht einmal mehr jeder zweite Deutsche treibt Sport – Die Sportmuffel haben inzwischen die Mehrheit übernommen“, betont die TK. Den Sportverweigerern seien dabei die Nachteile des Bewegungsmangel durchaus bewusst. So räume jeder zweite Antisportler ein, „dass Sport ihm wohl guttun würde“ und „fast ebenso viele räumen ein, dass sie sich in ihrem Körper nicht ganz wohl fühlen“, erläutert die Techniker Krankenkasse unter Berufung auf die Umfrageergebnisse.

Mehr Bewegungsangebote auf der Arbeit gefordert
Ungünstig wirke sich bei vielen auch die Arbeit auf das Bewegungsverhalten aus, so eines der weiteren Ergebnisse der aktuellen Bewegungsstudie. Den „Arbeitstag verbringt bereits fast die Hälfte der Berufstätigen im Sitzen – und selbst die kleinen Bewegungspausen zwischendurch bleiben bei jedem zweiten von ihnen im hektischen Joballtag auf der Strecke“, berichtet die TK. Auch hier würden zwei Drittel der Vielsitzer den Bewegungsmangel bedauern „und hätten gern einen bewegteren Joballtag“,erläuterte Güllner. So würden sich 90 Prozent der Berufstätigen Bewegungsangebote in ihrem Betrieb wünschen, doch finden viele hier keine vor.

Ganze Bevölkerungsgruppe koppelt sich von körperlicher Bewegung ab
Laut Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas, ist es „besonders bedenklich, dass sich eine ganze Bevölkerungsgruppe immer weiter von der Bewegung abzukoppeln scheint – und das in allen Lebensbereichen.“ Die Bewegungs- und Sportmuffel würden im Alltag zunehmend jegliche Bewegung möglichst vermeiden. „Wer seine Freizeit am liebsten vor dem Bildschirm verbringt, geht auch im Alltag besonders wenig zu Fuß und legt im Urlaub am liebsten die Beine hoch“, berichtet die TK. Letztendlich werde „Bewegung für immer mehr Menschen zum Fremdwort“, so das Fazit von Baas. In der Umfrage habe jeder dritte Antisportler angegeben, dass in seinem Umfeld niemand mehr Sport treibe. „Wir glauben nicht, dass in jedem eine Sportskanone steckt oder stecken muss und verteufeln auch keinen Faulenzer-Abend auf dem Sofa“, doch das Ausmaß des Bewegungsmangels bereite ihm erhebliche Sorgen, erläuterte Baas.

Wer sich bewegt, gewinnt
Dem TK-Chef zufolge machen die Ergebnisse der aktuellen Bewegungsstudie erneut deutlich, dass dort angesetzt werden muss, wo die Menschen „ihren Alltag verbringen: in den Betrieben, in den Schulen, Kindergärten und Kommunen“, um langfristig das Bewegungsverhalten der Bevölkerung zu verbessern. Ansonsten erreichen wir gerade diejenigen nicht, die die Unterstützung am nötigsten haben, so Baas weiter. Bewegungsinitiativen wie „Gesunde Schule“ oder „Gesunde Kita“ und das betriebliche Gesundheitsmanagement seien hier der richtige Weg. Bei der Vorstellung der Bewegungsstudie beteiligte sich auch die Olympiasiegerin im Biathlon Magdalena Neuner, die sich im Rahmen der TK-Kampagne „Wer sich bewegt, gewinnt!“ für mehr Bewegung engagiert. „Es muss ja kein Marathon sein – aber schon ein kleines bisschen mehr Bewegung im Alltag macht solch einen großen Unterschied“, betonte Neuner.

Freizeitsportler mit besserer Gesundheit und weniger Volkskrankheiten
Die Vorteile des Sports wurden laut Aussage der Spitzensportlerin mit der aktuellen Studie erneut bestätigt, denn die Sportmuffel hätten nicht nur ihre Gesundheit und ihr allgemeines Wohlbefinden deutlich schlechter bewertet als die Freizeitsportler, sondern auch weit häufiger an den großen Volkskrankheiten gelitten. „Ich wünsche mir einfach, dass unsere Aktion Lust auf Bewegung macht und zeigt, wie viel Spaß Sport macht. Denn nur, wer Spaß an der Bewegung hat, bleibt auch langfristig am Ball“, betonte Neuner und ergänzte: „Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen alle an einem Strang ziehen.“ Hier sollte sich jeder auch an die eigene Nase fassen, so das Fazit der Spitzenbiathletin. (fp)

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