Studie widerlegt positive Effekte von Alkohol

Heilpraxisnet

Studie widerlegt positive Effekte von moderatem Alkoholkonsum

12.02.2015

Moderater Alkoholkonsum hat keine gesundheitsfördernde oder gar lebensverlängernde Wirkung. Das stellen britische Wissenschaftler klar, die im Rahmen ihrer Studie die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit untersucht haben. Demnach ist auch das „Gläschen in Ehren“ nicht empfehlenswert. Frühere Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass Alkohol in geringen Mengen einen positiven Effekt auf die Gesundheit habe, beruhten auf Fehlern in den Statistiken, schreiben die Forscher im Fachmagazin „British Medical Journal“.

Moderater Alkoholkonsum verlängert nicht das Leben
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Alkohol zu den zehn größten Gesundheitsrisiken. Leberschäden, ein erhöhtes Krebsrisiko und Alltagsprobleme sind nur einige der negativen Folgen eines erhöhten Alkoholkonsums. Erstaunlicherweise kamen zahlreiche Studien in den vergangenen Jahren dennoch zu dem Ergebnis, dass ein moderater Genuss von Alkohol nicht nur unschädlich sondern sogar förderlich für die Gesundheit ist. Forscher um Craig Knott vom University College London gingen diesem Mythos auf den Grund und kamen dabei zu einem ganz andere Ergebnis: Alkohol in geringen Mengen verlängert weder das Leben, noch ist er als gesund einzuschätzen.

Für ihre Studie werteten die Forscher Fragebögen von mehr als 18.000 über 50-jährigen Briten aus dem „Health Survey for England“ von 1998 bis 2008 aus. Die Teilnehmer hatten über zehn Jahre ihr Trinkverhalten protokolliert, wobei mehr als 4.000 Probanden in dieser Zeit starben. Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf die Todesfälle von Gelegenheits- und Nichttrinken und verglichen die Daten miteinander. Dabei stellte sich heraus, dass der Alkoholkonsum keinen entscheidenden Einfluss auf die Lebenslänge hat. Lediglich bei Frauen ab 65 Jahren zeigte sich ein minimaler positiver Effekt beim Konsum geringer Mengen von Alkohol. Die Forscher bewerteten diesen Effekt jedoch als statistisch zweifelhaft. Denn nachdem sie die Definition von Gelegenheitstrinkern verändert hatten, trat der Effekt nicht mehr auf.

Statistische Fehler sind in früheren Studien für den positive Effekt von Alkohol verantwortlich
Den Forschern zufolge sind statistische und methodische Fehler der Grund dafür, dass frühere Studien moderatem Alkoholkonsum einen positiven, gar gesundheitsfördernden Effekt bescheinigen. So sei meist nicht berücksichtigt worden, warum Nichttrinker keinen Alkohol zu sich nehmen, berichten die Forscher. Deshalb seien auch ehemalige Trinker, die bereits unter gesundheitlichen (Langzeit-)Schäden ihres früheren Alkoholkonsums litten, den Nichttrinkern zugeordnet worden. Durch die kranken Nichttrinker könnten die Studienergebnisse verzerrt worden sein. Deshalb rechneten Knott und seine Kollegen die ehemaligen Trinker aus der Gruppe der Nichttrinker heraus. Wie sich zeigte, waren dann kaum Unterschiede in der Sterblichkeit zwischen den Trinkern und Nichttrinkern erkennbar.

Die Forscher betonen zudem, dass sie nicht belegen konnten, dass sich tatsächlich der Alkohol positiv auf die Gesundheit der Gelegenheitstrinker auswirkte. So könnte auch die besonders gesunde Ernährung von moderate Trinkern gesundheitsfördernd und ausschlaggebend sein. Auch das sei in älteren Studien meist nicht berücksichtigt worden.

Positiver Effekt von Alkohol wird überbewertet
Wie Karl Mann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, könnten geringe Mengen von Alkohol beispielsweise bestimmten Arten des Schlaganfalls vorbeugen. Dem in Rotwein enthaltenen Resveratrol wird beispielsweise nachgesagt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko zu senken, da es vor Entzündungen schützen soll. Allerdings ist der Stoff auch in in Weintrauben, Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen und Erdnüssen enthalten, wenn auch in geringerer Konzentration als im Rotwein.

Mann schränkt beim Thema Alkohol ein: „Die minimalsten positiven Effekte sind in der Vergangenheit aber von der Werbung und Öffentlichkeit überbewertet worden“, und gibt zu bedenken: „Je höher der Konsum, desto größer der Schaden.“

Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge sollte ein Frau maximal zehn Gramm Reinalkohol pro Tag zu sich nehmen, bei Männern sind es 20 Gramm. Diese Mengen gelten jedoch nur dann als unbedenklich, wenn an mindestens zwei Tagen in der Woche ganz auf Alkohol verzichtet wird.

Bild: Petra Bork / pixelio.de