Studien: Umgewandelte Hautzellen töten Tumorzellen

Bei der zukünftigen Behandlungen von Gehirntumoren könnten umgewandelte Hautzellen helfen. (Bild: sudok1/fotolia.com)
Alexander Stindt
Durch eine Umprogrammierung werden aus normalen Hautzellen Krebs-jagende Zellen
Krebs ist eine ernsthafte Erkrankung, die leider oft tödliche Folgen haben kann. Das Glioblastom bildet eine besonders gefährliche Form von Gehirnkrebs, die durch eine Operation nicht vollständig entfernbar ist. Diese Form von Krebs tötet in den ersten beiden Jahren der Erkrankung bereits etwa 70 Prozent aller Erkrankten. Jetzt könnten Wissenschaftler University of North Carolina aber eine Methode entwickelt haben, durch die eine Behandlung ermöglicht wird. Sie wandelten Hautzellen in Zellen um, die Krebszellen abtöten können.

Millionen Menschen weltweit leiden an einer Krebserkrankung und unzählige Todesfälle werden jedes Jahr durch Krebs verursacht. Das Glioblastom ist eine Form von Gehirnkrebs, bei der nur etwa 30 Prozent der Betroffenen die ersten beiden Jahre der Erkrankung überleben, sagen die Forscher. Selbst wenn ein Chirurg den Tumor entfernt, ist es fast unmöglich alle invasiven Tumorzellen zu beseitigen. Diese sind überall im Gehirn verteilt und ermöglichen es dem Tumor wieder zu wachsen. Mediziner von der „University of North Carolina“ haben jetzt eine Möglichkeit entwickelt, um Hautzellen in Zellen umzuwandeln, die Gehirntumorzellen abtöten. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre diesbezüglichen Studienergebnisse in dem Fachjournal „Nature Communications“.

Bei der zukünftigen Behandlungen von Gehirntumoren könnten umgewandelte Hautzellen helfen. (Bild: sudok1/fotolia.com)
Bei der zukünftigen Behandlungen von Gehirntumoren könnten umgewandelte Hautzellen helfen. (Bild: sudok1/fotolia.com)

Umprogrammierte Hautzellen erstmals zur Krebsbehandlung eingesetzt
Glioblastome sind aggressive und schnell wachsende Tumore, die sogenannte Astrozyten bilden. Aus diesen Zellen besteht das Stützgewebe des Gehirns. Astrozyten sind sternförmig verzweigte Zellen, deren Grenzmembrane Fortsätze zur Gehirnoberfläche und zu unseren Blutgefäßen bilden. Astrozyten vermehren sich schnell und werden dabei von einem großen Netz von Blutgefäßen unterstützt. Deshalb lässt sich diese relativ seltene Krebserkrankung nur sehr schwer behandeln. Wir wollten herausfinden, ob diese induzierten neuralen Stammzellen an Krebszellen andocken und ob es möglich ist, dass die Zellen ein therapeutisches Mittel übertragen können, erklärt Dr. Shawn Hingtgen von der „University of North Carolina“ in einer Pressemeldung der Universität. Dies sei das erste Mal, dass diese Umprogrammierungstechnologie verwendet wurde, um Krebs direkt zu behandeln, fügt der Experte hinzu.

Überlebensquote von Mäusen um bis zu 220 Prozent erhöht
Innerhalb der Studie programmierten die amerikanischen Forscher Hautzellen um, die auch als Fibroblasten bezeichnet werden. Aus solchen Zellen wurden dann neurale Stammzellen entwickelt und diese produzierten ein Protein, das Tumore abtöten kann, erklären die Wissenschaftler. Die Zellen, die normalerweise Kollagen und Bindegewebe produzieren, jagen nach ihrer Umwandlung Krebszellen und töten diese ab. Die Zellen wurden dann in Testmäuse eingesetzt und mit Hilfe einer physikalischen Matrix an Ort und Stelle gehalten, sagen die Forscher. So sollten die Zellen an bestimmten Stellen des Körpers gehalten werden, um dort genug Zeit zu haben, die Umgebung nach Krebszellen abzusuchen. Je nach Art und spezifischer Lage des Tumors stieg die Überlebensquote von Mäusen um 160 bis 220 Prozent, erläutern die Experten. Zukünftige Forschung konzentriert sich auf die Verwendung von menschlichen Stammzellen. Außerdem müssen effektivere Anti-Krebs-Medikamente hergestellt werden, die mit den umprogrammiert neuralen Stammzellen gepaart werden können, fügten die Mediziner hinzu.(as)

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