Umfrage: Zufrieden mit dem Gesundheitssystem

Heilpraxisnet

Deutsche finden das solidarische Gesundheitssystem gerecht

09.10.2014

Die meisten Deutschen sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Das ergab eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK), deren Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden. So bewertete ein Großteil der Befragten das solidarische System der gesetzlichen Krankenkassen als positiv.

Je gesünder die Deutschen sind, desto zufriedener sind sie mit der medizinischen Versorgung hierzulande
Etwa zwei Drittel der Deutschen schätzen das Gesundheitssystem als so belastbar ein, dass es auch zukünftig seinen Aufgaben gewachsen sein wird. Noch im Jahr 2006 teilten lediglich halb so viele diese Einschätzung. „Am pessimistischsten sind die Menschen in der ‚Rushhour des Lebens‘ zwischen Mitte 20 und Mitte 50. Außerdem nehmen die Zweifel zu, je höher der Bildungsgrad und je schlechter der Gesundheitszustand sind", erläutert Forsa-Geschäftsführer Prof. Manfred Güllner.

Die gesundheitliche Versorgung bewerten vor allem diejenigen in Deutschland als gut, die gesund sind. Drei von vier Befragten erklärten, dass sie mit dem Gesundheitssystem hierzulande zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind. Dieses Ergebnis spricht demnach auch für die Gesundheit der Deutschen. Noch vor zehn Jahren kam nicht einmal jeder Zehnte zu dieser Bewertung.

Fast 85 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen damit, dass die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung zukünftig erhöht werden. „Zudem geht mehr als die Hälfte (54 Prozent) davon aus, dass der Leistungsumfang in Zukunft eingeschränkt werden muss, und knapp jeder Zweite fürchtet eine sinkende medizinische Versorgungsqualität (47 Prozent). Hier sind die Menschen auf dem Land deutlich pessimistischer als Menschen in der Großstadt“, informiert die TK in einer Mitteilung.

Deutsche bewerten Solidaritätsgedanken in der gesetzlichen Krankenversicherung positiv
Mit dem Solidaritätsgedanken der gesetzlichen Krankenversicherung – finanziell besser gestellte Versicherte treten für ärmere ein – erklären sich über 80 Prozent einverstanden. Jedoch wäre nur jeder Zweite bereit, dafür höhere Beiträge zu zahlen.

Um auch zukünftig am medizinische Fortschritt teilzuhaben, wären zwei Drittel bereit, eine Beitragerhöhung zu akzeptieren. „Als Kassen brauchen wir hier eine starke Verhandlungsposition gegenüber Leistungserbringern wie beispielsweise den pharmazeutischen Unternehmen, deren Aufgabe es naturgemäß ist, ihre Gewinne zu steigern. Nur so kann es uns gelingen, unseren Versicherten auch zukünftig Zugang zum Fortschritt zu einem vernünftigen Preis zu ermöglichen. Und dieses Ziel steht für uns außer Frage", erklärt der TK-Vorstandsvorsitzende, Dr. Jens Baas.

Auf dem Land ist die ärztliche Versorgung wesentlich schlechter als in der Stadt
Fast jeder zweite Deutsche ist zufrieden mit dem Haus- und Facharztangebot in seiner Umgebung, wobei es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle gibt: Während 60 Prozent der Städter die ärztlichen Versorgung in ihrer Umgebung ausreicht, trifft das lediglich auf 40 Prozent der Landbevölkerung zu. „Im TK-Meinungspuls stellt bereits jeder fünfte Befragte, der auf dem Land wohnt, ein löchriges Angebotsnetz fest. In den Großstädten sieht nur jeder Elfte Defizite", so Baas.

Drei von vier Befragten sprechen sich dafür aus, dass medizinisches Personal wie Krankenschwestern oder Pfleger mehr Aufgaben zugewiesen bekommen, um die Landärzte zu entlasten. So könnten sie bei chronisch kranken Patienten Routinekontrollen durchführen oder bei Kuranträgen Unterstützung leisten. Auch die Telemedizin könnte zumindest für einen Teil der Landbevölkerung eine gute Alternative sein. „Gut jeder dritte Deutsche (37 Prozent) kann sich vorstellen, mit einem Arzt per Videogespräch zu kommunizieren, wenn er dadurch längere Wege vermeiden und schneller Zugang zu einem Spezialisten bekommen kann“, teilt die TK mit.

Ärzte werden von den meisten Deutschen positiv bewertet
Die Ärzte haben von den Versicherten insgesamt ein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. Sieben von zehn Befragten waren mit ihrem letzten Arztbesuch zufrieden. Die meisten Teilnehmer gaben an, mit ihrem Arzt auf Augenhöhe kommunizieren zu wollen. „Unterm Strich klappt die Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten. Mit rund sieben von zehn Befragten ist eine deutliche Mehrheit zufrieden mit dem Einfühlungsvermögen ihres Arztes und den Informationen. Die meiste Kritik äußerten die Patienten an der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten“, erläutert Güllner.

Mehr als jedem zweiten Befragten wurde schon mindestens einmal eine IGeL-Leistung beim Arztbesuch angeboten. IGeL-Leistungen sind ärztliche Leistungen, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden und deshalb vom Patienten selbst getragen werden müssen. Etwa drei von vier Deutschen nutzen laut Umfrage solche privaten Leistungen.

Hinsichtlich einer privaten Absicherung im Pflegefall ergänzend zur gesetzlichen Pflegeversicherung machen sich die jüngeren Deutschen wesentlich weniger Gedanken als die Älteren. „Die Deutschen gehen zwar ganz realistisch davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten für Pflege im Alter abdeckt. Dennoch geben vier von zehn Deutschen an, darüber hinaus noch gar nichts zur eigenen Absicherung getan zu haben." (ag)

Bild: Jörg Brinckheger / pixelio.de