Warum sich zu entschuldigen oft schwerfällt

Astrid Goldmayer

Verweigerte Entschuldigungen helfen dem Ego

08.02.2013

Eine Entschuldigung erleichtert das Gewissen und rückt das angekratzte Image wieder gerade. Doch trotz der Vorteile von gezeigter Reue, fallen vielen Menschen Sätze wie „Es tut mir leid“ oder „Entschuldigung, da habe ich einen Fehler gemacht“ ausgesprochen schwer. Australische Forscher sind jetzt der Ursache auf der Spur gekommen.

Verweigerte Entschuldigung haben Vorteile
Karin hat häufig Auseinandersetzungen mit ihren Kollegen, die ihr vorwerfen, dass sie Fehler nicht einräumen würde und deshalb nicht kompromissbereit wäre. Obwohl sich die Vertriebsleiterin eines mittelständischen Unternehmens unbeliebt bei ihren Kollegen macht und weiß, dass sie häufig Kollegen bei Entscheidungen übergeht, ist sie nicht bereit, ihr Fehlverhalten einzuräumen.

Auch Herbert weigert sich gegenüber seiner Schwester einzuräumen, dass er sich beim letzten Familienfest unfair verhalten hat. „Meine Schwester schlägt schließlich auch mal über die Stränge. Wegen einer solchen Kleinigkeit musst man doch nicht gleich zu Kreuze kriechen“, rechtfertigt er sein Fehlverhalten vor sich selbst.

Eine australische Forschergruppe um Tyler Okimoto von der University of Queensland ging der jüngst der Frage nach, warum vielen eine Entschuldigung so schwer fällt. Das Ergebnis: eine verweigerte Entschuldigung hat Vorteile, auch wenn Reue unter moralischen Gesichtspunkten angebracht wäre. Bisher hatten Studien lediglich die Vorzüge von eingestandener Reue beleuchtet, die Schuldgefühle reduziert und das angekratzte Image repariert.

Verweigerte Entschuldigung fördert Selbstbewusstsein
Um herauszufinden, warum dennoch häufig eine Entschuldigung schwer fällt, wurden 219 Probanden gebeten eine Email zu schreiben, in der sie sich entweder bei einer Person für einen Fehler aus der Vergangenheit entschuldigen sollten oder sich explizit nicht dafür zu entschuldigen.

Wie sich herausstellte, fühlten die Probanden, die in ihrer Email schrieben, dass sie sich nicht für den Fehler entschuldigen, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben. Darüber hinaus bemerken die Forscher auch einen Effekt, der auf das Selbstbewusstsein wirkte. „Die Ergebnisse zeigten, dass der Akt der Verweigerung einer Entschuldigung in einem stärkeren Selbstbewusstsein resultierte als bei einer Entschuldigung“, schreiben Okimoto und sein Team im Fachmagazin „European Journal of Social Psychology“.

In einer weiteren Studie wurden die Probanden gebeten, sich an Erlebnisse zu erinnern und zu reflektieren, bei denen sie eine Entschuldigung verweigert. Die Forscher erhofften sich dabei Erkenntnisse über die Konsequenzen von verweigerter Reue.

Es hilft bei der eigenen Rechtfertigung
Neben dem höheren Selbstwertgefühl war bei den Verweigerern auch die Werteintegrität ausgeprägter als bei den Reumütigen. Die Forscher vermuten, dass dieser paradoxe Effekt dabei hilft, das Fehlverhalten später vor sich selber sich rechtfertigen. Demnach geht es "bei einer verweigerten Entschuldigung weniger um den Fehler an sich als viel mehr um den Gewinn für das Ego, der bei bei verweigerter Reue größer ist als die Erleichterung des Gewissens" bei einer Entschuldigung. „Diese Befunde deuten auf potenzielle Barrieren einer Täter-Opfer-Versöhnung nach einem zwischenmenschlichen Zerwürfnis hin, die die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses der Psychologie der Schadenverursacher und ihres defensiven Verhaltens aus egoistischen Motiven implizieren“, schreiben die Forscher. (ag)

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Bild: Rike / pixelio.de