Asperger Syndrom – Ursachen, Therapie und Symptome

Asperger-Syndrom. Betroffene können beispielsweise Sarkasmus schlecht erkennen. Bild: Maik Dörfert - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Das Asperger-Syndrom heißt auch hochfunktionaler Autismus, weil viele Kinder mit Asperger viele Symptome nicht zeigen, die gewöhnlich mit Autismus verbunden sind. Deshalb werden einige Kinder mit Asperger niemals richtig diagnostiziert und oft missverstehen Altersgenossen, Lehrer und Eltern die Störung als simples Fehlverhalten – als unfreundlich oder verstockt.

Der Grund liegt darin, dass es schwierig für Menschen ohne Schulung ist, Kinder mit dem Syndrom zu erkennen, denn solche Kinder sind oft intelligent, haben normale sprachliche Fähigkeiten und keine physischen Defekte – im Unterschied zu klassischen Autisten.

Asperger-Syndrom. Betroffene können beispielsweise Sarkasmus schlecht erkennen. Bild: Maik Dörfert - fotolia
Asperger-Syndrom. Betroffene können beispielsweise Sarkasmus schlecht erkennen. Bild: Maik Dörfert – fotolia

Sie können als Erwachsene meist allein zurecht kommen und in speziellen Bereichen sogar Spezialistenstellen besetzen wie im Computerbereich und der Wissenschaft.

Wie erkennen also Eltern, ob ihr Kind am Asperger Syndrom leidet?

Kinder mit dieser Störung sind oft von bestimmten Objekten oder Handlungen besessen. Dabei können die Gegenstände dieser Obsession von Fall zu Fall unterschiedlich sein – was immer auch Objekt der Besessenheit ist, Betroffene reden darüber ununterbrochen: Dabei kann es sich um Fahrräder handeln, um Wohnungsarchitektur, um Waffensysteme, selten aber um zwischenmenschliches. Die derart Besessenen merken nicht, ob sich jemand anders für das Thema interessiert.

Die (oft unfreiwilligen) Zuhörer legen den Redeschwall leicht als unhöflich aus, sie sind genervt und halten die Betroffenen für unverschämte Menschen, die am liebsten sich reden hören, also um bewusst Empathielose.

In Wirklichkeit zeigt sich hier die Verwandtschaft zwischen Asperger und Autismus, denn diese Unfähigkeit, das Interesse anderer zu erkennen, deckt sich mit anderen Typen aus dem autistischen Formenkreis.

Während einige betroffene Kinder soziale Fähigkeiten zeigen, die normal erscheinen, fehlt anderen diese soziale Verhalten. Sie zeigen dann zum Beispiel eine undifferenzierte Körpersprache, sprechen monoton, sie können keinen Humor erkennen, insbesondere keine Ironie und haben Probleme mit nonverbaler Kommunikation. Wegen diesen Merkmalen werden sie bisweilen von anderen Kindern gemieden oder ausgegrenzt und gelten als “skurill”.

Einige Kinder mit dem Syndrom haben motorische Probleme bei Tätigkeiten wie Fahrrad fahren, klettern oder Spielen, die Körpereinsatz erfordern. Solche Kinder erscheinen unbeholfen selbst bei normaler Altivität wie gehen oder laufen. Manche Kinder wiederholen außerdem stereotypisch Verhalten wie in die Ände klatschen oder sich im Kreis drehen.

Geschichte des Asperger Syndroms

Das Syndrom ist vermutlich bekannt seit dem 16. Jahrhundert, als Johannes Mathesisus, ein Weggefährte von Luther, eine Geschichte veröffentlichte über einen 12 Jahre alten Jungen, der ein Verhalten des autistischen Formenkreises zeigte. Luther hielt den Jungen für einen seelenlose Masse Fleisch, die der Teufel besetzt hätte.

In den 1940ern beschrieb der Wiener Kinderpsychologe Hans Asperger das erste Mal das Syndrom. Er untersuchte Kinder, die autismusartiges Verhalten zeigten, aber dabei normal intelligent waren und keine Sprachprobleme hatten.

Viele Fachleute meinten, das Verhalten sei einfach eine milde Form des Autismus und nannten die Störung deshalb “high-functioning autism”. Uta Fried, eine Neurowissenschaftlerin aus London beschrieb Patienten deshalb als “eine Spur autistisch”.

1994 listete die American Psychiatric Association Asperger als separate Störung neben Autismus. Wie auch immer, bis heute sehen viele Fachleute Asperger nach wie vor als Autismus aber, allerdings als schwach ausgeprägten Typ. 2013 schließlich wurde Autismus aufgefächert in ein Formenspektrum, zu dem auch Asperger zählt.

Charakteristika

Das Syndrom unterscheidet sich von klassischem Autismus durch weniger schwere Symptome und die fehlenden Sprachstörungen. Betroffene Kinder haben oft gute sprachliche und kognitive Fähigkeiten. Für den Laien erscheint ein solcher Patient oft wie ein “normales” Kind, das sich merkwürdig verhält.

Im Unterschied zu klassischen Autisten, die an ihrer Umwelt kein Interesse haben, versuchen viele Menschen mit Asperger , sich intensiv in soziale Beziehungen einzubringen. Jedoch zeigt sich ihr “Autismus” darin, dass sie nicht wissen wie. So verstehen sie soziale Regeln oft nicht oder zeigen einen Mangel an Empathie. Sie scheuen oft den Augenkontakt, wirken an der Konversation desinteressiert und verstehen keine Gesten.

Ihr Interesse an ihrem speziellen Topos wird zur Obsession. Betroffene Kinder sammeln oft Dinge eines bestimmten Kategorie, zum Beispiel Steine oder Flaschen. Sie sind grandios im Speichern spezifischer Informationen wie Baseball Statistiken oder lateinischen Pflanzennamen. Sie haben eine gute Erinnerung, aber Probleme mit abstrakten Konzepten.

Einer der Hauptunterschiede zwischen Asperger und klassischem Autismus ist die fehlende Sprachstörung: Obwohl diese Kinder aber generell gute Sprachfähigkeiten haben, nutzen sie Sprache anders als Nicht-Betroffene. Ihre Sprachmuster sind zum Beispiel ungewöhnlich oder rhytmischer Natur, dann wieder formal richtig, aber zu laut oder zu schrill. Kinder mit Asperger verstehen oft den Subtext einer Botschaft nicht, und sie begreifen oft nicht das Geben und Nehmen – die soziale Bedeutung von Kommunikation.

Betroffene haben oft Probleme, sich etwas bildlich vorzustellen und brillieren dafür im Lernen von Fakten. Das bringt in der Schule Probleme mit sich, insbesondere in Fächern wie Literatur und Philosophie.

Während Menschen mit klassischem Autismus oft intellektuell behindert sind, haben die meisten Asperger-Patienten eine durchschnittliche bis hohe Intelligenz.

Sie nutzen ihre besondere Stärke, indem sie Unmengen an Fakten über bestimmte Themen lernen. Andere wiederum sind extrem präzise dabei, Objekte zu ordnen. Diese Interessen können die Patienten so entwickeln, dass sie ihr Spezialgebiet studieren und darin arbeiten.

Mit klassischen Autisten teilen sie, dass jede unerwartete Veränderung ihrer Routine sie aus der Fassung bringt. Wenn ein davon betroffenes Kind zum Beispiel immer den gleichen Weg zur Schule geht, aber die Straße wegen einem Unfall versperrt ist, bricht sein Orientierungssystem zusammen. Asperger Patienten geraten in Angst, wenn jemand zu spät kommt oder spontane Exkursionen mit der Klasse die gewohnte Struktur durchbrechen.

Symptome des Asperger Syndroms

Betroffenen Kindern fällt es oft schwer, Freundschaften aufzubauen. Sie finden dann keine Verbindung zu Altersgenossen wegen ihrem Mangel an sozialen Fähigkeiten. Sie haben Probleme, mit anderen Kindern zu reden oder an Gruppenaktivität teilzunehmen.

Das kann diese Kinder erschüttern, denn sie wollen sich intensiv mit ihren Altersgenossen verbinden. Einige Betroffene haben jedoch kein Verlangen, Freundschaften zu schließen und ziehen es vor, allein zu sein.

Junge Kinder mit dem Störungsbild zeigen bisweilen selektiven Mutismus. Das heißt, sie sprechen zum Beispiel nur frei, wenn sie mit den Anwesenden vertraut sind und verstummen gegenüber Fremden. Unmittelbare Familienangehörige sind normalerweise nicht betroffen, weil sich das Kind wohl dabei fühlt, mit ihnen zu reden.

Deutlich zeigt sich dieses Vermeidungsverhalten in der Schule und der Öffentlichkeit, und einige Kinder weigern sich von einem sehr frühen Alter an, mit Fremden zu sprechen. Dieses Verhalten verschwindet manchmal von selbst, bei anderen Kindern hilft eine Therapie.

Betroffenen fällt es oft schwer, sich in andere einzufühlen. Wenn sie älter werden, lernen sie indessen, wie andere auf sie reagieren. Sie lernen es, aber sie fühlen es nicht. Während sie zum Beispiel angemessen reagieren und die “richtigen” Antworten geben, verstehen sie nicht, warum sie andere brüskieren.

Das zeigt sich, wenn Aspergerkinder zu ruppig mit anderen Kindern spielen oder harte Worte benutzen, ohne zu wissen, dass sie die andere Person damit beleidigen. Wenn sie auf dieses Verhalten angesprochen werden, antworten diese Kinder dann, das, was sie gesagt hätten, sei wahr, und sie verstünden das Problem nicht.

Menschen, die unter der Störung leiden, finden es oft schwierig, Augenkontakt mit ihren Gesprächspartnern herzustellen. Manche glauben, dieses Verhalten resultiert aus einem Mangel an Vertrauen. Andere vermuten, Augenkontakt lässt die Betroffenen unwohl fühlen.

Es gibt sogar die Theorie, dass die Patienten nicht verstehen, wie wichtig dieser Blickkontakt ist und warum, weil sie soziale Kommunikation nicht begreifen. Das kann sogar zum umgekehrten Problem führen, wenn Betroffene Augenkontakt erzwingen und andere Menschen damit verunsichern.

Die Vorstellung, dass Betroffene keine Gefühle hätten, ist falsch. Fachleute beschreiben diese Patienten als “aktiv, aber unausgeformt”. Sie werden zum Beispiel sozial sehr aktiv und formen enge Freundschaften. Andere umgeben sich mit vielen Bekannten, gehen aber keine festen Bindungen ein.

Betroffene sind oft schlecht in der Schule, haben aber spezifische Interessen. Diese Interessen sind jedoch sehr fokussiert, und sie entwickeln ein umfangreiches Spezialwissen, ob über Modellflugzeuge, Videospiele oder Zeichnen.

Der Fokus auf diese Interessen gibt ihnen Sicherheit. Wenn sie gezwungen werden, ihre Projekte zu verlassen, setzt sie das großem Stress aus – ebenso, wenn ihre Projekte scheitern. Ein Fachmann sagte über einen Betroffenen: “Er hat zu seinen Fahhrrädern ein fast erotisches Interesse.”

Einer Routine nachzugehen ist für Aspergerpatienten sehr wichtig. Sie werden gestresst und fürchten sich, wenn ihre Struktur sich ändert. Neue Situationen lassen sie erschaudern. Eine Routine hilft ihnen, ihre Angst zu kontrollieren. Zum Glück besteht vieles in unserem Leben aus Routine, und wenn ein Kind an der Störung leidet, lässt sich eine solche herstellen.

Ein Symptom der Störung zeigt sich in der unmittelbaren Interpretation des Gesagten. Die Betroffenen verstehen zum Beispiel keinen Sarkasmus, sondern nehmen, das, was jemand sagt für bare Münze.

Dabei verstehen sie bisweilen durchaus Humor. Wenn sie, nach einer Erklärung, den Hintersinn des von ihnen wörtlich Genommenen begreifen, finden sie das ebenso witzig wie “Normale”.

Ein anderes Symptom ist die überraschende Fähigkeit, Muster zu erkennen. Oft versuchen diese Menschen, bereits als Kleinkinder das Straßennetz ihres Umfeldes zu erfassen. Während sie in vielen Fächern Probleme haben, fallen ihnen Muster in Mathe und Kunst einfach. Wird dieses natürliche Talent gefordert, können sich Aspergerpatienten zu Meistern ihrer Zunft entwickeln.

Einige Betroffene finden es schwer, ihre Feinmotorik zu kontrollieren. Das zeigt sich in schlechter Handschrift, weil die Koordination von Auge und Hand ihnen Probleme bereitet.

Ursachen des Asperger Syndroms

Veränderungen im Gehirn sind verantwortlich für viele Symptome dieser Störung. Die Ärzte können bis heute aber nicht genau sagen, wo diese Veränderungen ihren Ursprung haben. Genetische Faktoren können ebenso eine Rolle spielen wie Gifte, Chemikalien oder Viren. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Asperger tritt häufiger auf als klassischer Autismus: Während nur 4 von 10 000 Menschen an klassischem Autismus leiden, sind es hier 25. Eine vorsichtige empirische Studie der Gilbergś Gruppe in Schweden ergab, dass ungefähr 0.7 % der untersuchten Kinder ein klinisches Bild von Asberger hatten. Wenn in solchen Studien auch Kinder enthalten wären, die viele Kennzeichen der Störung aufweisen, aber mehr ins “normale” übergehen, vergrößert sich die Zahl der Betroffenen.

Alle Studie zeigten, dass Asperger weit mehr bei Jungen auftritt als bei Mädchen. Die Gründe sind unbekannt. Asperger ist oft verbunden mit anderen Diagnosen, wie Depression und Angststörungen. In manchen Fällen gibt es eine klare genetische Komponente, wenn ein Elternteil entweder das volle Spektrum des Syndroms aufweist oder einige Symptome.

Einige Merkmale wie intensive und eng umrissene Interessen, eine rigide Art der Körpersprache und soziale Defizite wie Ängste scheinen bei Verwandten von Aspergerpatienten häufig vorzukommen.

Manchmal gibt es eine Familiengeschichte des Autismus, was den Schluss zulässt, dass Asperger und klassischer Autismus verwandt sind. Andere Studien zeigen eine hohe Rate an Depressionen, sowohl bipolar als auch unipolar bei Verwandten von Patienten.

Wie bei klassischem Autismus gibt es offensichtlich eine genetische Basis, zu der aber diverse andere Faktoren kommen.

Depression, Ängstlichkeit und Asperger

Depression, Angst und andere Stimmungsstörungen sind typisch als Komorbidität besonders bei jungen Aspergerpatienten. Die Pubertät bedeutet einen Wandel für alle jungen Menschen, für betroffene Teenager sind die Pubertätsprobleme zusätzlich verbunden mit dem Gefühl, anders als die anderen Kinder zu sein.

Betroffene Kinder werden oft ausgegrenzt und gehänselt. Bild: Tomsickova - fotolia
Betroffene Kinder werden oft ausgegrenzt und gehänselt. Bild: Tomsickova – fotolia

Die typischen Charakteristika können dann unter einer Maske von Angst und Depression verborgen sein, was die Diagnose erschwert. Unbehandelt führt die Kombination der Störungen solche jungen Menschen in ein unglückliches Leben.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass es für Kinder und Jugendliche mit diesen Komorbiditäten effektive Behandlungen gibt, die die Depression oder die Angst lindern. Dabei ist es wichtig, die Anzeichen der Depression und der Angst genau zu evaluieren. Veränderungen im Verhalten, Schlaf, Energielevel, Essen und Interaktionen mit anderen gehören zur Analyse.

Zusammenbruch

Bei einem Zusammenbruch verlieren Betroffene kurzfristig die Kontrolle über ihre Emotionen durch Auslöser in der Umwelt. Diese Auslöser sind meist kein spezifischer Gegenstand.

Reize stauen sich vielmehr, bis sie den Menschen so überwältigen, dass sie keine Informationen mehr vermitteln. Betroffene beschrieben das Gefühl, als ob eine Flasche Cola geschüttelt und dann geöffnet wird – so zischen die Emotionen in alle Richtungen.

Am besten ist es, wenn Anwesende den betroffenen Menschen aus der Situation bringen, bzw er diese selbst verlässt, wenn er dazu in der Lage ist. Eine Patentlösung gibt es nicht, aber Übereinstimmung herrscht, dass es am wichtigsten für jemand ist, der einen emotionalen Zusammenbruch erleidet, an einem Platz allein gelassen zu werden, wo er sich sicher fühlt, Musik hören, ein Bad nehmen oder schlafen kann.

Nach einem Zusammenbruch schämen sich die Betroffenen oft, sind niedergeschlagen oder gestresst.

Sinnliche und motorische Probleme

Betroffene haben oft Probleme, Informationen, die sie durch die Sinne erhalten, zu organisieren und umzusetzen.

Wenn zum Beispiel normale Leute sich hinsetzen, um sich auf ein Thema zu konzentrieren, filtern sie die Hintergrundgeräusche. Die vielen Gerüche und optischen Reize einer Shopping Mall bringen sie nicht aus der Ruhe, sondern sie suchen und finden exakt das Objekt, das sie suchen.

Menschen mit Asperger-Syndrom, die eine Störung haben, solche Sinneseindrücke zu verarbeiten, verfügen über eine äußerst niedrige Frustrationstoleranz.

Wenn sie sich in Innenstädten befinden, schalten sie leicht emotional total ab, weil die Eindrücke sie überwältigen. Oder sie versagen in der Schule, weil sie kleinste Geschehnisse aus der Bahn werfen, zum Beispiel, wenn ein Mitschüler den Bleistift spitzt.

Dazu kommt eine Hypersensibilität gegenüber Lärm, Berührung, Licht und Gerüchen, was oft bedeutet, dass die Betroffenen neues Material nicht schnell genug verarbeiten können, um einer normalen Arbeit nachzugehen.

Diese Überreizung der Sinne lässt sich nicht heilen, es gibt aber viele Therapien, um sie zu lindern. Einige sind so simpel wie im Hintergrund Musik zu spielen oder dem Kind mehr Zeit zu lassen, Aufgaben zu lösen. Aromatherapie, Kunsttherapie und Massage helfen einigen Kindern. Andere genesen wiedrum bei der 1 zu 1 Arbeit mit einem Coach.

Manche leidtragende Kinder haben Schwierigkeiten, auf einem Brett zu balancieren und sich auf die Zehenspitzen zu stellen. Das liegt an der Vermittlung der Motorik durch das Gehirn, genauer an der Bewegungsplanung. Das Gehirn formuliert die Bewegung, bevor ein Mensch sie umsetzt, doch die Regionen, in denen dies stattfindet, sind bei Aspergerpatienten vermutlich geschädigt.

Betroffene haben eine ganze Reihe von Problemen, ihre Bewegungen zu koordinieren, das zeigt sich schon bei dreidimensionalen Spielen auf dem Spielplatz wie sich an Netzen hochziehen, schaukeln oder auf Leitern klettern.

Diese Störungen verschwinden nicht mit dem Alter, und sie nehmen oft die Form leichter Behinderungen an. Es sind vor allem drei motorische Störungen, unter denen die Betroffenen leiden: Feinmotorik der Hand wie Klavier spielen oder schrieben; beim Fangen und Werfen mangelt es ihnen an Auge-Hand-Kommunikation, und drittens die Balance halten.

Behandlung

Das Durchschnittsalter für eine Behandlung liegt bei 11 Jahren, verglichen mit 5,5 Jahren bei klassischem Autismus. Das ist in vielen Fällen zu spät, weil Aspergerpatienten am besten in Frühprogrammen soziale Kompetenz lernen.

Verbreitete Methoden, die Störung zu behandeln, beinhalten Verhaltenstherapien, kinderzentrierte Programme, Maltherapie, Entwicklungstherapien und Erziehung in sozial-pragmatischen Prinzipien.

Therapieangebote an Kinder und Jugendliche. Bild: alexsokolov - fotolia
Therapieangebote an Kinder und Jugendliche. Bild: alexsokolov – fotolia

Oberste Priorität hat die Vermittlung von Kernelementen sozialer Kommunikation, dazu kommt positive Veränderung von problematischem Verhalten, individualisierte Module und ergänzende Unterstützung der Familien.

Asperger und Medikation

Es gibt ein identifiziertes biochemisches Problem bei Asperger, und deshalb denken viele Forscher, das Syndrom ist Resultat von fundamentalen Veränderungen in der Gehirnstruktur. Ihnen zufolge können Medikamente Asperger folgerichtig nicht heilen.

Andererseits helfen viele Medikamente, die Symptome von Asperger zu lindern, und das gilt vor allem für die Komorbiditäten.

Atomoxetin zum Beispiel mildert die Symptome von Asperger, die denen von ADHS ähneln, insbesondere die Wiederholungen beim Sprechen.

Antidepressiva helfen denjenigen Patienten, die an einer sekundären Depression leiden, diese ist zwar kein Teil von Asperger, aber ein Resultat der unglücklichen Umstände, die dieses Syndrom mit sich bringen kann.

Außerdem leiden Aspergerpatienten häufig unter Schlaflosigkeit. Zwar ist es am besten, drogenfreie Wege zu versuchen, um die Schlafprobleme zu beheben, doch in schweren Fällen gibt esgute Erfahrung mit Schlafmitteln.

Medikamente, die die Angst lindern, können nötig sein, wenn Aspergerbetroffene von Nervosität geplagt werden oder die Orientierung verlieren.

Es gibt aber kein Medikament, um die Kernsymptome von Asperger zu behandeln.

Die “theory of mind” und ihr Effekt auf die soziale Interaktion

1996 schloss Baron-Cohen, dass Störungen in der “Theorie des Geistes” die Hauptursache für die sozialen Schwierigkeiten von Autismus und Asperger bilden. Er beschrieb dieses Phänomen als “Gemütsblindheit”.

Eine “Theorie des Geistes” zu bilden bedeutet zu verstehen, dass ein Mensch etwas anderes denkt als man selbst. Ohne eine solche “Theorie des Geistes” ist es unmöglich, die Gedankenmuster anderer Menschen zu erkennen, und wer das nicht kann, kann Verhalten ausschließlich aus Verhalten ableiten. Kurz gesagt: Solch ein Mensch erkennt am Gesichtsausdruck, dass jemand wütend auf ihn ist, versteht aber nicht, was an dem zuvor Gesagten ihn erzürnt hat.

Eine solche “Theorie des Geistes” resultiert aus der menschlichen Fähigkeit, soziale Rollen zu interpretieren, zu kommunizieren und sich der Gefühle von anderen Menschen bewusst zu sein. Wer diese Fähigkeit voll entwickelt, verfügt über eine instinktive Intuition, um die Gedanken und das Verhalten anderer Menschen zu deuten. Menschen mit Asperger jedoch geraten in sozialen Interaktionen immer wieder in Schwierigkeiten, weil sie die Gedanken anderer eben nicht verstehen.

Die erste Phase dieses Verständnisprozesses beginnt zehn Monate nach der Geburt, wenn das Kind sich Situationen vorstellt, zum Beispiel, indem es eine Banane als Telefon benutzt. Die zweite Phase fängt in der Regel mit zwei Jahren an, wenn Kinder ihre eigene visuelle Perspektive und ihr individuelles Wissen wahrnehmen.

Dies zeigt sich zum Beispiel im Such- und Versteckspiel mit einem Objekt, mit drei Jahren schließlich verstehen Kinder, dass andere Menschen nicht wissen können, was sie selbst gerade denken. Aber Kinder in diesem Alter denken immer noch, was sie glauben, ist wirklich.

Mit vier oder fünf Jahren entwickeln Kinder die dritte Stufe der “theory of mind”. Das bedeutet, die Fähigkeit die Gedanken, Wünsche und Emotionen eines anderen Menschen zu verstehen, was hilft, sein Verhalten und seine Intentionen zu erklären.

Kinder mit dem Syndrom erreichen den ersten Level der “Theorie des Geistes” ungefähr mit sechs Jahren. Mit zehn Jahren sind Kinder mit Asperger in der Lage, die zweite Stufe zu erklimmen. Die meisten scheitern jedoch an der dritten Stufe in ihrer Entwicklung.

Soziale Kompetenz entwickeln

Ein wesentlicher Fokus für die meisten Programme, um Aspergerpatienten zu helfen ist die Förderung ihrer sozialen Kompetenz. Soziale Fähigkeiten werden Asperbetroffenen in einer Vielfalt von Situationen vermittelt – wie Cliquen in der Schule, der Klassengemeinschaft, privatem Training in sozialen Fähigkeiten, Supervision und durch individuelle Therapien.

Die Methoden, um soziale Fähigkeiten zu lehren, umfassen Rollenspiel, Modellieren, soziale Stories, in vivo Praxis mit Altersgenossen und konstruktives Feedback. Die soziale Erzählungsmethode nutzt Geschichten, die geschrieben und bebildert werden können, um auf jede Situation vorzubereiten, mit dem Ziel, Information zu liefern, was Menschen in dieser Situation denken, tun und fühlen. Soziale Erzählungen identifizieren wichtige soziale Begegnungen und ihre Bedeutung und zeigen dem Kind, was es sagen soll.

Sie sind für Aspergerbetroffene besonders sinnvolol für neue Situationen. Die oft Angst verursachen, aber sie sind nützlich für alle Situationen, um dem Kind zu zeigen, was andere von ihm erwarten.

Andere Lehrtechniken umfassen soziale Fähigkeiten zu zeigen, indem sie in kleine Teilfähigkeiten zerlegt werden, und dann jede dieser Teilfähigkeiten durch Modelle und Rollenspiele zu demonstrieren.

Beim Thema Konversation wären solche Teilstücke zum Beispiel Grüßen, ein Thema zu finden, das Thema zu präsentieren, nonverbale Kommunikation zu nutzen wie Augenkontakt, Mimik und Gestik, prüfen, ob der Zuhörer Interesse hat, das Gespräch zu beenden (auf Wiedersehen, bis zum nächsten mal, etc.).

Sind die soziale Fähigkeiten bereits entwickelt, geht es darum, Konflikte zu lösen, mit Kritik umzugehen und Empathie zu zeigen. Die kognitive Entwicklung des Kindes zu erfassen, ist entscheidend um ein soziales Lernprogramm zu erstellen, das auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten wird. (Somayeh Khaleseh Ranjbar, überesetzt von Dr. Utz Anhalt)

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Referenzen

Asperger’s Syndrome

http://www.activebeat.com/your-health/10-symptoms-of-aspergers-syndrome

http://www.medicinenet.com/asperger_syndrome/page2.htm

http://www.mayinstitute.org/pdfs/0908_may_institute_exceptional_parent.pdf

http://www.bbc.com/news/blogs-ouch-28746359

http://neuronetlearning.com/blog/movement-performance-and-sensory-integration-in-aspergers-syndrome/

Working with Sensory Integration Disorders

http://www.myaspergerschild.com/2007/08/aspergers-and-medication.html

http://www.macswd.sa.gov.au/files/links/Asperger_report_771KB_PDF.pdf