Ärzte: Zögerlich bei neuen Medikamenten?

Heilpraxisnet

Ärzte zu zögerlich mit neuen Medikamenten?

17.09.2014

Seit einigen Jahren müssen in Deutschland neue Medikamente einer Bewertung unterzogen werden, in der sie ihren Zusatznutzen gegenüber bereits zugelassenen Medikamenten unter Beweis stellen müssen. Von Seiten der Pharma-Hersteller wird nun bemängelt, dass Ärzte zu selten auf modernere Arzneien zurückgreifen würden.

Auch bei Zusatznutzen kommen neue Medikamente wenig zum Einsatz
Einer Studie zufolge werden Patienten mit chronischen Erkrankungen nur unzureichend mit neuen, innovativen Medikamenten behandelt. Dies berichtet der „Focus“ in einem aktuellen Artikel. Demnach erläuterte der Leiter des IGES-Instituts, Bertram Häussler, dass diese Arzneien nur schwer den Eingang in den Praxisalltag fänden, obwohl ein Zusatznutzen im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten nachgewiesen worden sei. Laut dem „Arzneimittel-Atlas“, der im Auftrag des Verbands forschender Pharma-Hersteller (vfa) erstellt wurde, ergibt sich, dass solche Medikamente selbst dann wenig zum Einsatz kommen, wenn vom Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kassen und Kliniken ein erheblicher Zusatznutzen bestätigt wurde.

Neue Medikamente werden auf Zusatznutzen geprüft
Ein Beispiel, das genannt wird, ist der Wirkstoff Crizotinib, der nur bei 31 Prozent der Menschen mit Lungenkrebs zur Anwendung komme. Zudem würden lediglich 21 Prozent der Betroffenen von einem Medikament profitieren, welches Hautkrebszellen bekämpfen soll, die Metastasen bilden. Bei anderen Wirkstoffen seien es sogar weniger als zehn Prozent. Seit 2011, als das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) in Kraft getreten ist, müssen neue Medikamente bei Markteintritt zunächst eine Nutzenbewertung durchlaufen. Dabei prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Präparat auf einen Zusatznutzen.

Heilungsmöglichkeiten nicht voll ausgeschöpft
Wenn solch ein Extranutzen erkannt wird, handeln der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und das Pharma-Unternehmen einen Preis für das Medikament aus. Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa, bemängelte, die Medikamente würden im Alltag nur zögerlich von den Ärzten eingesetzt, auch wegen der Arzneimittelvereinbarungen mit den Kassen. Somit würden die Heilungsmöglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Laut „Focus“ kritisierte sie: „Innovationen erreichen nicht in dem Maße die Versorgungspraxis wie es eigentlich erforderlich wäre.“ Außerdem müsse das Gesetz zur Preisgestaltung (AMNOG) dringend nachgebessert und dereguliert werden.

Deutschland kein Hochpreisland bei Arzneien
Des Weiteren ergab das Gutachten, dass die Preise in Deutschland bei den meisten Arzneimitteln inzwischen unter dem europäischen Durchschnitt lägen, bei einigen Produkten ist der deutsche Preis im Ländervergleich sogar der günstigste. Damit könne Deutschland keineswegs mehr als Hochpreisland bei Arzneien bezeichnet werden, sagte Fischer. Unter anderem wollte die Politik mit dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz die vor allem in Deutschland vergleichsweise hohen Arzneimittelpreise in den Griff bekommen. Hersteller dürfen die Preise für ihre Produkte seit Einführung des AMNOG nicht mehr selbst festsetzen, sondern müssen mit den Krankenkassen darüber verhandeln. (ad)

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