Afrikanische Schweinepest überschreitet EU-Grenze

Nina Reese

Vormarsch der tödlichen Tierseuche alarmiert Experten

30.01.2014

Die hochansteckende und meist tödlich verlaufende Afrikanische Schweinepest (ASP) bewegt sich offenbar mit großen Schritten von Osten auf den Bereich der Europäischen Union zu. Dies teilt aktuell das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) (FLI) mit. Demnach gehe von der gefährlichen Tierseuche eine zunehmende Gefahr auch für deutsche Schweinebestände aus, nachdem das Virus in litauischen Wildschweinen nachgewiesen worden war.

Schweinepest Ende Januar 2014 erstmals in Litauen
Bei der so genannten „Afrikanischen Schweinepest“ (oder auch „African Swine Fever“) handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine betrifft – Menschen sowie andere Haus- und Wildtiere seien nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hingegen nicht gefährdet. Wie das FLI aktuell berichtet, sei die Afrikanische Schweinepest nun Ende Januar 2014 erstmals in Litauen in zwei Regionen an der Grenze zu Weißrussland aufgetreten und habe somit EU-Gebiet erreicht. Zuvor hatte schon Weißrussland in der Grenzregion zu Polen im Juni 2013 erste Fälle gemeldet. „Eine Einschleppung in weitere Länder der Europäischen Union kann nicht ausgeschlossen werden“, so die Mitteilung des FLI – zum Beispiel über Transportfahrzeuge, die aus betroffenen Regionen kommen oder durch Produkte aus nicht durchgegartem Fleisch (Schinken, Salami, usw.) infizierter Tiere. Hier stelle dem Institut nach „besonders das (illegale) Verfüttern von Speiseabfällen [..] eine Infektionsquelle dar.“

Virus ist „äußerst stabil und wird insbesondere über Blut sehr effizient übertragen“
Wie Sandra Blome, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Afrikanische Schweinepest am Friedrich-Loeffler-Institut berichtet, gelte das Virus bei Wild- und Hausschweinen als hochinfektiös und „äußerst stabil und wird insbesondere über Blut sehr effizient übertragen“ – „ohne Blut ist die Ansteckungsfähigkeit moderat, so dass es nicht zu einer explosionsartigen Ausbreitung in einem Bestand kommen muss“, so die ASP-Expertin in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin "Forschungs-Report".

Nahezu jedes infizierte Tier fällt der Seuche zum Opfer
Besonders besorgniserregend sei es Laborleiterin Blome nach, dass die Afrikanische Schweinepest eine sehr schwere Allgemeinerkrankung verursacht, „an der in der Regel 100 Prozent der betroffenen Tiere binnen zehn Tagen versterben.“ Dabei würden die Symptome in vielen Fällen unspezifisch auftreten, unter anderem in Form von Fieber, Atemproblemen, Futterverweigerung oder einer Blaufärbung der Haut. Einen Impfstoff gegen die Seuche gibt es bislang nicht. Würde sich das Virus auch hier verbreiten, müssten daher gemäß der „Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest“ die betroffenen Bestände gekeult werden. Zudem müssten Sperrbezirke eingerichtet sowie strenge Transport- und Handelsbeschränkungen errichtet werde, so Blome weiter.

Einschleppung hätte verheerende Auswirkungen auf die deutsche Schweineindustrie
Dementsprechend hätte eine Einschleppung der Seuche der Expertin nach „verheerende Auswirkungen auf die deutsche Schweineindustrie“, denn Deutschland steht nach China und den USA an der Spitze der weltweit größten Schweinefleischproduzenten mit derzeit 5,5 Millionen Tonnen Schlachtgewicht. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts war das Virus vermutlich 2007 aus Afrika nach Georgien gekommen und hatte sich von dort aus über Russland nach Litauen ausgebreitet.

Experten mahnen Jäger zu größter Vorsicht und Sorgfalt
Angesichts der drohenden Gefahr mahnt das Friedrich-Loeffler-Institut daher besonders Jäger zu größter Sorgfalt und fordert diese auf, „ein vermehrtes Auftreten von Fallwild (Schwarzwild) der zuständigen Behörde zu melden bzw. entsprechende Proben (v. a. Schweiß, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich abklären zu lassen.“ Alle Halter von Schweinen sollten dem Institut nach unbedingt höchste Biosicherheitsstandards einhalten – dazu gehören unter anderem eine ständige Betreuung durch einen Tierarzt, ein beschränkter Personen- und Warenverkehr, betriebseigene Kleidung, Quarantäne für Zukäufe und ein festgelegtes Transportmanagement. Sofern es zu akuten Symptomen kommen sollte, die nicht eindeutig einer anderen Erkrankung zugeordnet werden können und die Tiere auch nicht auf Antibiotika reagieren, sollten dem Institut nach zudem Proben zur Abklärung einer möglichen Ansteckung an die zuständigen Untersuchungseinrichtungen der Länder weitergeleitet werden.

"Das Virus ist ein großes Schlachtschiff"
Um sich ein konkretes Bild von der Ausbreitung der Schweinepest zu machen, sei derzeit eine Fachkommission der EU in Litauen, zu der auch ein Mitarbeiter des Friedrich-Loeffler-Instituts gehört. "Das Virus ist ein großes Schlachtschiff", so die Einschätzung Blomes gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Denn der Erreger habe verschiedene Möglichkeiten, seine Wirte zu befallen – ein geeigneter Impfstoff sei aber leider bislang nicht entwickelt worden und auch in naher Zukunft nicht in Sicht. So könne sich das Virus zum einen von Wildschweingruppe zu Wildschweingruppe Richtung Westen verbreiten aber auch zum Beispiel durch Speiseabfälle mit infizierten Fleischprodukten, die von Touristen an Rast- oder Campingplätzen zurückgelassen und dann von den Tieren gefressen würden. Da zudem gerade Litauen ein sehr populäres Ziel unter Jägern sei, könnten auch Trophäen und nicht ausreichend gereinigte Jagdutensilien dafür sorgen, dass das Virus schnell in andere Gebiete gelangt, so die Expertin weiter gegenüber der dpa. (nr)

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