Aids-Therapie durch Knochenmarkspende?

Alfred Domke

Hoffnung auf erfolgreiche Aids-Therapie durch Knochenmarkspende gedämpft

08.12.2013

Im Juli machten Schlagzeilen, wie: Zwei Patienten nach Therapie HIV-frei, die Runde. Zwei Männer in den USA hatten wegen einer Krebserkrankung eine Knochenmarkspende erhalten und schienen danach monatelang frei vom HI-Virus zu sein. Doch jetzt erklärten Ärzte, dass der Erreger nicht besiegt wurde.

Knochenmarkspende wegen Krebserkrankung
Mehrere Monate lang galten zwei mit HIV infizierte Männer als frei vom Virus, nachdem sie wegen einer Krebserkrankung eine Knochenmarkspende erhalten hatten. Beide Patienten hatten wochenlang keine Aids-Medikamente mehr genommen und bei beiden war das Virus nicht mehr nachweisbar. Einer der behandelnden Ärzte, Timothy Henrich vom Brigham and Women’s Hospital in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts), erklärte damals: „Obwohl diese Ergebnisse aufregend sind, bedeuten sie nicht, dass die Männer geheilt sind.“ Um zu sehen, was die Therapie wirklich bewirkt habe, müsse man mindestens noch ein Jahr abwarten. Die Transplantationen bei den beiden Männern,die an Lymphdrüsenkrebs erkrankt waren, lagen bereits Jahre zurück, die HIV-Medikamente waren aber erst wenige Wochen vor den neuen Ergebnissen abgesetzt. Ein dritter Patient, der ebenfalls behandelt worden war, starb an den Folgen seiner Krebserkrankung.

Schlechte Neuigkeiten bekannt gegeben
Es dauerte aber kein Jahr, um zu erkennen, was die Therapie wirklich bewirkt hat. Vor wenigen Tagen musste Henrich auf einer Konferenz in Miami, Florida, schlechte Neuigkeiten bekannt geben. Wie US-Medien berichteten, sei das Virus bei beiden Patienten wieder nachweisbar. Einer der Männer hatte im August wieder erhöhte Virus-Werte. Der andere entschied sich trotzdem dafür, seine Medikamentierung weiter auszusetzen, bis auch seine Viruslast im November wieder anstieg, berichtete der „Boston Globe“.

Noch nicht alle Daten analysiert
Die Wissenschaftler hatten sich dazu entschlossen, die Ergebnisse möglichst früh bekannt zu geben, noch bevor sie alle Daten analysiert haben. „Wir hatten das Gefühl, es sei unfair die Menschen nicht wissen zu lassen, wie der Stand der Dinge ist – besonders gegenüber potentiellen Patienten“, so Henrich gegenüber dem „Globe“. Die Rückkehr des Virus deute darauf hin, dass es im Körper Reservoirs gebe, die schwer aufzuspüren seien. Doch auch obwohl das Ergebnis nicht das erhoffte sei, ergeben sich laut Henrich daraus Ansatzpunkte für die Behandlung von HIV-Infektionen.

Berliner Patient sorgte für weltweites Aufsehen
Im Jahr 2008 hatte ein Patient aus Berlin für weltweites Aufsehen gesorgt. Bei ihm war ebenfalls nach einer Knochmarktransplantation die Zahl der HI-Viren unter die Nachweisgrenze gesunken. Die Knochenmarkspende war im Rahmen einer Blutkrebstherapie durchgeführt worden. Der damals behandelnde Arzt Gero Hütter, der heute an der Universität Heidelberg arbeitet, erklärte, dass Knochenmarktransplantationen keine generelle Therapieoption gegen Aids seien. Transplantationen seien mit einem zu hohen Risiko verbunden, da das Immunsystem des Empfängers gezielt geschwächt werde. Die Ärzte hatten deswegen sowohl in Boston als auch in Berlin die Behandlung nur im Fall von sehr schwer erkrankten Krebspatienten eingesetzt. (ad)

Bild: Andreas Dengs, www.photofreaks.ws / pixelio.de