Alzheimer-Genvariante verändert das Gehirn schon in der Kindheit

Forscher entdeckten bei einer Untersuchung, dass eine bestimmte Varaiante eines Gens bei Kindern Veränderungen im Gehirn verursacht. Dieses Gen erhöht im späteren Leben auch das Risiko für eine Alzheimererkrankung. (Bild: lom123/fotolia.com)
Alexander Stindt
Forscher entdecken interessante Auswirkungen des sogenannten e4 Gens
Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung. In ihrer häufigsten Form betrifft Alzheimer meist Menschen über dem 65. Lebensjahr. Forscher stellten fest, dass ein spezielles Gen im Zusammenhang mit der Erkrankung steht. Eine Variante von diesem Gen kann wohl bereits in unserer frühen Kindheit festgestellt werden.

Wissenschaftler von der University of Hawaii und der University of North Carolina at Chapel Hill fanden jetzt bei einer Untersuchung heraus, dass ein mit der Alzheimer-Krankheit in Zusammenhang stehendes Gen bereits in der Kindheit festgestellt werden kann. Eine spezielle Variante des Gens hat negative Auswirkungen auf unsere Gehirnstruktur. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Forscher entdeckten bei einer Untersuchung, dass eine bestimmte Varaiante eines Gens bei Kindern Veränderungen im Gehirn verursacht. Dieses Gen erhöht im späteren Leben auch das Risiko für eine Alzheimererkrankung. (Bild: lom123/fotolia.com)
Forscher entdeckten bei einer Untersuchung, dass eine bestimmte Varaiante eines Gens bei Kindern Veränderungen im Gehirn verursacht. Dieses Gen erhöht im späteren Leben auch das Risiko für eine Alzheimererkrankung. (Bild: lom123/fotolia.com)

Das e4 Gen kann bereits in junger Kindheit festgestellt werden
Das Gen mit der Bezeichnung APOE ist mit der Entstehung von Alzheimer verbunden. Eine Variante dieses Gens führt dazu, dass sich das Alzheimer-Risiko noch weiter erhöht. Das sogenannte Gen e4 wirkt sich stark auf den Menschen aus und kann bereits in der jüngsten Kindheit festgestellt werden kann, erläutern die Mediziner.

Das e4 Gen verschlechtert die Denkfähigkeit und die Erinnerung
Gehirn-Scans von jungen Kindern zeigten, dass durch die e4 Genvariante sich bestimmte Bereiche des Gehirns typischerweise langsamer entwickeln, sagen die Experten in der Studie. Dabei handelt es sich um die gleichen Hirnregionen, die oft bei Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung verkümmern, erläutert Studienleiterin Dr. Linda Chang von der University of Hawaii. Bei einigen Kindern mit dem e4 Gen konnte in Tests festgestellt werden, dass die Denkfähigkeit und die Erinnerung schlechter funktionierten. Diese Benachteiligung verschwand aber wieder im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Dr. Chang vermutet, dass Menschen mit dem e4 Gen anfälliger für die „Extreme des Alters“ sind.

Es ist nicht nötig, Kinder auf Varianten von APOE zu testen
Die Ergebnisse haben bisher keine unmittelbaren praktischen Auswirkungen. Es ist nicht nötig, dass Kinder in der heutigen Zeit auf Varianten von APOE getestet werden, sagt Co-Autorin Rebecca Knickmeyer von der University of North Carolina at Chapel Hill. Wissenschaftlich ist das Ergebnis der Studie aber sehr interessant. Es sei eine faszinierende Idee, dass Alzheimer zum Teil eine Entwicklungsstörung sein könnte, erläutern die Forscher.

Mediziner suchen nach Wegen zur Prävention
Wenn die Annahmen wahr sind, werfen sie neue Fragen für Mediziner auf der ganzen Welt auf. Wenn die Krankheit schon in der Kindheit festzustellen ist, wie können wir dann die langsam fortschreitende Erkrankung aufhalten? Laut Co-Autorin Knickmeyer stellt sich die Frage: Könnten wir früh durch einige nicht-invasive Ansätze, wie beispielsweise Ernährung oder kognitives Training eingreifen?

Es gibt drei unterschiedliche Varianten des APOE Gens
Das APOE Gen hat drei verschiedene Formen: e2, e3 und e4. Jeder Mensch trägt zwei Kopien des Gens in sich. Jeweils ein Gen von einem Elternteil vererbt. Dabei ist die E3 Variante am häufigsten, mehr als drei Viertel der Bevölkerung weisen mindestens eine Kopie auf.

Nur 14 Prozent aller Menschen tragen das e4 Gen in sich
Weit weniger Menschen tragen die Variante e4 in sich. Nur etwa 14 Prozent tragen eine Kopie der e4 Variante und nur acht Prozent der Menschen tragen eine e2 Variante in sich. Wenn Betroffene eine Variante von e4 in sich tragen, steigt dadurch ihr Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung. Mit zwei Kopien des Gens steigt die Wahrscheinlichkeit für Alzheimer noch weiter an, erklären die Wissenschaftler.

Menschen mit dem e4 Gen erkranken nicht automatisch an Alzheimer
Da die E2 Variante so ungewöhnlich und selten ist, bleibt ihre Rolle relativ unklar, sagt Chang. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass dieses Gen das Risiko für Symptome der Demenz senken kann, außer die Person trägt auch ein Kopie des e4 Gens in sich. Eine e4 Variante in sich zu tragen, bedeutet aber nicht automatisch an Alzheimer zu erkranken. Viele Menschen mit Alzheimer tragen beispielsweise keine e4 Variante in sich. Außerdem gibt es auch viele Menschen mit einer e4 Variante, die trotzdem nicht Alzheimer entwickeln, fügen die Experten hinzu.

Studie scant die Gehirne von fast 1.200 Kindern
Die Studie basierte auf den MRT-Scans der Gehirne von fast 1.200 gesunden Kindern und Jugendlichen. Insgesamt trugen 62 Prozent zwei Kopien von e3 in sich, sagen die Mediziner. Ein Viertel aller Probanden trug mindestens eine Kopie vom e4 Gen in sich. Weniger als zwei Prozent aller Teilnehmer hatten zwei e4 Varianten. Kinder mit einer oder zwei Kopien von e4 wiesen typischerweise eine veränderte Gehirnstruktur auf, fügen die Autoren hinzu.

Beeinträchtigungen des Gehirns in der Kindheit regenerieren sich
Die Forscher konnten außerdem in ihrer Untersuchung feststellen, dass junge Kinder mit zwei Kopien von e4 oder einer Kopie von e4 und einer Kopie von e2, bei Gedächtnistests, Denkaufgaben und Aufmerksamkeitstests schlechter abschlossen. Dies änderte sich dann wieder im Alter von acht bis zehn Jahren, erläutern die Mediziner.

Eine gesunde Ernährung und Bewegung können helfen unser Gehirn zu schützen
Es ist enorm schwierig herauszufinden, ob eine frühe Intervention im Leben schließlich einen Unterschied für das Alzheimer-Risiko macht. Studien würden Jahrzehnte lang andauern, wären logistisch hart zu realisieren und zusätzlich sehr teuer, sagt Co-Autorin Knickmeyer. Die Experten rufen dazu auf, dass die Menschen ihr Gehirn schützen, indem sie auf eine gesunde Ernährung achten, sich viel bewegen und versuchen geistig aktiv zu bleiben. Beispielsweise raten einige Mediziner zu sogenanntem Gehirn-Jogging, um Alzheimer zu verhindern. Derzeit gibt es nur wenige Behandlungsmöglichkeiten für die Alzheimer-Krankheit. Entstandene Schäden an unserem Gehirn können nicht rückgängig gemacht werden“, erläutert Chang. (as)

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