Alzheimer-Risiko verändert früh den räumlichen Orientierungssinn

Fabian Peters
Aktivierung im Hirnareal für Navigation bei Alzheimer-Risiko verändert
Bei genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko zeigen sich bereits früh veränderte Aktivierungsmuster in einer Hirnregion, die wichtig für die räumliche Navigation ist. Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben in dem Fachmagazin „Science“ eine Studie veröffentlicht, derzufolge der sogenannte entorhinale Kortex bei jungen Erwachsenen mit genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko veränderte Aktivierungsmuster aufzeigt. Während Nicht-Risikoträger ein charakteristisches Gittermuster in der Aktivität aufzeigen, sei dieses Muster bei Risikoträgern vermindert, so die Mitteilung der Ruhr-Universität.

Alzheimer-Patienten zeigen neben dem Gedächtnisverlust auch eine Desorientiertheit, welche den aktuellen Erkenntnissen zufolge auf Beeinträchtigungen der Hirnregion zurückgeht, die zur räumlichen Orientierung erforderlich ist. In diesem Hirnareal seien mittels funktioneller Magnetresonanztomografie bereits im sehr frühen Krankheitsstadium veränderte Aktivierungsmuster erkennbar, berichten die Wissenschaftler. „Unsere Studie trägt entscheidend zu einem besseren Verständnis früher Veränderungen der Alzheimer-Demenz bei“, betont Nikolai Axmacher vom RUB-Institut für Kognitive Neurowissenschaft.

Die Aktivierungsmuster im Gehirn sind bei erhöhtem Alzheimer-Risiko frühzeitig verändet. (Bild: SSilver/fotolia.com)
Die Aktivierungsmuster im Gehirn sind bei erhöhtem Alzheimer-Risiko frühzeitig verändet. (Bild: SSilver/fotolia.com)

Aktivierungsmuster lange vor Auftreten einer Erkrankung verändert
In dem Hirnareal des entorhinalen Kortex finden sich die sogenannten „grid cells“. Diese Zellen feuern bei Aktivierung in einem räumlichen Gittermuster, erläutern die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum. Bereits im Jahr 2010 sei in Studien deutlich geworden, dass dieses spezielle Zellensystem bei Menschen indirekt mittels funktioneller Magnetresonanztomografie erfasst werden kann, während sie durch eine virtuelle Landschaft navigieren. Nikolai Axmacher und Kollegen nutzten die Methode, um das „grid cell“-System im entorhinalen Kortex von jungen Studierenden mit und ohne Alzheimer-Risikogen zu untersuchen. Dabei zeigten die „Risikoträger ein weniger stabiles Gittermuster im entorhinalen Kortex – und das Jahrzehnte, bevor bei ihnen möglicherweise die Alzheimer-Demenz auftreten könnte“, berichtet Co-Studienautor Lukas Kunz, der das Experiment am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn durchführte.

Veränderte Navigation im virtuellen Raum
Auch hatten die Risikoträger größere Schwierigkeiten bei der virtuellen Navigation und bewegten sich weniger häufig in der Mitte der virtuellen Landschaft, was auf eine veränderte Navigationsstrategie hindeutet, so die Mitteilung der Ruhr-Universität. Insgesamt waren die Auswirkungen auf die Aktivierungsmuster im entorhinalen Kortex äußerst deutlich, so dass diese möglicherweise in Zukunft als Hilfsmittel bei der Diagnosestellung dienen könnten. „Jetzt muss überprüft werden, ob ähnliche Veränderungen auch bei älteren Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Demenz auftreten und ob sie sich durch Medikamente beeinflussen lassen“, betont Studienleiter Axmacher. (fp)