AOK: Praxisschließungen in Großstädten gefordert

Heilpraxisnet

AOK-Chef: Praxisschließungen in Großstädten gefordert

11.11.2014

Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hat mit Blick auf neue Zahlen zur Überversorgung mit Facharztpraxen in Deutschland gefordert, die Arztsitze in Großstädten deutlich zu verringern. Vor allem bei den Orthopäden könnten Praxen geschlossen werden, ohne die Versorgung zu gefährden.

Überversorgung mit Facharztpraxen
Auch wenn in den vergangenen Monaten immer wieder über das Problem des Ärztemangels in ländlichen Regionen berichtet wurde: Offenbar gibt es in Deutschland deutlich zu viele Arztpraxen. Und dies vor allem in Ballungsräumen, zumindest nach Ansicht von Krankenkassen. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hat nun laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf neue Zahlen zur Überversorgung mit Facharztpraxen in Deutschland gefordert, die Arztsitze in Großstädten deutlich zu verringern.

25.000 Praxen könnten betroffen sein
Gegenüber „Bild“ sagte der AOK-Chef: „Eine gute Infrastruktur oder zusätzliche Einkünfte durch Privatleistungen sind oft Kriterien für die Ansiedlung von Ärzten.“ Darum gebe es vor allem in den Ballungszentren zu viele Fachärzte. „Diese Reservate müssen weg“, so Graalmann. Der Kassen-Chef reagierte damit auf Warnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Diese hatte vorgerechnet, dass 25.000 Praxen schließen müssten, wenn Arztsitze – wie von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplant – in überversorgten Gebieten aufgekauft werden.

Überversorgung mit Orthopäden
Allein bei den Orthopäden gibt es nach Erhebungen der AOK kein Gebiet in Deutschland, das nicht überversorgt wäre. Bundesweit könnte jede vierte, in Bayern sogar jede dritte Orthopädenpraxis schließen, ohne dass die Versorgung gefährdet würde. Der KBV zufolge wären Nordrhein-Westfalen mit 5.300 und Bayern mit 4.859 mutmaßlich wegfallenden Arztstellen besonders betroffen. Die KBV weist zudem darauf hin – um den politischen Druck zu erhöhen -, wie stark die Wahlkreise führender Gesundheitspolitiker betroffen wären. So müssten in Neuss, der Heimat von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), rechnerisch 44 Arztstellen abgebaut werden. Ebenfalls 44 wären es im Kreis Steinfurt, dem Wahlkreis des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn.

„Niemand will Tausende Arztsitze abbauen“
Spahn reagierte umgehend und sagte laut der „Welt“: „Ich rate zur Abrüstung. Niemand will Tausende Arztsitze abbauen.“ Ein Sprecher der GKV meinte: „Es ist absurd, wie die KBV versucht, Panik zu verbreiten.“ Es sei im Interesse der Beitragszahler, überflüssige Arztsitze abzubauen. Erst vor wenigen Monaten hatte eine Repräsentativbefragung der KBV und des NAV-Virchow-Bundes ergeben, dass ein Viertel der Fach- und Hausärzte in Deutschland in den kommenden fünf Jahren ihre Praxis aufgeben werden. In der Folge davon könnte es bis zum Jahr 2020 zu Versorgungslücken insbesondere im ländlichen Raum kommen. (ad)

Bild: Andrea Damm / pixelio.de