AOK Report zeigt 190.000 Fehler in Kliniken

Astrid Goldmayer

„AOK-Krankenhausreport“ meldet Probleme bei jeder 100. Behandlung

21.01.2014

Wer sich in einem Krankenhaus behandeln lässt, sollte davon ausgehen können, sich in guten Händen zu befinden. Doch offenbar sind Behandlungsfehler alles andere als selten: Wie der aktuelle „AOK-Krankenhausreport“ aufzeigt, läuft bei etwa jeder 100. Behandlung etwas schief, was bei rund 18,6 Millionen Klinikfällen pro Jahr knapp 190.000 Behandlungen entspricht.

Mehr Todesopfer durch Fehler im Krankenhaus als durch Unfälle im Straßenverkehr
Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) warnt vor einer hohen Anzahl Fehlern bei der Behandlung in deutschen Kliniken. Wie die Kasse in ihrem aktuellen „AOK-Krankenhausreport“ berichtet, könne davon ausgegangen werden, dass bei jeder 100. Behandlung ein Fehler passiere, was nach Angaben der Bundesärztekammer bei zuletzt 18,6 Millionen Klinikfällen knapp 190.000 problematische Behandlungen bedeuten würde. Dementsprechend steige laut der AOK für Patienten das Risiko für gesundheitliche Beschwerden oder sogar tödliche Folgen, „so sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Fehler im Krankenhaus als durch Unfälle im Straßenverkehr", berichtet die Kasse.

Allein 8607 Vorwürfe nur beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung
So meldet allein der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) für das Jahr 2012 im stationären Sektor 8607 Vorwürfe von Patienten gegen Klinken, die sich in 29,5% der Fälle bestätigt hatten. Insgesamt könne hier jedoch davon ausgegangen werden, dass sich mehrere Zehntausend Patienten jedes Jahr über ihre Behandlung in Krankenhäusern beschweren würden – teilweise bei ihren Krankenkassen, bei anderen Ärztestellen oder sie wenden sich direkt ans Gericht.

In Orthopädie und Unfallchirurgie und Chirurgie besonders viele Vorwürfe
Die Gründe für die Beschwerden sind dabei vielfältig – sie reichen von vergessenen Operations-Utensilien im Körper des Patienten, über falsche Medikation bis hin zu Infektionen. Gerade die Bereiche Orthopädie und Unfallchirurgie (2.689 Vorwürfe / 788 bestätigte Fälle), aber auch die Chirurgie (1.840 / 481), Innere Medizin (773 / 189) und Gynäkologie und Geburtshilfe (724 / 214) waren laut der „Jahresstatistik 2012 zur Behandlungsfehler-Begutachtung“ des MDK besonders häufig von Vorwürfen betroffen – dabei sei „für stationäre Behandlungen die hohe Bestätigungsquote in der Pflege auffällig“, so der Medizinische Dienst der Krankenversicherung weiter. Doch diese Zahlen dürften dem MDK nach auch nicht fehlinterpretiert werden: „Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass diese Auffälligkeiten keine gesicherte Aussage zur Behandlungsqualität einzelner Fachgebiete erlauben. Sie spiegeln zunächst nur die Treffsicherheit der jeweiligen Vorwürfe wider.“

„Ärzte machen Fehler, wir sind aber keine Pfuscher“
Auch seitens der Mediziner wird immer wieder darauf verwiesen, dass bei einem Behandlungsfehler nicht einfach von „Pfusch“ des Arztes gesprochen werden könne: „Eine solche Aussage ist durch keine seriöse Statistik gedeckt. Ärzte machen Fehler, wir sind aber keine Pfuscher“, so Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Demnach sei Pfusch im Grunde das Gleiche wie eine absichtlich nachlässig durchgeführte Arbeit um Kosten zu sparen – „nach Pfusch kommt Vertuschung – genau das wollen wir nicht. Und deshalb machen wir unsere Statistik regelmäßig öffentlich“, so Crusius weiter. Statt „Pfusch“ seien vielmehr in den meisten Fällen organisatorische Mängel und die steigende Anzahl schwieriger Eingriffe Grund für Fehler.

Vergleichsliste zu Behandlungserfolgen der Krankenhäuser im Internet geplant
Nach Angaben der „dpa“ habe auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bereits auf die aktuellen Zahlen reagiert und angekündigt, in Bezug auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD den Erfolg der Behandlung stärker zum Maßstab für Patienten machen zu wollen. Demnach solle beispielsweise ein neues Institut Daten der Patienten zu Erfolgen bzw. Problemen bei Behandlungen auswerten, wodurch eine im Internet einsehbare Vergleichsliste zu Behandlungserfolgen der Krankenhäuser ermöglicht werden soll. (ag)

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