Auch im Herbst an den Zeckenschutz denken

Sebastian
Die Herbstsonne lädt zu schönen Spaziergängen ein, zum Wandern oder Pilze sammeln. Dabei sollte der Zeckenschutz nicht vergessen werden, denn die kleinen Blutsauger sind auch im Herbst eine Gefahr und können Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Dabei ist der Begriff „Frühsommer“ in der Erkrankungsbezeichnung „FSME“ irreführend. Zecken sind nicht nur im Frühling und Sommer aktiv, sondern bereits bei Temperaturen über 7 Grad – unabhängig von der Jahreszeit. (1)

Zecken-Klebeband

28,5 Prozent der FSME-Fälle in den Herbstmonaten
Laut dem Robert Koch-Institut sind zwischen 2010 und 2014 im Schnitt 28,5 Prozent der FSME-Fälle in den Herbstmonaten September bis November gemeldet worden. (2) In den deutschen FSME-Risikogebieten sind zwischen 0,1 bis 5 Prozent der Zecken mit FSME-Viren infiziert. (3) Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, liegt bei circa 1:150. (4) Eine höhere Durchseuchung besteht bei Zecken, die bereits am Menschen Blut gesogen haben. (5) Die Gefahr, an FSME zu erkranken, besteht in Nord-, Mittel- und Osteuropa. In Deutschland besteht ein FSME-Risiko hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, und seit 2014 auch in Sachsen. Aktuell sind 145 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert. (6)

Zecken werden im Vorübergehen unbemerkt abgestreift
Zecken lauern auf Grashalmen, in Büschen und Unterholz sowie in Wäldern, Stadtparks und Gärten. Die Spinnentiere können bis zu einer Höhe von 1,50 Meter klettern – eine ideale Höhe, um unbemerkt im Vorübergehen abgestreift zu werden. (1) Dies kann schnell bei Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Nordic Walking, Joggen, Radfahren, Angeln, Reiten oder mit dem Hund spazieren gehen passieren. Ebenso bei Aufenthalten im Wald, denn bei der Suche nach Pilzen, Ess- oder Rosskastanien sind Sammler oft abseits der Wege im Unterholz und auf laubbedecktem Waldboden unterwegs. Genau dort, wo sich auch viele Zecken tummeln. Sogar im heimischen Garten – etwa in Hecken, Sträuchern, hohem Gras oder Laub – können Zecken lauern. Eine Studie der Universität Hohenheim im Großraum Stuttgart hat gezeigt, dass Zecken auch in gepflegten Gärten weit verbreitet sind. (7)

Mit einer Impfung FSME vorbeugen
Grundsätzlich gilt bei Herbst-Aktivitäten im Freien: Lange und geschlossene Kleidung tragen, um den Zecken den Hautkontakt zu erschweren. Socken sollten über die Hose gezogen werden. Zuhause den Körper gründlich nach Zecken absuchen. Hat eine Zecke zugestochen, sollte diese mit einer spitzen Pinzette oder einer Zeckenzange langsam herausgezogen- oder gedreht werden. Absuchen, geschlossene Kleidung und ähnliche Maßnahmen können einem Zeckenstich und einer damit verbundenen FSME-Infektion allerdings nicht völlig vorbeugen.Gegen die von Zecken übertragene FSME gibt es keine ursächliche Behandlung. Mit einer Impfung kann aber gegen FSME vorgebeugt werden. (3)

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sein können. Entweder, weil sie dort leben oder sich kurzfristig aufhalten, zum Beispiel im Urlaub. Außerdem empfiehlt die STIKO die Impfung bei Aufenthalten in Risikogebieten außerhalb Deutschlands. (8) Personen, die in Risikogebieten wohnen oder Aufenthalte und Reisen in FSME-Gebiete in Deutschland planen, haben bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf eine Impfung gegen FSME. (8)

Schnellimmunisierung gegen FSME im Herbst
Auch im Herbst ist es noch nicht zu spät für eine FSME-Impfung. Wenn kurzfristig ein Schutz gegen FSME benötigt wird, besteht die Möglichkeit einer sogenannten Schnellimmunisierung: Je nach Impfstoff lässt sich der Impfschutz mit zwei oder drei Impfungen innerhalb weniger Wochen aufbauen. Hier kann der Haus- oder Kinderarzt beraten. (4) Die aus drei Einzelimpfungen bestehende Grundimmunisierung gegen FSME sollte ebenfalls im Herbst begonnen werden, um zum Start der nächsten Zeckensaison im Frühjahr gegen FSME immunisiert zu sein. Für einen mehrjährigen Impfschutz sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden Impfungen erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte – je nach Impfstoff – nach 5 oder 9 bis 12 Monaten. (4)

Quellen:
(1) Süss, Jochen (2007): Zecken – Was man über FSME und Borreliose wissen muss. Kreuzlingen/München: Heinrich Hugendubel Verlag.
(2) SurvStat@RKI 2.0, Abfrage am 08.07.2015: FSME-Herbstepidemiologie der Jahre 2010 – 2014 (Zahl der gemeldeten Fälle jeweils zwischen September (KW35) und November (KW 48).
(3) RKI-Ratgeber für Ärzte (2011): Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
(4) Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Stand: September 2012.
(5) Süss J, Schrader C, Falk U, Wohanka N: Tick-borne encephalitis (TBE) in Germany – Epidemiological data, development of risk areas and virus prevalence in field-collected ticks and in ticks removed from humans.
(6) Epidemiologisches Bulletin: FSME: Risikogebiete in Deutschland, 26. Mai 2015 / Nr. 21, Robert Koch-Institut.
(7) Universität Hohenheim: Zecken im Garten: Studie belegt Zeckenaktivität auch auf waldfernen Grundstücken. 24.03.2015
(8) Epidemiologisches Bulletin: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, 25. August 2014 / Nr. 34.

Bild: Tamara Hoffmann  / pixelio.de