Augenimplantat statt Brille

Fabian Peters

Augenchirurgie: Implantat ersetzt die Lesebrille

11.06.2012

Brillen könnte in Zukunft möglicherweise durch ein Augenimplantat ersetzt werden. Der Einsatz einer hauchdünnen künstlichen Lochblende in die Hornhaut des Auges direkt vor der Pupille könne die sogenannte Altersweitsichtigkeit beheben, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Ophthalmochirurgen (DOC), Armin Scharrer, anlässlich des 25. internationalen Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgen.

Auf dem DOC-Kongress vom 14. bis 16. Juni soll das neue Verfahren der Augenimplantate erstmals einen größeren Kreis von Augenärzten dargelegt werden, um anschließend den Einsatz in der Praxis zu forcieren. Bereits 5.000 Menschen weltweit haben mit Hilfe der sogenannten Kamra-Implantate ihre Sehschärfe wiedererlangt, beschreibt Armin Scharrer die bisherigen Erfolge. Durch die künstliche 3,8 Millimeter große Lochblende lasse sich die Tiefenschärfe bei Altersweitsichtigkeit wiederherstellen, eine Brille werde damit überflüssig.

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Augenimplantate auch in Deutschland zugelassen
Das Augenimplantat beziehungsweise Kamra-Inlay ist im Prinzip eine winzige Kunststoff-Lochblende, die vor der Pupille in die Hornhaut eingesetzt wird. Im Zuge der Operation werde vom Augenarzt mit Hilfe eines Lasers eine hauchdünne Scheibe der äußeren Hornhautschicht abgelöst und anschließend die „Kamra-Linse“ vorsichtig über der Pupille in das Hornhautgewebe implantiert. Durch die Einbettung in die Hornhaut haftet das Implantat praktisch „wie von selbst – wie ein körpereigenes Pflaster“, so Scharrer weiter. Im Zuge des Eingriffs müsse nicht einmal genäht werden. Vor der Pupille eingebracht, wirke die 3,8 Millimeter große „Kamra-Linse“ als eine Art Lochblende, welche die Öffnung verkleinert und so die Tiefenschärfe bei Altersweitsichtigkeit wiederherstellt. Die Patienten könne auf eine Lesebrille verzichten, berichtet der DOC-Vorsitzende. Auch in Deutschland sei das neue Verfahren mit dem Kamra-Implantat bereits zur Behandlung von Patienten zugelassen und werde seit Anfang des Jahres praktiziert, erläuterte Scharrer.

Augenimplantate nicht für alle Patienten geeignet
Aufgrund der bisherigen Erfolge mit den Augenimplantaten, setzten die Experten auch hierzulande auf einen verstärkten Einsatz der Kamra-Inlays. Auf dem DOC-Kongress sollen daher die Möglichkeiten des neuartigen Verfahrens einem breiten Kreis von Augenärzten dargestellt werden. Rund 5.000 Augenchirurgen, Fachärzte, Mediziner und andere Experten werden zu dem Kongress in Nürnberg erwartet. Allerdings stehen auch die Grenzen der neuen Technik bei der DOC-Jahrestagung auf dem Programm. Denn wie Armin Scharrer betonte, eignen sich die Augenimplantate längst nicht für alle Patienten. So mache der Eingriff in der Regel erst ab einem Alter von 50 Jahren Sinn, da auch die Weitsichtigkeit erst im Alter auftrete. Außerdem „ist eine gesunde, ausreichend dicke Augenhornhaut“ Voraussetzung für die Operation, so Scharrer weiter. „Es darf weder eine Degeneration noch eine Hornhaut-Dystrophie (Hornhaut-Einlagerung) vorliegen“, betonte der Vorsitzende vom Bundesverband Deutscher Ophtalmochirurgen. Generell seien die Kamra-Implantate bei den Patienten, die sich bisher einer entsprechenden Operation unterzogen haben, jedoch mit erstaunlich wenig Nebenwirkungen einhergegangen. Fast alle hätten das Augenimplantat gut vertragen.

Neues Verfahren der Augenimplantate hat auch Nachteile
Von den Krankenkassen ist bei der Entscheidung zu einer entsprechenden Operation allerdings keine Unterstützung zu erwarten. Die rund 2.000 Euro für den Eingriff müssen Patienten aus eigener Tasche bezahlen. Die Augenimplantate bringen außerdem auch einen leichten Nachteil beim Sehen in die Ferne mit sich. Dem DOC-Vorsitzenden zufolge wird das Bild durch die künstliche Lochblende etwas dunkler und unschärfer. Aus diesem Grund werde die Kamra-Linse auch nur in einem Auge eingesetzte. Die Augenchirurgen ermitteln vor dem Eingriff, welches Auge beim Sehprozess das dominante ist und implantieren die Linse gezielt in das nicht-dominante Auge. So sollen die positiven Effekte des Augenimplantats ermöglicht werden, ohne zu weitreichende Beeinträchtigungen der Sehkraft auszulösen. (fp)