Malaria durch Erderwärmung ausgebreitet

Astrid Goldmayer

Forscher warnen vor Malaria-Ausbreitung im Hochland durch steigende Temperaturen

07.03.2014

Rund 300 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an Malaria. Vor allem für Babys und Kleinkinder kann die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragene Infektionskrankheit ohne Behandlung schnell tödlich enden. Dem „Welt-Malaria-Bericht“ der WHO zufolge, sterben jährlich etwa eine halbe Million Kinder an Malaria.

Da die Überträger-Mücken hohe Temperaturen benötigen, um sich fortzupflanzen, ist die Erkrankung vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien verbreitet. Forscher fanden jüngst heraus, dass sich die Tropenkrankheit zukünftig noch weiter ausbreiten wird. Bisher waren die Menschen aufgrund der niedrigeren Temperaturen im Hochland geschützt. Die Erderwärmung führe aber dazu, dass sich Malaria auch in höhergelegenen Gebieten ausbreitet, berichten die Forscher.

Menschen sind auch im Hochland von Malaria betroffen
Die Erderwärmung könnte eine folgenschwere Ausbreitung von Malaria zur Folge haben. Das berichten Mercedes Pascual von der Universität Michigan und ihr Team im Fachmagazin „Science“. So gingen wärmere Jahre mit einem häufigeren Auftreten der Erkrankung in den höhergelegenen Regionen Äthiopiens und Kolumbiens einher.

Die Forscher analysierten die Veränderungen von Temperaturen und Malaria-Infektionen in einem Zeitraum von mehr zehn Jahren in hochliegenden Dörfern. So wurden für 124 Gemeinden der Antioquia-Region in West-Kolumbien Daten von 1990 bis 2005 und für 159 Kommunen um Debre Zeyit in Äthiopien aus den Jahren 1993 bis 2005 ausgewertet. „Die Malaria klettert quasi immer weiter aufwärts, wenn ein Jahr wärmer ist", berichtet Pascual. „Wenn die Temperaturen in den betroffenen Regionen auch nur um ein Grad ansteigen, könnte es auf beiden Kontinenten zu Hunderttausenden mehr Malaria-Infektionen kommen als bisher erwartet", so die Forscher.

Dutzende Millionen Menschen leben in den Hoch-Gebieten, die bislang als malariafrei galten. Nun könnte sich die Erkrankung auch dort rasant ausbreiten. Im Hochland sind die Temperaturen niedriger, so dass sich die Überträger-Mücken nur schwer fortpflanzen und somit auch kaum Menschen infizieren können. Bei unter 15 Grad Celsius kann sich der Erreger Plasmodium vivax gar nicht mehr vermehren. „Der Parasit liefert sich quasi ein Rennen mit der Zeit, weil seine Entwicklung bei Kälte immer langsamer wird", so Pascual.

Forscher fordern nachhaltige Maßnahmen zur Eindämmung von Malaria im Hochland
„Unsere neuesten Untersuchungen zeigen, dass Malaria mit fortschreitender Erderwärmung auch die Berge erreicht und sich in neuen Höhenlagen verbreiten wird. Und weil diese Bevölkerung über keine schützende Immunreaktion verfügt, wird sie besonders anfällig für Erkrankung und eine hohe Sterblichkeit sein“, erklärt Menno Bouma, Co-Autor der Studie. Die Forscher fordern die Ausweitung von Strategien zur Eindämmung der Erkrankung. „Unsere Ergebnisse unterstreichen hier die Größe des Problems und betonen die Notwendigkeit für nachhaltige Interventionen in diesen Regionen, vor allem in Afrika", erläutert Pascual.

Die Studie sei der „erste harte Beweis" dafür, dass Malaria in wärmeren Jahren auch in Höhenlagen vorkomme, die bisher nicht betroffen gewesen seien. In kälteren Jahren breite sich die Tropenkrankheit nur in tieferen Gebieten aus, schrieb die Universität Michigan in einer Mitteilung. (ag)

Bild: Peashooter / pixelio.de