Auswertung: In der EU leiden immer mehr Menschen an Depressionen

Alexander Stindt
Deutschland liegt auf Platz fünf der EU-Länder mit Depressionen
In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Menschen an Depressionen erkrankt. Ein aktueller EU-Bericht fand heraus, dass mittlerweile etwa 6,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der EU an Depressionen leiden.

Die Wissenschaftler stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Depressionen unter erwachsenen Menschen in der EU weit verbreitet sind. Fast sieben Prozent aller EU-Bürger leiden unter Depressionen. Besonders stark betroffen sind dabei anscheinend die Menschen in Ungarn. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse der Studie auf der Seite des Statistischen Amts der Europäischen Union.

Depressionen sind in der heutigen Gesellschaft weitverbreitet. Ein aktueller Bericht untersuchte jetzt, wie viele erwachsene Menschen in jedem Land der Europäischen Union an Depressionen erkrankt sind. (Bild: chajamp/fotolia.com)

Depressionen nehmen Betroffenen die Freude am Leben
Laut dem aktuellen Bericht sind 6,8 Prozent der erwachsenen EU-Bürger an Depressionen erkrankt. Depressionen verursachen eine starke anhaltende Traurigkeit und einen Verlust des Interesses an jeglichen Aktivitäten, welche Betroffene normalerweise gerne ausüben. Mit anderen Worten geht die Freude und das Interesse am Leben verloren, sagen Experten.

Gesunde Menschen können auch zeitweise Symptome von Depressionen aufweisen
Ähnliche Symptome sind auch zeitweise bei gesunden Menschen zu beobachten. Wenn Depressionen allerdings lange anhalten und schwerwiegend ausgeprägt sind, entsteht dadurch ein deutlicher Verlust der Lebensqualität, erläutern die Mediziner.

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Ungarn ist der Spitzenreiter bei Fällen von Depressionen in der EU
Die Zahlen des neuen Berichts machen deutlich, in welchen Länder wie viele Menschen unter Depressionen leiden. Die meisten Menschen mit Depressionen gibt es laut diesen Zahlen in Ungarn. Dort leiden ganze 10,5 Prozent der Bewohner unter der Erkrankung, erklären die Autoren des Berichts. Nach Ungarn sind am stärksten Portugal (10,4 Prozent) und Schweden (9 Prozent) betroffen.

Die wenigsten depressiven Menschen gibt es in der Tschechischen Republik
Die wenigsten Erkrankten mit Depressionen gibt es zum Vergleich in der Tschechischen Republik (3,2 Prozent) und in der Slowakei (3,5 Prozent), erklären die Wissenschaftler. Auch in Kroatien (3,9 Prozent) und in Littauen (4,1 Prozent) gibt es nur wenig Menschen mit Depressionen.

Frauen leiden allgemein häufiger unter Depressionen
Frauen sind anscheinend häufiger von Depressionen betroffen, verglichen mit Männern. Der aktuelle EU-Bericht zeigt, dass 7, 9 Prozent der Frauen aktuell mit depressiven Symptomen kämpfen. Im Vergleich dazu liegt der Wert von depressiven Männern bei nur 5,5 Prozent, fügen die Experten hinzu. 2, 9 Prozent der von Depressionen betroffenen Menschen berichteten über ernsthafte depressive Symptome.

Das Bildungsniveau wirkt sich auf die Wahrscheinlichkeit für Depressionen aus
Ein höheres Bildungsniveau wurden bei der Untersuchung mit niedrigeren Raten an depressiven Symptomen verbunden. Die Rate der Depressionen bei der Bevölkerung mit einem Bildungsniveau von Primär- oder Sekundarstufe II ist doppelt so hoch wie bei Menschen mit einer sogenannten Tertiärbildung.

Besser verdienende Menschen leiden seltener unter Depressionen
Außerdem konnte auch eine Korrelation zwischen dem Einkommen und auftretenden depressiven Symptomen beobachtet werden. In allen Ländern der EU berichteten die Menschen in der niedrigsten Einkommensstufe häufiger über depressive Symptome, verglichen mit Menschen mit einem höheren Einkommen, sagen die Autoren. Auf der EU-Ebene sei die Rate der depressiven Symptome im niedrigsten Segment des Einkommens dreimal so groß wie in der höchsten Einkommensstufe.

Welche Auswirkungen haben Depressionen für Betroffene?
Depressionen sollten generell nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Betroffen haben irgendwann keine Möglichkeit mehr, durch Willenskraft die Erkrankung zu beeinflussen. Depressionen sind häufig die Ursache für eine auftretende Arbeitsunfähigkeit. In besonders schlimmen Fällen müssen Erkrankte sogar in Frührente geschickt werden. Es wird geschätzt, dass etwa 50 Prozent der Selbstmorde pro Jahr in Deutschland durch Depressionen ausgelöst werden.

Deutschland liegt auf Platz fünf der Länder mit Depressionen
Deutschland rangiert relativ hoch in der Bewertung des EU-Berichts. In Deutschland leiden etwa 8, 4 Prozent der Menschen unter Depressionen, erläutern die Forscher. Damit liegt Deutschland auf Platz fünf der Länder mit den höchsten Raten von Depressionen. (as)