Baby-Ernährung: Erdnüsse und Eier zufüttern gegen spätere Allergien?

Lebensmittelallergien können lebensbdrohliche Ausmaße annehmen. Aus diese m Grund sollten wir versuchen Allergien schon im frühen Alter vorzubeugen. (Bild: airborne77/fotolia.com)
Alexander Stindt
Erhalten Säuglinge früh Erdnüsse oder Eier, senkt dies die Wahrscheinlichkeit für Allergien
Allergien können im Laufe unseres Lebens zu großen gesundheitlichen Problemen führen. Deswegen sollten wir versuchen die Entstehung von Allergien möglichst früh zu verhindern. Forscher fanden jetzt heraus, dass bei Säuglingen, die bereits im Alter von vier Monaten Eier oder Erdnüsse zu sich nehmen, die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von diesen Allergien deutlich reduziert wird.

Die Wissenschaftler des Imperial College London stellten bei einer Untersuchung fest, dass Säuglinge bereits im frühen Alter Eier und Erdnüsse zu sich nehmen sollten. Durch diese Ernährung sinkt das Risiko für entsprechend Allergien bei den Betroffenen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA“.

Lebensmittelallergien können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Aus diesem Grund sollten wir versuchen, Allergien schon im frühen Alter vorzubeugen. (Bild: airborne77/fotolia.com)
Lebensmittelallergien können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Aus diesem Grund sollten wir versuchen, Allergien schon im frühen Alter vorzubeugen. (Bild: airborne77/fotolia.com)

Schützen Sie Ihre Kinder vor Allergien
Eltern versuchen alles Mögliche, um die Gesundheit ihrer Kinder zu schützen. So achten sie beispielsweise auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Britische Experten fanden jetzt heraus, dass wir unseren Kindern frühzeitig Eier und Erdnüsse geben sollten. Entgegen früherer Annahmen sinkt hierdurch das Allergie-Risiko. Viele Eltern werden auch über einen anderen natürlichen Schutzmechanismus überrascht sein. So bietet Daumenlutschen bei Kindern Schutz vor Allergien. Also seien Sie ab und zu nachsichtig, wenn ihr Kind den Daumen im Mund hat.

Risiko für Allergien deutlich gesenkt
Wenn wir den Säuglingen im Alter zwischen vier und sechs Monaten Eier zu essen geben, führte dies zu einem 46 Prozent niedrigeren Risiko für die Entstehung einer Ei-Allergie, verglichen mit einer späteren Einführung dieses Lebensmittels, erklären die Forscher. Wenn Säuglinge im Alter von vier bis elf Monaten Erdnüsse essen, sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Erdnuss-Allergie und 71 Prozent, berichten die Wissenschaftler weiter.

Ernährungsrichtlinien sollten überarbeitet werden
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei die meisten Babys Eier und Erdnüsse zu den ersten Lebensmitteln zählen sollten, erklärt Autor Dr. Robert Boyle vom Imperial College in London. Allerdings wird dies von den vielen Ärzten nicht empfohlen. Lange Zeit rieten Leitfäden zur Fütterung von Säuglingen, dass bestimmte Lebensmittel bis zum Alter von zwei oder drei Jahren nicht konsumiert werden sollten. Diese Ansicht hat sich zum Glück in den letzten Jahren stark geändert. Aber immer noch empfehlen die meisten Richtlinien nicht, dass Eier und Erdnüsse an Babys verfüttert werden sollten. Die Beratung zur Ernährung von Säuglingen sollte eventuell geändert werden, erklärt Dr. Boyle.

Forscher analysieren die Daten von 146 Studien
Bei der neuen Studie versuchten die Wissenschaftler herauszufinden, ob die Einführung von bestimmten allergenen Lebensmitteln das Risiko für die Entstehung von Allergien beeinflusst. Dafür untersuchten sie die Daten von 146 verschiedenen Studien aus den vergangenen 70 Jahren.

Viele Briten leiden unter Erdnuss- oder Ei-Allergie
Etwa 5,4 Prozent der Bevölkerung leidet in Großbritannien unter einer Ei-Allergie. Ein frühe Ernährung mit Ei könnte laut Aussage der Forscher 24 Allergie-Fälle pro 1.000 Menschen vermeiden. Dies habe die Auswertung der Daten von fünf der Studien mit insgesamt 1.915 Teilnehmern ergeben. Etwa 2,5 Prozent der britischen Bevölkerung haben der aktuellen Untersuchung zufolge eine Erdnuss-Allergie. Wenn wir unseren Kindern früher Erdnüsse geben würden, könnten dadurch 18 Allergien pro 1.000 Menschen verhindert werden, erklären die Wissenschaftler weiter. Dies schlossen die Forscher aus den Daten von 1.550 Teilnehmern. Generell sollten Lebensmittelallergien nicht unterschätzt werden. Für Betroffene kann die falsche Nahrung durchaus zu einer tödlichen Bedrohung werden.

Gluten erhöhen nicht das Risiko für Zöliakie
Die Forscher fanden nicht genügend Beweise dafür, ob eine frühe Ernährung mit Fisch die Wahrscheinlichkeit von Allergien im Allgemeinen und insbesondere der nasalen Allergien reduziert. Außerdem untersuchten die Experten, ob ein Protein in Weizen, Roggen und Gerste die Gefahr für Zöliakie erhöht. Diese Autoimmunerkrankung führt zu Schäden im Dünndarm. Dadurch wird dann die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung gestört, erläutern die Wissenschaftler. Allerdings konnten keine Auswirkungen der frühen Ernährung mit sogenannten Gluten auf die Entwicklung von Zöliakie bei Kindern festgestellt werden.

Eier, Erdnüsse und Fischer erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit für Typ-1-Diabetes
Darüber hinaus fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass der Zeitpunkt der Einführung von allergenen Lebensmittel wie Eiern, Erdnüssen und Fisch die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes beeinflusst.

Mütter sollten in den ersten Monate ausschließlich stillen
Viele der Säuglingsernährung-Richtlinien betrachten das ausschließliche Stillen während der ersten sechs Monate als ideal, sagen die Experten. Aber nur wenige Frauen halten sich wirklich an diese Richtlinien. Und viele Frauen stillen zwar volle sechs Monate, füttern aber schon ab dem 4. Monat feste Nahrung zu.

Bei vielen Kindern ist keine spezifische Intervention nötig
Die frühe Einführung von potenziell allergenen Lebensmitteln ist kein Allheilmittel bei der Verhinderung von Allergien. Die meisten Kinder haben keine erhöhte Gefahr für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie. Aus diesem Grund ist laut Aussage der Forscher in der Regel keine spezifische Intervention oder Überwachung nötig.

Vorsicht bei einem erhöhten Risiko für Lebensmittelallergien
Die Situation gestaltet sich anders, wenn Kinder eine hohes Risiko für die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien haben. Zu diesen gehören Kinder mit schweren Ekzemen, einer bestehenden Lebensmittelallergie oder Geschwistern mit einer Erdnuss-Allergie. Generell führen Lebensmittelallergien in der Familie zu einem leicht erhöhten Risiko für Geschwister. Eltern von solchen Kindern sollten einen Arzt oder Allergie-Spezialisten aufsuchen, bevor sie mit der Einführung neuer, eventuell Allergie auslösender Lebensmittel beginnen.

Klinische Praxistests sind jetzt nötig
Die bisherige Untersuchung gab keine Hinweise darauf, wie viele Eier oder Erdnüsse Kindern gegeben werden sollten. Es gibt auch keine genauen Angaben zur Häufigkeit der Fütterung mit Ei und Erdnüssen für eine optimale Allergieprävention. Natürlich kann ein vier Monate altes Kind an einer ganzen Erdnuss ersticken. Aus diesem Grund sollten die Kinder Erdnüsse zum Beispiel in der Form von Erdnussbutter erhalten, raten die Wissenschaftler. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass bei einer frühen Einführung von Erdnüssen und Eiern zumindest einige Kinder von dieser Ernährung profitieren und eine Toleranz gegenüber diesen Lebensmitteln entwickeln könnten, bevor sich ansonsten eine Allergie entwickeln würde. Die Ergebnisse müssen allerdings noch in der klinischen Praxis getestet werden. Nahrungsmittelallergien haben das Potenzial, lebensbedrohliche Reaktionen auslösen, fügen die Mediziner hinzu. (as)

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