Bauchkrämpfe als Hinweis auf spätere Migräne?

Nina Reese

Bauchkrämpfe bei Säuglingen Hinweis auf spätere Migräne?

18.04.2013

Säuglinge, die unter starken Bauchschmerzen – den so genannten „Dreimonatskoliken“ – leiden, könnten möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben, in der späteren Kindheit an Migräne zu erkranken. Zu diesem Ergebnis sind Mediziner um Kinderärztin Silvia Romanello von der Pariser Universitätsklinik Robert Debré gekommen, die nun aktuell im "Journal of the American Medical Association" (JAMA 2013, 309:1607-1612) von ihrer Arbeit berichten.

Etwa jeder fünfte Säugling leidet an Koliken
Koliken sind gerade in den ersten drei Lebensmonaten ein häufig auftretendes Problem, etwa jeder fünfte Säugling ist von den Bauchkrämpfen betroffen, die meist mit exzessivem Schreien und Blähungen einhergehen. Laut dem Bericht der Forscher sei "die Pathogenese und das alters-spezifische Auftreten von Koliken noch nicht hinreichend geklärt. Normalerweise würden diese als ein Schmerzsyndrom interpretiert, welches multifaktoriell bedingt sein kann.“ Dementsprechend werden ganz unterschiedliche Ursachen wie zum Beispiel Allergien oder Störungen des zentralen Nervensystems in Betracht gezogen, in vielen Fällen gehen Mediziner auch davon aus, dass intestinale, d.h. den Darm betreffende, Störungen vorliegen, die betroffenen Babys jedoch noch nicht in der Lage sind, auszudrücken, wo sich die Schmerzen befinden und dementsprechend stark schreien.

Studie untersucht junge Patienten mit Migräne und Spannungskopfschmerzen
Im Vergleich zu den Koliken ist Migräne zwar bei Kindern seltener, dennoch steigt der Anteil der Betroffenen mit zunehmendem Alter – ein Grund für das französische Forscherteam, zu untersuchen, ob zwischen den beiden Beschwerdebildern ein Zusammenhang besteht.

So untersuchten die Wissenschaftler 208 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und achtzehn Jahren, die zwischen April und Juni 2012 aufgrund starker Kopfschmerzen in die Notfallaufnahmen dreier Kliniken gekommen waren und bei denen die Kinderärzte ausnahmslos eine Migräne diagnostizierten sowie 120 weitere junge Patienten, die von Spannungskopfschmerzen betroffen waren. Zudem wurde eine Kontrollgruppe „mit 471 Kindern in der gleichen Altersspanne, die die Notaufnahmen der teilnehmenden Kliniken im gleichen Untersuchungszeitraum aufgrund geringfügiger Traumata aufgesucht hatten“ gebildet.

Enger Zusammenhang zwischen Koliken und Migräne
Nachdem die Eltern der Patienten befragt wurden, ob im Säuglingsalter Koliken aufgetreten waren, kamen die Mediziner zu einem eindeutigen Ergebnis: Während 73 Prozent der Migräne-Patienten in den ersten Lebensmonaten Koliken gehabt hatten, galt dies bei Kindern mit Spannungskopfschmerzen in nur 27 Prozent der Fälle – was in etwa dem Anteil der Kontrollgruppe entsprach.

Bei der weiteren Untersuchung der Migräne-Untertypen bestätigte sich laut den Medizinern die Verbindung sowohl zwischen Säuglingskoliken und Migräne ohne Aura als auch zwischen Migräne mit Aura, dementsprechend könne „die Verbindung zwischen Säuglings-Koliken und Migräne auf einem gemeinsamen pathogenetischen Mechanismus basieren“, so die Autoren in ihrem Artikel.

Ergebnisse könnten weitreichende Folgen für die Therapie haben
Sollten Koliken sich tatsächlich als eine frühe Form von migräneartigen Schmerzen sein, könnte dies allerdings weitreichende Folgen für die Behandlung haben, denn dann könnten möglicherweise Migräne-Medikamente auch bei Säuglings-Koliken eingesetzt werden. Da die Sicherheit dieser Wirkstoffe jedoch bei Säuglingen bisher nicht ausreichend getestet wurde, besteht hier noch weiterer Bedarf an klinischen Studien. (nr)

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Bild: Manuel Bendig / pixelio.de