Bayer-Pestizide dürfen ab heute bienengefährlich genannt werden

Sebastian
Der Chemie- und Pharma-Konzern Bayer wird gerichtlich nicht weiter gegen den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vorgehen. Der BUND hatte Pestizide des Unternehmens als bienengefährlich bezeichnet woraufhin Bayer diese Aussage juristisch untersagen lassen wollte. Der Rechtsstreit wurde nun beigelegt.

BUND darf Pestizide als bienengefährlich bezeichnen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darf Pestizide des Chemie- und Pharma-Konzerns Bayer Presseberichten zufolge als bienengefährlich bezeichnen. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa war das Tochterunternehmen Bayer CropScience gegen den Umweltverband vor Gericht gezogen. Nun wurde der Streit beigelegt. Wie „domradio.de“ berichtet, erklärte ein Bayer-Sprecher gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass das Unternehmen auf eine Berufung gegen ein Urteil des Düsseldorfer Landgerichts verzichte.

Aussage hat laut zuständiger Richterin einen „Tatsachenkern“
Im vergangenen Jahr hatte der BUND eine Broschüre mit dem Titel „Pestizidverkauf in Bau- und Gartenmärkten – BUND-Einkaufscheck“ veröffentlicht. Die Umweltschützer wollten damit drauf aufmerksam machen, dass Verkäufer in Garten- und Baumärkten die Kunden oft falsch über den Einsatz verschiedener Unkraut- und Insektenbekämpfungsmittel informieren würden. Mit dem Düsseldorfer Urteil darf der BUND die Aussage, dass zwei von Bayer hergestellte Pestizid-Produkte für Bienen gefährlich sind, nun uneingeschränkt wiederholen. Die zuständige Richterin, erklärte, dass die Aussage einen „Tatsachenkern“ habe und durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Mittlerweile endete die Berufungsfrist gegen das Urteil, ohne dass der Konzern Berufung einlegte.

Studien bestätigen schädliche Auswirkungen
Es ging bei dem Rechtsstreit um zwei Pestizidprodukte mit dem Neonikotinoid-Wirkstoff Thiacloprid, der in wissenschaftlichen Studien als bienengefährlich bewertet wurde. Trotzdem druckt Bayer auf die Verpackungen thiaclopridhaltiger Produkte wie „Schädlingsfrei Calypso“ und „Zierpflanzenspray Lizetan“ ein Logo mit dem Aufdruck „nicht bienengefährlich“. Inzwischen bestätigte auch eine Studie der Forschergruppe EASAC, die Entscheidungsträger auf EU-Ebene berät, dass Neonikotinoide Honigbienen und Wildbienen schädigen. Diese Untersuchung lieferte zudem Beweise für negative Auswirkungen auf weitere Organismen wie Vögel und Schmetterlinge. Wissenschaftler aus Großbritannien und Frankreich haben bereits vor Jahren in Studien festgestellt, dass Pestizide Ursache des Bienensterbens  sind.

Bayer soll Produkte vom Markt nehmen
„Die Bienengefährlichkeit der Bayer-Produkte mit dem Neonikotinoid-Wirkstoff Thiacloprid ist wissenschaftlich belegt. Bayer muss sie umgehend vom Markt nehmen.“ Dies forderte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Um Bienen und andere Lebewesen zu schützen, müssen alle Pestizid-Hersteller sowie Garten- und Baumärkte den Verkauf neonikotinoidhaltiger Produkte unverzüglich stoppen. Und Bundesagrarminister Christian Schmidt muss die zuständige deutsche Aufsichtsbehörde zur Rücknahme der Zulassungen für diese Produkte anweisen.“

Jede zehnte Bienenart vom Aussterben bedroht
Darüber hinaus forderte der BUND-Vorsitzende Landwirte und Obstbauern auf, freiwillig auf Pestizide aus der Gruppe der Neonikotinoide zu verzichten. Dies sei im beginnenden Frühling während der Obstblüte von besonderer Bedeutung, da Thiacloprid vor allem im Raps- und Obstanbau zur Anwendung komme. Laut „domradio.de“ kam eine Studie im Auftrag der EU-Kommission vor kurzem zu dem Schluss, dass jede zehnte Bienenart in Europa vom Aussterben bedroht ist. EU-Umweltkommissar Karmenu Vella machte dafür den Angaben zufolge die Intensivlandwirtschaft und den Einsatz von Insektiziden sowie Düngemitteln verantwortlich. Der Klimawandel trage ebenfalls zum Bienensterben bei. Wie es heißt, wolle die EU die Wirkung der umstrittenen Pestizide erneut unter die Lupe nehmen.

Entscheidende Rolle im Ökosystem
Der Rückgang der Bienen- und Hummelvölker hat in den vergangenen Jahren zu intensiven Diskussionen über Ursachen und Auswirkungen geführt. Die nützlichen Insekten übernehmen eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Sie bestäuben Milliarden von Pflanzen und sorgen so dafür, dass diese Früchte tragen beziehungsweise sich vermehren können. Schon vor Jahren gaben die Vereinten Nationen (UNO) bekannt, dass das Fehlen der Bienen womöglich eine globale Nahrungsmittelkrise auslösen könnte. (ad)

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Bild: luise  / pixelio.de