Bessere Therapie für Patienten mit Kreislaufstillstand

Fabian Peters
Neues Zentrum zur Behandlung von Patienten mit Kreislaufstillstand eröffnet
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde ein spezielles Zentrum zur Behandlung von Patienten mit Kreislaufstillstand eingerichtet, das in Zukunft die Überlebenschancen Betroffener weiter verbessern soll. Bislang würden nach Expertenschätzungen „von 75.000 Patienten, die jährlich in Deutschland nach einem Kreislaufversagen reanimiert werden müssen, lediglich 5.000“ überleben, berichtet das UKE.

Die interdisziplinären Versorgung von wiederbelebten Patienten soll in dem Universitären Cardiac Arrest Center Hamburg (UCACH) künftig weiter ausgebaut werden. „ Ziel ist es, die Zahl der Patienten, die nach Kreislaufstillstand und Wiederbelebung mit einem guten Behandlungsergebnis aus dem UKE entlassen werden können, zu steigern“, so die Mitteilung des Klinikums. Von Reanimationsexperten sei die bundesweite Gründung solcher Zentren angeregt worden, mit dem Ziel, „die Versorgungs- und Behandlungsqualität in den Kliniken so weit zu steigern, dass in Deutschland jährlich zusätzlich 10.000 Menschenleben gerettet werden können.“

In dem speziellen Behandlungszentrum am UKE soll Patienten mit Kreislaufstillstand geholfen werden. (Bild: pixelaway/fotolia.com)
In dem speziellen Behandlungszentrum am UKE soll Patienten mit Kreislaufstillstand geholfen werden. (Bild: pixelaway/fotolia.com)

Bessere Behandlungsergebnisse möglich
Grundsätzliche stelle die Versorgung von Patienten mit plötzlichem Kreislaufstillstand eine große medizinische und organisatorische Herausforderung dar, bei der nur durch eine „optimale Verzahnung aller beteiligten Disziplinen über die gesamte Behandlung ein bestmögliches Ergebnis erzielt werden“, betont Professor Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE. Beispielsweise hätten wiederbelebte Patienten dreifach höhere Chancen, die Klinik mit gutem neurologischen Ergebnis (ohne bleibende schwere Hirnschäden) zu verlassen, wenn in dem Haus die Möglichkeit einer Herzkatheterbehandlung besteht. Denn häufig sei der Kreislaufschock auf einen Herzinfarkt zurückzuführen.

Interdisziplinäre Versorgung erforderlich
„Die Versorgungsqualität und das Behandlungsergebnis reanimierter Patienten werden zudem entscheidend von der Versorgungstruktur, Größe und Erfahrung des behandelnden Krankenhauses bestimmt“, berichtet Professor Kluge weiter. In dem UKE würden die betroffenen Patienten zunächst meist im internistischen Schockraum der Zentralen Notaufnahme (ZNA) behandelt und nach einer gegebenenfalls notwendigen Herzkatheteruntersuchung auf die Intensivstation zur weiteren Therapie verlegt. Bei schwerkranken Patienten mit akutem Herz- oder Kreislaufversagen werde häufig auf Verfahren zur mechanischen extrakorporalen Herzkreislaufunterstützung („Kunstherz“) zurückgegriffen. Bei der interdisziplinären Behandlung eingebunden seien die „Klinik für Intensivmedizin, die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie, die Klinik für Anästhesiologie, die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, die Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie sowie die Klinik für Neurologie.“ In dem nun eingerichteten UCACH soll dieses multiprofessionelle Netzwerk künftig noch besser organisiert und weiterentwickelt werden, um eine optimale Versorgung zu jeder Zeit zu gewährleisten, so die Mitteilung des UKE. (fp)