Bienen durch leere Honiggläser gefährdet

Fabian Peters

Gefährliche Bienenseuche eingedämmt

14.06.2012

Im Jahr 2011 wurden zahlreiche Bienenvölker in der bayrischen Gemeinde Eichenau von der Amerikanischen Faulbrut befallen. Nach umfassenden Bekämpfungsmaßnahmen scheint die gefährliche Bienenseuche nun vorerst besiegt. Doch die Erreger können auch Jahrzehnte nach dem eigentlichen Ausbruch noch übertragen werden, so dass in Zukunft mit weiteren Vorkommen in der Region zu rechnen ist.

Die Amerikanische Faulbrut ist eine bakterielle Brutkrankheiten, welche die Larven der Honigbienen befällt. Für die Bienenlarven ist die Amerikanische Faulbrut tödlich, ganze Bienenvölker gehen bei einer Ausbreitung der Erreger im Bienenstock zu Grunde. In Eichenau war die Amerikanische Faulbrut im vergangenen Jahr bei einem Bienenstand mit rund 20 Bienenvölkern aufgetreten. Die umgehend eingeleiteten Gegenmaßnahmen haben offenbar jedoch Erfolg gezeigt. Bei den jüngsten Kontrollen konnten in keinem Bienenvolk des Landkreises Fürstenfeldbruck Spuren der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen werden – die Seuche gilt damit als erloschen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

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Ausbruch der Bienenseuche im Jahr 2011
Nachdem im August 2011 die anzeigepflichtige Tierseuche bei einem Bienenstand in Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck festgestellt wurde, errichteten die zuständigen Behörden einen Sperrbezirk im Radius von einem Kilometer um den betroffenen Bienenstand. Sämtliche Imker innerhalb des Sperrbezirks – insgesamt zehn Stück – mussten sicherstellen, dass keines ihrer 60 Bienenvölker den Sperrbezirk verlässt. Von außerhalb durften keine neuen Völker in den Bereich gebracht werden. Die befallene Brut wurde vernichtet, die alten Brutkästen mit Natronlauge ausgekocht oder verbrannt. Die klinisch unverdächtigen Bienen wurden in einen desinfizierten neuen Kasten umgesiedelt. Anschließend folgten im Herbst 2011 und im Frühjahr 2012 Kontrollen der verbliebenen Bienenvölker in dem Sperrbezirk. Die Ergebnisse der letzten Untersuchung waren negativ, so dass der Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut in der Gemeinde Eichenau damit als erloschen gilt.

Amerikanische Faulbrut kann jederzeit erneut ausbrechen
Allerdings ist der Sieg über die Amerikanische Faulbrut keineswegs endgültig, denn die Erreger bilden sogenannte Endosporen, die über Jahrzehnte hinweg in den befallenen Brutwabe erhalten bleiben und jederzeit für einen erneuten Ausbruch der Bienenseuche sorgen können. Auch gelangen die Endosporen bei der Verarbeitung in den Honig, was wesentlich zur Verbreitung der Erreger beiträgt. So warnte der Leiter des Veterinäramtes im bayrischen Bruck, Hans Werner Merk, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ vor einer erneuten Ausbreitung der Amerikanischen Faulbrut durch nicht ausgespülte Honiggläser in den Glascontainern. Der süßliche Geruch der Honiggläser locke hiesige Bienen an, die sich anschließend mit der Amerikanischen Faulbrut infizieren, erläuterte der Experte. An die Verbraucher richtete Merk daher den Appell, die Honiggläser vor dem Wegwerfen stets gründlich zu reinigen. Allerdings seien auch die Imker aufgefordert, nicht mehr besetzte Bienenstöcke stets gründlich zu verschließen, da im Wachs die Erreger der Bienenseuche schlummern können.

Billighonig als Grund für die Ausbreitung der Bienenseuche?
Der Vorsitzende des Imkervereins für Fürstenfeldbruck und Umgebung, Reinhard Biller, betonte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, dass die Amerikanische Faulbrut auch hierzulande immer wieder ausbrechen könne, „solange die Verbraucher ausländischen Billighonig dem einheimischen Honig vorziehen.“ Der Grund hierfür sei, dass in den USA, wo ein Großteil des importierten Honigs herkomme, befallene Bienenvölker mit Antibiotika behandelt werden, damit sie trotz Ausbreitung der Amerikanischen Faulbrut ihrer wichtigste Aufgabe – dem Bestäuben der Felder – nachkommen können. Allerdings hilft Antibiotika nur in der aktiven Wachstumsphase der Erreger, nicht jedoch gegen die Endosporen. Diese sind in den Bienenstöcken weiterhin vorhanden und gelangen bei der Verarbeitung in den Honig, wo sie laut Aussage der Experten rund ein Jahr überleben können.

Über die leeren Honiggläser werden die Erreger dann auch andere Völker übertragen. Zwar stellt die Amerikanische Faulbrut generell keine Gefahr für den Menschen, andere Lebewesen oder erwachsenen Biene dar, doch die Bienenlarven überleben einen Befall meist nicht. Da sich die Erreger relativ schnell verbreiten, können so binnen kurzer Zeit ganze Bienenvölker mangels Nachwuchs verschwinden.

Bienen durch unterschiedliche Faktoren bedroht
Neben der Amerikanischen Faulbrut bedrohen zahlreiche weitere Risiken die Existenz der Bienen, wobei insbesondere die Varroamilbe, aber auch die wachsende Belastung mit Umweltgiften zu nennen ist. Die Varroamilbe gilt als maßgeblicher Auslöser des in den vergangenen Jahren auch hierzulande zu beobachtenden seuchenartigen Bienensterbens. Die winzigen Parasiten heften sich an die Bienen beziehungsweise deren Larven an und ernähren sich von ihrem Wirt. Für letzteren hat dieser Befall oftmals tödliche Folgen. Der damit verbundene dramatische Rückgang der Bienenpopulation, hat bei Experten weltweit Besorgnis ausgelöst. Denn Bienen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Nahrungsmittelproduktion. Fehlen die Bienen, werden Obstbäume und Felder nicht bestäubt, „das natürliche Gleichgewicht gerät ins Wanken“, warnte Reinhard Biller. (fp)