Bio-Mittel gegen Malaria aus Deutschland in Afrika

Fabian Peters

Bio-Mittel vom Rhein im Kampf gegen Malaria in Afrika

29.07.2013

Während die Stechmücken hierzulande zwar eine lästige, aber unter gesundheitlichen Aspekten eher harmlose Plage darstellen, sind sie in Afrika als Hauptüberträger der Malaria jährlich indirekt für hunderttausende Todesfälle verantwortlich. Hier soll ein biologisches Larvenvernichtungsmittel, das sich im Rhein-Neckar-Raum bewährt hat, künftig zur Bekämpfung der Malaria-Überträger eingesetzt werden, berichten die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) und das Institut für Public Health am Universitätsklinikum Heidelberg in einer aktuellen Pressemitteilung.

„Die jahrzehntelange Erfahrung im Kampf gegen die allsommerliche Massenvermehrung der Stechmücken entlang des Oberrheins soll in Zukunft dazu beitragen, die Ausbreitung der Malaria in Westafrika einzudämmen“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg. Die KABS und das Institut für Public Health am Universitätsklinikum Heidelberg haben mit dem Forschungszentrum in Nouna, Burkina Faso, ein entsprechendes wissenschaftliches Projekt gestartet. Dabei soll das „biologische Larvenvernichtungsmittel BTI, das sich im Rhein-Neckar-Raum seit Jahren bewährt hat“, Anwendung finden. Risikokarten auf Basis der Auswertung von Satellitenbildern ermöglichen den gezielten, sparsamen Einsatz des Bio-Mittels.

Bio-Mittel soll die Entwicklung von Moskitoschwärmen verhindern
Die beteiligten Forscher erhoffen sich viel von dem Einsatz des biologischen Larvenvernichtungsmittels in den Malaria-Risikogebieten. „Das Projekt ist der gelungene Transfer einer Technik, die entlang des Rheins seit vielen Jahren großflächig und routinemäßig eingesetzt wird. Die Methode ist effektiv, sicher und unbedenklich für Mensch und Umwelt“, betonte der Direktor des Instituts für Public Health am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter des Projektes, Professor Dr. Rainer Sauerborn. Durch eine Ergänzung der bislang in Burkina Faso etablierten Methoden zur Bekämpfung der Malaria mit der biologischen Larvenvernichtung lasse sich verhindern, dass „sich in den Brutgewässern kaum beherrschbare Moskitoschwärme entwickeln (und) weniger Moskitos bedeuten auch eine geringere Infektionsgefahr“, so das Fazit des Experten.

Biologisches Larvenvernichtungsmittel ohne unerwünschte Nebeneffekte?
Das biologische Larvenvernichtungsmittel BTI basiert laut Aussage der Forscher auf einem Eiweiß aus dem Bodenbakterium „Bacillus thuringiensis israelensis“, das fast ausschließlich Larven von Stechmücken abtötet. „„Im Gegensatz zu vielen anderen Insektiziden ist es für Menschen, andere Tiere und Pflanzen unschädlich und, da es bereits nach wenigen Stunden im Gewässer abgebaut wird, sehr umweltverträglich“, erläuterte der Wissenschaftliche Leiter der KABS, Professor Dr. Norbert Becker. Auch hätten „sich im Laufe des mehr als dreißigjährigen Einsatzes am Rhein noch keine Resistenzen gegen dieses Mittel entwickelt.“ Zudem habe das Mittel auch den Vorteil einer einfachen Handhabung, da das Eiweiß „vom Uferbereichen beziehungsweise vom Boot aus in die Gewässer gespritzt“ werden könne.

Quantensprung in der Malaria-Bekämpfung
„Das Projekt kann zu einem Quantensprung für die Malaria-Bekämpfung werden“, hofft Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, Vorsitzender der Manfred Lautenschläger-Stiftung, welche das aktuelle Projekt mit rund 425.000 Euro finanziert. „ Dabei freut mich besonders, dass wissenschaftliche Forschung aus unserer Region auch der Gesundheit der Menschen in Burkina Faso zugute kommt“, so Lautenschläger weiter. In dem einem großen Modelldistrikt um die Stadt Nouna müsse das Projekt nun in zeigen, „ob die neue Methode die Erwartungen erfüllt, die Anzahl der Malaria-Infizierten senkt, die Mückenbekämpfung erleichtert und zudem Kosten für die Gesundheitssysteme spart“, berichtet das Universitätsklinikum Heidelberg. Eine interessante Frage wäre in diesem Zusammenhang auch, welchen Effekt eine drastische Reduzierung der Mückenpopulation auf andere Lebewesen haben kann, denen sie als Nahrungsgrundlage dienen. Ansonsten könnte der gute gemeinte Ansatz, am Ende selbst zu unerwünschten Nebeneffekten führen, die unter Umständen eine Beeinträchtigung der Lebensgrundlage der Menschen vor Ort mit sich bringen. (fp)