Brustkrebs: Atemabhängige Strahlentherapie mindert Herz-Risiko

Sebastian
Durch die Strahlentherapie erlitten Patienten oft einen Infarkt
Wissenschaftlern ist seit längerer Zeit bekannt, dass die aktuell angewandte Standard-Strahlentherapie bei Brustkrebs das Herz meist schädigt Das allgemeine Risiko nach einer Strahlenbehandlung eine Herzerkrankung zu bekommen, ist sehr hoch. Eine neue Therapieform macht allerdings Hoffnung. Die Belastungen sollen wesentlich differenzierter und damit unschädlicher für das Herz sein. Allerdings behandeln erst zwei Kliniken in Deutschland nach der neuen Methode.

Strahlenbehandlung wesentlicher Bestandteil bei Krebstherapien
Strahlentherapien sind heutzutage bei vielen Krebsarten ein Teil des Behandlungsverfahrens – meist in Kombination mit anderen medizinischen Maßnahmen wie z.B. Operationen, Chemotherapie und Hormontherapie. Ziel der Bestrahlung ist bei jeder Krebsart die Krebszellen durch ionisierenden Strahlen – wie zum Beispiel Röntgenstrahlung – soweit zu schädigen, dass diese sich nicht mehr ausbreiten können bzw. vernichtet werden. Doch die Strahlenbehandlung ist meist sehr schädlich für das Herz, weshalb die Langzeitfolgen für die Patienten oft sehr erheblich sind.

Differenzierte Strahlentherapie entlastet das Herz durch Abstand beim Atmen. Bild: karelnoppe - fotolia
Differenzierte Strahlentherapie entlastet das Herz durch Abstand beim Atmen. Bild: karelnoppe – fotolia

Christine G. (46) berichtet: „Am Anfang hat mich die Krebsdiagnose umgehauen. Nach der Therapie konnte der Krebs doch recht gut besiegt werden. Doch durch die Strahlentherapie wurde mein Herz sehr stark geschädigt. Noch heute habe ich mit Herzproblemen zu kämpfen“. Vor einigen Jahren wurde die neuartige Strahlentherapie bei Brustkrebs noch nicht angeboten.

Studie zeigte Ausmaß der Herzschädigungen
Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahre 2013, veröffentlicht im“The New England Journal of Medicine“, kam zu dem Ergebnis, dass die Strahlenbehandlung gegen Brustkrebs überproportional zu Herzerkrankungen führt. Im Resultat hieß es: „Um so häufiger eine Patientin einer Strahlendosis ausgesetzt war, um so stärker wurde gleichzeitig das Herz geschädigt.“ Laut der Studie „sterben jedes Jahr tausende Brustkrebs-Patientinnen nicht etwa an dem Brustkrebs, sondern an den Spätfolgen der Strahlentherapie“. Eine neue Therapie, die per Atem gesteuert wird, soll nun das Herzrisiko minimieren.

Per Atemsteuerung wird die Strahlenbehandlung gesteuert
In der Bundesrepublik Deutschland existieren bereits zwei Kliniken, die den Brustkrebspatientinnen die Möglichkeit bieten, selbst bei der Behandlung mitzuwirken. „Mit Hilfe eines Monitors können die Patientinnen ihre eigene Atmung beobachten“, heißt es. Hierdurch können wiederum die Ärzte angeleitet werden. So kann dann das Bestrahlungsgerät nur kleine aber gezielte Brustareale bestrahlen. Ist der Abstand durch das Einatmen der Patientin groß genug, kann das Gerät mit der Bestrahlung beginnen. „Inzwischen ist es möglich, den Behandlungsstrahl exakt der Größe, Form und Lage des Tumors anzupassen, sodass umliegendes gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Die Behandlungsqualität hat sich erheblich verbessert. Tumoren können heute so exakt wie nie zuvor bestrahlt werden“, erklärt Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, der das Universitäre Cancer Center Hamburg am UKE leitet. Hierzu müssen die Brustkrebspatientinnen tief einatmen, damit sich das Herz im Brustraum absenkt und die Strahlen nicht das Herzgewebe treffen. So kann das Herz geschont werden und die Patientinnen müssen nicht eine weitere schwere Erkrankung durchstehen.

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Neben dem UKE in Hamburg ist das Medizinische Versorgungszentrum des Helios Klinikums in Berlin die zweite Klinik in Deutschland, die Brustkrebspatientinnen die Möglichkeit geben, ihre Atmung anhand eines kleinen Monitors im Behandlungsraum selber zu überwachen. (sb)