Brustkrebs: Wenig Wissen bei Früherkennung

Sebastian

Viele Frauen nicht ausreichend über Brustkrebs-Vorsorge informiert

13.02.2014

Obwohl etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, sei rund jede zweite falsch oder nur unzureichend informiert, wenn es um Früherkennung oder Mammografie-Screening geht. Der Nutzen der Untersuchung werde allgemein überschätzt.


Häufigste Krebsart bei Frauen
Brustkrebs ist die am häufigsten bei Frauen auftretende Krebsart in Deutschland und inzwischen recht gut therapierbar. Je früher ein Tumor in der Brust entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Doch einer Umfrage zufolge gibt es bei der Brustkrebs-Vorsorge erschreckende Wissenslücken in Deutschland. Jede zweite Frau ist demnach falsch oder ungenügend über Früherkennung oder Mammografie-Screening informiert.

Nutzen der Untersuchung wird überschätzt
Wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten Gesundheitsmonitor der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung heißt, glaubten 30 Prozent der Frauen, dass schon die Teilnahme am Mammografie-Screening verhindere, dass sie an Brustkrebs erkranken. Insgesamt seien 1.852 Frauen im Alter von 44 bis 63 Jahren befragt worden. Auf der einen Seite werde der Nutzen der Untersuchung überschätzt, während andererseits über Risiken wie falsche Positiv-Befunde nur wenig bekannt sei.

Etwa 80 Prozent der Frauen können therapiert werden
Den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge wird jedes Jahr bei mehr als 70.000 Frauen hierzulande ein Brusttumor festgestellt. Etwa 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Für dieses Jahr rechne das RKI mit mehr als 75.000 Neuerkrankungen. Etwa 80 Prozent der erkrankten Frauen können heute erfolgreich therapiert werden, so die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS). Brustkrebs sei nicht mehr gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Dabei hänge sehr viel von einer frühen Diagnose ab. Ärzte könnten auf verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zurückgreifen, mit denen die Brust häufig erhalten werden könne. Auch für erblich vorbelastete Frauen gebe es Alternativen zur Amputation der Brust.

Angst vor falschen Entscheidungen
Bundesweit gab es im Jahr 2011 über 100.000 Brustentfernungen. Laut dem aktuellen Gesundheitsmonitor hat ein Großteil der Frauen Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, wenn es um Krebs geht. Das Wissen über Nutzen und Risiken des Mammografie-Screenings habe sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert. Einer der Autoren des Gesundheitsmonitors, der Bremer Professor Norbert Schmacke, hält das Ausmaß der Informationsdefizite für besorgniserregend: „Es mangelt insbesondere bei der Einladung zum Screening an verständlichen und evidenzbasierten Informationen sowie an Zeit und Gelegenheit, sich eine eigene Meinung bilden zu können“, so der Universitäts-Professor.

Krebs trotz Vorsorge
Auch Prof. Marie-Luise Dierks, Leiterin der Patientenuniversität an der Medizinischen Hochschule Hannover unterstreicht dies: „Wir haben die Verpflichtung, ausgewogen und verständlich über den Nutzen, aber auch die Risiken des Screenings aufzuklären und den Frauen eine gute Entscheidung zu ermöglichen.“ Dass das Wissen über das Screening mehr als lückenhaft ist, weiß auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Auch wenn viele Anruferinnen zwar vorinformiert seien, würde man beim Krebsinformationsdienst laut Birgit Hiller immer wieder den Satz hören: „Da bin ich immer zur Vorsorge gegangen und bekomme trotzdem Krebs.“ (sb)

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