Chili-Substanzen: Scharfes Essen steigert die relative Lebenserwartung

Alexander Stindt
Der Konsum von scharfen roten Chilis kann zu einem längeren Leben führen
Scharfes Essen führt bei einigen Menschen zu gesundheitlichen Problemen wie beispielsweise dem Auftreten von Durchfall und Sodbrennen. Aber die Ansichten über die Auswirkungen von scharfen Essen liegen weit auseinander. Es gibt auch viele Menschen, die scharfe Mahlzeiten für äußerst gesund halten. Forscher fanden jetzt heraus, dass der Konsum von scharfem Essen zu einer erhöhten Lebenserwartung führen kann.

Die Wissenschaftler vom Larner College of Medicine an der University of Vermony stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Verzehr von scharfem Essen zu einem längeren Leben führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „PLOS one“.

Bei dem Konsum von Chilis gehen die Ansichten meist weit auseinander. Manche Menschen empfinden Chilis einfach nur als scharf und unangenehm, andere Menschen lieben den Geschmack und schwören auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen. Mediziner stellten fest, dass Chilis tatsächlich die menschliche Lebenserwartung zu erhöhen scheinen. (Bild: gitusik/fotolia.com)

Regelmäßiger Verzehr von roten Chilis verringert die Gesamtsterblichkeit im Studienzeitraum
Ärzte und Mediziner suchen schon lange nach Möglichkeiten, um die menschliche Lebenserwartung zu steigern. Aber könnte die Lösung dafür wirklich in einfachen scharfen roten Chilis liegen? Die Experten behaupten bei ihrer Untersuchung herausgefunden zu haben, dass der Konsum von roten Chilis mit einer Verringerung der Gesamtsterblichkeit innerhlb des Studienzeitraums um etwa 13 Prozent verbunden ist.

Chinesische Studie untersuchte ebenfalls die Wirkung roter Chilis auf die Mortalität
Diese Verringerung der Mortalität liegt hauptsächlich an der Reduktion der Todesfälle wegen Krankheiten des Herzens beziehungweise Herzinfarkten, erläutern die Autoren. Bisher gab es nur eine ähnliche Studie in China, welche die Auswirkungen des Konsums von roten Chilis auf unsere Gesundheit und seine Assoziation mit der Mortalität untersuchte. Diese Untersuchung wurde bereits im Jahr 2015 veröffentlicht.

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Studie untersucht die Daten von mehr als 16.000 Amerikanern
Die Wissenschaftler untersuchten für ihre aktuelle Studie die Gesundheits- und Ernährungsdaten von mehr als 16.000 Amerikanern über einen Zeitraum von 23 Jahren. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Konsum von roten Chilischoten die Lebenserwartung erhöht, sagen die Experten. Bei der Studie fiel auf, dass die regelmäßigen Chili-Konsumenten meist junge, männliche, weiße Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln waren. Diese waren meist verheiratet, oft Raucher, tranken Alkohol und verzehrten viel Gemüse und Fleisch, erklären die Forscher. Solche Konsumenten hatten einen niedrigeren Wert bei ihrem sogenannten HDL-Cholesterin, niedrigere Einkommen und eine geringere Bildung, verglichen mit nicht Chilischoten verzehrenden Teilnehmern, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Capsaicin könnte an der verringerten Mortalität beteiligt sein
Die genaue Erklärung, warum Chilis die Sterblichkeit verzögern, bleibt weiterhin unklar. Die Forscher glauben, dass alles mit dem enthaltenen Capsaicin zusammenhängt. Dies ist die wichtigste Komponente von Chilischoten. Das Capsaicin wirkt sich auf die sogenannten Transient Receptor Potential (TRP)-Kanäle im Körper aus. Etliche dieser Kanäle vermitteln eine Vielzahl von Empfindungen. Zu diesen gehören beispielsweise Empfindungen von Schmerz, Wärme oder Kälte und verschiedene Arten von Geschmack, Druck und visuellen Reizen.

Knoblauch, Chili und Wasabi aktivieren die sogenannten TRP-Kanäle
Einige TRP-Kanäle scheinen sich wie mikroskopische Thermometer zu verhalten. So können sie verwendet werden, um heiß oder kalt zu empfinden. Die Kanäle werden durch Moleküle aktiviert, welche in Gewürzen wie Knoblauch, Chili und Wasabi enthalten sind.

Capsaicin kann Korpulenz verhindern und den koronaren Blutfluss modulieren
Die Studienautoren Mustafa Chopan und Benjamin Littenberg von der University of Vermony erklären zu ihrer Untersuchung, dass im Chili enthaltenes Capsaicin eine wichtige Rolle in zellularen und molekularen Mechanismen spiele, welche Korpulenz verhindern und den koronaren Blutfluss modulieren.

Weitere Forschung ist nötig
Capsaicin besitzt auch antimikrobielle Eigenschaften und diese können indirekt den Wirt selber beeinflussen, indem sie die sogenannte menschliche Darmflora verändern, erläutern die Forscher. Es bedürfe nun weiterer Untersuchungen über die Auswirkungen von scharfem Essen. Zusätzliche klinische Versuche müssen durchgeführt werden, bevor rote Chilis und scharfes Essen in Empfehlungen und Ernährungsrichtlinien aufgenommen werden können, so das Fazit der Wissenschaftler. (as)