Dermatologie: Schwitzen Deo-Nutzer an anderen Körperstellen deutlich mehr?

Sebastian
Schwitzt man durch Deos an unbehandelten Stellen wirklich stärker?
Die ganzen heißen Sommertage werden schon bald der Vergangenheit angehören, doch derzeit führen die hohen Temperaturen noch zu heftigen Schweißausbrüchen. Um unangenehmem Geruch vorzubeugen, greifen viele daher zu Deos. Manche meiden Deodorants aber, weil sie meinen, dass dann übermäßiges Schwitzen an anderen Körperstellen die Folge ist. Stimmt das aber wirklich?

Unangenehmem Schweißgeruch vorbeugen
Noch sind die Temperaturen hierzulande so hoch, dass einem der Schweiß herunter läuft, selbst wenn man sich kaum bewegt. Viele greifen dann zu Deos, um allzu heftiges Schwitzen und Schweißgeruch zu verhindern. Nicht selten mahnen dann Bekannte: „Wenn du ein Deo benutzt, schwitzt du woanders dafür stärker.“ Stimmt das aber wirklich oder handelt es sich dabei nur um einen Mythos? Eine Expertin klärt über dieses Mysterium, das auch „kompensatorisches Schwitzen“ genannt wird, auf.

Mythos Deo. Bild: Minerva Studio - fotolia
Mythos Deo. Bild: Minerva Studio – fotolia

Schweiß „sucht sich im Fall des Falles seine Wege“
Zu der Frage, ob Deos das Schwitzen lediglich auf andere Stellen verteilt, meint Maja Hofmann von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin, die Antwort laute: „Jein“. Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ sagte sie: „Es gibt kompensatorisches Schwitzen.“ Dieses trete jedoch nur auf, wenn großflächig stark aluminiumchloridhaltige Deos aufgetragen und die Bereiche dadurch „lahmgelegt“ werden. Denn „Schweiß ist dazu da, den Wärmehaushalt zu regulieren und sucht sich im Fall des Falles seine Wege.“

Aluminiumsalze sorgen für eine Verminderung der SchweißproduktionWer hingegen beim Deodorieren nicht übertreibt, würde laut Maja Hofmann von dem kompensatorischen Schwitzen kaum etwas mitbekommen. Gleiches gelte, wenn „normale“ Deos verwendet werden, da diese normalerweise gar kein Aluminiumchlorid oder nur einen geringen Anteil von drei bis fünf Prozent enthalten würden, erklärt Hofmann weiter. Ist das Schwitzen jedoch stärker ausgeprägt, kommen Betroffene meist um die so genannten „Antitranspirante“ nicht herum. Denn diese enthalten Aluminiumsalze, die dafür sorgen, dass sich die Schweißdrüsen zumindest zeitweise verengen, wodurch die Schweißproduktion vermindert und unangenehme Gerüche verhindert werden.

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Antitranspirante nicht direkt nach der Achsel-Rasur verwendenDoch die Mittel sind umstritten und viele Verbraucher fürchten, dass das Aluminium über das Deo in den Körper gelangt und dort zu langfristigen Schädigungen führen kann. Zudem stehen die Stoffe schon seit Jahren im Verdacht, Krebs und Alzheimer zu begünstigen. Doch über mögliche Langzeitfolgen besteht bislang seitens der Wissenschaft noch Unklarheit. Dennoch raten Experten immer wieder vor einem längeren und häufigem Gebrauch, um keine gesundheitlichen Risiken einzugehen. Zudem sollten die speziellen Deos keinesfalls direkt nach der Achselrasur aufgetragen werden, da durch die strapazierte Haut zu viel schädliches Aluminium in den Körper gelangen könnte. Auch wenn die Haut unter den Armen aus anderen Gründen verletzt oder angegriffen ist, empfiehlt es sich, besser ein Deo ohne Aluminiumsalze zu verwenden. Da immer mehr Verbraucher auf Kosmetikprodukte ohne Aluminium zurückgreifen, ist auch das Angebot in den letzten Jahren sehr gestiegen.

Bei einer Untersuchung stellte „Öko-Test“ vor kurzem fest, dass Deos ohne Alu überwiegend empfehlenswert sind. Als Nebenwirkung treten bei Antitranspiranten häufig ein Brennen oder Kribbeln der Haut sowie Juckreiz auf, seltener kommt es auch zu leichten Entzündungen. Die Hautirritationen fallen dabei in der Regel umso stärker aus, je höher der Aluminiumchloridanteil ist. Experten empfehlen deshalb, Mittel ohne Alkohol zu verwenden, um die Haut nicht noch zusätzlich zu reizen.

Einsatz von Botox und Medikamenten bei krankhafter HyperhidroseBei einigen Betroffenen ist das Schwitzen jedoch so stark ausgeprägt, dass auch Antitranspirante nicht mehr ausreichen. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer „Hyperhidrose“, die nur bestimmte Bereiche (z.B. die Hände, Achseln, Füße), aber auch den ganzen Körper betreffen kann (generalisierten Hyperhidrose). Übermäßiges Schwitzen wird hier mit verschiedenen Methoden behandelt, die von Botox-Injektionen über Medikamente (Anticholinergika) bis hin zu chirurgischen Eingriffen reichen.

Homöopathische Mittel zur Behandlung von SchweißfüßenUm Hyperhidrose und Schweißfüße zu behandeln, bietet auch die Naturheilkunde zahlreiche Ansätze und Verfahren an. In Frage kommen zum Beispiel Bachblüten oder ein Fußbad aus Eichenrinde. Für dieses werden 500g Eichenrinde in fünf Liter Wasser für 15 bis 20 Minuten gekocht und abgegossen. Nach dem Abkühlen werden die Füße für etwa eine viertel Stunde darin gebadet. Bei sehr übelriechendem saurem Schweiß kann zudem das homöopathische Mittel Silicea helfen, bei extrem stinkendem Fußschweiß ist hingegen eher Acidum Butyricum angezeigt. (ad)