Diabetes und Co: Adäquate Therapie kann Amputation verhindern

Alfred Domke
Diabetes, Raucherbein und Co: Viele Amputationen könnten verhindert werden
In Deutschland werden pro Jahr rund 50.000 Bein-Amputationen durchgeführt. Gesundheitsexperten zufolge könnten viele davon durch eine adäquate Behandlung von bestimmten Patienten verhindert werden.

Viele Amputationen könnten verhindert werden
Laut einer Meldung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA), werden in Deutschland jährlich knapp über 50.000 Amputationen der unteren Extremitäten aufgrund von durchblutungsbedingten Gewebeschäden und Diabetes mellitus vorgenommen. Den Experten zufolge könnte diese Zahl durch eine adäquate Behandlung von pAVK-Patienten verringert werden. Auch bei Diabetes lassen sich viele Amputationen vermeiden.

In Deutschland werden jährlich rund 50.000 Amputationen der unteren Extremitäten durchgeführt. Viele davon könnten durch eine adäquate Behandlung bestimmter Patienten vermieden werden. (Bild: s_l/fotolia.com)

Versorgung von pAVK-Patienten ist unzureichend
Wie es in der Mitteilung heißt, zeigen aktuelle Daten aus der Versorgungsforschung, dass die Versorgung von pAVK-Patienten (pAVK: periphere arterielle Verschlusskrankheit) mit leitlinien-gerechten Therapieempfehlungen unzureichend ist.

Demnach werden bundesweit 40 Prozent der Amputationen bei Patienten mit kritischer Extremitätenischämie durchgeführt, obwohl zuvor keine adäquate Bildgebung (CT/Magnetresonanzangiographie) erfolgt ist.

Der Anteil der Amputationen ohne Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchblutung des Gewebes, beispielsweise durch einen minimalinvasiven Kathetereingriff oder eine Bypass-OP, ist sogar noch höher.

Hochrisikopatienten für Amputationen jeder Art
„PAVK-Patienten sind Hochrisikopatienten für Amputationen jeder Art, deshalb ist rasche und exakte gefäßmedizinische Expertise in Diagnostik und Therapie absolut wichtig und das Einholen einer Zweitmeinung zur Vermeidung von Amputationen von herausragender Bedeutung,“ erklärte Dr. Michael Lichtenberg, Geschäftsführer der DGA.

Bei der pAVK, die im Volksmund auch als Raucherbein bezeichnet wird, werden die Beinmuskeln nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und schmerzen bereits bei mäßiger Belastung so stark, dass die Betroffenen immer wieder stehenbleiben müssen, berichtet der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz (BGV). Daher auch ein weiterer Name der Erkrankung: Schaufensterkrankheit.

Bewusstseinswandel innerhalb der Ärzteschaft
„In den vergangenen Jahren ist die Major-Amputationsrate (z. B. Unterschenkelamputation) bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) leicht gesunken, parallel dazu ist eine Steigerung der Minor-Amputationszahlen, wie der Zehen oder dem Vorfuß, bei dieser Patientengruppe zu verzeichnen“, schreibt die DGA.

Den Medizinern zufolge sind ein Bewusstseinswandel innerhalb der Ärzteschaft, die verstärkte interdisziplinäre Kooperation und eine bessere und frühere Revaskularisation Gründe für die Senkung der Anzahl von Major-Amputationen.

Da aber jede Form der Amputation eine Erhöhung der Sterblichkeit mit sich bringt, gilt es auch, die Zahl von Minor-Amputationen zu verringern.

Senkung der Sterberate
Die DGA setzt sich daher für eine zeitgemäße und evidenzbasierte Versorgung von pAVK-Patienten ein.

„Fortschritte in der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet minimalinvasiver Verfahren bieten diesen Patienten neue Perspektiven und können deren Lebensqualität enorm verbessern“, schreiben die Experten.

Nicht zuletzt geht mit einer Reduzierung von Amputationen eine Senkung der Sterberate einher. (ad)