Diabetes – Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Person überprüft ihren Blutzuckerspiegel mit einem Messgerät.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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ICD-Codes für diese Krankheit: E10-E14, O24 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Bei Diabetes mellitus, oft als Zuckerkrankheit bezeichnet, handelt es sich um eine krankhafte Störung des Zuckerstoffwechsels, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Dieser Zustand führt langsam zu dauerhaften Schädigungen verschiedener Organe und Blutgefäße. Diabetes verbreitet sich in Deutschland immer rasanter. Rund jede zehnte Person ist hierzulande betroffen. Über 90 Prozent der Erkrankten haben Typ-2-Diabetes. Viele Betroffene wissen nicht einmal, dass sie unter der Zuckerstoffwechselstörung leiden – die Dunkelziffer ist hoch.


Diabetes: Eine kurze Übersicht

Diabetes mellitus bezeichnet eine Gruppe von Krankheiten, die den Blutzucker beeinflussen. Auch wenn die Ursachen der einzelnen Krankheitstypen unterschiedlich sind, führen sie alle zu einer Störung des Zuckerhaushalts im Körper, die langfristige und schwere gesundheitliche Problemen mit sich bringt. Hier ein kurzer Überblick zu dem Krankheitsbild:

  • Diabetes-Typen: Häufigste Formen sind Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Darüber hinaus existieren einige seltene Formen wie MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young), Typ-3c-Diabetes oder das Cushing-Syndrom.
  • Diabetes-Symptome: Die Intensität und das Auftreten der Beschwerden können mit dem vorliegenden Diabetes-Typ variieren. Typische Symptome sind beispielsweise erhöhter Durst, häufiges Wasserlassen, extremer Hunger, chronische Müdigkeit, Juckreiz, trockene Haut, Schwächegefühle, Reizbarkeit, verschwommenes Sehen, langsam heilende Wunden und häufige Infektionskrankheiten.
  • Typ-1-Diabetes Ursache: Das Immunsystem greift aus unbekannten Gründen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Dadurch wird zu wenig oder gar kein Insulin produziert und der Zucker im Blut kann nicht zu den Zellen transportiert werden. Genetische Anfälligkeit und Umweltfaktoren werden als Auslöser angenommen.
  • Typ-2-Diabetes Ursache: Bei dieser Form werden die Zellen zunehmend resistent gegen die Wirkung von Insulin. Die Bauchspeicheldrüse kann infolgedessen nicht mehr genügend Insulin produzieren, um die Resistenz zu überwinden. Der Zucker sammelt sich folglich im Blut an. Auch hier sind die genauen Ursachen unklar. Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck stehen im starken Zusammenhang mit dem Auftreten von Typ-2-Diabetes.
  • Schwangerschaftsdiabetes Ursache: Plazenta-Hormone machen während der Schwangerschaft die Zellen resistenter gegen Insulin. Wenn die Bauchspeicheldrüse dies nicht mit einer erhöhten Insulinproduktion ausgleichen kann, entwickelt sich ein Gestationsdiabetes, der oft nach der Schwangerschaft wieder verschwindet. Unbehandelt kann diese Form jedoch eine Gefahr für die Mutter und das ungeborene Kind darstellen.
  • Folgeerkrankungen: Diabetes kann zu Langzeitschäden und Folgeerkrankungen führen. Je länger die Erkrankung vorliegt und je unkontrollierter der Blutzuckerspiegel ist, desto höher ist das Risiko für Herzkrankheiten, Nervenschäden, Verdauungsprobleme, Erektionsstörungen, Nierenschäden, Augenschäden, Durchblutungsstörungen an den Füßen, Hautkrankheiten, Hörprobleme, Demenz und Depressionen.
  • Behandlung: Die Blutzuckerüberwachung und das injizieren von Insulin sind zentrale Elemente der Diabetes-Therapie. Je nach Typ können auch orale Medikamente zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können das Erreichen und das Auftrechterhalten eines gesunden Körpergewichts, eine angepasste Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität helfen, die Krankheit zu kontrollieren. Diese Maßnahmen sind gleichzeitig die wichtigste Prävention, um sich vor Diabetes zu schützen.
Neun Tipps, um sich vor Diabetes zu schützen.
Neun Tipps, um sich vor Diabetes zu schützen. (Bild: heilpraxis/bsd555/fotolia.com)

Definition

Der Begriff Diabetes mellitus stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „honigsüßer Durchfluss“, eine Anspielung auf das Hauptsymptom des Diabetes: Den im Urin enthaltenen Zucker. Diabetes mellitus ist ein Krankheitsbegriff für verschiedene Formen der Glukose-Stoffwechselstörung. Ursachen für Diabetes können entweder Insulinmangel oder eine Insulinresistenz oder beides sein.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert in ihren Beta-Zellen der Langerhans-Inseln das Hormon Insulin. Dieses vermittelt an die Zellen den Transport von Traubenzucker (Glukose) in das Zellinnere, von wo aus er zur Energiegewinnung verbraucht wird (Glykolyse). Insulin bewirkt die Glukoseaufnahme in die Körperzellen zur Energiegewinnung sowie die Speicherung in Form von Glykogen in Leber und Muskelzellen. Bei Diabetes ist die Insulinherstellung gestört und die Glukose kann nicht in die Zellen aufgenommen werden. Gleichzeitig fehlt die Hemmung der Zuckerneubildung in der Leber. Die Glukose verbleibt also im Blut, wodurch es zu einem Blutzuckeranstieg kommt.

Ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, schädigt dies die Blutgefäße, was wiederum zu Folgeerkrankungen führen kann. Hierzu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine und Füße, Veränderungen der Netzhaut, Störungen der Nierenfunktion und Erektionsstörungen. Auch die Nerven werden durch zu hohen Blutzucker geschädigt, was Taubheitsgefühle und Gefühlsstörungen verursachen kann. Um solchen Leiden zuvor zu kommen, ist eine lebenslange und sorgfältige Blutzuckereinstellung unumgänglich. Es werden verschiedene Formen des Diabetes unterschieden.

Diabetes Typ 1

Der Diabetes mellitus Typ 1 wird auch als juveniler Diabetes oder als insulin dependent (IDDM) bezeichnet, da er sich bereits im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter manifestiert und die Betroffenen Zeit ihres Lebens Insulin zuführen müssen.

Ursache ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein autoimmuner Antikörperprozess, bei dem das körpereigene Immunsystem die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Daraus resultiert ein Mangel an Insulin im Körper. Der Blutzucker kann nicht mehr ordentlich zu den Zellen befördert werden und reichert sich im Blut an.

So entsteht Diabetes Typ2
So entsteht Diabetes Typ2. (Bild: Bilderzwerg/fotolia.com)

Diabetes Typ 2

Über 90 Prozent aller Diabetikerinnen und Diabetiker leiden an einem Typ 2 Diabetes. Diese Form wird auch als non insulin dependent (NIDDM) oder als Altersdiabetes bezeichnet, da er früher vornehmlich ältere Menschen betraf. Mittlerweile werden die Betroffenen immer jünger. Personen ab dem 40. Lebensjahr sind vorwiegend betroffen. Dieser Typ gehört zum sogenannten metabolischen Syndrom. Bei ihm ist die körpereigene Insulinproduktion erhalten, anfänglich sogar meist erhöht.

Durch Übergewicht, Bewegungsmangel und schlechte Ernährung kommt es zu einer Verlangsamung des Glukoseabbaus. Die Insulinausschüttung (Insulinsekretion) ist gestört, wobei häufig die Zufuhr schnell resorbierbarer Kohlenhydrate hinzukommt. Die Insulinkonzentration im Blut steigt dadurch an, gleichzeitig sinkt die Zahl der Insulinrezeptoren und somit die Insulinempfindlichkeit der Zielzellen. Dies wird als Insulinresistenz bezeichnet. Mit zunehmender Resistenz gelangt immer weniger Glukose zu den Zellen. Der Zucker verbleibt stattdessen im Blut und reichert sich dort an.

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Schwangerschaftdiabetes (Gestationsdiabetes)

Diese Form des Diabetes entwickelt sich bei rund vier Prozent der Schwangeren im letzten Drittel der Schwangerschaft und normalisiert sich in der Regel nach der Entbindung. Es besteht jedoch ein erhöhtes Restrisiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus der Mutter. Ursächlich sind Plazenta-Hormone, die während der Schwangerschaft Zellen resistenter gegen Insulin machen. Gewöhnlich reagiert die Schwangere darauf mit einer erhöhten Insulinproduktion. Bei manchen Frauen reicht dies nicht aus und der Blutzucker kann nicht ausreichend zu den Zellen befördert werden. Unbehandelt kann dies eine Gesundheitsgefahr für Mutter und Kind darstellen. Das Kind wird in der Regel mittels operativer Entbindung zur Welt gebracht und hat oft ein deutlich erhöhtes Geburtsgewicht von über 4500 Gramm (Großwuchs/Makrosomie). Atemnotsyndrome, Unterzucker (Hypoglukämie) und Gelbsucht (Ikterus) beim Neugeborenen sind keine Seltenheit.

Sekundärer Diabetes

Bei dieser Form entwickelt sich ein Diabetes aufgrund vorangegangener Erkrankungen wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsenerkrankungen (z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchspeicheldrüsenkrebs), Erkrankungen mit vermehrter Produktion von Hormonen die dem Insulin entgegenwirken (M. Cushing, Akromegalie), Niereninsuffizienz, oder durch die Einnahme von Medikamenten wie Kortikosteroiden oder Diuretika vom Typ der Benzothiadiazine.

Diabetes: Symptome

Die Symptome von Diabetes variieren je nachdem, wie stark der Blutzucker erhöht ist. Prädiabetes und Typ-2-Diabetes können auch lange Zeit beschwerdefrei verlaufen. Bei Typ-1-Diabetes treten die Symptome in der Regel schneller und schwerer auf. Einige allgemeine Anzeichen und Symptome sind:

  • starker Durst,
  • häufiges Wasserlassen,
  • erhöhtes Hungergefühl,
  • unerklärlicher Gewichtsverlust,
  • Ermüdungserscheinungen und Schwäche,
  • erhöhte Reizbarkeit,
  • verschwommene Sicht,
  • Wunden heilen langsamer,
  • Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe),
  • Potenzstörungen,
  • geschwächte Immunabwehr und dadurch häufige Infektionen,
  • vermehrte Infektionen am Zahnfleisch, an der Haut und im Vaginaltrakt.

Diabetes Typ 1: Symptome

Der Typ 1 tritt plötzlich auf. Es kommt zu einer gesteigerten Urinausscheidung, wobei Betroffene in der Regel auch vermehrt trinken, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Mit der zunehmenden Stoffwechselstörung gehen Übelkeit und Schwäche bis hin zu Bewusstseinsstörungen einher. Häufig sind Diabetes mellitus Typ 1-Betroffene trotz reichlicher Nahrungsaufnahme recht schlank.

Diabetes Typ 2: Symptome

Der Typ 2 entwickelt sich schleichend und wird häufig erst spät erkannt. Allgemeinsymptome wie Schwäche und Leistungsminderung in Kombination mit Pilzinfektionen der Haut, Juckreiz, Sehstörungen und rezidivierenden Harnwegsinfekten (z.B. Zystitis) sind mögliche Folgen. Zudem weisen die Betroffenen meist Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck (Hypertonie) und Übergewicht (Adipositas) auf. Im Vergleich zum Typ 1 Diabetes treten bei dem Typ 2 Diabetes die charakteristischen Symptome wie Durst oder Harnentleerungsstörungen beziehungsweise vermehrte Urinausscheidung (Polyurie) erst später auf.

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Diabetes: Diagnose

Die Diagnose des Typ 1 lässt sich anhand des erhöhten Blutzuckerspiegels im nüchternen Zustand relativ leicht stellen. Beim Typ 2 hingegen besteht die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung oft bereits jahrelang, so dass er häufig erst aufgrund der Folgeerkrankungen diagnostiziert wird.

Die Diagnostik gestaltet sich etwas komplizierter, da der Nüchtern-Blutzuckerwert meist nahe dem Normalwert liegt. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen, dienen Blutzuckeruntersuchungen, die Laborwerte des Urins und der orale Glukosetoleranztest. Zudem sind die Ermittlung der Blutfett-, Leber-, Harnsäure-, Kreatinwerte und der Kreatininclearance sowie eine Untersuchung des Urins auf Mikroalbumin, ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Oberbauches erforderlich. Darüber hinaus können Ketone im Urin auf eine Diabeteserkrankung hinweisen.

Blutzuckeruntersuchung

Mittels eines Blutzuckerschnelltests lassen sich die die Blutzuckerwerte des Patienten innerhalb von zwei Minuten bestimmen. Liegt der Wert des Nüchtern-Blutzuckers unter 80 mg/dl ist ein Diabetes unwahrscheinlich. Ab einem Wert von 120 mg/dl sprechen wir von einem manifesten Diabetes mellitus. Es ist sinnvoll, ein Blutzucker Tagesprofil zu erstellen. Hierbei werden vor den Mahlzeiten und etwa eine Stunde anschließend die Werte gemessen. Bei Gesunden liegt der zweite Wert unter 120mg/dl, bei Diabetikern über 180 mg/dl.

Laboruntersuchung des Urins

Steigt der Blutzuckerspiegel im Blut über 120 mg/dl, wird die sogenannte Nierenschwelle überschritten und Glukose nachweislich mit dem Urin ausgeschieden (Glukosurie). Zeigt der Urin-Sticktest an, dass die Niere Ketonkörper ausscheidet (Acetonurie), droht ein hyperglykämisches Koma. Mit zunehmender Schädigung der Nierenkörperchen gelangen Eiweiße aus dem Blut in den Urin (Mikroalbuminurie). Dies ist ein Zeichen für eine Schädigung der Nierenmembran. In der Folge verlieren die Patienten komplex gebaute Eiweiße, was zu sichtbaren Eiweißmangelödemen führt.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Zu beachten ist, dass die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztestes bei bereits pathologischen Nüchternblutzuckerwerten kontraindiziert ist. Zudem sollte er nicht bei Fieber, nach einem Herzinfarkt oder während der Menstruation durchgeführt werden. Auch die Einnahme verschiedener Medikamente wie beispielsweise Benzothiadiazine, Kortikosteroide oder Östrogene erhöht den Blutzuckerspiegel und verfälscht die Werte dementsprechend. Vor dem Test nimmt der Patient beziehungsweise die Patientien an drei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens 150 Gramm Kohlenhydrate zu sich, bleibt vor dem Test jedoch 12 Stunden nüchtern. Nach Bestimmung des Nüchternblutzuckers nehmen sie innerhalb von fünf Minuten 75 Gramm Glukose in Form eines Saftes zu sich. Zwei Stunden später wird erneut der Blutzuckerspiegel gemessen. Ist dieser nun über 200 mg/dl hoch, liegt ein Diabetes vor. Werte zwischen 140 und 200 mg/dl zeugen von einer pathologischen Glukoseintoleranz.

Glykohämoglobine (HbA1)

Der Glykohämoglobin-Wert erlaubt es, eine Aussage über den Blutzuckerwert innerhalb der letzten sechs bis acht Wochen zu treffen und dient so als Verlaufkontrolle und zur Überprüfung der medikamentösen Einstellung und Mitarbeit der Betroffenen. Hierbei wird entnommenes venöses Blut eingedickt. Je nach Labor kann es zur Variation der angegebenen Werte kommen. In der Regel liegt der Wert bei guter Einstellung unter sieben Prozent, bei schlechter über neun Prozent.

Diabetisches Koma

Das diabetische Koma tritt bei extrem hohen Blutzuckerwerten auf und wird auch als hyperglykämischer Schock bezeichnet. Ein Grund kann zu wenig Insulin sein, etwa durch zu niedrige Insulindosierung oder vergessene Injektionen. Auch die ein höherer Insulinbedarf (zum Beispiel durch Diätfehler oder Infektionen) kann zu einem Diabetischen Koma führen.

Hierbei wird zwischen ketoazidotischem und hypersomalem Koma unterschieden. Beide Formen kündigen sich vorher durch die gleichen Symptome an, zu denen Appetitlosigkeit, gesteigerter Durst (Polydipsie), vermehrte Urinausscheidung (Polyurie), Erbrechen, Schwäche, gesteigerte Atemfrequenz (Tachypnoe), Bewusstseinstrübung sowie Schocksymptome (gesteigerte Pulsfrequenz und erniedrigter Blutdruck, Herzrasen) gerechnet werden. Die Therapie beider Formen erfolgt auf der Intensivstation, wo Insulin zugeführt wird und der Flüssigkeitsverlust und der Elektrolythaushalt ausgeglichen werden.

Ketoazidotisches Koma

Das Ketoazidotische Koma betrifft überwiegend den Typ 1 Diabetes und entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen. Viele Betroffene klagen über Bauchschmerzen und bei ihnen lässt sich ein auffallend harter Bauch ertasten. Es kommt zu einer Überzuckerung mit Blutzuckerwerten von 300 bis 700 mg/dl und Fettabbau mit einhergehender Produktion von Ketonkörpern. Dadurch wird ein obstartiger Azetongeruch in der Atemluft (sog. Kussmaulatmung) erzeugt.

Hyperosmolares Koma

Vom hyperosmolaren Koma sind in der Regel der Typ 2 Diabetiker betroffen. Es entwickelt sich schleichend mit Blutzuckerwerten von über 600 mg/dl. Durch den hohen Flüssigkeitsverlust infolge der vermehrten Ausscheidung von Urin kommt es zum Verlust an Elektrolyten und zu innerer Austrocknung (Exsikkose). Die Haut der Betroffenen ist trocken und warm.

Hypoglykämischer Schock (Unterzucker)

Bei einem hypoglykämischen Schock liegt ein erniedrigter Blutzuckerspiegel von meist unter 50 mg/dl als Folge einer Überdosierung von Insulin oder Sufonylharnstoffen im Vergleich zur Kohlenhydrataufnahme vor. Auch Alkoholkonsum oder starke körperliche Belastung können den Schockzustand auslösen. Dieser entwickelt sich plötzlich und kann innerhalb von Minuten auftreten. Er zeigt sich durch Heißhunger, übermäßiges Schwitzen, innere Unruhe und Zittern. Die Pulsfrequenz steigt deutlich, während der Blutdruck sinkt. Außerdem kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit, sowie zu Krämpfen und zentralen Atem- und Kreislaufstörungen kommen.

Einem Diabetiker sollte bei Verdacht oder Anzeichen für Unterzuckerung sofort Glukose in Form von Zucker (z. B. Traubenzucker, Schokolade, Apfelsaft, Cola) zugeführt werden. Darüber hinaus sollte immer nach der Ursache für das Auftreten der Hypoglykämie gesucht werden, um einen erneuten Schock zu verhindern.

Folgeerkrankungen

Patienten die unter Diabetes leiden, sind oftmals von Folgeerkrankungen betroffen. Hier zeigen wir die wichtigsten Folgeerkrankungen einer Diabetes mellitus auf. Zu diesen zählen:

Diabetische Makroangiopathie und Mikroangiopathie

Als diabetische Makro- und Mikroangiopathie werden die Gefäßschäden infolge von Diabetes bezeichnet. Die Erkrankung der großen Blutgefäße (Makroangiopathie) führt zu einer Arteriosklerose, aus der sich ein erhöhtes Risiko für KHK (Koronare Herzkrankheit), Schlaganfall (Apoplex), und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ergibt. Aufgrund der Nervenschädigungen (Polyneuropathie) ist das Schmerzempfinden herabgesetzt, so dass die ersten Warnsymptome für einen Herzinfarkt wie Angina Pectoris oder Claudicatio intermittens bei einer PAVK fehlen. Zu den Erkrankungen durch Schäden der kleinen Blutgefäße (Mikroangiopathie) zählen die Diabetische Nephropathie, Diabetische Polyneuropathien, Augenkomplikationen, Diabetisches Fußsyndrom sowie die Diabetische Kardiomyopathie.

Diabetische Nephropathie

Bei der Diabetischen Nephropathie (Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson) kommt es zur Vergrößerung des Kapillarknäuels (Glomerolie) der Niere. Die glomerulären Kapillarwände verdicken und es bilden sich Knötchen in dem Kapillarknäuel. Früh zeigt sich eine erhöhte Eiweiß-Ausscheidung im Urin (Albuminurie) anhand der Urin-Laborwerte. Die Schäden der Niere machen oftmals eine Dialyse erforderlich, was sich auch darin widerspiegelt, das etwa 50 Prozent der Dialyse-Patienten Diabetiker sind.

Diabetische Polyneuropathie

Als Diabetische Polyneuropathien werden nicht verletzungsbedingte Erkrankungen peripherer Nerven bezeichnet. Sie zeigen sich durch Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen besonders der Unterschenkel und der Füße, Schmerzen und eventuell Lähmungen. Häufig kommt eine Mitbeteiligung des vegetativen Nervensystems mit Herzrhythmusstörungen, Blutdruckregulationsstörungen, Schwindel, Magenentleerungsstörungen, Übelkeit, Störungen der Blasenfunktion, Durchfall (Diarrhoe) oder Verstopfung (Obstipation). Auch Sexualfunktionsstörungen bei Männern und Frauen sind möglich.

Augenerkrankungen

Die Diabetische Retinopathie bezeichnet die Netzhautschädigung durch Gefäßneubildungen und Einblutungen sowie Netzhautablösungen durch Mikroangiopathie. Zudem können Linsentrübung (Katarakt) und Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom) Folge des Diabetes sein.

Diabetisches Fußsyndrom

Etwa ein Viertel der Diabetiker entwickelt ein diabetisches Fußsyndrom. Das Zusammenspiel von Makro- und Mikroangiopathie und die damit einhergehende Infektanfälligkeit können bereits bei kleinsten Verletzungen und Druckstellen am Fuß zu Geschwüren mit Knochenbeteiligung und Gangrän führen. Im Anfangsstadium ist die Druckentlastung durch orthopädische Schuhe erfolgversprechend, im Endstadium ist jedoch eine Operation oder Amputation häufig unabdingbar. Aus diesem Grund ist die Prophylaxe zur Entstehung einer Verletzung, beispielsweise durch gezielte medizinische Fußpflege, unbedingt zu beachten.

Diabetische Kardiomyopathie

Die genaue Ursache der diabetischen Kardiomyopathie, also Erkrankung des Herzmuskels, ist noch ungeklärt. Vermutlich ist sie auf die Stoffwechselstörungen und eine Mikroangiopathie, also eine Schädigung der kleinen Gefäße, zurückführen.

Eine Person überprüft ihren Blutzuckerspiegel mit einem Messgerät.
Mithilfe spezieller Messgeräte können Diabetikerinnen und Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel überprüfen. (Bild: Piman Khrutmuang/fotolia.com)

Diabetes: Behandlung

Typ 1 Diabetikerinnen und Diabetiker sind von Anfang an insulinpflichtig und werden es nach heutigem Stand der Forschung das ganze Leben bleiben. Je nach Schwere der Erkrankung ist die Form der Therapie jedoch unterschiedlich. Zudem ist eine regelmäßige Verlaufskontrolle anzuraten. Bei beiden Diabetes-Formen ist das Ziel der Therapie die optimale Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden über einen normalen Blutzuckerwert zu erhalten. Beim Typ 2 Diabetes wird dies eingangs über konsequente Diät und Bewegungstherapie zur Reduktion des Körpergewichtes versucht. Wird dadurch keine ausreichende Senkung des Blutzuckerspiegels erreicht, ist auch hier die medikamentöse Therapie unabdingbar. Zudem lässt in der Regel die körpereigene Insulinproduktion mit den Jahren nach, was auch in diesem Fall zu einer sekundären Insulinpflicht führt.

Diabetes: Medikamente

Die orale medikamentöse Therapie ist bei Typ 2 Diabetikern indiziert, wenn trotz Gewichtsreduktion die Normalisierung der Blutzuckerwerte ausbleibt. Die Produktion von körpereigenem Insulin durch die Bauchspeicheldrüse ist Voraussetzung für die Durchführung der oralen medikamentösen Therapie. Es stehen folgende Wirkstoffe zur oralen Therapie zur Verfügung:

  • Sulfonylharnstoffe: Sulfonylharnstoffe (enthalten in Rp Gluborid® oder Rp Euglucon®) sind der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in der oralen medikamentösen Therapie. Er stimuliert die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse und wirkt so blutzuckersenkend. Im fortgeschrittenen Stadium des Diabetes ist eine Kombination mit Insulin möglich. Dabei kann es zu Nebenwirkungen wie Magen–Darm Beschwerden oder Allergien kommen. Bei falscher Einnahme kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) die Folge sein.
  • Guarmehle und Acarbose: Guarmehle (z.B. in Glucotard®) und Enzymhemmer wie Acarbose (etwa in Rp Glucobay®) hemmen die Kohlenhydratresorption im Magendarm-Trakt. Dadurch können Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten verhindert werden. Die beiden Antidiabetika werden häufig bei Typ 1 Diabet zur Unterstützung der Insulin-Therapie eingesetzt. Anfängliche Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall (Diarrhoe) sind keine Seltenheit.
  • Biguanide: Biguanide (Metformin z.B. Rp Glucophage®) verzögern die Kohlenhydratresorption aus dem Darm. Gleichzeitig fördern sie die Glukoseaufnahme in die Muskulatur, hemmen die Neubildung von Glukose, etwa aus Milchsäure in der Leber, und erleichtern die Gewichtsabnahme, da sie den Appetit senken. Sie werden allerdings aufgrund der Gefahr von Blutveränderungen und metabolischer Azidose durch Laktatvermehrung im Blut nur noch in Einzelfällen verordnet.

Insulin-Therapie

Die Insulin-Therapie ist bei Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes angezeigt, wenn Diät, Bewegungstherapie und orale antidiabetische Medikation nicht ausreichen.

Sie kann auch kurzfristig, beispielsweise bei größeren Operationen bei Diabetes Betroffenen und beim diabetischen Koma, eingesetzt werden. Mittlerweile werden über 90 Prozent aller Diabetiker mit genetisch hergestelltem Humaninsulin behandelt. Patienten, die bereits vor längerer Zeit mit Insulin vom Schwein oder Rind gut eingestellt wurden, werden nicht mehr umgestellt.

Das Insulin wird per Spritze verabreicht. Betroffene oder das Pflegepersonal spritzen im Rahmen einer Dauerverordnung meist abwechselnd in das Unterhautfettgewebe (subkutan) des Bauches oder des Oberschenkels. Es gibt Insulin-Einmalspritzen oder sogenannte Insulin Pens, mit Hilfe derer die Dosierung per Knopfdruck eingestellt werden kann. Selten werden beim Typ 1 Diabetes Insulinpumpen eingesetzt, die über einen im Unterhautfettgewebe sitzenden Katheter kontinuierlich Insulin abgeben. Die Dosierung wird in internationalen Einheiten (IE) angegeben. Unterschieden wird zwischen kurzwirksamen Insulinen, Verzögerungsinsulinen, Langzeitinsulinen und Mischinsulinen:

  • Kurzwirksame Insuline: Sie werden bei akuten Stoffwechselentgleisungen sowie bei intensivierter konventioneller Insulintherapie eingesetzt. Sie wirken bereits nach 15 bis 30 Minuten und haben ihren Wirkungsgipfel nach ein bis zwei Stunden. Nach vier bis sechs Stunden ist keine Wirkung mehr zu verzeichnen.
  • Langzeitinsuline: Langzeitinsuline kommen bei intensivierter Insulintherapie zum Einsatz. Ihre Wirkzeit beginnt erst nach drei bis vier Stunden und hält bis zu 28 Stunden an.
  • Mischinsuline: Mischinsuline sind eine Mischung aus Normal- und Verzögerungsinsulinen. Sie sind in verschiedenen Mischverhältnissen erhältlich. Hauptanwendungsgebiet ist die konventionelle Insulintherapie.
  • Verzögerungsinsuline: Intermediärinsuline (wie z. B. Insulman Basal, Humininsulin Basal) weden bei älteren Patienten mit stabiler Stoffwechsellage und als Bestandteil von Mischinsulinen eingesetzt. Sie haben eine Wirkdauer von 12 bis 18 Stunden, die nach etwa 30 bis 45 Minuten beginnt. Das Maximum ist nach etwa vier bis acht Stunden erreicht.
Eine Auswahl an gesunden Lebensmitteln.
Eine gesunde Ernährung spielt bei der Behandlung von Diabetes eine große Rolle. (Bild: bit24/fotolia.com)

Ernährung bei Diabetes

In der Diabetesbehandlung stellt die Diät die Grundlage einer erfolgreichen Behandlung dar. Sie entspricht im Wesentlichen einer ausgewogenen Vollwertkost. Die Basis der Diät ist die Beachtung der Kohlenhydat- und Fettaufnahme. Gleichzeitig soll der von Alter, Geschlecht, Beruf und Freizeitaktivitäten abhängige Energie- und Nährstoffbedarf gedeckt sein. Für Typ 1 Diabetiker ist es unabdingbar, die genaue Menge an Kohlenhydraten in einzelnen Nahrungsmitteln zu kennen. Für den Typ 2 Diabetes steht der Kaloriengehalt der Nahrungsmittel im Vordergrund der Diät.

Grundsätzlich sollte die Nahrungsaufnahme auf sechs bis sieben kleinere Mahlzeiten anstatt auf drei Hauptmahlzeiten verteilt werden. Prozentual sollte die Nahrung zu 45 bis 60 Prozent aus Kohlenhydraten, zu weniger als 35 Prozent aus Fetten und zu zehn bis 20 Prozent aus Eiweiß zusammengesetzt sein. Käse, Wurst und Fleisch sollten nur in geringem Maße aufgenommen werden. Die Ernährung sollte nur einen geringen Anteil an Monosaccariden (Weißmehl, Zucker) aufweisen und stattdessen sollten Polysaccaride (Kartoffeln, Vollkorn, Reis) bevorzugt werden.

Vom Speiseplan zu streichen sind Traubenzucker, Saccharose und Honig. Ersatzweise sollten Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose, Laktose, Sorbit oder Xylit verwendet werden. Als Getränke eignen sich Mineralwasser und ungesüßte Kräutertees. Zudem sollte der Alkoholkonsum weniger als 20 Gramm am Tag betragen. Diabetikerbier und trockene Weine sind erlaubt.

Ernährungstherapie

Grundsätzlich gelten die Richtlinien für eine an den tatsächlichen Kalorienbedarf angepasste gesunde Ernährung. Empfohlen wird eine Zufuhr von Kohlenhydraten mit hohem Ballaststoff-Anteil, wie etwa Gemüse, Topinambur, Kartoffeln, Obst, Vollkornprodukte und Rohkost. Ballaststoffe sorgen dafür, dass Kohlenhydrate nur verzögert in den Darm abgegeben werden. Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel konstant und ein schneller Blutzuckeranstieg während der Mahlzeiten kann verhindert werden. Insbesondere Brokkoli und Spinat aber auch Gurken und Grapefruits sollen sich günstig auf die Stoffwechselstörung auswirken.

Weißmehlprodukte, geschälter Reis und Fertigprodukte sind aufgrund der enthaltenen raffinierten Kohlenhydrate zu meiden. Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel sind absolut verboten. Da Süßstoff das Verlangen nach süßen Lebensmitteln steigert, sollte er mit Bedacht verwendet werden. Lebensmittel mit vielen ungesättigten Fettsäuren, wie etwa Wurst oder Fleisch, gilt es nur in Maßen zu konsumieren. Statt tierischer Fette sollten hochwertige pflanzliche Öle den Vorzug erhalten. Hilfreich zur Anregung des Stoffwechsels kann eine Trinkkur mit sulfat- oder magnesiumhaltigen Heilwässern sein.

Mittelmeerdiät bei Diabetes

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) ist die Mittelmeerdiät oder mediterrane Ernährung sehr empfehlenswert bei Diabetes. Als Vorlage dient die Ernährungsweise des Mittelmeer-Raums. Ein Kernaspekt ist der Verzicht auf fettreiche Wurst, fetten Käse und Süßigkeiten. Stattdessen beinhaltet der Ernährungsplan viel Gemüse und Obst, Fisch, ein wenig Fleisch (vorwiegend Geflügel), Olivenöl, Nüsse, Hülsenfrüchte, Knoblauch sowie andere frische Kräuter, Vollkornbrot und gelegentlich etwas Rotwein.

Diabetes: Naturheilkunde

Im Falle einer Diabetes mellitus Typ 1-Erkrankung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die insulinproduzierenden Pankreaszellen. Dementsprechend macht eine naturheilkundliche Therapie nur wenig Sinn. Typ 2 kann jedoch durchaus mit Therapien und Mitteln aus dem naturheilkundlichen Spektrum positiv beeinflusst werden.

10 Tipps bei Diabetes

Hier stellen wir Ihnen 10 Tipps bei Diabetes vor, die im Umgang mit der Krankheit hilfreich sein können.
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Ordnungstherapie

Wichtig für Diabetes-Betroffene ist regelmäßige körperliche Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen. So kann die Glukosetoleranz verbessert und Übergewicht abgebaut werden. Bei Übergewicht wirkt sich eine schonende Gewichtsreduktion vorteilhaft auf die Normalisierung des Blutzuckerspiegels aus. Da Stress zu beträchtlichen Blutzuckerschwankungen führen kann, sollte dieser soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Als ordnende Faktoren dienen ausreichender Schlaf und die Einhaltung eines regelmäßigen Tagesablaufs. Auf Nikotin und Alkohol sollte verzichtet werden.

Orthomolekulare Therapie

Für Diabetiker ist Zink sehr wichtig, da es mit Insulin biochemisch und funktionell in enger Beziehung steht: Als Zink-Insulin-Komplex wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse gespeichert. Dieser Komplex wird bei der Insulinfreisetzung aufgespalten. Bei vielen Diabetikern wird von einer Störung in diesem Ablauf ausgegangen und häufig ein erniedrigter Zinkplasmaspiegel als Folge der Ausscheidung von Zink mit dem Urin festgestellt. In diesem Fall empfiehlt die Orthomolekulare Medizin die Gabe von Zink, das die Insulinintensität erhöhen und Insulinabbau regulieren kann. Hyperglykämie und ein gestörter Fettstoffwechsel setzen viele Menschen mit Diabetes unter erheblichen oxidativen Stress. Antioxidative Vitamine wie Vitamin C oder Vitamin E können dem entgegenwirken.

Eine weitere geeignete Nahrungsergänzung bei Diabetes ist Bierhefe, die aufgrund des Gehalts an Chrom die Glukosetoleranz erhöht (der Glukosetoleranzfaktor ist chromhaltig) und die Wirkung des Insulins verstärkt. Um die Gefahr von Nervenschäden abzumildern, ist zu einer Gabe von B-Vitaminen zu raten. Bei diabetischen Neuropathien wird α-Liponsäure empfohlen.

Phytotherapie Diabetes

Verschiedene Heilpflanzen wirken sich positiv auf den Zuckerstoffwechsel aus und stabilisieren den Blutzuckerspiegel. Zu ihnen zählen beispielsweise:

  • Löwenzahn (Taraxacum officinale), der entgiftend wirkt und den Leberstoffwechsel harmonisiert. Da die Leber neben der Bauchspeicheldrüse das zentrale Organ für die Regulation des Zuckerhaushaltes ist, wirkt sich die Stärkung der Leber positiv aus.
  • Wegwarte (Cichorium intybus) reguliert die Tätigkeit der Oberbauchorgane Milz, Bauchspeicheldrüse und Leber und kann so ebenfalls ausgleichend auf Blutzuckerschwankungen wirken,
  • Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) zeigt einen ähnlichen Effekt.
  • Artischocke (Cynara scolymus) ist hervorragend zur Senkung erhöhter Blutzuckerwerte geeignet und reguliert in der Leber die Umwandlung von Fett in Zucker.
  • Bärlauch (Allium ursinum) kann Ablagerungen an der Gefäßinnenwand abbauen und den Blutdurchfluss verbessern.

Weiterhin wird der Zimtrinde eine günstige Wirkung bei Diabetes mellitus Typ 2 zugesprochen, was bei einer Tagesdosis von ein bis sechs Gramm in einer Studie nachgewiesen werden konnte.

Stevia

Aus der Naturheilkunde sind schon lange Stimmen zu hören, die den vermehrten Einsatz der Stevia-Pflanze als Süßungsmittel verlangen. Die Blätter der aus Südamerika stammenden Pflanze, können über das dreißigfache des Rohrzuckers bieten. Eine Eigenschaft, die die Indianer Südamerikas schon seit Jahrhunderten nutzen. Für Diabetiker wäre das Honigkraut, wie die Pflanze auch genannt wird, gut, weil keine Erhöhung des Blutzuckerspiegels erfolgen würde. Stevia Rebaudiana soll die unangenehmen Nebenerscheinungen der Zuckeraufnahme wie Karies und zunehmendes Gewicht vermeiden und sogar den Blutzucker senken können. In der Naturheilkunde wird Stevia deswegen bisher schon bei Bluthochdruck und Sodbrennen verwendet.

Osteopathie und Diabetes

Eine Behandlung mit den Händen wirkt bei einem Diabetes auf Betroffene und Außenstehende selbst meist erst einmal befremdlich und undenkbar. Aber bei noch funktionstüchtigen Arealen in der Bauchspeicheldrüse kann eine mechanische Intervention eine unterstützende Maßnahme sein. Schon 1906 beschrieb der Osteopath Marion Edward Clark in seinem Buch „ Angewandte Anatomie“ den Zusammenhang zwischen Funktionsstörungen des Pankreas und dem sechsten, siebten und achten Brustwirbel, sowie den dazugehörigen Rippen. Daneben sollen Funktionsstörungen der Gallenblase und des Vagusnerven Einfluss auf die Funktion der Bauchspeicheldrüse nehmen.

Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still, beschrieb in seinem Buch „Forschung und Praxis“ vier Jahre später als Clark, dass Diabetes und Fettleibigkeit „Wirkungen von schweren Subluxationen in der Gegend des ersten, zweiten, dritten und vierten Brustwirkelkörpers“ seien. Diese würden aus der mechanischen Sicht der Osteopathie dafür sorgen, dass der fünfte und sechste Nerv, der zwischen den Rippen verläuft, irritiert werde. Er riet dazu, in diesem Bereich „die Empfindung, die Bewegung und die Ernährung in Betracht“ zu ziehen. Weiterhin riet er unter anderem, „sanft den Magen und die Eingeweide von der rechten auf die linke Seite“ zu ziehen.

Homöopathie bei Diabetes

Auch wenn die Wirksamkeit der Homöopathie aus wissenschaftlicher Sicht als umstritten gilt, vertrauen einige Diabetikerinnen und Diabetiker auf homöopathische Mittel als Unterstützung. Folgende Konstitutionsmittel können zur Behandlung angezeigt sein: Acidum phosphoricum, Carcinosinum, Helonias, Lac Defloratum, Lycopodium, Lycopus, Phosphorus, Plumbum, Sulfur, Tarantula. Komplexmittel zur Unterstützung enthalten meist Syzygium jambolanum (eine bewährte Indikation bei Diabetes melitus), Kreosotum (bei Folgezuständen wie Juckreiz oder Gangrän), Acidum phosphoricum (bei nervösen Erschöpfungszuständen oder Gedächtnisschwäche) oder Natrium sulfuricum (bei Störungen von Leber und Pankreas oder depressiver Verstimmung). (vb, js)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Lukas Schwingshackl, Anna Chaimani, Georg Hoffmann, u.a.: A network meta-analysis on the comparative efficacy of different dietary approaches on glycaemic control in patients with type 2 diabetes mellitus, European Journal of Epidemiology, 2018, Volume 33, Issue 2, link.springer.com
  • Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ): Über Diabetes (Abruf: 11.09.2019), diabetesinformationsdienst.de
  • Mayo Clinic: Diabetes (Abruf: 11.09.2019), mayoclinic.org
  • Deutsche Diabetes Stiftung: Diabetes – was ist das eigentlich? (Abruf: 11.09.2019), diabetesstiftung.de
  • Robert Koch-Institut (RKI): Diabetes Surveillance – Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) (Abruf: 11.09.2019), rki.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Diabetes Mellitus (Abruf: 11.09.2019), bzga.de
  • Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheitsgefahren Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 (Abruf: 11.09.2019), bundesgesundheitsministerium.de
  • Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH): Typ-2-Diabetes: Verbreitung (Abruf: 11.09.2019), diabetesinformationsdienst-muenchen.de
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter, 2018, deutsche-diabetes-gesellschaft.de
  • NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF: S3 Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes: Therapie, Stand: November 2013, Leitlinien-Detailansicht
  • Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter, S3-Leitlinie der DDG und AGPD, 2015, deutsche-diabetes-gesellschaft.de
  • Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH): Diagnostik, Seltene Formen – „Typ-3-Diabetes“ 2016, diabetesinformationsdienst-muenchen.de
  • American Diabetes Association Diabetes Care Jan. 2010: Diagnosis and Classification of Diabetes Mellitus (Abruf: 11.09.2019), care.diabetesjournals.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.