Orthomolekulare Medizin (OM)

Ein Haufen Vitamintabletten liegt vor verschiedenen Früchten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Eine immer mehr an Popularität gewinnende Behandlungsmethode ist die der Orthomolekularen Medizin (OM). Bei dieser Methode werden in der Behandlung ausschließlich Substanzen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren) eingesetzt, aus denen sich unser Organismus zusammensetzt und die wir normalerweise mit der Nahrung zuführen.

Ein Haufen Vitamintabletten liegt vor verschiedenen Früchten.
Bei der Orthomolekularen Medizin wird versucht, ein eventuellen Mangel an Nährstoffen mithilfe von Präparaten auszugleichen. (Bild: cirquedesprit/fotolia.com)

Ursachen des wachsenden Bedarfs an Orthomolekularer Medizin

Es gibt verschiedene Entwicklungen, vor allem in den westlichen Industrieländern, die das Gleichgewicht von Aufnahme und Nährstoffverarbeitung in unserem Organismus stören:

Ein gesteigerter Bedarf an Nährstoffen entsteht, wenn das biologische System Mensch permanente Hochleistung erbringen muss (z.B. durch Stress, emotionale Belastungssituationen) und wenn durch Umweltgifte eine erhöhte Entgiftungsleistung (gesteigerter Verbrauch von Glutathion, Selen, Zink, Vitamin C) benötigt wird.

Eine herabgesetzte Resorption (Aufnahme von Stoffen) findet sich immer dann, wenn eine Funktionsstörung im Bereich des Darmes vorliegt. Eine gesunde Darmflora ist heute die Ausnahme. Durch Medikamente, besonders Antibiotika (auch aus dem Fleischkonsum) verringert sich die Menge der Bifidobakterien (Bifidobakterien versorgen die Darmschleimhaut mit Energie) und es kommt zu einer ungenügenden Versorgung mit Mikronährstoffen, da die Resorption von Mikronährstoffen ein energieverbrauchender Prozess ist.

Eine ungenügende Zufuhr kommt zum einen durch eine unausgewogene Ernährung (kohlenhydratbetonte Kost, Brot, Nudeln, Pizza, Kartoffeln, ……) und zum anderen durch die immer schlechter werdende Qualität unserer Lebensmittel zustande. Lange Transportwege bei ungenügender Kühlung, unreif geerntetes Obst/Gemüse und der Einsatz vielfältiger Chemikalien lässt den Vitalstoffgehalt unserer Lebensmittel sinken.

Behandlungsansätze der Orthomolekularen Medizin

In der OM können wir diese Stoffe im Blut analysieren und gezielt deren Konzentration im Körper verändern. Es ist also eine Therapie, die mit Substanzen arbeitet, die wir normalerweise mit der Nahrung zuführen. Dadurch ist es eine Therapie, die „in der Regel“ ohne Nebenwirkungen arbeitet. Allerdings ist es wichtig, dass die Therapie von einem ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker ausgeführt wird, da es zu Überdosierungen einzelner Vitalstoffe kommen kann. Die OM ist also angewandte Biochemie und gehört damit in die Hände erfahrener Therapeuten.

Beispiel Selen:
In Deutschland sind viele Menschen mit Selen unterversorgt. Dieses lässt sich in Vollblutmineralanalysen (z.B. vom Labor Biovis durchgeführt) nachweisen. Die Folge davon sind in allen Organen, die auf das Vorhandensein von Selen angewiesen sind, spürbar.

Die Schilddrüse z.B. benötigt zur Herstellung des Schilddrüsenhormons T3, Jod, Selen und die Aminosäure Thyrosin als Kofaktoren. Wenn eine Jodsubstitution nicht ausreicht, um die Hypothyreose zu behandeln, wird meistens Thyroxin (künstliches Schilddrüsenhormon) eingesetzt. Sinnvoll wäre es, zunächst das fehlende Selen zu ersetzen, dieses wird aber in der Schulmedizin weder gemessen, noch substituiert. Setzt man Selen z.B. bei der Hashimoto-Thyreoiditis (eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) ein, kann man die Schilddrüsen- Funktion deutlich verbessern. Selenabhängig arbeitet auch unser wichtigstes Entgiftungs-System in der Leber und die Energiegewinnung der Zelle ist ohne Selen nicht möglich.

Also kann ein Mangel an einer einzigen Substanz weitreichende Folgen haben. Die OM kann also sowohl in der Prävention, als auch in der Behandlung von Erkrankungen eingesetzt werden. (Andrea Thiem, Ärztin für Orthomolekulare Medizin)

Kritik an der Orthomolekularen Medizin

Wenngleich es der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der Orthomolekularen Medizin nicht um eine offiziell von Fachgesellschaften anerkannte Methode. Die Studienlage in dem Bereich gilt als wissenschaftlich umstritten. Dennoch berichten viele Anwenderinnen und Anwender von positiven Effekten. Der Bund Deutscher Heilpraktiker betont, dass OM als alleinige Therapie bei schweren, ernsthaften Erkrankungen nicht geeignet ist.

Autor:
Redaktion Heilpraxis.de
Quellen:
  • Volker Schmiedel: Nährstofftherapie: Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie, Thieme Verlag 2019
  • Andreas Bunkahle: Orthomolekulare Medizin: Band 1: Mineralstoffe, Vitamine, Fette, Books on Demand, 2016
  • Bund Deutscher Heilpraktiker e.V. (BDH): Orthomolekulare Medizin, Abruf: 19.09.2019, bdh-online.de
  • Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin – Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte, Wissenschaftliche Vertragsgesellschaft mbH Stuttgart 2002

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.