Fieber: Ursachen und Behandlung

Was tun bei Fieber?

Es ist davon auszugehen, dass jeder Mensch im Verlauf seines Lebens schon einmal Fieber hatte, wobei jedoch die Ursachen und der Schweregrad äußerst unterschiedlich ausfallen können. In erster Linie ist Fieber eine Abwehrreaktion vom Körper. Die erhöhte Temperatur unterstützt das Immunsystem bei der Bekämpfung von Erregern. Bei Erwachsenen ist eine Körpertemperatur bis 39 Grad Celsius eher als heilungsfördernd anzusehen. Da Fieber aber ein Symptom von sehr vielen Erkrankungen ist und zum Teil auch auf ernsthafte Krankheiten hinweisen kann, sollte bei anhaltender erhöhter Temperatur oder bei zusätzlichen Symptomen ein Arztbesuch erfolgen.


Fieber – das wichtigste in Kürze

Fieber ist keine eigenständige Erkrankung. Es ist ein Abwehrmechanismus, mit dem unserer Körper auf Viren und Bakterien reagiert, die sich bei höheren Körpertemperaturen nicht mehr so gut vermehren können. Fieber ist also als wichtiger Teil der natürlichen Abwehr anzusehen. Oft sind keine fiebersenkende Maßnahmen erforderlich. Dennoch sollte eine erhöhte Körpertemperatur immer im Auge behalten und ärztlich abgeklärt werden, wenn sie zu hoch ansteigt oder nicht von selbst innerhalb weniger Tage verschwindet. Hier ein kurzer Überblick zu dem Beschwerdebild:

  • Definition: Ab einer Körpertemperatur von 38,2 Grad Celsius wird von Fieber gesprochen. Fieber beschreibt einen vom Organismus herbeigeführten Anstieg der Körpertemperatur, der als Abwehrreaktion den körpereigenen Heilungsprozess unterstützt.
  • Begleitsymptome: Übermäßiges Schwitzen, starker Durst, glasige Augen, trockene Haut, belegte Zunge, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, schnellerer Atem, innere Unruhe, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, bei Kindern mitunter Fieberkrämpfe.
  • Ursachen: Da Fieber zu den Abwehrreaktionen des Körpers zählt, können zahlreiche Beschwerden das Symptom auslösen, zum Beispiel: Infektionskrankheiten, Entzündungen, Vergiftungen, Reaktion auf Arzneimittel, Tumorerkrankungen, rheumatologische und chronische Krankheiten, Hormonstörungen, Allergien, Thrombosen, Hitzeschläge, Hepatitis und viele weitere.
  • Therapien: Bei Erwachsenen muss Fieber unter 39 Grad Celsius nicht unbedingt behandelt werden. Steigt die Körpertemperatur darüber hinaus, können handwarme Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden. Weitere Therapiemaßnahmen richten sich nach der ärztlichen Diagnose.
  • Naturheilkunde: Neben den altbewährten Wadenwickeln werden homöopathische Mittel wie Aconitum, Belladonna, Ferrum phosphoricum, Gelsemium und Schüßler Salze eingesetzt. Als Heilpflanzen bieten sich Kamille, Huflattich, Holunder und Spitzwegerich an.
Fieber zählt zu den natürlichen Abwehrreaktionen des Körpers und ist Symptom zahlreicher Erkrankungen. Es unterstützt den Heilungsprozess. Wenn es zu stark ansteigt ist allerdings Vorsicht geboten. (Bild: Paolese/fotolia.com)

Ab wann sollte man mit Fieber zum Arzt?

In vielen Fällen muss eine Körpertemperatur bis 39 Grad Celsius bei Erwachsenen nicht ärztlich behandelt werden. Im Gegenteil: Die erhöhte Temperatur hilft dem Körper dabei, die verantwortlichen Krankheitserreger zu bekämpfen. Doch ab wann wird ein Arztbesuch bei Fieber erforderlich? Bei Kindern werden hier andere Empfehlungen gegeben als bei Erwachsenen. Die folgenden Richtwerte werden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) empfohlen und gelten als Faustregel, wann ein Arzt bei Fieber hinzugezogen werden sollte:

  • Bei Säuglingen (0 bis 3 Monate): Wenn ein Neugeborenes eine Körpertemperatur über 38 Grad Celsius hat. Auch schon vorher, wenn es insgesamt schlapp wirkt, nicht mehr trinken will oder Hautverfärbungen auftreten.
  • Kleinkinder bis zwei Jahre: Wenn das Fieber – im Po gemessen – über 39 Grad Celsius beträgt und länger als zwei Tage anhält.
  • Jüngere Kinder über 2 Jahre: Wenn das Fieber – im Po gemessen – über 39 Grad Celsius beträgt und länger als drei Tage anhält. Wenn trotz fiebersenkender Maßnahmen keine Besserung eintritt. Wenn zusätzliche Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Hautausschläge, Atemnot oder ein steifer Nacken auftauchen.
  • Bei allen Kindern: Bei Teilnahmslosigkeit, anormalen Reaktionen, anhaltender Erschöpfung trotz sinkender Körpertemperatur, wenn das Kind nicht trinken will, wenn Fieberkrämpfe auftauchen oder wenn aus irgendeinem Grund Sorge um das Wohl des Kindes besteht.
  • Bei Erwachsenen: Wenn Fieber über 39 Grad Celsius über drei Tage anhält, wenn es wiederholt auftritt, wenn das Fieber über 40 Grad Celsius steigt, wenn man sich sehr schwach fühlt oder weitere Symptome auftauchen.
  • Wichtig: Im Zweifelsfall sollte man immer auf das eigene Bauchgefühl hören und einen Arzt aufsuchen, sobald man das Gefühl hat, einen zu brauchen.
Wenn Kinder unter Fieber leiden, sollte man mit einen Arztbesuch nicht allzu lange warten. (Bild: Rido/fotolia.com)

Was passiert im Körper bei Fieber?

Der Körper hat zahlreiche Möglichkeiten seine Temperatur zu erhöhen beziehungsweise besser zu halten. So kann zum Beispiel die Wärmeabgabe durch eine geringere Durchblutung beziehungsweise ein Zusammenziehen der Blutgefäße in der Haut reduziert werden. Auch werden unter Umständen die Extremitäten weniger durchblutet, um die Körpertemperatur im Kern zu stabilisieren. Entscheidender ist in Bezug auf das Fieber jedoch die Beschleunigung des Stoffwechsels, welche zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führt. Dies äußert sich zum Beispiel in einer erhöhten Herzschlagfrequenz. Um rund zehn Herzschläge pro Minute steigt die Frequenz je Grad Celsius des Temperaturanstiegs. Hohe Temperaturen können demnach mit regelrechtem Herzrasen verbunden sein. Auch die Atemfrequenz steigt im Zuge des beschleunigten Stoffwechsels spürbar. Eine extreme Form der körpereigenen Wärmeproduktion ist zudem die rhythmische Muskelkontraktion, bekannt als Schüttelfrost.

Verschiedene Methoden zur Fiebermessung

Zunächst erfolgt in der Regel eine Messung der Körpertemperatur mit Hilfe eines Fieberthermometers, wobei verschiedene Körperstellen für eine Temperaturmessung besonders gut geeignet sind. So lässt sich die Körpertemperatur zum Beispiel unter der Zunge (sublingual ), im After (rektal), im Ohr (aurikular) oder in der Achselhöhle (axillar) ablesen. Die präzisesten Ergebnisse in Bezug auf die tatsächliche Körperkerntemperatur liefert dabei die rektale Messung, allerdings ist sie im Vergleich zu der aurikularen Messung auch relativ umständlich. Denn im Ohr lässt sich mittels eines Ohrthermometers die Temperatur binnen weniger als zehn Sekunden ablesen, während die rektale Messung in der Regel deutlich länger dauert und von vielen Patienten als unangenehm empfunden wird.

Worauf muss bei der Fiebermessung geachtet werden?

Die Abweichungen zwischen Messungen an unterschiedlichen Körperstellen können bis zu einem halben Grad Celsius ausmachen. Wird bei der rektalen Messung eine Temperatur über 38 Grad Celsius festgestellt, gilt dies als Fieber. Eine Temperatur über 41,1 Grad Celsius (rektal gemessen) fällt unter die medizinische Bezeichnung Hyperpyrexie. Da die Körpertemperatur natürlicherweise im Tagesverlauf variiert, sollten idealerweise mehrere Messungen in zeitlichem Abstand durchgeführt werden. Dabei ist zu bedenken, dass die Körpertemperatur nachts deutlich niedriger liegt als tagsüber, dass körperliche Belastung zu einem Temperaturanstieg um bis zu zwei Grad Celsius führen kann und dass die Körpertemperatur am Nachmittag ihren Höchststand erreicht. Zudem zeigen sich bei Frauen Schwankungen der Körpertemperatur um circa ein halbes Grad Celsius in Abhängigkeit von ihrem Menstruationszyklus.

Eine rektale Fiebermessung gilt als genauste Methode. Eine Ohrmessung ist ebenfalls recht präzise, benötigt aber ein spezielles Ohrmessgerät. Die Messung unter der Achsel gilt als ungenau. (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS/fotolia.com)

Begleitsymptome

Die Verschiebung der Temperaturregulation hat bei den Fieber-Patienten nicht selten auch weitere Symptome zur Folge. So kann die verminderte Durchblutung der Extremitäten zu kalten Füßen und Händen führen. Die Haut erscheint aufgrund der verminderten Durchblutung mitunter bläulich marmoriert. Wird kurzzeitig Druck mit dem Finger auf die Haut ausgeübt, dauert es rund zwei Sekunden bevor der weißliche Abdruck wieder verschwindet. Hier sprechen Mediziner von einem reduzierten kapillärem Refill. Weitere allgemeine Begleitsymptome, die unabhängig von der jeweiligen Grunderkrankung auftreten können, sind:

Unterschiedliche Fieberformen

Fieber kann in Form wiederkehrender Temperaturspitzen im Tagesverlauf auftreten (Intermittierendes Fieber), konstant über einen längeren Zeitraum anhalten oder auch als eine Art Fieberschub, der wenige Tage dauert, verschwindet und anschließend wiederkehrt (Wechselfieber), in Erscheinung treten. Das sogenannte doppelgipflige Fieber, bei dem nach vorübergehender Erhöhung der Körpertemperatur für einige Tage zunächst ein Temperaturrückgang einsetzt und anschließend eine meist noch drastischere Erhöhung der Körpertemperatur folgt, gilt als typischer Hinweis auf eine Viruserkrankung. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr erleiden im Zug des Fiebers unter Umständen sogenannte Fieberkrämpfe, die mit einem Bewusstseinsverlust und plötzlichen Muskelkrämpfen – ähnlich wie bei einem epileptischen Anfall – verbunden sind.

Fiebererkrankungen werden häufig durch bakterielle oder virale Erreger ausgelöst. Die Fieberform und die Intensität hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. (Bild: rost9/fotolia.com)

Besondere Formen des Fiebers

Letztendlich lassen sich zahlreiche weiterer besondere Formen des Fiebers bestimmen, die nicht selten nach ihren auffälligen Begleitsymptomen benannt werden, wie beispielsweise das sogenannte Fleckfieber (Fieber begleitet von juckendem Hautausschlag) oder das Hämorrhagische Fieber (Fieber begleitet von Blutungen). Andere Fieber-Formen tragen Bezeichnungen gemäß ihren Auslösern, wie zum Beispiel das O’nyong-nyong-Fieber oder das Dengue-Fieber, jeweils hervorgerufen durch ein gleichnamiges Virus.

Hohes Fieber kann gefährlich werden

Wird eine Körpertemperatur über 40 Grad Celsius erreicht, kann dies vor allem für Erwachsene durchaus gefährlich werden. Kinder zeigen indes häufiger derart hohes Fieber, ohne das weitere gesundheitliche Folgen durch den Temperaturanstieg zu beobachten sind. Doch bei Erwachsenen ist eine Körpertemperatur über 40 Grad Celsius meist Anzeichen einer äußerst bedenklichen Infektion. Durch die Selbstregulation des Organismus mittels verschiedener Hormone, Neurotransmitter und bestimmter weiterer Botenstoffe, steigt die Körpertemperatur zwar nur sehr selten über 41 Grad Celsius. Wird diese Grenze jedoch überschritten, drohen die Zellproteine zu denaturieren und der Organismus reagiert mit der sogenannten Hitzeschock-Antwort, um sich zu schützen. Für die betroffenen Patienten besteht bei einem weiteren Temperaturanstieg das Risiko eines potenziell tödlichen Kreislaufversagens.

Wie hilft Fieber dem Körper?

Die unterstützende Funktion bei der Bekämpfung von Krankheitserregern basiert zum Teil ebenfalls auf dem Mechanismus der Hitzeschock-Antwort, allerdings vor allem in Richtung der Erreger. So reagieren zum Beispiel Bakterien mit einer Hitzeschock-Antwort auf den Temperaturanstieg, was dem Immunsystem wiederum die Bekämpfung der Eindringlinge erleichtert. Die ablaufenden Prozesse sind dabei äußerst komplex und bis heute nicht abschließend geklärt. Fest steht jedoch, dass Fieber die Heilung begünstigt und fiebersenkende Maßnahmen daher schlimmstenfalls sogar eine kontraproduktive Wirkung entfalten können.

Eine erhöhte Körpertemperatur behindert Viren und Bakterien bei der Vermehrung und erleichtert dem Immunsystem die Bekämpfung der Erreger. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Ursachen

Als besonders verbreitete Ursachen des Fiebers sind virale und bakterielle Infektionen zu nennen. Hier reichen die möglichen Auslöser von Grippeviren über Bakterien, wie Streptokokken und Pneumokokken, bis hin zu exotischen Krankheitserregern wie dem Dengue-Virus oder den einzelligen Parasiten aus der Gattung Plasmodium, welche Malaria verursachen. Zudem führen andersartige Entzündungsreaktionen im Organismus, wie beispielsweise eine Gefäßentzündung (Vaskulitis), mitunter ebenfalls zu Fieber. Des Weiteren können auch bestimmte Tumore (zum Beispiel Morbus Hodgkin) eine Erhöhung der Körpertemperatur auslösen. Traumaverletzungen, wie beispielsweise nach einem Unfall, sind gelegentlich ebenfalls mit Fieber verbunden.

Verbreitete Fieber-Ursachen bei Kindern

Zu den in Deutschland besonders häufigen fieberauslösenden Infektionskrankheiten zählen zum Beispiel die typischen Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln und Windpocken. Pseudokrupp, der eine meist viral bedingte Entzündung der oberen Atemwege beschreibt, die mit Husten, Heiserkeit und Atemnot einhergeht, ist bei Säuglingen und Kleinkindern ebenfalls als mögliche Ursache des Fieber zu bedenken. Husten in Verbindung mit anhaltenden erhöhten Körpertemperaturen sollte sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen Anlass zu einem Arztbesuch sein, da eine Lungenentzündung hinter dem Beschwerdebild stecken könnte.

Verbreitete Fieber-Ursachen bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen verbreitete Infektionskrankheiten, die Fieber verursachen, sind hierzulande grippale Infekte, Influenza, Mandelentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber und die klassischen Magen-Darm-Infektionen, ausgelöst durch Viren (beispielsweise Rotaviren oder Noroviren), Bakterien (zum Beispiel Salmonellen, Escherichia coli oder Campylobacter) und in seltenen Fällen durch sogenannte Protozoen (Einzelle wie beispielsweise Amöben). Eine Nierenbeckenentzündung ist ebenfalls als häufigere Ursache der erhöhten Körpertemperatur zu nennen. Schwerwiegendere Grunderkrankung, die jedoch glücklicherweise seltener auftreten, sind die potenziell lebensgefährlichen Hirnhautentzündungen und Herzmuskelentzündungen.

Die klassischen Infektionskrankheiten wie Grippe und Magen-Darm-Infektionen sind hierzulange die häufigsten Ursachen für Fiebererkrankungen bei Erwachsenen. (Bild: master1305/fotolia.com)

Rheumatisches Fieber

Eine besondere Form des bakteriell bedingten Fiebers ist das sogenannte rheumatische Fieber (Reaktive Arthritis), verursacht durch eine Streptokokken-Infektion beziehungsweise die Folge einer solchen Infektion. Streptokokken führen an sich zu Infektionskrankheiten wie Scharlach, Mandelentzündungen oder Mittelohrentzündungen. Im Nachgang zu der eigentlichen Infektion können die gebildeten Antikörper sich gegen den eigenen Körper wenden und Schäden im Bindegewebe, den Organen, den Gelenken, dem Nervensystem oder dem Gehirn bedingen.

Das rheumatische Fieber ist ein Teil dieses Prozesses. Wochen nach der eigentlichen Infektion leiden die Betroffenen unter hohen Körpertemperaturen sowie geschwollenen, überwärmten und schmerzenden Gelenken. Ähnliche Beschwerden wie das rheumatische Fieber ruft mitunter ein Gichtanfall hervor, wobei Gicht auf einer Fehlfunktion des Stoffwechsels beruht, die zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken führt. Das Fieber ist bei einem akuten Gichtanfall Folge der ablaufenden Entzündungsprozesse.

Fieber durch Vergiftungen

Auch Vergiftungen, zum Beispiel durch Pilztoxine, können von Fieber begleitet werden. Den Vergiftungen ist im Prinzip auch das sogenannte Polymerfieber zuzuordnen, welches durch die toxischen Zersetzungsprodukte von Teflon hervorgerufen wird. Eine zu starke Erhitzung des Teflons führt zu einem Abbau in giftige Fluor-Verbindungen, welche beim Einatmen grippeähnliche Beschwerden auslösen. Des weiteren können auch Arzneimittel beziehungsweise deren Nebenwirkungen Fieber auslösen. Hier treten die Beschwerden meist rund eine Woche nach Einnahme der Medikamente auf. Bekannt ist das Arzneimittelfieber zum Beispiel bei zahlreichen Antibiotika, Antimykotika (Arzneien gegen Pilzinfektionen) und Chemotherapeutika. Theoretisch kann eine entsprechende Reaktion des Organismus jedoch bei fast allen Arzneimitteln auftreten.

Autoimmun- und Erbkrankheiten

Fieber ist in eher seltenen Fällen auch im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise den Kollagenosen, die das Bindegewebe und die Blutgefäße befallen, zu beobachten. Auch kann das Fieber auf eine Erbkrankheit zurückgehen. Zu diesen sogenannten vererbbaren Fiebersyndromen zählen das familiäre Mittelmeerfieber (FMF), das Hyper-IgD-Syndrom (HIDS) und das sogenannte Tumornekrosefaktor-Rezeptor-1-assoziierte periodische Syndrom (TRAPS). Als gemeinsames Merkmal weisen die Fiebersyndrome wiederkehrende Fieberphasen auf, welche mit Entzündungszeichen im Blut verbunden sind.

Bei lange anhaltendem Fieber über mehr als drei Wochen, bei dem die üblichen Therapieversuche fehlschlagen, sprechen Mediziner von Fieber unbekannter Ursache. (Bild: triocean/fotolia.com)

Fieber unbekannter Ursache

Tritt das Fieber ohne offensichtliche Ursachen auf, dauert es mehr als drei Wochen mit gemessenen Temperaturen über 38,3 Grad Celsius an und bleiben die Standard-Behandlungen erfolglos, so sprechen Mediziner von einem Fieber unbekannter Ursache. Oft liegen diesem Fieber unentdeckte Infektionen, Tumorerkrankungen oder rheumatische Krankheiten zugrunde. Fieber mit unbekannten Ursachen wird in vier unterschiedliche Typen unterteilt:

  • Klassisches Fieber unbekannter Ursache,
  • Nosokomiales Fieber unbekannter Ursache,
  • Neutropenisches Fieber unbekannter Ursache,
  • Fieber unbekannter Ursache bei Menschen mit HIV.

Klassisches Fieber unbekannter Ursache

Dieser Fiebertyp ist von einer Fieberdauer über drei Wochen gekennzeichnet. Vielfach sind Infektionen, bösartige Tumore oder Erkrankungen des Bindegewebes wie rheumatische Erkrankungen oder Kollagenosen verantwortlich. Auch Erkrankungen der Blutgefäße sind denkbar.

Nosokomiales Fieber unbekannter Ursache

In diese Kategorie fallen Patienten, die nach einer stationären Aufnahme in einem Krankenhaus ein lange andauerndes Fieber entwickeln. Häufige Ursachen sind Lungenembolien, Darminfektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile oder Venenentzündungen, bei denen sich die Keime über die Blutbahn ausgebreitet haben. Des Weiteren kommen Reaktionen auf Medikamente in Betracht. Patienten, die infolge einer Nasensondenernährung an einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) erkranken, können ebenfalls ein solches Fieber entwickeln.

Neutropenisches Fieber unbekannter Ursache

Diese Fieberart kann bei Personen auftreten, die zu wenig weiße Blutkörperchen im Blut haben. Genauer gesagt: Die weniger als 500 neutrophiler Granulozyten pro Kubikmillimeter Blut vorweisen. Vielfach sind Bakterien, Pilze oder Viren für dieses Symptom verantwortlich. Ein typisches Merkmal für diesen Fiebertyp ist, dass in vielen Fällen die Organe nicht infiziert werden. Stattdessen werden die Erreger im Blut gefunden, ohne erkennbare Ursache, wie sie dort eingedrungen sind.

Fieber unbekannter Ursache bei Menschen mit HIV

Diese Fieberform tritt im Zusammenhang mit einer akuten oder im Verlauf einer bestehenden Infektion mit dem HI-Virus auf. Ursächlich sind hier zumeist Krankheitserreger, die bei gesunden Personen gewöhnlich keine Krankheiten hervorrufen (beispielsweise Zytomegalie-Viren, Pneumocystis jeroveci, Mycobacterium avium-intracellulare). Auch seltene Tumore wie das Kaposi-Sarkom oder Lymphdrüsenkrebs können für dieses Fieber verantwortlich sein.

Wenn bei Kindern mit Fieber weitere Symptome wie Teilnahmslosigkeit, anormale Reaktionen, anhaltende Erschöpfung, Fieberkrämpfe oder die Verweigerung von Flüssigkeitsaufnahme auftreten, sollte umgehend ein Besuch beim Arzt erfolgen. (Bild: detailblick-foto/fotolia.com)

Diagnose

Angesichts der Vielzahl an Ursachen, die Fieber auslösen können, gestaltet sich die Diagnose unter Umständen äußerst schwierig, insbesondere wenn weitere Begleitsymptome als Anhaltspunkte zur Diagnosestellung fehlen. So werden nach einer gründlichen Anamnese verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Ursache des Fiebers einzugrenzen.

Was macht der Arzt?

Ist die Temperaturerhöhung eindeutig festgestellt, folgen weitere Untersuchungen, um den Anlass des Fiebers zu ermitteln. Diese reichen von einer körperlichen Untersuchung mit Abhören und Abtasten möglicherweise erkrankter Organe über die Entnahme von Blutproben bis hin zu Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie.

Viele Ursachen werden im Labor identifiziert

Insbesondere die Blutuntersuchungen spielen bei der Bestimmung der Auslöser häufig eine besondere Rolle. So lassen sich die Erreger unter Umständen direkt im Rahmen einer mikroskopischen Analyse des Blutes feststellen, können aus dem Blut nachgezüchtet werden, hinterlassen Spuren ihres Erbmaterials im Blut oder sind anhand der jeweiligen Antikörper nachweisbar. Laboruntersuchungen des Urins können ebenfalls wichtige Informationen zu den Ursachen liefern. Als weitere Diagnoseverfahren sind gegebenenfalls endoskopische Untersuchungen (zum Beispiel Magenspiegelungen, Darmspiegelungen) vorgesehen. Im Zweifelsfall kommt zudem die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) in Betracht.

Begleitsymptome liefern Hinweise auf die Ursache

Anhand der Dauer ergeben sich unter Umständen weitere Hinweise auf die Ursache der erhöhten Körpertemperatur. Zwar lässt sich nach einem oder zwei Fiebertagen in der Regel noch keine Aussage zu den möglichen Auslösern treffen, doch je länger das Fieber anhält, desto zuverlässigere Rückschlüsse ermöglicht die Auswertung der sogenannten Fieberkurve. Zudem kommen nach einigen Tagen meist typische Begleitsymptome hinzu, die bereits ohne eine umfassendere Untersuchung recht präzise Diagnosestellungen ermöglichen. Letztendlich liefern die Dauer des Fiebers und die Begleitsymptome entscheidende Hinweise zur Diagnosestellung. Hier einige Beispiele:

  • Halsschmerzen: Typischer Hinweis auf eine Mandelentzündung.
  • Hautausschlag: Treten ab dem vierten Fiebertag Hautausschläge auf, könnte es sich um eine Masernerkrankung handeln.
  • Steifer Nacken: Ein steifer Hals in Kombination mit Fieber ist ein Warnsignal für eine mögliche Hirnhautentzündung.
  • Brustschmerzen: Leiden die Fieber-Patienten an Brustschmerzen oder Herzschmerzen kann dies Folge einer Entzündung des Herzens sein.
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Steigt das Fieber über 39 Grad Celsius, ist über die Einleitung fiebersenkender Maßnahmen nachzudenken. (Bild: svetamart/fotolia.com)

Medizinische Definition – Was ist Fieber?

Fieber beschreibt einen vom Organismus herbeigeführten Anstieg der Körpertemperatur. Dieser wird im sogenannten Wärmeregulationszentrum des Gehirns ausgelöst und ist eine Abwehrreaktion des Körpers. Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, dass der Körper als Reaktion auf die zugrundeliegende Ursache einsetzt. Mediziner sprechen erst von Fieber, wenn eine rektal gemessene Temperatur von 38,2 Grad Celsius erreicht wird. Auch unter normalen Bedingungen ist die Körperwärme von Schwankungen betroffen. Dies zählt sowohl für die einzelnen Körperregionen als auch für den Tagesverlauf. Messungen in der Achselhöhle gelten als ungenau und sollten möglichst vermieden werden. Ab einer Temperatur von mehr als 40 Grad Celsius kann die hohe Körpertemperatur bei Erwachsenen gefährlich werden – ab 42,6 Grad Celsius ist sie in der Regel tödlich.

Nicht verwechseln:

Fieber ist nicht zu verwechseln mit erhöhter Körpertemperatur durch Wärmeeinwirkung von außen beziehungsweise einer Überhitzung des Organismus bei körperliche Belastung. Hier erscheint die Körpertemperatur zwar ebenfalls erhöht, doch ist der Sollwert der Körpertemperatur unverändert.

Wie löst der Körper Fieber aus?

Fieber bezeichnet eine relativ weite Spanne der erhöhten Körpertemperatur, wobei die Folgen für den Organismus äußerst unterschiedlich ausfallen können. Grundlage des Fiebers ist eine Erhöhung des Sollwertes der Körpertemperatur im Zentrum der Temperaturregulation im Gehirn (genauer: im Hypothalamus). Eine wesentliche Rolle spielen hierbei bestimmte körpereigene Botenstoffe, die sogenannten endogenen Pyrogene. Diese führen zu einer Verschiebung des regulatorischen Gleichgewichtes der Körpertemperatur. Im Zusammenspiel mit anderen Hormonen beziehungsweise Botenstoffen hemmen die Pyrogene die Wärmesensitivität im Gehirn, was den Körper zu einer verstärkten Wärmebildung anregt. Die tatsächliche Temperatur wird niedriger wahrgenommen, als sie ist, und der Organismus versucht diesem entgegenzuwirken.

Therapie

Fieber ist eine natürliche Abwehrreaktion des Organismus, die selbst eigentlich keiner Behandlung bedarf. Vielmehr sollte die Ursache der erhöhten Körpertemperatur ermittelt und therapiert werden. Bis heute ist es jedoch in der medizinischen Praxis durchaus üblich, ab dem Überschreiten einer kritischen Körperkerntemperatur (bei Erwachsenen rund 40 Grad Celsius) fiebersenkende Maßnahmen einzusetzen, obwohl bekannt ist, dass die Senkung unter Umständen den Heilungsverlauf bremst beziehungsweise die Erkrankung verlängert.

Erreicht die Körperkerntemperatur Werte über 41 Grad Celsius sind die drohenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen jedoch möglicherweise schwerwiegender als eine Verlängerung des Krankheitsverlaufs. Hier kann demnach neben der Behandlung der Grunderkrankung auch die unmittelbare Behandlung des Fiebers sinnvoll sein.

Krankes Kind mit Wadenwickel
Wadenwickel sind ein äußerst wirksames Hausmittel gegen Fieber. (Bild: photophonie/fotolia.com)

Medikamente gegen Fieber

Zur Senkung der Körpertemperatur sind zahlreiche Arzneien, sogenannte Antipyretika wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol, verfügbar. Vor allem bei Kindern werden häufiger sogenannte Fieberzäpfchen verabreicht. Als Wirkstoff aus der Naturheilkunde kommt auch Weidenrinde zum Einsatz. Das enthaltene Salicin entfaltet dabei im Organismus eine fiebersenkende Wirkung.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Neben den medikamentösen Ansätzen zur Fiebersenkung empfehlen sich verschiedene begleitende Maßnahmen, wie beispielsweise Wadenwickel, die der Wärmeableitung dienen. Bei extrem hoher Körpertemperatur kann die Kühlung mittels Eisbeuteln auch zur Notfallversorgung dienen. Durch Auflage im Leistenbereich wird die Körperkerntemperatur schnell gesenkt. Begleitend sollten Patienten generell auf die Flüssigkeitsaufnahme achten, da ihr Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht ist.

Die Ursache bestimmt die geeignete Therapie

Die Auswahl der geeigneten fiebersenkenden Behandlung ist auch in Abhängigkeit von den Ursachen der Erkrankung zu sehen, wobei zum Beispiel gegen eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) mit anderen Mitteln agiert wird, als gegen weniger gefährliche Infektionen. Auch ist gründlich zu prüfen, ob die fiebersenkende Therapie überhaupt erforderlich wird. Beispielweise macht die medikamentöse Fiebersenkung bei einem eher harmlosen Schnupfen beziehungsweise einer Erkältung (grippaler Infekt) meist keinen Sinn.

Bettruhe bei Fieber?

Betroffenen wird allgemein empfohlen, sich keinen besonderen körperlichen Belastungen auszusetzen. Bettruhe ist jedoch nur bei bestimmten Krankheitsbildern erforderlich. Geht das Fieber zurück, wird vom Organismus vermehrt Wärme über die Haut abgegeben, um den nun wieder geringeren Sollwert der Körperkerntemperatur zu erreichen. Die oberflächlichen Blutgefäße weiten sich, die Haut erscheint gerötet und die Betroffenen beginnen verstärkt zu schwitzen.

Naturheilkunde

Wie bereits in den vorherigen Abschnitten dargestellt, ist Fieber Bestandteil der Immunantwort auf unterschiedliche Bedrohungen. Die Abwehrstrategie hat sich in der Evolution über Jahrtausende durchgesetzt und ist auch bei den meisten Tieren zu beobachten. Ihr Sinn steht daher außer Frage und eine Behandlung ist unter naturheilkundlichen Aspekten in der Regel nicht geboten. Auch hier gilt allerdings die bereits oben erwähnte Einschränkung, dass bei drohenden schwerwiegenden Folgen der erhöhten Körpertemperatur, die Fiebersenkung durchaus Sinn machen kann. Fühlen sich die Patienten extrem unwohl und geschwächt, ist unter Abwägung einer möglichen Verzögerung des Krankheitsverlaufs ebenfalls unter Umständen eine therapeutische Fiebersenkung in Betracht zu ziehen.

Heilpflanzen wie Kamillenblüten, Huflattich, Holunderblüten und Spitzwegerich haben sich bei Fieber bewährt. (Bild: Pixelot/fotolia.com)

Naturheilkundliche Unterstützung bei Fiebererkrankungen

Die Naturheilkunde nutzt – über die bereits erwähnten Hausmittel gegen Fieber (Wadenwickel, Eiswasserbeutel) hinaus – auch homöopathische Mittel (zum Beispiel Aconitum, Belladonna, Ferrum phosphoricum, Gelsemium) und Schüßler Salze (Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 5 Kalium phosphoricum), um die Körpertemperatur zu senken. Des Weiteren bieten sich unterschiedliche Heilpflanzen beziehungsweise pflanzenheilkundliche Wirkstoffe zur Fiebersenkung und Behandlung der Fieberursachen an. Beispielhaft seien hier Kamillenblüten, die Blätter des Huflattich, Extrakte der Holunderblüte und Spitzwegerichkraut erwähnt. Mitunter wird gegen das Fieber in der naturheilkundlichen Therapie auch die Orthomolekulare Medizin (OM) eingesetzt, bei der hochdosierte Vitamine eine Linderung der Beschwerden bewirken sollen. Grundsätzlich wird jedoch in der Naturheilkunde – wie auch in der Schulmedizin – weniger gegen das Fieber, als vielmehr gegen dessen Ursachen angegangen. (fp, vb; aktualisiert am 09. Oktober 2018)


Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin – „Mein Kind hat Fieber“ (Fachblatt)
  • Internisten im Netz – Berufsverband Deutscher Internisten (BDI)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj)
  • Diagnosis and empirical treatment of fever of unknown origin in adult neutropenic patients (Leitlinie) der Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)