Schüßler-Salze

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Schüßler-Salze sind in Deutschland seit Jahren sehr beliebt und in vielen Apotheken ein Verkaufsschlager. Fast jeder hat schon von ihnen gehört, kennt jemanden, der darauf schwört oder hat sie sogar selbst ausprobiert: Nr. 7 Magnesium phosphoricum gegen Kopf- oder Regelschmerzen, Nr. 11 Silicea zur Stärkung des Bindegewebes oder Nr. 3 Ferrum phosphoricum zur Steigerung der Abwehrkräfte.

Doch was ist wirklich dran an der Methode? Gibt es Wirkungsnachweise? Und kann „Schüßlern“ auch Nebenwirkungen haben? Darüber informieren wir Sie im folgenden Artikel.


Ihren Namen haben die Salze vom Begründer dieser Therapieform, dem Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898). Er stellte die Theorie auf, dass die meisten Krankheiten aufgrund einer Störung im Mineralstoffhaushalt des Menschen entstehen. Schüßler wies zwölf Mineralstoffverbindungen nach, die im Körper besonders wichtige Funktionen erfüllen. Mit der starken Verdünnung dieser Stoffe war es aus seiner Sicht möglich, Störungen im Mineralstoffhaushalt im Inneren der Zellen sowie in den Zellzwischenräumen zu beheben und so den Körper zur Selbstheilung anzuregen. Die Schüßler-Salz-Therapie wird auch „biochemische Heilweise“ oder „biochemische Therapie“ genannt.

Schssler Salze mit Lavendel
Schüßler-Salze sollen bei unterschiedlichsten Beschwerden helfen. (Bild: Kathrin39/fotolia.com)

Schüßler-Salze werden häufig von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern, zum Teil aber auch von Schulmedizinerinnen und Schulmedizinern eingesetzt. Da sie rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, verwenden viele Menschen sie auch zur Selbstbehandlung. Es gibt sie in Form von Tabletten, Globuli, Cremes, Tropfen, Pulvern, Lotionen, Salben und Gelen.

Bislang liegen keine wissenschaftlich anerkannten Studien über die Wirksamkeit von Schüßler-Salzen vor. Zudem ist ihre angenommene Wirkungsweise nicht mit den Grundsätzen der Naturwissenschaft vereinbar. Daher werden sie von der evidenzbasierten Medizin (Schulmedizin) den alternativmedizinischen oder auch komplementärmedizinischen Verfahren zugeordnet. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Schüßler-Salze wirkungslos sind. Ihre Wirkung konnte aus wissenschaftlicher Sicht bis heute lediglich nicht plausibel nachgewiesen werden. Viele Therapeutinnen und Therapeuten sind dagegen von der Wirksamkeit der Schüßler-Salz-Therapie überzeugt und führen gute Erfahrungen im Einsatz der Salze als Argument an.

Was sind Schüßler-Salze?

Schüßler-Salze sind Mineralsalze, die nach den Regeln der homöopathischen Potenzierung sehr stark verdünnt werden. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie weiter unten im Abschnitt „Herstellung der Schüßler-Salze: Die Potenzierung“. Der Begriff „Salz“ steht für kristalline Substanzen, die sich aus zwei Ausgangsstoffen zusammensetzen, wie etwa beim Natriumchlorid (Na-Cl, Speisesalz).

Ursprung der Schüßler-Salz-Therapie

Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler arbeitete zu Beginn seiner Laufbahn im neunzehnten Jahrhundert als homöopathischer Arzt. Die Forschungen von Jacob Moleschott und Justus von Liebig bezüglich des Mineralhaushaltes von Tieren und Pflanzen sowie die Erkenntnisse des Zellularforschers Rudolf Virchow weckten sein Interesse. Deshalb begann Schüßler selbst, die Wirkung von Mineralstoffen im menschlichen Organismus zu erforschen. Dabei entdeckte er unter anderem, dass in der Asche menschlicher Überreste noch zwölf Mineralstoffe nachweisbar waren. Diese Mineralsalze erkor er zu den zwölf Schüßler-Salzen. Nach Schüßlers Tod wurden diese von Anhängerinnen und Anhängern der Therapieform um fünfzehn „Ergänzungsmittel“ erweitert.

Vier Grundsätze der Schüßler-Salz-Therapie

Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler stellte für seine Schüßler-Salz-Therapie die folgenden vier Grundsätze auf:

  • Der erste Grundsatz besagt, dass Krankheiten beziehungsweise gesundheitliche Störungen durch das Fehlen von bestimmten Mineralstoffen in den Zellen entstehen.
  • Laut des zweiten Grundsatzes kann sich der Körper durch das Zuführen der fehlenden Mineralstoffe regenerieren.
  • Für den dritten Grundsatz gilt, dass Schüßler-Salze nur in geringsten Mengen zugeführt werden sollten, was durch die Potenzierung (starke Verdünnung) gewährleistet ist.
  • Der vierte Grundsatz besagt, dass die Mineralsalze so stark verdünnt verabreicht werden sollten, dass sie sofort über die Schleimhäute von Mund und Rachen ins Blut aufgenommen werden können. Auch dies soll durch die Potenzierung sichergestellt werden.

Wirkung von Mineralstoffen im Körper und Folgen eines Mineralstoffmangels

Mineralstoffe sind für den menschlichen Körper lebenswichtig. Sie sind an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Manche von ihnen, wie Calcium, kommen zum Beispiel in den Knochen vor. Andere erfüllen wichtige Funktionen im Hormonsystem, Immunsystem oder bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen.

Behälter mit verschiedenen Milchprodukten
Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark oder Sahne sind wichtige Calciumlieferanten. (Bild: Jenny Sturm/fotolia.com)

Ein Mineralstoffmangel kann also gravierende Folgen für den Organismus haben und uns krank machen. Eisenmangel führt zum Beispiel unter anderem zu Müdigkeit und Erschöpfung, Calciummangel kann zur Folge haben, dass die Knochenfestigkeit abnimmt und ein Mangel an Zink macht sich häufig in einer geschwächten Abwehr gegen Infektionen bemerkbar.

Verschiedene Ursachen können zu einem Mineralstoffmangel führen. Dazu zählen etwa ein erhöhter Bedarf durch eine Schwangerschaft, Rauchen, Stress oder Leistungssport. Auch eine einseitige Ernährung oder bestimmte Krankheiten können zu einem Mangel führen.

Bei einem Mangel an bestimmten Mineralstoffen im Körper greift dieser zuerst auf seine Reserven zurück. Diese sind in sogenannten Arbeits- oder Langzeitspeichern an verschiedenen Stellen im Organismus vorhanden. Die Arbeitsspeicher reagieren sofort auf akuten Mangel, wobei die Langzeitspeicher eher als Depot dienen. So ist bei geringfügigem Mangel noch kein Engpass vorhanden. Ist der Mangel an Mineralstoffen jedoch größer, holt sich der Körper das, was er braucht, aus Blut und Zellflüssigkeit. In fortschreitendem Stadium werden die Depots angegriffen. Sind auch diese schließlich leer, beginnt der Organismus mit der Demineralisation von verschiedenen Gewebestrukturen.

Der Entzug von Mineralstoffen kann verschiedene, mitunter massive, Beeinträchtigungen der Gesundheit hervorrufen. Als Beispiel sei hier die Osteoporose genannt. Mit seiner Theorie, dass Krankheiten eine Folge von Mineralstoffmangel sind, lag Schüßler also definitiv richtig. Allerdings können bei weitem nicht alle Krankheiten auf einen Mangel an Mineralstoffen zurückgeführt werden.

Mögliche Wirkungsweise der Schüßler-Salze

Stellt man einen Mineralstoffmangel fest, läge es nahe, diesen mit dem Zuführen der fehlenden Stoffe direkt auszugleichen und die Mineralstoffdepots wieder aufzufüllen, bei Eisenmangel etwa durch die Gabe von Eisentabletten. Manchmal liegt das Problem aber nicht unbedingt in einer mangelnden Zufuhr der Mineralstoffe, sondern an einer Aufnahme- oder Verwertungsstörung.

Wilhelm Heinrich Schüßler vertrat die These, dass seine Schüßler-Salze direkt im Zellinneren die Zellen bei der Aufnahme, Verarbeitung und Verwertung der Mineralstoffe unterstützen. Sie sollen die Selbstheilungskräfte anregen und die Körperzellen dazu bringen, wieder reibungslos zu funktionieren.

Aus Schüßlers Sicht mussten dafür die Ausgangsstoffe stark verdünnt werden, um die Zellmembran ungehindert passieren zu können. Der Mineralstoffmangel sollte zusätzlich über die Ernährung beziehungsweise Einnahme der fehlenden Mineralstoffe ausgeglichen werden.

Schüßler sah die Schüßler-Salze, also die stark verdünnten Mineralstoffe, dabei als sogenannte „Funktionsmittel“, während die Mineralstoffe in unverdünnter Reinform aus seiner Sicht das „Baumaterial“ darstellten. Um bei diesem Bild zu bleiben, könnte man die Schüßler-Salze quasi als Bauarbeiter auffassen, die in den Zellen dafür sorgen, dass die Baustoffe, also die Mineralstoffe, an die richtigen Stellen kommen und ordnungsgemäß verarbeitet werden.

Frau startet Sprint
Durch verschiedene Faktoren wie Leistungssport, Schwangerschaft oder Stress kann sich der Mineralstoffbedarf erhöhen. (Bild: iuricazac/fotolia.com)

Die starke Verdünnung der Mineralstoffe ist der Punkt, der von Gegnerinnen und Gegnern der Schüßler-Salz-Therapie am häufigsten angegriffen wird: Die Potenzierung macht einen Ausgleich eines Mineralstoffmangels über die Schüßler-Salze schier unmöglich, weil enorme Mengen davon eingenommen werden müssten, um die Mineralstoffdepots im Körper zu füllen. Und wenn die Mineralstoffe ergänzend zu den Schüßler-Salzen eingenommen werden, ist eine beobachtbare Wirkung vermeintlich auf die Mineralstoffe selbst zurückzuführen anstatt auf die Schüßler-Salze.

Da bisher keine wissenschaftlich anerkannten Studien dazu vorliegen, kann man an dieser Stelle leider nur spekulieren. Eine Möglichkeit für eine angenommene Wirkung wäre jedoch, dass innerhalb des Zellstoffwechsels Probleme bei der Aufnahme, Verarbeitung oder Verwertung der Mineralstoffe vorliegen, die durch die Schüßler-Salze behoben werden, sodass die eigentlichen Mineralstoffe wieder wirken beziehungsweise aufgenommen werden können.

So könnte ein Eisenmangel bei einem Menschen zum Beispiel nicht zwangsläufig damit zusammenhängen, dass dieser Mensch zu wenig Eisen über die Nahrung aufnimmt, sondern dass das Eisen von den Zellen nicht gut aufgenommen oder verwertet werden kann. Mit der Einnahme des Schüßler-Salzes Ferrum phosphoricum könnte diese Störung möglicherweise behoben werden.

Herstellung der Schüßler-Salze: Die Potenzierung

Genau wie homöopathische Mittel werden auch die Schüßler-Salze potenziert. Bei der Potenzierung handelt es sich um eine methodisch genau festgelegte, schrittweise Verdünnung. Zur Verdünnung der Mineralsalze wird normalerweise Milchzucker (Laktose) verwendet. Es gibt inzwischen aber auch laktose- und glutenfreie Schüßler-Salze als Globuli. Bei diesen ist Saccharose (Rohrzucker) der Trägerstoff. Auch in Tropfenform sind die Schüßler-Salze erhältlich.

Der jeweilige Mineralstoff wird zunächst durch Mahlen sehr stark zerkleinert. Dann wird ein Teil Mineralsalz genommen und mit neun Teilen Laktose (oder Saccharose oder einem anderen Trägerstoff) vermischt. Das ist der erste Grad der Verdünnung in Dezimalschritten, die sogenannte Dezimalpotenz D1. Um eine D2 zu erhalten, nimmt man ein Teil der D1 und verdünnt sie wiederum mit neun Teilen Laktose (oder Saccharose). Und immer so weiter, bis man die D6 oder D12 erreicht, also die beiden Potenzen, die bei der Verabreichung von Schüßler-Salzen am häufigsten angewendet werden.

Die meisten Schüßler-Salze werden in D6 verabreicht. Ausnahmen sind die Schüßler-Salze Nr. 1 Calcium fluoratum, Nr.3 Ferrum phosphoricum und Nr. 11 Silicea, welche in der Potenz D12 eingenommen werden. Dies beruht auf Erfahrungswerten.

Abgrenzung der Schüßler-Salz-Therapie zur Homöopathie

1873 veröffentlichte Wilhelm Heinrich Schüßler einen Artikel über seine Forschungsarbeiten, „Eine abgekürzte homöopathische Therapie” in der „Allgemeinen Homöopathischen Zeitung”, woraufhin ihn viele Vertreterinnen und Vertreter der Homöopathie angriffen. Denn bei der Wahl der Mittel hielt er sich nicht an einen wichtigen Grundsatz der Homöopathie. Dort gilt das Ähnlichkeitsprinzip: Eine Krankheit kann demnach nur mit dem Mittel geheilt werden, das bei einem Gesunden die Symptome der Krankheit hervorrufen würde.

Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, kam durch die mehrtägige Einnahme von Chinarindenextrakt zu dieser Aufassung. Darauf reagierte er jedes Mal mit typischen Symptomen einer Malaria-Erkrankung. Als er den Chinarindenextrakt absetzte, verschwanden die Symptome. Diese Beobachtungen wiederholte er mit diversen weiteren Mitteln und gründete darauf das Ähnlichkeitsprinzip (auch Simile-Prinzip) der Homöopathie: similia similibus curantur – Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt. Schüßler hingegen verschrieb dasjenige Mineralsalz, von dem er beim Kranken einen Mangel vermutete. Trotz der Kritik blieb Schüßler dem von ihm eingeschlagenen Weg treu.

Gelbe Blüten der Arnica-Pflanze
In der Homöopathie kommen auch Mittel aus dem Pflanzen- und Tierreich zum Einsatz, zum Beispiel Arnica. (Bild: popovj2/fotolia.com)

Ein weiterer Unterschied ist, dass bei den Schüßler-Salzen ausschließlich Mineralstoffe verabreicht werden, die natürlicherweise im Körper vorkommen. Hingegen werden bei der Homöopathie häufig auch Mittel eingesetzt, die im Organismus nicht vorhanden sind. Zwar gibt es auch die Mineralstoffe als homöopathische Mittel, diese umfassen jedoch inzwischen mehrere tausend Mittel, die beispielsweise auch aus dem Tier- oder Pflanzenreich oder aus Krankheitserregern gewonnen werden.

Bei der Einnahmemenge bestehen ebenso große Unterschiede. Schüßler-Salze werden in wesentlich größeren Mengen verabreicht und meist kurweise eine Zeitlang regelmäßig eingenommen. Bei einer klassischen homöopathischen Behandlung wird das gewählte Mittel normalerweise nur einmal gegeben. Danach wird es nur dann wieder eingenommen, wenn die Beschwerden sich nach vorheriger Besserung wieder zeigen und keine neuen Symptome dazugekommen sind.

Eine Gemeinsamkeit der beiden Methoden ist die weiter oben beschriebene Potenzierung. Sowohl homöopathische Mittel als auch Schüßler-Salze werden bei der Herstellung extrem stark verdünnt.

Aus den Unterschieden der beiden komplementärmedizinischen Methoden heraus entstehen immer wieder kontroverse Diskussionen zwischen Anhängerinnen und Anhängern der Homöopathie und solchen der Schüßler-Salze. Dennoch gibt es Therapeutinnen und Therapeuten, die beide Verfahren parallel anwenden und hiermit gute Erfahrungen gesammelt haben.

Auswahl der Salze

Die Wahl der Salze nahm W. H. Schüßler vor allem mit Hilfe der Antlitzanalyse vor. Das heißt, er nahm bestimmte Auffälligkeiten im Gesicht des Patienten oder der Patientin (beispielsweise Augenringe, Tränensäcke, eingerissene Mundwinkel, Pickel, auffällige Gesichtsfarbe) und leitete daraus einen Mangel an bestimmten Mineralstoffen ab.

Auch „Störungen“ der Stoffwechselfunktionen und „Bedürfnisse“, beispielsweise ein übermäßiges Verlangen nach Schokolade, wurden in die Wahl des Salzes miteinbezogen. Diese Kriterien haben bis heute ihre Gültigkeit im Rahmen der Schüßler-Salz-Therapie behalten.

Frau betrachtet ihr Gesicht im Spiegel
Auffälligkeiten im Gesicht wie Augenringe oder Hautunreinheiten helfen bei der Auswahl des passenden Schüßler-Salzes. (Bild: miya227/fotolia.com)

Nebenwirkungen

Bisher sind keine Nebenwirkungen von Schüßler-Salzen bekannt. Bei Beschwerden wie einer harmlosen Erkältung oder leichten Regelschmerzen spricht also nichts dagegen, diese Methode einmal auszuprobieren und selbst zu beobachten, ob die Beschwerden sich bessern.

Allerdings reagieren manche Menschen auf bestimmte Trägerstoffe mit Allergien oder Unverträglichkeiten. Achten Sie daher auf die Zusammensetzung des Präparats und lassen Sie sich gegebenenfalls zu den Inhaltsstoffen beraten. Es gibt inzwischen laktose- und glutenfreie Alternativen zu den herkömmlichen Schüßler-Salz-Tabletten auf Laktosebasis.

Sollten Sie nach der Einnahme eines Schüßler-Salz-Präparats doch einmal körperliche Auffälligkeiten beobachten, bei denen es sich um Nebenwirkungen handeln könnte, bieten einige Hersteller auf ihren Internetseiten Meldeformulare dafür an. Nehmen Sie das Präparat im Zweifel nicht weiter ein und holen Sie fachkundigen medizinischen Rat ein.

Hinweis: Bei schwerwiegenden Erkrankungen sollten Sie unbedingt Rücksprache mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin halten, ob sich Schüßler-Salze eventuell zur begleitenden Einnahme eignen. Keinesfalls sollten Sie ernste Beschwerden ausschließlich mit Schüßler-Salzen behandeln oder ärztlich verordnete Medikamente absetzen.

Wie werden Schüßler-Salze eingenommen?

Die Schüßler-Salze sollen vorrangig über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Daher werden die Tabletten oder Globuli gelutscht beziehungsweise man lässt sie ganz einfach auf der Zunge zergehen. Tropfen gibt man auf die Zunge. Eine weitere Möglichkeit ist das Auflösen der Tabletten oder Globuli in etwas warmem Wasser. Umgerührt werden darf dieses laut Theorie nur mit einem Holz- oder Plastiklöffel. Vor dem Hinunterschlucken wird die Flüssigkeit noch etwas im Mund behalten, damit sie von der Schleimhaut besser aufgenommen werden kann.

Das Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum sollte ausschließlich in Wasser aufgelöst eingenommen werden – und zwar in heißem, einmal aufgekochtem und leicht abgekühltem Wasser.

Diabetiker sollten auf die Schüßler-Salze auf Milchzuckerbasis generell besser verzichten. Hier können alternativ die lactosefreien Tropfen zum Einsatz kommen. Kinder nehmen Schüßler-Salze als Globuli häufig lieber ein als in Tabletten-Form.

Schüßler-Salze machen nicht abhängig und können über Jahre hinweg eingenommen werden, ohne dem Körper zu schaden. Die Kombination verschiedener Salze sollte allerdings erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten überlassen werden. Einige gängige Kombinationen kann man auch auf den Internetseiten einiger Hersteller einsehen oder Büchern zum Thema entnehmen.

Übersicht der Schüßler-Salze

Die ursprüngliche Schüßler-Salz-Therapie basierte auf zwölf Grundsalzen. Nach Wilhelm Heinrich Schüßlers Tod wurde seine Behandlungsmethode fortgeführt. Dadurch kamen bis heute weitere fünfzehn sogenannte Ergänzungssalze hinzu. Die einzelnen Salze haben aus Sicht W. H. Schüßlers und der heutigen Verfechterinnen und Verfechter dieser Methode einen großen Anwendungsbereich, weshalb nachfolgend jedes Salz nur in Kürze dargestellt wird.

Grafik Übersicht der Schüßler-Salze Nummer 1 bis 6
Übersicht der Grundsalze 1 bis 6 mit der von Dr. Schüßler angegebenen Funktion. (Grafik: Eigenarbeit /copyright Heilpraxis.de)
Grafik Übersicht der Schüßler-Salze Nummer 7 bis 12
Übersicht der Grundsalze 7 bis 12 mit der von Dr. Schüßler angegebenen Funktion. (Grafik: Eigenarbeit /copyright Heilpraxis.de)

Nr. 1 Calcium fluoratum

Calcium fluoratum (Flussspat) gilt als das Salz für Haut und Bindegewebe. Wenn Elastizität verloren gegangen oder aber Erschlaffung eingetreten ist, könnten das Hinweise darauf sein, dass die Nr. 1 das passende Schüßler-Salz ist. So soll dieses Salz sowohl bei erschlafften Bändern als auch bei verhärteten Drüsen wirken. Schwielen, Hornhaut und brüchige Nägel sind laut den Grundlagen der Schüßler-Salz-Therapie Anzeichen dafür, dass dem Körper das Schüßler-Salz Nr. 1 Calcium fluoratum fehlt beziehungsweise dieses nicht ausreichend aufgenommen oder verwertet werden kann.

Nr. 2 Calcium phosphoricum

Schüßler bezeichnte die Nr. 2 als das „Salz der Knochen und der Zähne“. Calcium phosphoricum, zu Deutsch phosphorsaurer Kalk, wird zusammen mit Calcium fluoratum, Magnesium und Natrium chloratum für den Knochenaufbau benötigt. Dieses Salz soll laut Anhängerinnen und Anhängern der Schüßler-Salz-Therapie bei Beschwerden helfen, die nach Wärme verlangen, vor allem in Gliedern und Gelenken. Auch die Bildung der weißen und roten Blutkörperchen soll mit der Nr. 2 unterstützt werden können.

Nr. 3 Ferrum phosphoricum

Das Schüßler-Salz Nr. 3 Ferrum phosphoricum (auch phosphorsaures Eisen) gilt als „Salz des Immunsystems“ und als das sogenannte „Entzündungssalz der ersten Stufe“. Dies bedeutet, dass Ferrum phosphoricum aus Sicht der Anhängerinnen und Anhänger dieser Therapieform bei allen Entzündungen des Körpers im Anfangsstadium zum Einsatz kommen kann – sei es eine Erkältung, ein Darminfekt oder eine durch Verletzung verursachte Entzündung. Bei leichtem Fieber bis zu 38,5 Grad Celsius ist die Nr. 3 das Mittel der Wahl. Bei Verletzungen wird sie häufig im Akutfall eingesetzt.

Die Nr. 3 Ferrum phosphoricum ist eines der bekanntesten Schüßler-Salze und soll die Abwehrkräfte stärken. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Nr. 4 Kalium chloratum

Kalium chloratum oder auch Kaliumchlorid gilt als das „Entzündungssalz der zweiten Stufe“. Eine beginnende Erkältung mit leichten Halsschmerzen und rauem Hals könnte beispielsweise den Einsatz des Schüßler-Salzes Nr. 3 anzeigen. Kommen im weiteren Krankheitsverlauf Schwellungen und Schleimabsonderungen hinzu, könnte Nr. 4 Kalium chloratum das passende Mittel sein.

Kaliumchlorid wird auch das „Salz der Schleimhäute“ genannt. Bei allen Erkrankungen, bei denen die Schleimhäute betroffen sind, kann dieses Salz verwendet werden. Mögliche Beispiele wären hier eine Bronchitis oder auch eine Blasenentzündung.

Nr. 5 Kalium phosphoricum

Kalium phosphoricum (auch Kaliumphosphat) gilt als „Salz der Nerven und der Psyche“, das sowohl im zentralen Nervensystem als auch im vegetativen Nervensystem zum Einsatz kommen kann. Kalium phosphoricum soll bei Ängstlichkeit, Zaghaftigkeit und chronischer Müdigkeit helfen. Therapeutinnen und Therapeuten, die die Schüßler-Salz-Therapie einsetzen, verwenden dieses Salz bei jeder Erkrankung, mit der Erschöpfung einhergeht.

Nr. 6 Kalium sulfuricum

Kalium sulfuricum, zu Deutsch Kaliumsulfat, wird als „Salz des Zellinneren“ sowie als „Entzündungssalz der dritten Stufe“ angesehen. Ist eine Entzündung weit fortgeschritten, was sich zum Beispiel während einer Erkältung an gelb-grünlichen Absonderungen äußert, oder ist sie bereits chronisch geworden, kommt das Schüßler-Salz Nr. 6 in Frage. Auch wird die Nr. 6 bei Krankheiten empfohlen, die nicht so verlaufen, wie es eigentlich kennzeichnend für sie wäre.

Nr. 7 Magnesium phosphoricum

Magnesium phosphoricum, auch phosphorsaures Magnesium genannt, ist bekannt als „heiße Sieben“. Dr. Schüßler beobachtete, dass dieses Salz sich am besten bewährt, wenn es mit abgekochtem heißem Wasser in Verbindung kommt. Magnesium phosphoricum soll in der Lage sein, flüchtige Ammoniakgase zu binden und auszuscheiden. Fehlt dieses Salz im Körper, soll dies zu Blähungen führen. Das in heißem Wasser aufgenommene Salz soll laut Schüßler-Therapeutinnen und -Therapeuten bei der Abkühlung im Darm dort die Ammoniakgase binden und diese zur Ausscheidung bringen. Dieses Salz soll vor allem bei allen Verkrampfungen und Schmerzen angebracht sein, so etwa bei Menstruationsbeschwerden, Bauchschmerzen, Darmkrämpfen, Kopfschmerzen und vielem mehr.

Nr. 8 Natrium chloratum

Das Schüßler Salz Nr. 8 Natriumchlorid soll einen starken Einfluss auf den Flüssigkeitshaushalt des Körpers ausüben. Natrium chloratum soll sowohl einen Mangel als auch einen Überschuss an Flüssigkeit ausgleichen. So kommt dieses Salz zum Beispiel bei Schwellungen, aber auch bei zu wenig Durst zum Einsatz. Die Nr. 8 soll in der Lage sein, Gifte zu binden und diese auszuleiten. So wird es häufig bei Insektenstichen verwendet, um die organischen Gifte des Insekts wieder aus dem Körper heraus zu schleusen.

Nr. 9 Natrium phosphoricum

Das Schüßler Salz Nr.9 phosphorsaures Natrium ist aus Sicht Dr. Schüßlers ein wichtiges Lymphmittel, das vor allem bei Kindern gute Wirkung zeigen soll. Bei einem Harnsäureüberschuss im Körper fehlt meist Natrium phosphoricum. Ebenso kann dieses Salz verwendet werden, um angefallene Säuren im Körper zu binden. Es soll in der Lage sein, den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Symptome von Rheuma können sich bemerkbar machen, wenn Natrium phophoricum in den Nervenfäden fehlt.

Nr. 10 Natrium sulfuricum

Natrium sulfuricum, auch als Natriumsulfat bekannt, gilt als „Ausscheidungssalz“ und soll bei der Einnahme ein günstiges Folgesalz der Nr. 9 sein. Die mit Hilfe von Natrium phosphoricum gebundenen Säuren werden nach Ansicht der Schüßler-Anhängerinnen und -Anhänger durch die Einnahme der Nr. 10 nach außen gebracht. So soll Nr. 9 die Säuren binden und Nr. 10 sie ausscheiden. Auch bei grippalen Infekten, vor allem mit Schüttelfrost, soll die Nr. 10 Linderung verschaffen. Natrium sulfuricum soll zudem die Entwässerung fördern.

Mann liegt erkältet im Bett
Einige Schüßler-Salze sollen gegen Erkältungen wirken. (Bild: Michael Eichhammer/fotolia.com)

Nr. 11 Silicea

Silicea ist besser bekannt als Kieselsäure und befindet sich in allen Zellen, Geweben und Organen. Silicea kräftigt Haut, Haare und Bindegewebe. Das Schüßler-Salz Nr. 11 wird deshalb unter anderem bei Dehnungsstreifen, Krampfadern und Besenreisern empfohlen. Das Salz Nr. 11 soll den Körper auch bei Eiteransammlungen unterstützen, diese auszuscheiden oder abzubauen. Auch Blutergüsse können laut der Theorie von Dr. Schüßler mit Hilfe dieses Salzes schneller abgebaut werden.

Nr. 12 Calcium sulfuricum

Das schwefelsaure Calcium gilt als „Salz der Dynamik“ und soll eine reinigende Wirkung auf alle Schleimhäute haben. Dr. Schüßler zählte Calcium sulfuricum nicht immer zu den Schüßler-Salzen, da er Nr. 9 Natrium phosphoricum zusammen mit Nr. 11 Silicea als vollständigen Ersatz für das Salz Nr. 12 sah. Das Schüßler-Salz Nr. 12 wird im Rahmen der Schüßler-Salz-Methode bei Eiterungen zum Einsatz gebracht, wenn bereits ein Ablauf geschaffen ist. Somit zählt es hier zum Folgemittel der Nr. 11. Dieses Salz soll darüber hinaus der Säureausscheidung dienen und wird auch bei Entzündungen mit dicken Absonderungen gegeben.

Die Schüßler-Salze als Cremes, Gele und Lotionen

Die zwölf Schüßler-Salze können auch äußerlich in Form von Salben, Cremes und Gelen angewandt werden. Dies hat den Vorteil, dass sie bei Problemen mit Haut, Muskeln oder Gelenken genau dort eingesetzt werden können, wo die Beschwerden bestehen. Die Anwendung der Salben, Cremes oder Gele kann auch mit der innerlichen Einnahme der Schüßler-Salze kombiniert werden.

Salben sind auf Fettbasis ohne Wasseranteil hergestellt und deshalb bei trockener Haut empfehlenswert. Cremes enthalten Fett und Wasser, was vor allem an behaarten Körperstellen von Vorteil ist. Gele enthalten kein Fett. Sie werden deshalb gerne bei fettiger Haut angewandt. Gele haben zusätzlich eine kühlende Wirkung.

Die Ergänzungssalze

Dies sind Kombinationen, die Dr. Schüßler mit den ihm zur Verfügung stehenden Methoden nicht erforschen konnte und deshalb auch nicht kannte. Durch die verbesserten Analysemethoden im zwanzigsten Jahrhundert wurden diese Mineralstoffverbindungen im Körper gefunden. Die Ergänzungssalze sind in wesentlich geringerer Dosis im Körper vorhanden als die zwölf Grundsalze.

In der Schüßler-Salz-Therapie werden die Ergänzungssalze oft dann eingesetzt, wenn der Therapieerfolg noch nicht zufriedenstellend ist. Die Ergänzungssalze erfordern eine eingehende Anamnese und eine besonders umsichtige Auswahl der einzelnen Salze. Diese fünfzehn zusätzlichen Salze werden in geringeren Dosen eingesetzt, als es bei den zwölf Grundsalzen der Fall ist. Laut der Therapeutinnen und Therapeuten, die die Schüßler-Salz-Therapie anwenden, kann durch den Einsatz der Ergänzungssalze die Wirkung der Grundsalze verstärkt werden.

Die Deutsche ApothekerZeitung Online stellt eine detaillierte tabellarische Übersicht der Ergänzungssalze mit einer Erklärung ihrer Funktion im Körper, dem Organbezug sowie möglichen Anwendungsgebieten zur Verfügung. (kh, sw)

Autor:
Magistra Artium (M.A.) Katja Helbig
Quellen:
  • Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009.
  • Müller-Frahling, Margit. Schüßler-Salze in der Praxis. Grundlagen und Wirkungsbereiche der Mineralstoffe nach Dr. Schüßler; Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ online), Ausgabe 13/2008, Deutsche Apotheker-Zeitung online
  • Haverland, Daniela. Komplementäre Therapien. Theorie und Praxis. Die Grundlagen der Biochemie nach Dr. Schüßler; Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ online), Ausgabe 31/2015, Deutsche Apotheker-Zeitung online
  • Emmrich, Peter. (2017). Die Entdeckung der Schüßler-Salze; Erfahrungsheilkunde; 66. 215-221. 10.1055/s-0043-117933, Researchgate
  • Ernst, Edzard. (2012). Schüßler-salts; 25. 3-6, Researchgate