Blutvergiftung (Sepsis; Septikämie)

Sepsis – Anzeichen, Ursachen und Behandlung

Eine Blutvergiftung ist nicht immer sofort zu erkennen und wird oft unterschätzt. Dabei handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion, die sich auf den gesamten Körper ausbreitet und lebensgefährlich werden kann. Häufig verschlimmert sich der Zustand des Patienten innerhalb kürzester Zeit, so dass eine Sepsis immer einer schnellen Therapie und einer sofortigen intensivmedizinischen Behandlung bedarf.


Definition – Was ist eine Blutvergiftung?

Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, entsteht durch vielfältige Vorgänge und als übermäßige Reaktion des Körpers auf eine Infektion, die eine lebensbedrohliche Funktionseinschränkung von Organen verursacht. Die Blutvergiftung ist demnach eine hervorgerufene Immunantwort auf eine lokale Infektion, wobei Krankheitserreger (zumeist Bakterien) aus einem Entzündungsherd schubweise oder stetig in die Blutbahn gelangen.

Die Sepsis ist durch eine übermäßige Ausbreitung von Krankheitserregern im Organismus geprägt, die zu dem systemischen Beschwerdebild der Bultvergiftung führt. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Die erste internationale Sepsis-Definition von 1992 basierte auf dem gleichzeitigen Vorliegen einer Infektion und mindestens zwei Kriterien für eine systemische Entzündungsreaktion des Organismus auch „Systemic Inflammatory Response Syndrome“ (SIRS) genannt. Je nach Schweregrad der Erkrankung wurde unterschieden zwischen einer Sepsis (Ganzkörperinfektion), einer schweren Sepsis (Organversagen) und einem septischen Schock (Abfall des Blutdrucks, Multiorganversagen). Die unzureichend spezifischen Kriterien und medizinische Erkenntnisse führten zu ergänzten Definitionen der Sepsis. Die aktuellste und sogenannte Sepsis-3 Definition beschreibt diese als lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer fehlregulierten Körperantwort auf eine Infektion. Das Ausmaß des vorliegenden Organversagens spielt bei der Diagnose und Behandlung demnach eine wesentliche Rolle, allerdings wird laut gültiger Definition nur noch zwischen einer Sepsis und einem septischen Schock unterschieden. (siehe Deutsches Ärzteblatt)

Symptome

Eine Sepsis ist anfangs nicht immer leicht zu erkennen, da die ersten Anzeichen meist sehr unspezifisch sind:

  • Fieber ( ≥ 38 °C) oder seltener auch Untertemperatur (≤ 36 °C)
  • Schnelle und flache Atmung (Tachypnoe), Frequenz ≥ 20/min
  • Hoher Puls und Herzrasen (Tachykardie), Frequenz ≥ 90/min
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Unwohlsein
  • Bewusstseinseinstrübung (Verwirrtheit)
  • Verminderte Urinausscheidung

Das wichtigste Symptom einer Sepsis besteht in hohem Fieber oder Fieberschüben, wobei im Wechsel das Fieber schnell ansteigt und innerhalb von 24 Stunden auf Normalwerte sinkt. Begleitet wird das Fieber vielfach von Schüttelfrost (Erwachsene) und Fieberkrämpfen (Babys und Kleinkinder). Dieses Fieber kann aber auch völlig fehlen, besonders bei Säuglingen, Kleinkindern und abwehrgeschwächten Menschen. Zu den genannten Anzeichen einer können zudem noch Symptome der Infektion hinzukommen, die die Blutvergiftung ausgelöst hat.

Ein roter Strich auf der Haut (z.B. am Arm), von dem immer wieder die Rede ist als Sepsis-Anzeichen, spielt tatsächlich nur selten eine Rolle. Dieser entsteht bei einer Entzündung von Lymphgefäßen (Lymphangitis). Als Komplikation solch einer Entzündung, der sogenannten „falschen“ Blutvergiftung, kann sich allerdings eine Sepsis entwickeln.

Beim Auftreten der genannten, wenn auch unspezifischen, Symptome, sollte man die Möglichkeit einer Sepsis im Kopf behalten und besser frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Krankheitsverlauf

Bei einer Blutvergiftung fühlen sich Betroffene häufig schwer krank bei einer schnellen Verschlechterung des Allgemeinzustands. Die Haut ist kalt, blass-grau bis bläulich und es kann zu Hautblutungen und anderen Hauterscheinungen kommen. Bleibt das Beschwerdebild unbehandelt, sinkt der Blutdruck so stark, dass lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und entsprechende Organfunktionen somit beeinträchtigt werden oder gar ausfallen. Es kommt zu Schläfrigkeit, Bewusstseinsveränderungen (Verwirrtheit) und Herzrasen. Weitere mögliche Komplikationen der Sepsis sind Gerinnungsstörungen, Multiorganversagen sowie septische Absiedlungen im Gehirn, wobei Bakterienherde und Eiteransammlungen zu einer embolischen Herdenzephalitis (Entzündungen des Gehirns) führen können.

Zahlreiche unterschiedliche Erreger kommen als Auslöser der Blutvergiftung in Betracht und die exakte Bestimmung der Erreger ist für die Wahl der richtigen Therapie wichtig. (Bild: Yenes/fotolia.com)

Ursachen

Der Auslöser einer Blutvergiftung ist zumeist eine lokale Infektion. Häufige Sepsisherde sind Infektionen von Hohlorganen mit erschwerter Abflussmöglichkeit, z.B. Nierenbeckenentzündungen bei Prostatavergrößerung oder Harnstau, außerdem Wundinfektionen, Lungenentzündungen aber auch chronische Entzündungen der oberen Atemwege (Sinusitis, Otitis, Tonsillitis). Mehr als die Hälfte der Blutvergiftungen entstammen dem Urogenitaltrakt (Urosepsis). Aus den Entzündungsherden gelangen Krankheitserreger, bei denen es sich meist um gramnegative Bakterien handelt, in den Blutkreislauf und damit zu sämtlichen Körperorganen. Dort kommt es zu infektiösen Streuherden, den septischen Metastasen. Neben Bakterien können aber auch Viren, Pilze oder andere Keime Ursachen für die Infektionen sein, die letztendlich zu einer Sepsis führen können.

Normalerweise bekämpft das Immunsystem die Krankheitserreger, so dass eine Infektion ausheilt und keine weiteren Folgen und Komplikationen zu erwarten sind. Unter gewissen Umständen, z.B. einer allgemeinen Abwehrschwäche, ist dies dem Körper allerdings nicht möglich. Daraufhin können sich die Krankheitserreger unkontrolliert vermehren und aus dem Entzündungsherd in großer Zahl in den Blutkreislauf gelangen. In der folgenden, übermäßigen Immunantwort reagiert das Abwehrsystem auf die Erreger und ihre Produkte (z.B. Toxine) und über Botenstoffe werden vielfältige Reaktionen und Symptome einer Sepsis hervorgerufen. Den Ursachen einer Blutvergiftung ist also neben einer Infektion auch eine überschießende Immunreaktion zuzurechnen, die den gesamten Körper betrifft.

Risikopatienten für eine Blutvergiftung

Besonders gefährdet sind ältere und chronisch erkrankte Menschen, Neugeborene und Kleinkinder sowie Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem. Die Gründe für eine Immunschwäche sind vielfältig, so kann eine Immunschwäche beispielsweise vererbt oder aber durch Krankheiten sowie damit verbundener Medikamenteneinnahme ausgelöst werden. Auch die Entfernung der Milz führt zu einer geschwächten Immunabwehr.

Zudem erkranken auch Patienten nach einer Operation oder Patienten der Intensivstation häufig an einer Blutvergiftung, denn vorhandene Keime können hier leicht übertragen werden. Doch auch ansonsten völlig gesunde Menschen können erkranken, denn oft ist nur eine kleine Verletzung und deren Infektion, z. B. eine Zahn- oder Blasenentzündung, Ausgang für die folgenschwere Komplikation.

Die frühzeitige Diagnose der Sepsis ist für den Behandlungserfolg von entscheidender Bedeutung, allerdings sind die Symptome mitunter relativ unspezifisch und die Beschwerden werden nicht direkt in Zusammenhang mit einer Blutvergiftung gebracht. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)

Diagnose

Entscheidend für einen Behandlungserfolg und die Überlebenschancen bei einer Sepsis ist ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung. Da aber die Symptome nicht eindeutig sind, ist eine schnelle Diagnose eine Herausforderung. Wichtig ist, dass bei einem Auftreten der genannten Symptome umgehend ärztliche Hilfe hinzugezogen wird. Bei einer Sepsis zählt jede Sekunde. Sollte der zu Rate gezogene Arzt nach der Untersuchung eine Sepsis für möglich halten oder sogar schon diagnostiziert haben, wird der Patient in der Regel sofort als medizinischer Notfall eingestuft und ins Krankenhaus auf die Intensivstation eingeliefert.

Sepsis oder Septischer Schock?

Die Feststellung der Infektion und die Ermittlung der Ursache beziehungsweise das Erkennen des Entzündungsherds und damit der Sepsis sind Voraussetzung für die weitere Behandlung der Betroffenen. Durch die Bestimmung der Krankheitserreger können entsprechende Therapieformen, wie Antibiotikagabe, gewählt und angepasst werden und so die Chancen auf Behandlungserfolge maximiert werden. Aber nicht immer kann die Infektionsursache gefunden werden.

Mittlerweile ist es möglich über spezielle Blutuntersuchungen eine Sepsis schneller zu erkennen, dennoch spielen individuelle Krankheitsverläufe und damit verbundene mögliche Komplikationen eine große Rolle für den Schweregrad einer diagnostizierten Blutvergiftung. Die Blutwerte können Aussagen zu möglichen Krankheitserregern, Entzündungen und Abwehrreaktionen des Patienten geben, sowie Hinweise zu Organfunktionsstörungen liefern. Letzteres deutet auf einen schweren Verlauf der Sepsis und auf die Möglichkeit eines septischen Schocks hin, bei dem selbst unter besten Behandlungsvoraussetzungen 30 bis 50 Prozent der Patienten versterben.

Neben Blutdruckmessung und Blutuntersuchung können weitere Untersuchungen durchgeführt werden (z.B. Ultraschall, Röntgen oder Computertomografie), um wichtige Organfunktionen zu überprüfen wie beispielsweise Herz-, Lungen-, Nieren oder Leberfunktion. Auch ein Blutgerinnungstest kann Teil der Diagnosestellung sein.

Behandlung

Eine Sepsis ist lebensbedrohlich und bedarf einer möglichst schnell eingeleiteten intensivmedizinischen Behandlung. Meist sind Bakterien die Ursache der Infektion, die eine Sepsis ausgelöst hat. Konnten diese bei der Diagnose bestimmt werden, besteht die Therapie aus einer hochdosierten Antibiotikagabe. Zu Behandlungsbeginn und unter fehlender Identifizierung der Krankheitserreger kommen auch sogenannte Breitbandantibiotika oder andere Mittel zum Einsatz, die gegen eine Vielzahl von Bakterien und Keimen wirken. Sind nicht Bakterien die Ursache können andere Therapieformen zum Behandlungserfolg führen, wie beispielsweise sogenannte Antimykotika gegen Pilzerkrankungen. Daneben werden Infusionen zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes und zur Stabilisierung des Kreislaufs gegeben und gegebenenfalls wird der Sepsisherd operativ entfernt. Liegt bereits ein septischer Schock vor, werden vor der Infektionsbehandlung überlebenswichtige Maßnahmen zur Wiederherstellung von Organfunktionen und zur Organversorgung bis hin zu Organersatzmaßnahmen durchgeführt.

Antibiotika sind bei bakteriellen Auslösern der Sepsis die gängige Behandlung. Auch kommen mitunter schon vor der exakten Bestimmung der Erreger sogenannte Breitbandantibiotika zum Eisnatz, um im Ernstfall möglichst frühzeitig einzugreifen. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Tödlich trotz Behandlung?

Bei einer Sepsis gibt es keine hundertprozentige Heilungs- und Überlebenschance. Die Blutvergiftung gilt als dritthäufigste Todesursache nach Herz-, Kreislauferkrankungen und Krebs. Die hohe Sterblichkeitsrate bei Sepsis wird oft darauf zurückgeführt, dass immer mehr alte, schwer kranke und verletzte Menschen ihre Grunderkrankung durch die moderne Intensivmedizin zunächst überleben, jedoch im Krankenhaus nachfolgend einer Sepsis erliegen – häufig bedingt durch eine Abwehrschwäche. Diese, als Nosokomialsepsis (griech. nosokomeion = Krankenhaus) bezeichnete Blutvergiftung stellt den größten Anteil der septischen Erkrankungsformen dar.

Naturheilkundliche Behandlung

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine schwere und lebensbedrohliche Krankheit, bei der eine rasche und gezielten Antibiotikatherapie und ggf. Intensivtherapie ausschlaggebend ist für Behandlungs- und Überlebenschancen. Eine Sepsis ist immer ein Fall für die Intensiv- und Notfallmedizin.
Es ist bislang wenig bekannt über mögliche verbesserte Therapieerfolge durch einen zusätzlichen Einsatz naturheilkundlicher Medikamente. Eine Stärkung der Immunabwehr auf Basis der Naturheilkunde kann einer Sepsis zwar nicht vorbeugen, ist aber immer ein guter Rat.

Aktueller Forschungsstand

Wissenschaftliche Erkenntnisse führten bereits zu einer grundsätzlich veränderten Sepsis-Definition und zu einem Wandel des Verständnisses für die schwere Erkrankung. Es gilt aber auch weiterhin wesentliche offene Fragen durch Forschung zu beantworten, um die Erfolgsrate für Diagnose und Therapie zu erhöhen und die Sterblichkeitsrate damit zu senken. Die Sepsisforschung wird unter anderem am Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control and Care – CSCC) in Jena vorangetrieben. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin, Dr. rer. nat. Corinna Schultheis; aktualisiert am 14.06.2018)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)