Niedriger Blutdruck – Hypotonie: Ursachen, Symptome und Hausmittel

Susanne Waschke

Niedrige Blutdruckwerte – Blutniederdruck

Niedriger Blutdruck – Frauen, vor allem junge Mädchen in der Pubertät, leiden darunter. Häufig ist dieser, wenn sonst keine Beschwerden durch die Hypotonie vorhanden sind, mit einfachen Mitteln zu beseitigen. Viele Frauen arrangieren sich mit ihrem Blutniederdruck und wissen, damit umzugehen. Werte unter 100/60 mmHg sollten ärztlich abgeklärt werden und gelten als zu niedrig.

Gerade bei hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder generell bei Wetterwechsel leiden viele Menschen unter Hypotonie. Im Gegensatz zur Hypertonie (Bluthochdruck), der ein Risiko für den Körper darstellt, ist die niedriger Blutdruck allein meist harmlos, außer sie tritt in Verbindung mit schweren Erkrankungen auf. Niedrige Werte sind im Grundsatz dazu keine Erkrankung. Wenn jedoch Symptome, wie Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen bis hin zur kurzen Ohnmacht hinzukommen, muss der Ursache unbedingt von ärztlicher Seite auf den Grund gegangen werden.


Definition

In der Medizin ist von Hypotonie die Rede, wenn über längere Zeit hinweg niedrige Blutdruckwerte bestehen, die bei der Frau unter 100/60 mmHg (systolischer / diastolischer Wert in Millimeter Quecksilbersäule) und beim Mann unter 110/60 mmHg liegen. Das Phänomen ist demnach keine Erkrankung, sondern ein Messwert. Dieser muss nicht zwangsweise behandelt werden, außer bei gleichzeitig bestehenden Beschwerden, ausgelöst durch die Minderdurchblutung der peripheren Organe. Viele Menschen leben mit bestehendem niedrigen Blutdruckwerten, ohne dass eine Therapie zum Einsatz kommen muss.

Ein niedriger Blutdruck betrifft oft junge Frauen. Aus medizinischer Sicht liegt bei ihnen eine Hypotonie vor, wenn über längere Zeit hinweg Blutdruckwerte unter 100/60 mmHg bestehen. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Ursachen

Als Ursachen kommen zahlreiche Faktoren in Betracht, die von Flüssigkeitsmangel über genetische Veranlagung bis hin zu chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels oder Herzens reichen können. Organische Ursachen sollten im Zuge der Diagnosestellung unbedingt ausgeschlossen werden.

Häufig sind genetische Faktoren der Grund für Niederblutdruck. Die Mutter gibt diese Veranlagung zum Beispiel an ihre Tochter weiter. Generell ist die Zeit der Pubertät für viele Mädchen, gerade wenn sie sehr schlank sind und noch dazu schnell wachsen, oft mit Schwindelattacken aufgrund eines niedrigen Blutdrucks verbunden. Aber auch Schwangere und ältere, hagere Personen neigen zur Hypotonie. Ein Mangel an körperlicher Bewegung und frischer Luft sowie eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme verstärken das Symptom.

Verschiedene Erkrankungen können in Verbindung auftreten. Dies sind zum Beispiel Erkrankungen des Herzens, der Gefäße, Dysfunktionen der Schilddrüse, Diabetes mellitus und akute Infekte. Lange Bettlägerigkeit und Hypovolämie (Flüssigkeitsmangel), aber auch Hyponatriämie (Salzverlust) können zu Hypotonie führen.

Verschiedene Formen von Hypotonie

Bei niedrigen Blutdruckwerten werden drei verschiedene Arten unterschieden:

Essentielle Hypotonie
Dies ist niedriger Blutdruck ohne erkennbare Ursache. Essentielle Hypotonie kommt häufig vor, insbesondere bei jungen Frauen. Diese Form stellt für sich allein keine Krankheit dar.

Symptomatische Hypotonie
Bei der symptomatischen Hypotonie ist es als Symptom einer schweren Grunderkrankung anzusehen. Erkrankungen, wie Herzinsuffizienz, Nebennierenrindeninsuffizienz, Aortenstenose, Hypovolämie begleitet meist ein Niederblutdruck. Länger andauernde Bettlägerigkeit oder die Einnahme verschiedener Medikamente, wie zum Beispiel Diuretika (wassertreibende Medikamente), Psychopharmaka (Medikamente gegen psychische Erkrankungen) oder Antihypertonika (Bluthochdruckmittel) haben häufig die symptomatische Form zur Folge.

Orthostatische Dysregulation
Ein plötzlicher Lagewechsel vom Liegen zum Stehen kann zu einem Blutdruckabfall führen. Dies wird orthostatische Dysregulation genannt. Häufig ist dies bei pubertierenden Mädchen, aber auch bei älteren Patienten der Fall. Gerade geriatrische Patienten mit bestehender Arteriosklerose und nachlassender Elastizität der Gefäße haben mit den Problemen des niedrigen Blutdrucks, ausgelöst durch einen schnellen Lagewechsel, zu kämpfen. Teilweise wird dies bei den Senioren durch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Bluthochdruckmittel, noch verschlimmert.

Störungen des autonomen Nervensystems, wie sie unter Umständen bei Diabetes mellitus auftreten, Nervenzellschädigungen im Gehirn und Krampfadern führen mitunter ebenfalls zur orthostatischen Dysregulation.

Typische Symptome bei niedrigem Blutdruck sind Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Symptome

Häufig klagen die Betroffenen über Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Schwindel. Hinzu kommt, dass den Blutniederdruckpatienten öfter schwarz vor Augen wird, wenn sie aufstehen oder lange stehen müssen. Zum Beschwerdebild gehören auch hin und wieder eintretende kurze Bewusstlosigkeit, Depressionen, Gesichtsblässe, Frösteln, Stiche in der Herzgegend oder Thoraxschmerzen.

Niedrige Werte müssen jedoch nicht zwangsweise durch gesundheitliche Beschwerden in Erscheinung treten. Viele betroffene Patienten leben gut mit ihrer Hypotonie, völlig ohne schulmedizinische oder pflanzliche Medikation.

Diagnose des Blutniederdrucks

Um die gesicherte Diagnose zu stellen, muss der Blutdruck wiederholt, an beiden Armen und zu verschiedenen Tageszeiten, am besten über einen längeren Zeitraum hinweg, gemessen werden. Des weiteren ist der Schellong-Test für die Diagnose von Nutzen. Dabei muss der Patient zuerst zehn Minuten auf dem Rücken liegen. Ruhepuls und Blutdruck werden notiert. Anschließend stehen die Patienten rasch auf und bleiben zehn Minuten stehen. Hierbei werden minütig Puls und Blutdruck kontrolliert und vermerkt. Danach darf sich der Patient wieder hinlegen und beides wird solange gemessen, bis wieder die Ausgangswerte erreicht sind.

Konventionelle Therapie

Bei bestehender Grunderkrankung wird diese behandelt. Essentielle Hypotonie, bei der niedrige Werte keine erkennbare Ursache haben, wird nur in schweren Fällen mit Medikamenten, wie Dihydroergotamin oder Sympathomimetika, therapiert.

Da die essentielle Form in der Regel nichts Ernstes darstellt, sollten die Patienten unbedingt hierüber aufgeklärt werden. Durch geeignete physikalische Anwendungen kann häufig Abhilfe geschaffen werden. Zum Beispiel dienen Maßnahmen, wie regelmäßige Kneipp´sche Güsse oder Sport dazu, den Kreislauf zu trainieren und ihn zu stabilisieren. Bei bestehenden Krampfadern wird durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen ein Versacken des Blutes in den Beinen verhindert.

Um herauszufinden, ob eine Hypotonie vorliegt, muss der Blutdruck über einen längeren Zeitraum mehrfach gemessen werden. (Bild: torsak/fotolia.com)

Naturheilkunde-Therapie

Niederblutdruck spricht im Allgemeinen recht gut auf Naturheilkunde an. Im Vordergrund steht hier eine allgemeine Tonisierung des ganzen Körpers.

Viele Betroffene haben einfach Angst, dass es ihnen schwindlig werden könnte. Alleine das Wissen, ein geeignetes Mittel bei sich zu tragen, hilft häufig schon darüber hinweg. Natürliche Mittel, wie zum Beispiel ätherisches Rosmarinöl, das bei Bedarf eingeatmet wird, sind eine gute Hilfe. Mischpräparate, die Weißdorn und Kampfer enthalten, sind ebenfalls ein geeignetes Notfallmittel für Zuhause sowie für unterwegs.

In der Naturheilpraxis werden bei Blutniederdruck gerne sogenannte Ausleitverfahren angewandt. Diese helfen dem Körper, angesammelte Gifte und Schlacken nach außen abzugeben. Dabei kommen Methoden wie zum Beispiel das trockene Schröpfen zum Einsatz. Bei diesem Verfahren werden auf bestimmten Körperteilen, häufig ist dies der Rücken, Schröpfgläser aufgebracht. Durch das enstehende Vakuum saugen sich die Gläser an. Das bewirkt eine allgemeine Durchblutung, einen gesteigerten Lymphfluss und eine Stärkung des Vegetativums.

Die Homöopathie hält ebenfalls verschiedene Mittel parat, die bei Hypotonie helfen können. Eine ausführliche Anamnese soll helfen, das richtige Einzelmittel zu bestimmen. Beispiele dafür sind Pulsatilla, Sepia, Calcium carbonicum, Gelsemium, Veratrum album und Lachesis. Komplexmittel, das heißt Mittelkompositionen, können ebenfalls zum gewünschten Erfolg führen.

Um den Kreislauf nicht zu überlasten, sollten Hypotonie-Patienten morgens nicht abrupt, sondern langsam aufstehen. (Bild: yuriyzhuravov/fotolia.com)

Bewährte Hausmittel und Selbsthilfe bei Hypotonie

Leiden Menschen unter wiederkehrendem Niederblutdruck, ist eine gewisse „anregende“ Lebensweise zu empfehlen. Dazu gehören tägliche Wechselduschen, eine Bürstenmassage mit einem Luffahandschuh, ein gesundes Frühstück mit einer Tasse schwarzem oder grünem Tee. Regelmäßiges Kreislauftraining durch strammes Spazieren gehen oder Joggen sollte in den Alltag integriert werden. Die erwähnten Maßnahmen wirken nicht von heute auf morgen. Jedoch zahlt sich hier die Regelmäßigkeit und Konsequenz durchaus aus.

Betroffene sollten sich angewöhnen, nicht zu schnell aus dem Liegen aufzustehen. Empfohlen wird, sich zuerst eine Weile aufzusetzen, mit den Füßen zu kreisen oder die Zehen zu bewegen und sich erst dann langsam zu erheben.

Im Stehen hilft das Betätigen der Muskulatur, durch Wippen auf den Fußballen oder Einkrallen und Strecken der Zehen. Letzteres kann übrigens überall durchgeführt werden, ohne dass es jemand merkt. Hilfreich ist dies vor allem, wenn ein längeres Stehen, zum Beispiel an der Supermarktkasse oder beim Metzger, nicht verhindert werden kann. Auch das Überkreuzen der Beine ist eine gute hilfreiche Methode.

Mutter Natur hält viele Pflanzen parat, die den Kreislauf anregen und auch stärken können. Dazu gehören Rosmarin, Weißdorn, Ginseng, Wermut und Enzian. Rosmarin als ätherisches Öl, kann, wenn in einer Aromalampe verwendet, anregend auf den Kreislauf wirken. Wichtig: Rosmarin sollte deshalb auch niemals im Beisein eines Bluthochdruckpatienten verdampft werden.

Durch negativen Stress steigt zuerst der Blutdruck. Entsteht jedoch Dauerstress, so kann das zum Absinken des Blutdruckes führen. Hier benötigt das Leben einen anderen Input. Die Lebensweise sollte überdacht, negatives Denken in positives umgewandelt und für regelmäßige Entspannung gesorgt werden. Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Meditation können hier durchaus hilfreich sein. Noch besser sind Techniken zum Stressabbau, wie Tai Chi oder Quigong, die die körperliche Bewegung umfassen.

Ingwer regt die Durchblutung an und bringt den Kreislauf auf Trab. (Bild: pilipphoto/fotolia.com)

Die richtige Ernährung bei Blutniederdruck

Eine erfolgversprechende Behandlung bezieht stets auch die Ernährung mit ein. Schwere Mahlzeiten belasten den Organismus, daher ist auf leichtes Essen und reichlich Flüssigkeitszufuhr zu achten. So sollte das tägliche Trinkpensum nicht die Grenze von zwei Litern unterschreiten, und dies am besten in Form von stillem Wasser. Empfohlen wird eine vollwertige Kost mit reichlich frischem Gemüse und Obst. Das Würzen muss auch erwähnt werden, da gewürzte Speisen einen positiven Einfluss auf den Kreislauf haben können.

So bringt Scharfes, wie Chili oder Ingwer, den Kreislauf in Schwung. Die Traditionelle Chinesische Medizin bezeichnet niedrigen Blutdruck mit einem Leerezustand, bei dem durch geeignete Nahrungsmittel der Körper tonisiert werden sollte. Als Frühstück wird ein Getreidebrei aus Reis, Hafer und Polenta, zusammen mit Feigen, Nüssen, Datteln und Rosinen gekocht und mit Nelken und/oder Zimt gewürzt. Etwas Honig versüßt das Ganze nicht nur, sondern trägt zur allgemeinen Tonisierung bei. Auch Akupunktur wird im Rahmen der Traditionellen chinesischen Medizin heutzutage häufig bei niedrigem Blutdruck angewandt.

Den Kreislauf anregen

Schon Pfarrer Kneipp kümmerte sich um Menschen mit niedrigen Blutdruckwerten. Wechselduschen, Kneipp´sche Güsse der Beine und der Arme waren damals die Mittel der Wahl und werden auch heute wieder mit Erfolg angewandt. Der Tag sollte nicht mit einem Hauruck aus dem Bett sondern langsam beginnen. Im Liegen mit den Beinen Rad zu fahren ist ein guter Start am Morgen. Nach einem vorsichtigen Aufrichten wird idealerweise noch am Bett ein Glas Wasser getrunken, was dem Kreislauf auf die Sprünge helfen soll.

Bei Neigung zu niedrigem Blutdruck sollten regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Ausdauersportarten, wie zum Beispiel Joggen, Wandern, Schwimmen oder Radfahren in den Alltag integriert werden. Ein Urlaub ins Reizklima, zum Beispiel an die Nordsee, kann den Kreislauf ebenfalls unterstützen.

Hypotonie stellt in der Regel kein Risiko für den Organismus dar. Wird jedoch die Lebensqualität dadurch massiv eingeschränkt, sollte ein Arzt oder Heilpraktiker zu Rate gezogen werden. (sw, zuletzt aktualisiert am 21.11.2017)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)