Feige – Ficus carica

Das Feigenblatt, mit dem Adam und Eva ihre Scham bedecken, ist eine der ältesten Aufzeichnungen einer Kulturpflanze. Noch heute ist die Echte Feige vor allem im Vorderen Orient verbreitet. Sie steckt voller Vitamine und Mineralstoffe, ist ein idealer Energiekick für lange Wanderungen und neue Studien zeigen ein enormes Potenzial für Therapien gegen Wurmbefall, bakterielle Infektionen, Krämpfe und Blutgerinnsel – sogar gegen Krebs.

Steckbrief zur Feige

  • Wissenschaftlicher Name: Ficus carica
  • Volksnamen: Im Deutschen gibt es etliche Volksnamen für die Echte Feige, die sich meist von Feige / Ficus ableiten: Feyegen, Fichboum, Figenbaym, Figenpawm, Figenbaum, Figenbom, Vigbom, Wighen, Vyghen et cetera.
  • Anwendungsgebiete:
  • Verwendete Pflanzenteile: Früchte, Blätter und Rinde
Feigen Abbildung mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung
(Bild: deidre-schlabs/unsplash.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Inhaltsstoffe

Feige enthält Ficine, den Ballaststoff Pektin, Vitamine, Fermente, Fruchtzucker, Schleimstoffe, Fruchtsäuren und Benzaldehyd, zudem Invertzucker. Phytochemische Studien zeigten in den Blättern und Früchten diverse bioaktive Stoffe wie Phytosterole, organische Säuren, Triterpenoide und Kumarine. Zu den Phenolsäuren gehören Caffeoylchinasäuren, Ferulasäure, Quercetin-3-0-Glukoside, Psoralen, Bergapten sowie organische Säuren, darunter Oxalsäure, Zitronensäure, Apfelsäure, Chinasäure, Shikimsäure und Fumarsäure. Vier Triterpenoide ließen sich isolieren, darunter Oleanolsäure, Bauerenol und Lupeol Acetat. Monoterpene sind Limonen und Menthol.

Biochemische Wirkstoffe der Blätter

In den Blättern ließen sich unter anderem nachweisen: Benzylalkohol, Phenylethylalkohol, Methyl-Butanal, 2-Methylbutanal, (E)-2-Pentanal, Hexanal. Hinzu kommen Cumarine und Furanocumarine, Bergapten, Psoralen, Umbelliferon, Marmesin, Scolopetin, Polysaccharide, Triterpene und Gerbstoffe.

Phenole in den Trockenfrüchten

Getrocknete Früchte enthielten im Versuch höhere Konzentrationen von Phenolen als frische. Darunter stach besonders Quercetin Rutinosid heraus.

Feige – Vitamine und Mineralien

Feigen enthalten besonders viel Vitamin B1, welches für den Energietransfer im menschlichen Körper wichtig ist und auch unsere Stimmung beeinflusst. Auch weitere Vitamine der B-Gruppe sind vorhanden, die eine Rolle im Aufbau des Nervensystems spielen. Hinzu kommen Vitamin A und Beta-Carotin.

Aminosäuren

Feigen bieten auch viele Eiweiß-Aminosäuren, was sie, zusammen mit den B-Vitaminen, zu erstklassigen Energielieferanten machen – zum Beispiel bei langen Wanderungen oder Sport. An Mineralstoffen verfügen die Früchte über viel Phosphor, Eisen, Magnesium und Kalium.

Feigen
Feigen eignen sich gut für Diäten aufgrund ihrer verdauungsfördernden, schnell sättigenden und abführenden Wirkung. (Bild: Janine/stock.adobe.com)

Wirkungen der Feige – Diät, Abführmittel, Verdauungshilfe

Feigen fördern die Verdauung, führen ab und die Ballaststoffe führen zu einem schnellen Sättigungsgefühl, weshalb sie gut sind für Diäten. Die in der Pflanze vorhandenen Schleime und Zuckerstoffe haben eine abführende Wirkung, die sich besonders für Kinder eignet. Verdauungsenzyme in der frischen Frucht erleichtern die Aufnahme der Nahrung.

Die phenolischen Komponenten in der Feige spielen nicht nur eine erhebliche Rolle dabei, die Pflanze vor schädlichen Einflüssen zu schützen, einige von ihnen üben diese Bioaktivität auch im menschlichen Körper aus. So können sie Agenten reduzieren und freie Radikale beseitigen. Unter allen Pflanzenteilen zeigen die Früchte die größte antioxidative Fähigkeit. Sie verfügen auch über den höchsten Level an Polyphenolen.

Die in den Früchten reichlich enthaltenen B-Vitamine regulieren den Stoffwechsel und stabilisieren die Nerven. Die vorhandene Folsäure ermöglicht die Zellteilung und Blutbildung. Das enthaltene Biotin stützt eine gesunde Haut, kräftige Haare und starke Fingernägel. Der hohe Anteil an Magnesium fördert die Regeneration der Zellen und ordnet den Energiehaushalt. Das Eisen in den Feigen ist nötig, um Blut zu bilden und hilft gegen durch Eisenmangel bedingte Blutarmut. Das Kalium hilft zudem, den Blutdruck auszugleichen.

Feige gegen Verstopfung

Feigen sind leicht verdaulich, da sie im Vergleich zu anderen Früchten über wenig Säure verfügen. Dafür liefern sie jedoch mit ihren zahlreichen kleinen Kernen eine Menge Ballaststoffe. Um Feigen gegen Verstopfung einzusetzen, bedecken Sie getrocknete Früchte mit Wasser, lassen sie über Nacht stehen und essen sie am nächsten Morgen mit leerem Magen.

Feigen getrocknet
In Wasser eingelegte, getrocknete Feigen können als Mittel gegen Verstopfungen genutzt werden. (Bild: Womue/stock.adobe.com)

Effekte gegen Krebs

Eine Mischung aus 6-O-acyl-ß-d-glucosyl-ß-sitosterolen wurde als cytotoxischer Agent aus Feigen isoliert und erwies sich in vitro als geeignet, um das Wachstum verschiedener Krebszellen einzudämmen.

Gegen Bakterien und Pilze

Methanol-Extrakt aus Feigen zeigte eine starke antibakterielle Aktivität gegen Bakterien im Mundraum. Synergieeffekte liefen ab mit Ampicillin oder Gentamicin. Feige ist also ein natürlicher Agent gegen Bakterien. Durch Studien belegt sind antimikrobielle Wirkungen gegen fünf Bakterienarten und sieben Pilzspezies. Unter anderem wirkte ein 80-prozentiger Methanol-Extrakt aus den Blättern des Feigenbaums gegen Mycobacterium tuberculosis H37Rv.

Feige gegen Fieber

Ethanolextrakte aus Feige in Dosen von 100, 200 und 300 Milligramm/Kilogramm zeigten eine deutliche und von der Dosis abhängige Minderung der Körpertemperatur. Dieser Effekt dauerte bis zu fünf Stunden nach Einnahme des Extraktes an.

Feige gegen Würmer

In einer Studie wurden 40 verschiedene Pflanzen auf ihre Wirkung gegen im Menschen parasitierende Würmer getestet. Es handelte sich um die Würmer Bursaphelenchus xylophilus, Panagrellus redivivus und Caenorhabditis elegans. Von allen Pflanzen zeigte ein Extrakt aus Feigenblättern die tödlichste Wirkung. Von den Exemplaren der drei Wurmarten starben 74,3, 96,2 beziehungsweise 98,4 Prozent innerhalb 72 Stunden.

Feigen als Krampflöser und gegen Thrombosen

Wässrige Ethanol-Extrakte aus Feigen zeigten im Tierversuch und im ex-vivo Modell Effekte auf die menschlichen Blutplättchen. Reife getrocknete Feigen wirkten eindeutig Spasmen entgegen, vermutlich, weil sie die Kanäle für Kaliumionen aktivierten. Damit besteht eine gute pharmakologische Basis, um Feigen medizinisch zu nutzen für die Darmbewegung und gegen entzündliche Erkrankungen.

Feige in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde dient der Saft aus den Feigenstielen als Mittel gegen Hautentzündungen. Dazu wird der Saft auf die betroffenen Stellen gestrichen. In Wasser oder Milch eingelegte frische Feigen dienen in der Naturheilkunde als Mittel für Entzündungen, Rachenschmerzen sowie als Arznei gegen Husten. Der Milchsaft des Feigenbaums wird in der Naturheilkunde gegen Warzen wie Ekzeme eingesetzt. Er enthält die Protease Ficin.

Feigensaft
Mundspülungen aus Feigen können bei Entzündungen der Schleimhäute genutzt werden. (Bild: Comugnero Silvana/stock.adobe.com)

Feige in der Komplementärmedizin

Feige kann Haupttherapien zur Wundheilung ebenso begleiten wie solche gegen Entzündungen der Schleimhäute. Dazu dienen Kompressen mit dem Mus aus frischen Früchten ebenso wie Mundspülungen, Gurgeln oder Waschen mit dem Saft.

Feige in der Volksheilkunde: Aphrodisiakum und Gichtmittel

Es gibt eine Menge Anwendungen von Feigen in der Volksheilkunde, die aber nicht hinreichend belegt sind. So gelten frische Feigen als Mittel gegen Blasen- wie Nierensteine, sowie gegen Gicht. Bei Nierensteinen könnte eine gewisse Wirkung daran liegen, dass die in Feigen enthaltenen Gerbstoffe den Harnfluss anregen. Araber nutzen ein Aphrodisiakum aus Feigen, Mandeln, Pistazien, Kardamon, Safran, Zucker und Milch.

Toxizität

Die Früchte sind ein sicheres Nahrungsmittel. Der Milchsaft kann bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung Hautirritationen auslösen.

Was sagt die Studienlage?

Rezente Studien zeigen bioaktive Substanzen von Ficus carica, die sich für Heilmethoden der Zukunft nutzen lassen. So können sich aus den Blättern neue Medikamente gegen Parasiten entwickeln lassen.

Feigenblaetter
Inhaltsstoffe aus Feigenblättern könnten zukünftig zur Herstellung von Medikamenten gegen Wurmbefall genutzt werden. (Bild: Tunedin/stock.adobe.com)

Feige – Wo ist sie verbreitet?

Die Feige ist eine der ältesten kultivierten Obstpflanzen der Menschheit. Der Ursprung der Wildform liegt vermutlich in Westasien. Am Mittelmeer, in Persien, Arabien und dem Oströmischen Reich wurde sie bereits in der Antike angebaut. Assyrer kannten sie ebenso wie Ägypter, antike Syrer und Griechen. Von den Mittelmeerinseln verbreitete sie sich nach Nordafrika und Südeuropa.

Heute sind die Hauptanbauländer Türkei, Iran und Griechenland. Für Deutschland sind die meisten Feigensorten zu kälteempfindlich, doch gibt es inzwischen Formen, die kaltfeuchte Winter überstehen. In der Wärmeperiode des Mittelalters wuchsen Feigen hingegen als reguläres Obst auch am deutschen Rhein. Heute gibt es kleine Anbauregionen hierzulande in Wärmeinseln wie dem Dresdner Elbtal, der Berg- wie Weinstraße und der Pfalz. (Dr. Utz Anhalt)

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Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • H. L. Aref et al.: In vitro antimicrobial activity of four Ficus carica latex fractions against resistant human pathogens (antimicrobial activity of Ficus carica latex), in: Pakistan Journal of Pharmaceutical Sciences, Volume. 23, Issue 1, Seite 53–58, 2010, researchgate.net
  • Gibernau, Marc et al.: Volatile compounds from extracts of figs of Ficus carica, in: Phytochemistry, Volume 46, Issue 2, Seite 241–244, 1997, sciencedirect
  • Liu, Fangfang et al.: Nematicidal coumarin from F. carica L, in: Journal of Asia-Pacific Entomology, Volume 14, Issue 1, Seite 79–81, 2011, researchgate.net
  • Mawa, Shukranul et al.: Ficus carica L. (Moraceae): Phytochemistry, Traditional Uses and Biological Activities, in: Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Article ID 974256, Volume 2013, hindawi.com
  • Jeong, Mi-Ran et al.: Antimicrobial activity of methanol extract from Ficus carica leaves against oral bacteria, in: Journal of Bacteriology and Virology, Volume 39, Issue 2, Seite 97–102, 2009, researchgate.net
  • Jeong, Woo Sik and. Lachance, Paul A: Phytosterols and fatty acids in fig (Ficus carica var. mission) fruit and tree components, in: Journal of Food Science, Volume 66, Seite 278–281, 2001, onlinelibrary.wiley.com
  • Patil, V. V. & Bhangale, S. C. and Patil, V. R.: Evaluation of anti-pyretic potential of ficus carica leaves, in: International Journal of Pharmaceutical Sciences Review and Research, Volume 2, Issue 2, Seite 48–50, 2010, researchgate.net
  • Rubnov, Shai et. al.: Suppressors of cancer cell proliferation from fig (Ficus carica) resin: isolation and structure elucidation, in: Journal of Natural Products, Volume 64, Issue 7, Seite 993–996, 2001, researchgate.net
  • Vallejo, F. & Marín, J. G. & Tomás-Barberán, F. A.: Phenolic compound content of fresh and dried figs (Ficus carica L.), in: Food Chemistry, Volume 130, Issue 3, Seite 485–492, 2012, sciencedirect
  • Vinson, J. A.: The functional food properties of figs, in: Cereal Foods World, Volume 44, Issue 2, Seite 82–87, 1999, researchgate.net

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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