Verdauungsstörungen, Verdauungsprobleme – Symptome, Ursachen, Naturheilkunde

Was hilft bei Verdauungsproblemen?

Unter Verdauungsstörungen (Dyspepsie, griech.: Fehlverdauung) versteht man eine Reihe von Symptomen, die im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten können. Dazu zählen beispielsweise Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Völlegefühle und Sodbrennen. Die Ursachen können sehr unterschiedlich und vielfältig sein und sind nicht immer leicht zu erkennen. In dem Bereich der Verdauungsprobleme zeigen Heilpflanzen aus der Naturheilkunde sehr gute Wirkungen. Sie eignen sich zur Wiederherstellung der physiologischen Verdauungsfunktion. Nichtsdestotrotz sollte bei Verdacht auf schwere Erkrankungen und wenn in absehbarer Zeit keine Besserung eintritt immer ein Arzt hinzugezogen werden.


Verdauungsstörungen – Ein kurzer Überblick

Verdauungsproblemen sind ein Sammelbegriff für mehrere Symptome im Magen-Darmbereich. Oft deuten die Beschwerden auf eine gestörte Verdauungsfunktion hin. Hier ein kurzer Überblick:

  • Definition: Verdauungsstörungen werden medizinisch als Dyspepsie bezeichnet. Darunter versteht man mehrere Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Völlegefühle und Sodbrennen, die im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten können.
  • Völlegefühl: Ein Völlegefühl äußert sich durch Druck in der Magengegend und das unangenehme Empfinden voll zu sein. Dies kann nach üppigen Mahlzeit vorkommen, aber auch durch Gasansammlungen infolge mangelnder Verdauungstätigkeit ausgelöst werden.
  • Blähungen: Flatulenzen entstehen durch einen Gasüberschuss im Magen- oder Darmbereich. Häufige Ursachen sind blähungsfördernde Nahrungsmittel wie zum Beispiel Fertigprodukte, Zwiebeln, Kohl, Hülsenfrüchte, frisches Brot, raffinierter Zucker oder ballaststoffreiche Speisen.
  • Bauchschmerzen: Bei Bauchschmerzen treten häufig diffuse Beschwerden in der Magengegend auf. Sie können sich durch drückende oder stechende Schmerzen äußern. Oft entstehen Bauchschmerzen durch eine beeinträchtigte Verdauung.
  • Verstopfung: Eine Verstopfung liegt vor, wenn der Darm weniger als dreimal in der Woche entleert wurde. Oft muss der Stuhl mit starkem Pressen abgesetzt werden. Ballaststoffarme Ernährung oder erhöhter Stress können die Ursache sein, aber auch Erkrankungen oder bestimmte Medikamente.
  • Durchfall: Diarrhö liegt vor, wenn mehrmals täglich ein dünnflüssiger Stuhl in größeren Mengen auftritt. Häufige Ursachen sind Infektionen oder Nahrungsmittelvergiftungen.
  • Sodbrennen: Unter Sodbrennen versteht man ein brennendes oder kratzendes Gefühl in der Speiseröhre oder in der oberen Magenregion. Es wird durch hochsteigende Magensäure verursacht, die in Bereiche gelangt, die vor der Säure nicht geschützt sind.
Verdauungsprobleme sind ein allgemeiner Begriff für Beschwerden im Magen- und Darmtrakt. Darunter fallen Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Verstopfung und Sodbrennen. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Erste Hilfe bei Verdauungsbeschwerden

Besonders Hausmittel, Heilpflanzen und Kräutermedizin zeigen bei vielen Beschwerden im Magen-Darmtrakt gut Wirkung, solange keine ernstere Erkrankung dahinter steht. Sollten die hier dargestellten Hilfen innerhalt eines kurzen Zeitraumes keine Wirkung zeigen, ist ein Arzt dringend angeraten. Im Folgenden werden einige natürliche Behandlungsmethoden vorgestellt, die bei den häufigsten Symptomen einer Verdauungsstörung helfen können.

Schnelle Hilfe bei Völlegefühl

In vielen Fällen liegt diesem Empfinden keine schwere Erkrankung zugrunde. Zur Behandlung haben sich Hausmittel bei Völlegefühl vielfach bewährt. Hier ist beispielsweise Ingwer zu nennen, der ebenso bei Übelkeit Abhilfe schaffen kann. Die Wurzel kann entweder geschält und gekaut oder zu einem Tee verarbeitet werden. Bei häufigem Völlegefühl sollte man vor dem Essen eine Tasse frischen Ingwertee trinken. Auch ein Getränk aus Apfelessig und Honig zeigt gute Wirkung. Einfach zwei Teelöffel naturtrüben Apfelessig und einen Teelöffel Manuka Honig in einem Glas mit lauwarmen Wasser verrühren und vor dem Essen trinken.

Nach dem Essen helfen frische Ananas oder Papaya als Nachspeise gegen das Völlegefühl. Des Weiteren hat sich auch ein Schnapsglas voll Artischockensaft aus dem Reformhaus bewährt. Ebenso kann das Würzen mit Kurkuma einen steigernden Effekt auf die Gallensaftproduktion haben und so Völlegefühl entgegenwirken.

Wann sollte man bei Völlegefühl einen Arzt aufsuchen?

Wenn Völlegefühle regelmäßig und in Verbindung mit anderen Symptomen wie zum Beispiel Blähungen, Magendruck, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, unvollständiger Darmentleerung, Schmerzen beim Stuhlgang, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftauchen, könnte eine Erkrankung vorliegen, bei der Hausmittel an ihre Grenzen stoßen. Hier sollte unbedingt zeitnah ein Arztbesuch erfolgen.

Lufteinschlüsse und Gasbildung im Bauch kann zu Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen führen. (Bild: snyGGG/fotolia.com)

Schnelle Hilfe bei Blähungen

Zu den besten Hausmitteln bei Blähungen zählen Tees aus Kamille, Melisse, Pfefferminze, Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander oder Kardamom. Empfehlenswert ist auch der sogenannte Vier-Winde-Tee, der stark entblähend und gleichzeitig entkrampfend wirkt. Für die Herstellung werden zu gleichen Teilen Kümmelsamen, Fenchelsamen, Pferfferminzblätter und Kamillenblüten vermischt. Ein bis zwei Teelöffel von dieser Mischung sollten fünf bis zehn Minuten in 250 Milliliter kochendem Wasser ziehen und anschließend abgesiebt werden. Zwei bis drei Tassen täglich sollte eine Linderung bringen. Dagegen sollte man besser auf blähende Nahrungsmittel verzichten. Zu diesen gehören unter anderem:

  • frisches Brot,
  • Kohl,
  • Zwiebeln,
  • Hülsenfrüchte,
  • Fertigspeisen,
  • raffinierter Zucker.

Selbstgemachter Angelikalikör

Bewährt hat sich ebenfalls ein Angelikalikör. Bei diesem werden Angelikasamen (60g), Anissamen (8g), Fenchelsamen (8g) und Koriandersamen (6g) als Pulver in 220 ml Weinbrand oder Korn angesetzt. Die Flüssigkeit muss acht Tage ruhen und wird dann mit einem Liter Wasser und 500 Gramm Zucker angereichert. Nach einem weiteren Ruhetag sollte der Likör durch ein feinmaschiges Sieb gegossen werden und ist nun gegen Blähungen zu verwenden. Bitte bedenken: Hierin ist Alkohol enthalten und eine Anwendung bei Kinder ist daher selbstverständlich unangebracht! Gleiches kann für Menschen gelten, die aus anderen Gründen auf Alkohol verzichten sollten/müssen.






Ab wann sollte man mit Blähungen zum Arzt?

Tauchen die Blähungen immer wieder auf, sind die Flatulenzen besonders stark, zeigen Hausmittel keine Wirkungen oder gesellen sich andere Beschwerden hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden, damit ernste Ursachen ausgeschlossen oder gegebenenfalls andere therapeutische Maßnahmen ergriffen werden können.

Schnelle Hilfe bei Verstopfung

Als wirksames Hausmittel gegen Verstopfung hat sich der Apfel besonders bewährt. Experten zufolge reichen schon regelmäßig zwei Äpfel für einen gesunden Darm. Gegen Verstopfung kann ein selbstgemachter Apfelquark helfen. Hierfür sollte ein gewaschener Apfel samt Schale in 125 Gramm Magerquark gerieben und mit einem Teelöffel Leinsamen sowie einem Teelöffel Honig vermengt werden. Daneben sollte darauf geachtet werden, ausreichend zu trinken (Erwachsene zwei bis drei Liter täglich). Geeignete Getränke sind Wasser, ungesüßte Tees und hin und wieder Saftschorlen. Ebenso kann koffeinhaltiger Kaffee die Verdauung ankurbeln. Indessen sollte auf Schokolade, Süßigkeiten, Rotwein und Weißbrot verzichtet werden, da diese die Darmtätigkeit bremsen.

Diese Lebensmittel regen den Darm an

Ballaststoffreiche Lebensmittel tragen dazu bei, die Verdauung anzuregen. Hierfür eignen sich beispielsweise Gemüsesorten wie Blattsalat, Rettich, Tomaten, Rosenkohl, Spargel, Fenchel, Radieschen, Kohlrabi, Brokkoli, Blattspinat, Blumenkohl, Karotten und Knollensellerie, aber auch Obst wie Weintrauben, Honigmelone, Pflaume, Ananas, Mango, Pfirsich, Himbeeren und Bananen oder Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Erbsen, Bohnen, Mais und Erdnüsse. Auch Baumnüsse wie Haselnüsse, Mandeln oder Walnüsse enthalten reichlich Ballaststoffe.

Mit Verstopfung zum Arzt?

Häufige Ursachen für Verstopfungen sind Flüssigkeitsmangel, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, Störungen des Stoffwechsels oder des Elektrolythaushaltes sowie Stress und psychische Belastungen. Vielfach lassen sich Verstopfungen mit naturheilkundlichen Maßnahmen und Hausmitteln beseitigen oder sie verschwinden innerhalb weniger Tage von allein.

Ist dies nicht der Fall oder treten noch weitere Symptome auf oder kehren die Verstopfungen immer wieder, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, denn die Beschwerden können auch ein Anzeichen für schwerere Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Diabetes sein. Insbesondere wenn Blut im Stuhl auftritt, sollte dies sofort mit einem Arzt abgeklärt werden, da es sich unter anderem um ein Dickdarmkarzinom (Darmkrebs) handeln könnte.

Schnelle Hilfe bei Durchfall

Da Durchfall mit dem Verlust von Wasser und Mineralsalzen einhergeht, ist es sehr wichtig, ausreichend zu trinken. Erwachsene sollten drei bis vier Liter am Tag zu sich nehmen, um der Austrocknung entgegenzuwirken. Als Getränke eignen sich Brühe, stilles Mineralwasser sowie ungesüßte Kräutertees aus Pfefferminze, Fenchel oder Kamille. Ebenso hat sich ein selbstgemachter Tee aus getrockneten Heidelbeeren als Hausmittel bei Durchfall bewährt. Hierfür zwei bis drei Esslöffel getrocknete Heidelbeeren in einem Viertel Liter Wasser kalt ansetzen, zum Kochen bringen, zehn Minuten köcheln lassen und durch ein Sieb abgießen. Vorsicht: Nur getrocknete Heidelbeeren sollten für den Tee verwendet werden, da frische Heidelbeeren abführend wirken.






Kostaufbau und Elektrolythaushalt

Von Cola und Salzstangen bei Durchfall sollte man besser die Finger lassen. Stattdessen hilft eine selbstgemachte Elektrolytlösung, die verlorenen Mineralstoffe wieder auszugleichen. Diese kann aus einem Liter abgekochtem Wasser hergestellt werden. Das Wasser mit einem Teelöffel Salz, dem Saft von vier Orangen sowie sieben Teelöffel Traubenzucker (Glukose) vermengen. Elektrolytpräparate aus der Apotheke helfen ebenfalls. Auch die Heilkraft der Möhrensuppe nach dem Rezept von Professor Ernst Moro ist bei Durchfall nicht zu unterschätzen. Wenn sich der Stuhl wieder gefestigt hat, eignen sich zerdrückte Bananen, Zwieback und geriebene Äpfel (maximal drei pro Tag) zum Kostaufbau. Als Übergang zur normalen Kost sind Kartoffeln, in Brühe gekochter Reis und gedünstetes Gemüse zu empfehlen.

Wann sollte Durchfall ärztlich behandelt werden?

Wenn Durchfall länger als drei Tage anhält oder wenn sich in dem flüssigen Stuhl Schleim oder Blut befindet, ist dringend ein Arzt hinzuzuziehen. Dies gilt auch, wenn zusätzlich Fieber und/oder starke Erschöpfung auftreten. Bei Kindern und Säuglingen empfiehlt es sich grundsätzlich, einen Arzt um Rat zu fragen, denn bei ihnen ist das Risiko innerer Austrocknung besonders groß.

Schnelle Hilfe bei Sodbrennen

Auch bei Sodbrennen muss nicht gleich mit chemischen Arzneien reagiert werden. Es gibt zahlreiche wirksame Hausmittel bei Sodbrennen, die helfen können. Dazu zählen beispielsweise Kamillentee, Melissentee, Haferschleim, Artischocken, Kartoffelsaft, Weißkohlsaft und Heilerde. Als erste Maßnahme ist Kamillentee zu empfehlen. Dazu sollte ein Tee aus einem Esslöffel echten Kamillenblüten auf 150 ml heißem Wasser zubereitet werden. Dieser sollte zehn Minuten ziehen. Anschließend sollte der Tee in Ruhe getrunken werden.

Rollkur mit Kamillentee

Kamille hat eine entzündungshemmende, wundheilende und krampflösende Wirkung. Eine Rollkur für Magen und Darm mit Kamille kann Beschwerden durch Sodbrennen lindern. Alles was dafür benötigt wird, sind zwei Tassen Kamillentee, circa 20 Minuten Zeit und einen Platz zum Liegen. Nachdem einige Schlucke des Tees getrunken wurden, sollte man sich entspannt auf den Rücken legen und etwa fünf Minuten entspannen. Anschließend wieder ein paar Schlucke trinken und fünf Minuten auf die Seite legen. Diesen Vorgang dann mit der anderen Seite und der Bauchlage wiederholen. Ziel der Rollkur ist es, soviel Magenschleimhaut wie möglich mit dem Tee zu erreichen, um die heilende Wirkung zu intensivieren. Am besten ist es, wenn die Rollkur täglich über mindestens eine Woche durchgeführt wird.

Gelegentliches Sodbrennen ist relativ unbedenklich. Wenn die Beschwerden allerdings regelmäßig auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Es könnte sich um eine Reflux-Krankheit handeln. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Muss Sodbrennen ärztlich behandelt werden?

Gelegentliches Sodbrennen tritt bei vielen Personen auf. In den meisten Fällen ist die unbedenklich. Ein häufiges Auftreten sollte jedoch nicht unbeachtet bleiben, denn es drohen schlimme Folgeerkrankungen durch Sodbrennen. Mediziner sprechen dann von gastroösophagealen Reflux. Diese Erkrankung kann zu einer Speiseröhrenentzündung oder zu Entartungen führen, die bis zu einem Speiseröhren-Krebs reichen können. Aus diesem Grund sollte häufiges Sodbrennen immer ernst genommen und medizinisch untersucht werden.

Der Verdauungsvorgang

Der Verdauungsprozess beginnt mit der Aufnahme stofflicher Produkte in Form von Nahrung. Im Mund bereitet der Speichel die Nahrung durch Zerkleinerung und Spaltung für das Schlucken vor, die Magensäure tötet Bakterien und andere Keime ab, im Dünndarm wird die vorbereitete Nahrung dann fein auf ihre Verwendung hin analysiert, um entweder verwertet oder ausgeschieden zu werden. Dazu werden verschiedene Verdauungssäfte benötigt, die von den umliegenden Organen bereitgestellt und in den Dünndarm abgegeben werden: Die Bauchspeicheldrüse liefert die aggressiven Enzyme zur Kohlehydrat-, Fett- und Eiweißspaltung, die Leber steuert die außerdem notwendige Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung bei.

Störungen führen zu Symptomen

Störungen in einem dieser Bereiche, insbesondere ein Mangel oder Überschuss an Verdauungssäften, führen zu einer Verdauungsstörung mit den Symptomen Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, auch Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfen, Blähungen, Flatulenz, Darmgeräuschen, Durchfall und Verstopfung. Die Symptome können isoliert oder in verschiedenen Kombinationen auftreten.

Magen-Darm Schmerzen - anatomische 3D-Illustration
Verdauungsbeschwerden gehen oft mit Symptomen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen einher. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Die Ursachen können organischer, psychischer oder funktioneller Natur sein

Die Dysbalance der Verdauungssäfte kann als Folge einer entzündlichen Darmerkrankung entstehen, aber auch durch Darmtumore. Häufig besteht auch eine Schwäche einzelner Organe bzw. ihrer Sekretions- und Verdauungsfunktion. Auch eine gestörte Bakterienflora im Darm, etwa nach Einnahme von Antibiotika oder einem Befall mit Darmpilzen (v.a. mit dem Hefepilz Candida Albicans) und Fehlernährung führen zu Gärungs- und Fäulnisprozessen und damit zur Gasbildung (Blähungen), welche Bauchschmerzen und übel riechende Gase (Flatulenz) verursacht.

Ebenso können auf psychischer Ebene Angst und unverarbeitete Konflikte in Frage kommen oder Stress und Nervosität. Der Reizmagen, bei dem organische Befunde weitgehend fehlen, wird auch als „funktionelle Dyspepsie“ bezeichnet.

Diagnose – Was macht der Arzt?

Der Arzt probiert zunächst in einem ausführlichen Patienten-Gespräch ein Überblick über die möglichen Ursachen zu bekommen. Gewöhnlich folgt dann eine allgemeine körperliche Untersuchung, bei der die Bauchregion genauer unter die Lupe genommen wird. Durch Abtasten und Abhören lassen sich die in Frage kommenden Ursachen weiter eingrenzen. Eventuell wird auch der Blutdruck kontrolliert und Blut abgenommen. Je nachdem, welcher Verdacht sich in dieser Untersuchung erhärtet, stehen verschiedene weitere Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung:

  • Ultraschall: Um Probleme der Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse oder um freie Flüssigkeiten im Bauchraum oder Lymphknotenschwellungen aufzudecken.
  • Röntgen: Bei Beschwerden im Bauchraum, Verdacht auf Verengungen oder Gasansammlungen, bei Gallen- oder Nierensteinen; unter Einsatz eines Kontrastmittels können auch Schleimhautveränderungen, Polypen, Divertikel oder Tumore erkannt werden.
  • Endoskopie: Durch Magen- oder Darmspiegelung können Erkrankungen des Magens oder des Darms aufgedeckt werden. Entnommene Gewebeproben können im Labor untersucht werden und weiteren Aufschluss liefern.
  • Computertomographie: Vermutet der Arzt ein Organ als Ursache, kann dies durch eine CT abgeklärt werden. Hierdurch können eventuelle Veränderungen, Verdickungen oder Vergrößerungen in den einzelnen Organen dargestellt werden.
  • Tests und Proben: Stuhl- oder Urinproben sowie pH-Wert Messungen in der Speiseröhre und ein Laktose- oder Fructosetoleranztest sind weitere Möglichkeiten, um die genauen Ursachen zu bestimmen.
Das Abtasten gehört genau wie die Anamnese zu den ersten Diagnoseverfahren, die ein Arzt in der Regel einsetzt, um die mögliche Ursache von Verdauungsstörungen einzugrenzen. (Bild: Blue Planet Studio/fotolia.com)

Mögliche Ursachen

Falls eine Erkrankung hinter den Verdauungsstörungen steckt, kommen eine Reihe von Krankheiten in Frage, die hier beispielhaft angeführt werden. Die genau Diagnose bleibt einem fachkundigen Arzt vorbehalten.

Magenschleimhautentzündung

Die häufigste Ursache für Verdauungsbeschwerden ist eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis). Sie zeigt sich durch Symptome wie Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und ständiges Aufstoßen. Ausgelöst wird eine Gastritis durch Reizung der Magenschleimhaut. Diese kann beispielsweise durch Alkohol, Nikotin, bestimmte Medikamente oder Infektionen entstehen. Ist zusätzlich auch der Darm entzündet, handelt es sich um eine Gastro-Enteritis. Dabei gesellt sich oft Durchfall zu den Beschwerden.

Refluxkrankheit

Gastroösophagealer Reflux wird die Krankheit genannt, die hinter häufig auftretendem Sodbrennen stecken kann. Bei der Refluxkrankheit liegt eine Funktionsstörung des Magenschließmuskels vor, wodurch es zu einem Rückfluss von sauren Magensäften in die Speiseröhre kommt. Reizungen und Entzündungen können hierdurch entstehen, die im schlimmsten Fall tumorartige Wucherungen auslösen.

Darminfektionen und chronische Entzündungen

Ständiger Durchfall, Verstopfung oder Blutbeimengungen im Stuhl deuten auf Erkrankungen im Bereich des Dünn- und des Dickdarmes hin. Dabei kann es sich zum einen um akute Infektionen handeln, zum anderen können auch chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa dahinterstecken. Ein Reizdarmsyndrom ist ebenfalls denkbar.

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Eine weitere mögliche Ursache für Verdauungsprobleme sind Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel. Hier ist zum Beispiel die Glutenallergie (Zöliakie) zu nennen, bei der betroffene keine Gluten vertragen. Weitere Beispiel sind Fructose- oder Milchzuckerunverträglichkeit, die zu Bauchkrämpfen, Blähungen, Übelkeit oder Durchfall führen können.

Nahrungsmittelallergien wie beispielsweise die Glutenallergie (Zöliakie) können die Ursache für ständige Verdauungsprobleme sein. Eine Umstellung der Ernährung bringt oft schnelle Besserung, wenn die Verursacher erstmal entlarvt sind. (Bild: ferkelraggae/fotolia.com)

Organische Ursachen

Organe wie Leber und Galle sind wichtige Akteure in der Verdauung. Somit kommen sie auch als Ursache für Verdauungsstörungen in Betracht. So können unter anderem eine Hepatitis, eine Leberzirrhose, Gallensteine, eine Gallenblasenentzündung sowie auch Tumorbildung in der Leber oder der Galle ursächlich für die Beschwerden sein.

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Die Bauchspeicheldrüse ist ebenfalls wichtig für die Verdauung. Sie produziert wichtige Verdauungsenzyme. Erkrankungen dieser Drüse wie eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) oder auch Bauchspeicheldrüsenkrebs können die Ursache von Verdauungsbeschwerden sein.

Weiterer mögliche Ursachen

Da Verdauungsstörungen ein sehr allgemeiner und breitgefächerter Begriff ist, kommen dementsprechend auch sehr viele Ursachen in Frage. Weitere mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • Darmpolypen,
  • Darmkrebs,
  • Blinddarmreizung oder Blinddarmentzündung (Appendizitis),
  • Darmverschluss (Ileus),
  • Eileiterschwangerschaft.

Bei Notfällen sofort reagieren

Wenn die Bauchschmerzen plötzlich und sehr heftig auftreten, wenn zusätzlich Kreislaufprobleme, Schwindel oder Bewusstlosigkeit auftreten, handelt es sich um eine Notfall, der sofort in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Dieser Zustand wird in der Medizin als akutes Abdomen bezeichnet. Dahinter können lebensbedrohliche Ursachen wie eine Magenperforation oder ein Darmdurchbruch stehen.

Heilpflanzen und Naturheilverfahren

In der Therapie sollte das Augenmerk auf die Ursache der Verdauungsstörung gerichtet werden. In der konventionellen Medizin werden überschüssige Säuren mit hemmenden Medikamenten unterdrückt, Verdauungsträgheit wird durch Abführmittel beschleunigt und Durchfall medikamentös gestoppt. In den großen naturheilkundlichen Ansätzen, beispielsweise der Traditionellen Chinesischen Medizin, im Ayurveda und der traditionell westlichen (galenischen) Medizin wird der Verdauungsfunktion eine gewichtige Funktion für den gesamten Gesundheitszustand eines Menschen beigemessen. Deswegen gibt es eine Vielzahl an Heilpflanzen, die – erfahrungs-medizinisch erprobt – je nach Bedarf und Ursache bei Verdauungsstörungen zum Einsatz kommen.

Diese Heilpflanzen und natürlichen Methoden können viele Beschwerden im Magen- und Darmbereich lindern. Bei schwerwiegenden Problemen sollte jedoch immer zuerest ein Arzt hinzugezogen werden. (Bild: heilpraxis.de)

Kräuter können entspannend, krampflösend, keimtötend, entzündungshemmend oder gegen Blähungen wirken. Auf die Organe, zum Beispiel der Leber oder Bauchspeicheldrüse, wirken sie entweder anregend und stärkend oder beruhigend. Ob die Pflanzen einzeln oder kombiniert als Teemischung, Dragees oder Tinktur verabreicht werden, ob spagyrisch hergestellt oder homöopathisch aufbereitet, das liegt ganz im Ermessen des behandelnden Therapeuten. Zusätzlich sollte gemeinsam ein Ernährungsplan erarbeitet werden, der idealerweise auch die Verhaltensweisen beim Essen berücksichtigt.

Hektisches Hinunterschlingen von Nahrung „nebenbei“ kann sich ebenso ungünstig auf die Verdauung auswirken wie die zeitliche Verteilung der Mahlzeiten entgegen dem biologischen Rhythmus. Alternativ zur Gabe von Heilpflanzen kann mit Hilfe unzähliger weiterer Naturheilverfahren, z.B. psychologischer, physikalischer und manueller Ausrichtung, die Selbstheilung unterstützt und die Verdauung wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Osteopathische Behandlung lockert und mobilisiert innere Organe

In der Osteopathie beispielsweise werden die Gleitflächen der Organe untereinander wie Gelenke gesehen. Wenn es zu Bewegungseinschränkungen kommt, so kann es ebenfalls zu einem Problem in der Funktion des Organes kommen. In den Aufhängungen der Organe verlaufen größtenteils die Gefäße, so dass eine Mobilisierung und Lockerung der Aufhängestrukturen zu einer verbesserten Versorgung der Organe führen kann.

Auch die Atmung spielt eine Rolle

Eine wichtige Komponente spielt die Atmung, die durch die Erzeugung eines Unterdrucks für eine gute Entsorgung und eine Schaukelbewegung sorgt, die die Verdauung anregt und ihre reibungslose Funktion mit gewährleistet. Durch eine verminderte oder flache Atmung kann es zu Beeinträchtigungen dieser für die Verdauung notwendigen Bewegung kommen. So sind in der osteopathischen Herangehensweise neben der direkten Beobachtung der Organe auch die Strukturen wichtig, die einen mechanischen Einfluss auf die Organfunktion haben. Da manche Verdauungsbeschwerden durch Stress und Hektik verursacht werden, kann es nicht zuletzt hilfreich sein, sich Methoden zum Stressabbau anzueignen. (jvs, vb; aktualisiert am 07. August 2018)