Schmerzen beim Stuhlgang (Defäkationsschmerzen)

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Beschwerden beim Stuhl absetzen

Schmerzen beim Stuhlgang können als Ausdruck verschiedener Erkrankungen oder Verletzungen auftreten. Angaben über Entwicklung und Verlauf der Beschwerden sowie weitere Symptome sind notwendig, um die möglichen Ursachen einzugrenzen und schließlich mit spezifischen Untersuchungen die Diagnose abzusichern. Im Folgenden werden die möglichen Ursachen für schmerzhaften Stuhlgang und die jeweiligen Behandlungsansätze dargelegt.


Stuhlgangschmerzen – ein kurzer Überblick

Schmerzen, die während des Stuhlgangs auftreten, werden medizinisch unter dem Begriff „Proktalgien“ zusammengefasst. Damit sind Erkrankungen der Anal- oder Afterregion gemeint, die oft auf Reizungen oder Verletzungen der empfindlichen Analschleimhaut basieren. Hier eine kurze Übersicht über das Beschwerdebild:

  • Synonyme: Analbeschwerden, Afterbeschwerden, Proktalgien, Defäkationsschmerzen
  • Symptome: Krampfartige Bauchschmerzen, Juckreiz, der Stuhl hat ungewöhnliche Konsistenz oder Farbe, stechende und brennende Schmerzen vor, während und/oder nach der Stuhlentleerung, aufgeblähter Bauch, Müdigkeit, Erschöpfung, ungewollter Gewichtsverlust.
  • Mögliche Ursachen: Scharfes Essen, Verstopfung, Durchfallerkrankungen, Verletzungen oder Risse in der Analschleimhaut, Entzündungen, Ekzeme, Hämorrhoiden, Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.
  • Diagnose: Facharzt für diesen Bereich ist der Proktologe. Mögliche Diagnosemethoden sind zum Beispiel Rektoskopie, Darmspiegelung, Abstriche, Untersuchung entnommener Gewebeproben und Bluttest.
  • Behandlung: Die Behandlung richtet sich stark nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei vielen Beschwerden kommen Salben, Zäpfchen und Einläufe zum Einsatz, die schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe beinhalten.
  • Natürliche Behandlung: Warme Sitzbäder mit Kamillen- oder Teebaumölextrakten und bei stressbedingten Problemen mit dem Stuhlgang stehen zahlreiche Methoden zum Stressabbau zur Verfügung.
Schmerzen, die mit dem Stuhlgang in Verbindung stehen, können vielfältigen Ursprungs sein und müssen anhand weiterer Symptome und Untersuchungen näher bestimmt werden. (Bild: kei907/fotolia.com)

Beschwerden bei der Stuhlentleerung

Der Entstehungsprozess von Stuhlgangbeschwerden beginnt meist langsam. Anfangs fallen den Betroffenen gelegentliche Schmerzen beim Toilettengang auf oder sie werden von einem häufigen Afterjucken geplagt. Charakteristisch sind brennende und stechende Schmerzen während des Stuhlgangs. Die gelegentlichen Schmerzen können sich gegebenenfalls im Laufe der Zeit verstärken und treten häufiger auf bis sie schließlich so stark werden, dass die Stuhlentleerung nur noch unter heftigen Beschwerden stattfindet. Viele Betroffene verzögern deshalb den Toilettengang, was wiederum das Beschwerdebild verschlimmern oder neue Symptome auslösen kann.

Verstopfung als Ursache

Im Normalfall hat der menschliche Kot eine weiche bis mittelharte Konsistenz. Bei Verstopfung (Obstipation) kann es durch den verhärteten Stuhl zu Reizungen und Hauteinrissen in der Analregion kommen. Betroffene können den Stuhl nur mit starkem Pressen absetzen, was die Entstehung von kleinen Rissen in der Darmschleimhaut (Analfissuren) fördert. Solche Analfissuren können darüber hinaus auch durch Einwirkung von Fremdkörpern (z.B. Analverkehr) entstehen. Die Fissuren können sich auch durch Blut im Stuhl oder Blut am After bemerkbar machen.

Lebensgewohnheiten umstellen

Wer dauerhaft Verstopfungen loswerden möchte, muss in den meisten Fällen seine Lebensgewohnheiten umstellen. Dazu gehört, sich ausreichend zu bewegen, Vollwertkost mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen zu sich zu nehmen und auf ausreichendes Trinken zu achten. Ballaststoffe sind in Getreide und Getreideprodukten wie beispielsweise Vollkornbrot, Vollkornnudeln und Vollkornreis, aber auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte enthalten.

Bei regelmäßigen Verstopfungen ist oft eine Umstellung der Lebensgewohnheiten von Nöten, damit sich eine dauerhafte Besserung einstellen kann. (Bild: sebra/fotolia.com)

Bewährte Hausmittel gegen Verstopfung

Wirksame Hausmittel gegen Verstopfung sind Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamen. Diese können die Verdauung ankurbeln und den Stuhl weicher machen. Wichtig ist, dass sie zusammen mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden, da sonst eine Verstärkung der Beschwerden oder sogar ein Darmverschluss droht. Methoden zum Stressabbau wie autogenes Training oder Yoga können sich auch positiv auf die Verdauung auswirken. Zum Abführen eignet sich ein Esslöffel Rettich- oder Löwenzahnsaft aus dem Reformhaus in einem Glas Wasser vermischt. Dies kann morgens, mittags und abends nach den Mahlzeiten getrunken werden.

Akute und chronische Darmentzündungen

Schmerzen beim Stuhlgang äußern sich auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED; wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) im akuten Schub vielfach als beständig schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen). Daneben zeigt sich das typische Krankheitsbild mit Durchfällen und Schleim-, und/oder Blutbeimengungen. Ähnliche Symptome treten auch bei einer Proktitis (Mastdarmentzündung) auf.

Analabszesse, Fisteln und Ekzeme

Ein eitriger Abszess im Analbereich kann einen schmerzhaften Entzündungsherd bilden, der starke Schmerzen beim Toilettengang verursachen kann. Infolge eines solchen Abszesses können sich auch Analfisteln bilden. Das sind entzündlich veränderte, schlauchartige Gänge im Enddarmbereich. Auch ein Ekzem im Darm kann Schmerzen beim Stuhlgang verursachen. Analekzeme sind starke Entzündungen am After, die sich häufig durch einen juckenden Hautausschlag äußern.

Hämorrhoiden

Nicht selten sind Hämorrhoiden die Ursache für Anusschmerzen. Das sind arteriovenöse Gefäßpolster, die sich im Analkanal bilden. Hämorrhoiden sind normale Bestandteile des Verdauungssystems, können allerdings krankhaft werden, wenn es zu einem Blutstau kommt. Wenn diese Hämorrhoiden-Polster anschwellen ist eine zeitnahe Therapie wichtig. Durch das Anschwellen kommt es zu den typischen Symptomen wie Anusschmerzen, Afterjucken, Blutungen, Afterbrennen und einem unangenehmen Druckschmerz.

Nahaufnahme Frau sitzt auf der Toilette
Schmerzen beim Stuhlgang können zum Beispiel auf Analfissuren oder Hämorrhoiden zurückgehen. (Bild: Miriam Dörr/fotolia.com)

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom zeichnet sich durch chronische Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen aus. In vielen Fällen treten auch Stuhlgangsveränderungen auf. Im Gegensatz zu den anderen Ursachen lassen sich beim Reizdarmsyndrom keine genauen Ursachen zuordnen. Bauchschmerzen, die sich nach dem Stuhlgang abmildern, sowie abwechselnde Episoden von Durchfall und Verstopfungen können auf ein solches Syndrom hinweisen.

Ein Tumor als Ursache für Stuhlabgangsschmerzen

In seltenen Fällen sind Krebserkrankungen für die Afterschmerzen verantwortlich. Beim Analkarzinom zeigt sich neben schmerzhaftem Stuhlgang häufig Juckreiz im Analbereich (Pruritus ani). Außerdem werden Blutauflagerungen, Inkontinenz und veränderten Stuhlgewohnheiten beschrieben. Beim Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs) fallen zusätzlich zu Schmerz und Blutauflagerung ein verschlechterter Allgemeinzustand, Gewichtsabnahme und eventuelle Schmerzen im unteren Rücken (Kreuzschmerzen) auf.

Weitere mögliche Ursachen

Des Weiteren können manche sexuelle Krankheiten wie Syphilis oder Feigwarzen Schmerzen beim Absetzen des Kots verursachen. Auch bei Durchfall können die Schleimhäute des Darms gereizt reagieren. Wer zu scharf gegessen hat, kann bei der Verdauung ebenfalls ein Afterbrennen empfinden.

Ab wann sollte ein Arzt kontaktiert werden

Schmerzen in Analbereich werden von vielen Betroffenen als peinlich empfunden und oft geheim gehalten. Gelegentlich vorkommende Verstopfungen oder Durchfall sind auch kein Grund zur Besorgnis, wenn diese Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Halten diese Beschwerden längere Zeit an oder ist Blut im Stuhl zu beobachten, ist es dringend anzuraten eine fachärztliche Untersuchung vornehmen zu lassen. Diese kann beim Hausarzt beginnen, der den Patienten bei Bedarf an einen Proktologen oder Internisten überweist.

Viele Beschwerden, die in Verbindung mit dem täglichen Stuhlgang entstehen, lassen sich gut therapieren. Ein Gang zum Arzt sollte nicht unnötig aufgeschoben werden. (Bild: hakase420/fotolia.com)

Therapiemöglichkeiten

Bei vielen Beschwerden im Analbereich werden Salben, Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt, die schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison, Lidocain und Hamamelis beinhalten. Des Weiteren kommen nach Absprache mit dem Arzt Medikamente wie Abführmittel oder sogenannte Prokinetika zum Einsatz. In manchen Fällen ist auch ein kleiner operativer Eingriff möglich, um beispielsweise Hämorrhoiden oder Entzündungsherde zu entfernen, da diese schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen könnten. Sollte Krebs die Ursache sein, ist eine umfangreiche Behandlung erforderlich, die eventuell Operationen, Chemo- oder Strahlentherapien beinhalten kann.

Naturheilkundliche Ansätze

Nach Ausschluss einer bösartigen Erkrankung können Verstopfung, Analfissuren und Hämorrhoiden gut mit Verfahren aus der Naturheilkunde gelindert oder gar geheilt werden. Die naturheilkundlichen Ansätze können auch bei den schwereren Erkrankungen komplementär zum Einsatz kommen. Beispielsweise haben sich warme Sitzbäder mit Extrakten der Kamille oder Teebaumöl als Haumittel bei Afterjucken bewährt. Da manche Stuhlabgangsbeschwerden auch durch zu viel Stress entstehen können, helfen in solchen Fällen oftmals Methoden zum Stressabbau. Dazu gehören beispielsweise:

Diese vorbeugenden Maßnahmen tragen dazu bei, Schmerzen beim Toilettengang zu verhindern. (Bild: heilpraxis.de)

Vorbeugende Maßnahmen

Um Schmerzen beim Stuhlgang vorzubeugen, eignet sich eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten. Außerdem sollte man ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen (allgemeine Empfehlung: zwei bis drei Liter Wasser). Zudem ist auf regelmäßige Bewegung zu achten. Zusätzlich sollte der Stuhlgang nicht unterdrückt, sondern bei dem entsprechenden Drang baldig eine Toilette aufgesucht werden. Ein weiches Toilettenpapier kann dazu beitragen, die empfindliche Haut am After nicht unnötig zu reizen. Eine gute Intimhygiene vermindert die Keimdichte, durch die es zu Entzündungen kommen kann. (jvs, vb, aktualisiert 20. Juni 2018)