Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Jeanette Vinals Stein
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zählen zu den häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Sie unterscheiden sich in den Symptomen kaum und werden in ihren Entstehungsfaktoren vielfach gemeinsam diskutiert. Der Ort und die Intensität des Krankheitsgeschehens sowie die drohenden Komplikationen sind jedoch durchaus verschieden. Durch eine präzise Diagnostik lassen sich die beiden Beschwerdebilder erkennen und entsprechenden Gegenmaßnahmen ergreifen. Neben der konventionellen Behandlung stehen hier für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen verschiedene Methoden der Naturheilkunde zur Verfügung, die zumeist unterstützend eingesetzt werden.


Junge Menschen besonders betroffen

Statistisch kommen auf 300.000 Einwohner insgesamt ungefähr 300, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) leiden. Vor allem junge Erwachsene erkranken an Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, der Altersgipfel liegt zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Die Erkrankungen können jedoch grundsätzlich in jedem Alter auftreten. In Industrieländern und städtischen Gebieten werden die CED häufiger diagnostiziert als in Entwicklungsländern und ländlichen Bezirken, was auf beteiligte Umweltfaktoren schließen lässt.

Typische Symptome von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Bauchschmerzen und Durchfall. (Bild: underdogsstudios/fotolia.com)

Symptome

Beide Erkrankungen verlaufen in Schüben, können aber auch chronisch aktiv sein. Allein anhand der Beschwerden lassen sich die beiden CED-Formen nur schwer zu unterscheiden. Zu den allgemeinen Symptomen, die auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankungen hinweisen, gehören:

Durch den Blutverlust in den entzündeten Arealen kann es in beiden Fällen der CED zu behandlungsbedürftiger Blutarmut (Anämie) mit einhergehendem Eisenmangel kommen, der seinerseits zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit führt.

Bei einigen Hauptsymptomen zeigen sich zwischen den beiden CED-Krankheiten dennoch signifikante Unterschiede.

Symptome Colitis ulcerosa

Als Leitsymptom im akuten Schub der Colitis ulcerosa gilt blutiger Stuhlgang, der häufig mit Schleimbeimengungen oder als Durchfall daherkommt. Es besteht im akuten Schub ständiger Stuhldrang, zum Teil mit Bauchschmerzen, Fieber sowie allgemeiner körperliche Schwäche.

Symptome Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn bestehen insbesondere Bauchschmerzen, vielfach auch Durchfall, der dann mit Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen einhergeht.

Symptome außerhalb des Verdauungstraktes

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden von weiteren Symptomen begleitet, die außerhalb des Darms liegen. Oft bestehen neben der Erkrankung Leberentzündungen, die auch auf die Gallenwege übergreifen können. Außerdem kommt es (häufig bereits im Vorfeld) zu Gelenkentzündungen, Hauterscheinungen oder Entzündungen der Mundschleimhaut wie z.B. schmerzhaften Aphthen und Stomatitis. Ebenso können Regenbogen- oder Bindehäute der Augen betroffen sein. Als Komplikationen, insbesondere des Morbus Crohn, treten Fisteln (röhrenartige Gänge zwischen einzelnen Organen) und Abzesse (verkapselte Eiteransammlungen) auf, die aufgrund der Sepsisgefahr häufig operativ entfernt werden müssen.

Diagnose durch Befallmuster und Gewebsproben

Sowohl bei der Colitis ulcerosa als auch beim Morbus Crohn stehen Entzündungsprozesse des Verdauungstraktes im Vordergrund. Diese nehmen im Falle der Colitis ulcerosa ihren Anfang im Enddarm und schreiten nach oben teilweise bis zum Blinddarm fort. Die Entzündung beschränkt sich dabei auf die Darmschleimhaut, es kommt zur Bildung von Geschwüren.

Dagegen kann die Entzündung beim Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt befallen, wobei sich gesunde Abschnitte und Entzündungsherde abwechseln können. Am häufigsten betrifft es jedoch den Übergang von Dünndarm (terminales Ileum) zu Dickdarm (Coecum). Um eine sichere Diagnose zu treffen, sind neben der Erhebung der Beschwerden deshalb eine Spiegelung des Darms sowie eine mikroskopische Untersuchung von entnommenen Gewebeproben notwendig.

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen unterscheiden sich kaum in ihren Symptomen und nur durch eine genaue Diagnostik lässt sich erschließen, um welche CED-Erkrankung es sich handelt. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Entstehung von CED

Eine einzelne Ursache für die Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gibt es nicht. Vielmehr werden verschiedene Faktoren vermutet, die eine Entwicklung der Erkrankung begünstigen. Dazu zählen eine genetische Veranlagung genauso wie bestimmte Umweltfaktoren, zum Beispiel:

  • Infektionen (oft auch als Auslöser),
  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Tabakkonsum und
  • Schadstoffbelastung.

Irritationen im Bereich des Immunsystems spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, kommt es doch bei den Darmerkrankungen zu Autoimmunprozessen, welche zu Abwehrreaktionen gegen körpereigenes Darmgewebe führen. Es gibt darüber hinaus immer wieder Hinweise auf eine fehlbesiedelte Darmflora, mit zu wenig „nützlichen“ Bakterien, dafür aber vermehrt solchen, die potenziell krank machen können. Zusätzlich können echte Krankheitserreger wie zum Beispiel Salmonellen aufgrund der Entzündung leichter eindringen. Schließlich spielen auch vegetative und psychische Prozesse eine Rolle, was von den Betroffenen insbesondere als Verschlimmerung der Symptome und erneutes Auftreten von Entzündungsschüben in stressreichen Phasen beschrieben wird.

Therapie

Die konventionelle Therapie besteht aus konservierenden und chirurgischen Maßnahmen. Konservierend werden antientzündliche Medikamente eingesetzt, vor allem Kortikosteroide und Aminosalicylate, aber auch Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Autoimmungeschehens finden Anwendung. Teilweise wird auf Komplikationen (Fisteln, Abszesse) mit Operationen reagiert, bis hin zur Entfernung ganzer Darmabschnitte oder dem Einsatz eines künstlichen Afters. Bei starken Mangelerscheinungen erfolgt zeitweise die Ernährung unter Umgehung des Verdauungstraktes.

Naturheilkunde

In Arztpraxen werden bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen naturheilkundliche Verfahren zunehmend beliebter, dazu gehören:

  • Probiotika
    Das heißt, Medikamente mit lebenden oder abgetöteten Darmbakterien werden nach einer Stuhluntersuchung im Labor gezielt verabreicht.
  • Bach-Nosoden
    Als eine Alternative kann eine Behandlung mit den sogenannten Bach-Nosoden (nach dem Entdecker der Bachblüten) versucht werden, wobei von einem speziellen Labor aus den eigenen Darmbakterien ein individuell wirkendes Medikament hergestellt wird.
  • Heilerde
    Auch eine kurmäßige Anwendung von Heilerde entgiftet und entlastet den Darm.
  • Hohe Darmeinläufe
    Als physikalische Maßnahme bringen hohe Darmeinläufe Linderung der Beschwerden.
  • Colon-Hydro-Therapie
    Zwischen den akuten Schüben kann auch eine Colon-Hydro-Therapie hilfreich sein. Bei dieser intensiven Form der Darmspülung wird bei mehreren Sitzungen Wasser in den Darm gespült und der Bauch massiert, um eine Reinigung des Darms zu erreichen. Dadurch soll die bakterielle Besiedlung des Darms verändert und das Wohlbefinden des Patienten gesteigert werden.

Für eine spürbare Erleichterung und zur Förderung der Heilprozesse können Fango-Packungen und feuchtheiße Kompressen auf den Bauch gelegt werden, sowie ansteigende Sitzbäder mit Heublumenbadeextrakt durchgeführt werden. In der Naturheilpraxis werden darüber hinaus die fehlenden Vitamine und Mineralstoffe oral oder als Injektionstherapie verabreicht.

Psychotherapeutische Behandlung

Viele Patienten berichten, dass erhöhter Stress zu CED-Schüben führt. Eine konventionelle oder alternativ ausgerichtete psychotherapeutische Behandlung, kann zu einer besseren Stresserkennung und –verarbeitung verhelfen, dienen aber auch der Klärung tiefer liegender Konflikte, die im Zusammenhang mit dem Krankheitsgeschehen stehen können. Letztlich können verschiedene körper- und entspannungsorientierte Verfahren, idealerweise gekoppelt mit Atemübungen, zu einer allgemeinen Verbesserung des Wohlbefindens, und damit zur Linderung des Leidens, führen.

Nikotin ist einer der Hauptverursacher von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Der Verzicht auf Tabakwaren ist für CED-Erkrankte dringend geboten. (Bild: Ralf-Geithe/fotolia.com)

Selbsthilfe

Stressvermeidung ist eines der Grundprinzipien, die bei der chronischen entzündlichen Darmerkrankung helfen, die CED-Schübe zu minimieren. Zudem können folgende Hinweise helfen, den Heilungsprozess zu fördern:

  • Lebensmittelunverträglichkeiten
    Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sollte abgeklärt werden, ob eine Lebensmittelunverträglichkeit besteht, zum Beispiel eine Milchunverträglichkeit. Durch die konsequente Vermeidung von Milchprodukten wird dann der Heilungsprozess gefördert. Das gilt auch für andere Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten. Anwender der Milieutherapie (auch Enderlein-Verfahren) raten bei chronischen Erkrankungen allgemein zu einem Verzicht auf Kuhmilchprodukte, Hühnereiweiß und Schweinefleisch.
  • Richtige Ernährung
    Ein ballaststofffreie oder sogar flüssige Nahrung ist bei einem akuten Schub angeraten. Sogenannte Astronautennahrung eignet sich, um den entzündeten Darm zu entlasten. Bei einem extremen Schub sollte ein Klinikum aufgesucht werden, damit die Nahrungsversorgung mittels einer Infusion sichergestellt ist. Einheitliche Ernährungsempfehlungen bestehen zurzeit weder konventionell noch im naturheilkundlichen Kontext.
  • Schonung
    Wenn durch die Darmerkrankung bzw. anhaltenden Durchfall und Leibschmerzen ein Zustand körperlicher Erschöpfung eintritt, ist es angeraten Bettruhe einzuhalten.
  • Auf Rauchen verzichten
    Nikotin erhöht die Gefahr eines neuen Schubs bei Morbus Crohn. Deshalb sollten Patienten mit einem chronisch entzündlichen Darm dringend das Rauchen aufgeben.

Von CED-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa Betroffene finden zudem Hilfe bei der Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. , die auf ihrer Internetseite umfangreiche Informationen sowie Kontaktadressen zu Selbsthilfegruppen bereitstellen. (jvs, fp, ok; aktualisert am 25.08.2018)