Wirksame Hausmittel gegen Verstopfung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Tipps für die natürliche Selbstbehandlung von Verstopfung

Hausmittel gegen Verstopfung (Obstipation) helfen in den meisten Fällen sehr gut, sofern keine ernsthafte Erkrankung den Beschwerden zugrunde liegt. Häufig führen Flüssigkeitsmangel, falsche Ernährung sowie Störungen des Stoffwechsels oder des Elektrolythaushaltes wie Kaliummangel zu Verstopfungen. Auch Stress und andere psychische Belastungen sowie Bewegungsmangel können Probleme bei der Stuhlentleerung begünstigen. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Tage von allein oder können mit einfachen Hausmitteln beseitigt werden. Hält die Obstipation jedoch an, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.


Erste Hilfe bei Verstopfung: Ballaststoffreiche Ernährung und viel Flüssigkeit

Häufig verschwinden die Beschwerden durch die Umstellung des Lebensstils ganz von allein. Dazu gehört vor allem eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährungsweise. Sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, sollten Erwachsene laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich 30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen. Dies entspricht beispielsweise fünf Portionen Obst oder Gemüse einschließlich Hülsenfrüchten. Die DGE verweist auch auf Vollkornprodukte wie Vollkorn-Müsli, Vollkornreis und -nudeln.

Getreide in Schalen
Ballaststoffe wirken Verstopfungen entgegen. (Bild: B. Wylezich/fotolia.com)

Von Aubergine bis Wirsing: Diese Lebensmittel bringen die Verdauung in Schwung

Zu den Gemüsesorten, die viele Ballaststoffe enthalten, gehören unter anderem Blattsalat, Rettich, Tomaten, Rosenkohl, Aubergine, Zwiebeln, Spargel, Fenchel, Radieschen, Kohlrabi, Chinakohl, Chicorée, Feldsalat, Brokkoli, Blattspinat, Champignons, Paprika, Porree, Rote Bete, Wirsing, Blumenkohl, Karotten, Rotkohl, Weißkohl und Knollensellerie.

Beim Obst enthalten vor allem Weintrauben, Honigmelone, Pflaume, Ananas, Passionsfrucht, Mango, Pfirsich, Himbeeren, Papaya und Banane viele Ballaststoffe. Gleiches gilt für Heidelbeeren, Erdbeeren, Orange, Apfel, Birne, Brombeeren, Kirsche, Johannisbeeren und Kiwi.

Sehr gut ggeignet sind Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Erbsen, rote Bohnen, weiße Bohnen, Mais und Kidneybohnen. Walnüsse, Cashews, Pistazien, Erdnüsse, Haselnüsse, Kokosnüsse, Paranüsse und Mandeln enthalten ebenfalls reichlich Ballaststoffe.

Wichtig bei Verstopfung: Viel trinken

Um Verstopfungen zu beseitigen bzw. vorzubeugen, ist eine ausreichende Flüssigkeitsmenge notwendig. Zwei bis drei Liter sollten Erwachsene täglich trinken, wenn sie an den Beschwerden leiden. Am besten geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees sowie Saftschorlen in Maßen. Ballaststoffe sorgen zusammen mit ausreichend Flüssigkeit dafür, dass zum einen das Stuhlvolumen erhöht und zum anderen die Darmpassage beschleunigt wird. Ebenso sollen sie das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen wie Brustkrebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren.

Trockenobst
Dörrobst kann bei Verstopfungen aufgrund des vielen Fruchtzuckers sehr hilfreich sein. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Auf stopfende Nahrungsmittel verzichten

Bestimmte Nahrungsmittel haben jedoch eine stopfende Wirkung, so dass die Darmtätigkeit verlangsamt wird. Vor allem Menschen die zu Verstopfung neigen oder aktuell an den Beschwerden leiden, sollten auf diese Lebensmittel verzichten. Während Koffein den Darm anregt, bremsen Kakao, Schokolade, Süßigkeiten, Rotwein und Weißbrot seine Aktivität. Statt Schokolade können beispielsweise Dörrpflaumen, Feigen oder Datteln genascht werden. Ein Esslöffel Leinsamen oder Weizenkleie in den Joghurt gerührt, kurbelt die Verdauung kräftig an.

Apfelquark zur Anregung der Verdauung

Äpfel sind wahre „Superfrüchte“ und haben sich aufgrund ihres hohen Nährstoffgehalts schon vielfach als wertvolle Hausmittel bewährt, indem sie zum Beispiel einen positiven Einfluss auf den Blutzucker- und Cholesterinspiegel haben. Das Wundermittel Apfel reguliert auch die Verdauung, was vermutlich auf den hohen Anteil unverdaulicher Ballaststoffe zurückzuführen ist. Denn die so genannten „Pektine“ fördern die Verdauung und die Darmgesundheit. Dementsprechend empfehlen Ernährungsexperten regelmäßig zwei Äpfel für einen gesunden Darm zu essen.

Wichtig: Das Obst sollte dabei ungeschält genossen werden, da sich die Nährstoffe größtenteils in oder direkt unter der Schale befinden.

Als leckere Alternative können Sie einen Quark mit Äpfeln zubereiten. Zum Frühstück oder am Abend verzehrt, kann dieser auf natürliche Weise die Verdauung anregen.

Für eine Portion Apfelquark benötigen Sie:

  • 125 Gramm Magerquark
  • Einen Apfel (Bio-Qualität)
  • Einen Teelöffel Leinsamen
  • Einen Teelöffel Honig

Der Apfel wird gründlich gewaschen und mit Schale in eine Schüssel gerieben. Geben Sie den Quark, Honig und die Leinsamen hinzu und verrühren alles sorgfältig miteinander.

Trockenpflaumen und Apfelwein gegen Verstopfungen

Harter Stuhlgang und Verstopfungen können mit Trockenpflaumen beseitigt werden. Denn in diesen ist besonders viel Fruchtzucker enthalten, welcher als natürliches Abführmittel wirkt. Legen Sie über Nacht vier bis fünf getrocknete Pflaumen in lauwarmes Wasser ein. Am nächsten Morgen trinken Sie das Einweichwasser und essen das Obst.

Ein alt bewährtes Hausmittel zum Abführen ist Apfelwein, der mit Essig und Milch vermischt wird. Das Getränk hat einen sehr ungewöhnlichen Geschmack – hilft aber oft, wenn der Stuhlgang erschwert ist oder „gar nichts mehr geht“.

Rezept für den Abführ-Mix:

  • 25 Milliliter Apfelwein
  • 75 Milliliter Milch
  • Ein Teelöffel Essig

Vermengen Sie die Zutaten miteinander und trinken Sie das Ganze am besten morgens auf nüchternen Magen.

Älteres Paar spaziert
Oft reicht schon leichte Bewegung wie z.B. ein langer Spaziergang, um die Darmtätigkeit anzuregen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Bewegung regt die Darmtätigkeit an

Neben einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und reichlich Flüssigkeit kann die Darmtätigkeit durch Bewegung angeregt werden. Bereits eine halbe Stunde moderate Bewegung unterstützt den Darm. Häufig reicht bereits ein ausgedehnter Spaziergang aus. Geeignet ist aber fast jede Art von sportlicher Aktivität wie Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen.

Eine Dickdarmmassage wirkt sich positiv auf die Darmtätigkeit aus. Dabei sollten Betroffene ihren Darm im Uhrzeigersinn entlang des Darmverlaufs zehn Minuten lang massieren.

Vorsicht bei Abführmitteln gegen Verstopfung

Prinzipiell sollten zunächst bewährte Hausmittel angewendet werden, bevor zu Abführmitteln und anderen Medikamenten gegriffen wird. Hält die Verstopfung dennoch an, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen. Nach Ausschluss einer ernsthaften Erkrankung wie einer chronischen Ursache der Verstopfung oder dem Reizdarmsyndrom kann beispielsweise ein pflanzliches Abführmittel zum Einsatz kommen.

Zu den sogenannten „Laxantien“ gehören beispielsweise Aloe (Aloe ferox), Faulbaumrinde (Rhamnus frangula), Rhabarberwurzel (Rheum palmatum), Rizinusöl (Ricinus communis), Koloquithen (Citrullus colocynthis), Jalapenwurzel (Ipomoea purga) oder Zaunrübe (Bryonia), die jedoch zum Teil sehr heftig wirken und unter anderem zu Darmkrämpfen sowie zu Flüssigkeitsverlust führen können. Eine Selbstmedikation, ohne den Rat vom Arzt oder Heilpraktiker einzuholen, ist deshalb nicht empfehlenswert.

In der traditionellen Naturheilkunde werden meist sanftere Mittel angewendet, um die Verdauung beziehungsweise die Gallenproduktion anzuregen. Hierzu zählen beispielsweise Wermut (Artemisia absinthium), Tausendgüldenkraut (Erythraea centaurium), Gelber Enzian (Gentiana lutea) und Kornblume (Centaurea cyanus). (ag, nr)

Autor:
Dipl. Geogr Astrid Goldmayer
Quellen:
  • Mojgan Forootan; Nazila Bagheri; Mohammad Darvishi: "Chronic constipation: A review of literature", in: Medicine (Baltimore), Volume 97 Issue 20, 2018, NCBI
  • Mary Pfahl: Der große Hausmittel Ratgeber: 70 einfache Hausmittel gegen verschiedene Beschwerden, neobooks, 2015
  • Dietrich Grönemeye: Grönemeyers Lexikon der Medizin, Rowohlt Verlag, 2015
  • Keikawus Arastéh et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Thieme, 2018
  • Josef Miligui: Ernährung bei Chronischer Obstipation (Verstopfung): Diätetik - Gastrointestinaltrakt - Dünndarm und Dickdarm - Chronische Obstipation (Verstopfung) (EBNS Ernährungsempfehlungen), Books on Demand; Auflage: 1 (3. März 2016)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.