Spargel (Asparagus officinalis)

Spargel als Heilpflanze

Ob als Spargelsuppe, Spargelsalat oder gekocht – zur Spargelzeit von April bis Juni ist Spargel eines der beliebtesten Gemüse der Deutschen. Doch dass der Spargel eine jahrtausendalte Tradition als Heilpflanze hat, ist wenig bekannt. Beispielsweise sollen die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe des Gemüsespargels (Asparagus officinalis) sehr gut bei der Entgiftung und bei Beschwerden der Niere, Blase, Galle, Leber und des Magen-Darm-Traktes helfen.

Steckbrief für Spargel

  • Wissenschaftlicher Name: Gemüsespargel (Asparagus officinalis)
  • Volkstümliche Namen: Gemeiner Spargel, Spargel
  • Pflanzenfamilie: Spargelgewächse (Asparagaceae)
  • Vorkommen: Europa, Asien, Afrika
  • Verwendete Pflanzenteile: Junge Triebe, Wurzelstock, Samen
  • Anwendungsgebiete:
Eine Spargel-Stangen vor weißem Hintergrund.
Eine Übersicht über die Inhaltstoffe des Spargels sowie den Wirkungen, die dem Gemüse zugesprochen werden. (Bild: foodism360/unsplash)

Spargel in der Ernährung

Verzehrt werden die ersten junge Sprosse des Gemüsespargels. Er hat eine sättigende Wirkung, besteht zu etwa 95 Prozent aus Wasser, ist kalorienarm und kann deshalb gegen Übergewicht helfen. Neben Wasser stecken im Spargel eine große Menge Antioxidantien, Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Grüner Spargel enthält besonders viel Vitamin C, da er anders als weißer Spargel über der Erde wächst. Die ernährungsphysiologischen Eigenschaften des Gemüsespargels und den aktuellen Stand der Forschung wurden in einer aktuellen Publikation aus dem Jahr 2020 zusammengefasst.

Kräuterportrait

Der Gemüsespargel gehört zu der Gattung Asparagus innerhalb der Pflanzenfamilie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Der wissenschaftliche Gattungsname Spargel (Asparagus) stammt von dem griechischen Wort aspáragos (junger Trieb). In Europa, Afrika und Asien kommen etwa 130 Arten des Spargels vor. In Europa sind es 15 Arten. Asparagus officinalis ist die Spargelart, die als Gemüse verzehrt wird und im Volksmund kurz als Spargel bezeichnet wird.

Herkunft

Wild wächst Gemüsespargel in Asien, Süd- und Mitteleuropa und in Afrika, wo die größte Artenvielfalt der Spargelgewächse vorkommt. In Süd-und Nordamerika und in Neuseeland wurde Gemüsespargel eingeführt. Spargel wird heute nahezu weltweit angebaut. Die größten Kulturen befinden sich in Westeuropa, Nordamerika, China und Peru.

Sorten

Etwa 100 unterschiedliche Sorten werden in Deutschland angebaut. Es werden Sorten des weißen „Bleichspargels“ und des „Grünspargels“ sowie des violetten Spargels unterschieden. Der Hauptunterschied zwischen weißem, grünem oder violettem Spargel besteht darin, dass die Triebe oberirdisch oder unterirdisch geerntet werden.

Spargelernte

Der weiße Spargel wird geerntet, sobald die „Köpfe“ die Erdoberfläche durchstoßen. Der grüne Spargel wächst oberirdisch und entwickelt daher seine grüne Farbe aufgrund des grünen Pflanzenfarbstoffes, dem Chlorophyll. Der grüne und der violette Spargel enthalten mehr Vitamine, als der weiße Spargel.

Die Erntezeit dauert von April bis zum 24. Juni an. Länger wird nicht geerntet, damit in den unterirdischen Erdsprossen genügend Nährstoffe für die kommende Spargelsaison gespeichert werden können.

Botanik

Der Gemüsespargel ist eine mehrjährige krautige Pflanze. Im Frühjahr treiben aus dem unterirdischen Erdspross vier bis sechs junge Sprosse aus. Diese sind fleischig und tragen dreieckige Schuppenblätter in einer Spirale.

Zeichnung einer Spargelpflanze mit Wurzel.
Aus dem Erdspross des Spargels treiben im Frühjahr neue Sprosse heraus, die als saisonales Gemüse äußerst beliebt sind. (Bild: Morphart/stock.adobe.com)

Aus den Sprossen, die nicht geerntet werden und weiter wachsen, bildet sich dann die grüne Spargelpflanze bis zu einer Höhe von 60 bis 150 Zentimeter aus. Insgesamt wirkt die grüne Pflanze des Gemüsespargels buschig, denn in den Achseln der Blätter entspringen zahlreiche, kurze Sprossachsen in Quirlen. Sie verleihen dem Gemüsespargel ein farnähnliches Erscheinungsbild.

Die eigentlichen Blätter des Gemüsespargels sind nadel- bis schuppenförmig und dicht an den Stängel gedrückt. Die zartgelb bis grünlichen Blüten sind glockenförmig und stehen in den Blattachseln. Die Blütezeit ist von Juni bis Juli.

Die im August bis September reifen Früchte sind ein Zentimeter große, rotgelbe, für den Menschen leicht giftige Beerenfrüchte. In den meist zwei Samen der Früchte ist die Aminosäure Asparagin enthalten.

Der Gemüsespargel überdauert als mehrjährige Pflanze mit Hilfe seines etwa 30 Zentimeter unterirdischen Erdsprosses den Winter. Gemüsespargel benötigt sandigen, mäßig feuchten und nährstoffreichen, gut besonnten, lockeren Boden.

Traditionelle Nutzung als Heilpflanze

Medizinisch wird zur Anregung der Nierentätigkeit die Wurzel des Spargels verwendet. Diese kann im Herbst ausgegraben werden. Gegen Übelkeit und Erbrechen haben sich die Samen aus den getrockneten Beeren bewährt.

Seit Jahrtausenden wurde Spargel angebaut. In den Wurzeln des Gemüsespargels sind hormonell wirksame sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Im Altertum sagte man dem Spargel vielleicht auch daher nach, dass seine Wurzeln die Fruchtbarkeit fördern. Bereits vor 5000 Jahren wurde laut Überlieferungen Spargel in China gegen Husten oder Blasenschwäche medizinisch verwendet.

Seit dem Jahr 400 vor Christus wurde Spargel im antiken Griechenland und bei den Römern kultiviert und als Heilpflanze unter anderem zum Treiben des Harns eingesetzt. Hippokrates erwähnte Spargel als Heilpflanze bei Übergewicht. Im römischen Reich fand Spargel ebenso medizinische Verwendung.

Die Volksmedizin setzte Spargel bei Nieren- und Blasenerkrankungen, Gallensteinen, Gelbsucht, Herzklopfen, Gicht, Rheuma, Hämorrhoiden oder als Diuretikum (Förderung der Harnausscheidung) sowie zur Blutreinigung ein.

Inhaltsstoffe

Gemüsespargel besteht bis zu etwa 95 Prozent aus Wasser. Neben sekundären Pflanzenstoffen und Mineralstoffen enthält Gemüsespargel viele Vitamine. Die besonders im grünen Spargel zahlreichen B-Vitamine, wie Vitamin B6, B12 und B9 (Folsäure), sorgen für einen ausgewogenen Homocysteinspiegel. Dies soll unter anderem Herz- Kreislauferkrankungen vorbeugen.

Zu den Inhaltsstoffen des Gemüsespargels zählen:

  • Kohlenhydrate,
  • Flavonoide,
  • Terpene (Saponine wie Asparagin),
  • Mineralstoffe (Selen, Eisen, Calcium, Kupfer, Zink, Magnesium, Kalium, Phosphor),
  • Vitamin A, B1, B2, B3, B9 (Folsäure), C, E, K
  • Folsäure,
  • Asparagusinsäure,
  • Aminosäuren (Asparaginsäure).

Warum der Urin nach Spargel-Konsum seltsam riecht

Der starke Geruch des Urins nach dem Spargelgenuss beruht auf der enzymatischen Spaltung einer Karbonsäure, der Asparagusinsäure. Nach der Aufnahme dieser Säure im Körper wird Schwefel frei, der dann mit dem Urin ausgeschieden wird.

Wirkung

Obwohl Spargel Jahrhunderte als Heilpflanze genutzt wurde, ist die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe zum Teil noch nicht ausreichend durch medizinische Studien belegt. Die Heilwirkungen werden aus diesem Grund nur unter Vorbehalt genannt. Folgende Wirkung wird dem Spargel zugesprochen:

  • antibakteriell,
  • antikarzinogen,
  • harntreibend,
  • schweißtreibend,
  • entkrampfend,
  • blutreinigend.

Spargel ist reich an sekundären Pflanzenstoffen

Besonders schwangeren Frauen kommt der hohe Folsäuregehalt im Spargel zu Gute. Zu den sekundären Pflanzenstoffen, die im Gemüsespargel stecken gehört innerhalb der Flavonoide (Planzenfarbstoffe) das Quercetin. Quercetin fängt unter anderem freie Radikale, schützt die Blutgefäße, hemmt Entzündungen und ist Gegenstand intensiver medizinischer Forschung aufgrund seines hohen Wirkungsspektrums.

Traditionell zubereiteter Spargel mit Sauce Hollondaise.
Nicht nur lecker: dem Spargel werden auch heilende Eigenschaften zugesprochen. (Bild: HLPhoto/stock.adobe.com)

Saponine scheinen Cholesterinspiegel zu senken

Saponine sind weitere sekundäre Pflanzenstoffe, die in der Wurzel des Gemüsespargels enthalten sind. Saponine sind Glykoside mit einem hohen Molekulargewicht. Die wichtigsten Saponine in Asparagus officinalis sind Asparagin, Protodioscin, Sarsasapogenin und Yamogenin. In einer Studie an Ratten stellte sich heraus, dass Spargelsaponine den LDL- und den Gesamtcholesterinspiegel der Tiere senkten.

Spargel zur Krebsvorbeugung

In einer Studie aus den USA zeigten Forschende, dass die in Gemüsespargel enthaltenen steroidalen Saponine das Wachstum von humanen Leukämie-Zellen effektiv hemmen. In einer anderen Studie an menschlichen Leberkrebszellen aus dem Jahr 2009 wurde festgestellt, dass bei Primärtumoren der Leber das Saponin Asparagin den Zellzyklusstillstand und Zelltod induzierte. Asparagin sei daher als vorbeugendes und/ oder therapeutisches Mittel gegen Leberkrebs beim Menschen vielversprechend. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2012 wurde die Antitumorwirkung durch die im Gemüsespargel enthaltenen Saponine ebenfalls bestätigt.

In einer Zelllaborstudie aus dem Jahr 2012 wurde die Antioxidations- und Antitumoraktivitäten von Polysacchariden untersucht, die aus Asparagus officinalis extrahiert wurden. Dabei konnte eine signifikante Antitumoraktivität mit einer über achtzigprozentigen Hemmungsrate der Tumorzellen beobachtet werden.

Hormonelle Wirkung des Gemüsespargels

Bezüglich der hormonellen Wirkung des Gemüsespargels wurde in einer Studie aus dem Jahr 2016 an Ratten festgestellt, dass die tägliche Gabe eines wässrigen Extraktes aus Spargelwurzel einen positiven Effekt auf die Entwicklung von befruchtungsfähigen Eizellen (Oogense) hatte. Das Spargelwurzelextrakt stimulierte offenbar die Sekretion von sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Hormonen (GnRH-, FSH-, LH-, Östrogen- und Gestagenhormonen).

Entwässernde Wirkung nicht ausreichend belegt

Zum Gemüsespargel, seinen Inhaltsstoffen und deren Wirkungsweise gibt es dennoch vergleichsweise wenig wissenschaftliche Studien. Eine Studie aus dem Jahr 2006 gibt einen Überblick und stellt unter anderem die entwässernde (diuretische) Wirkung des Gemüsespargels als ungenügend wissenschaftlich belegt in Frage. In älteren Studien aus den Dreißiger- und Fünfzigerjahren konnte die diuretische Wirkung nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Anwendung und Dosierung

Die wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel in Deutschland (Kommission E) empfiehlt die unterirdischen Erdsprossen des Spargels zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung gegen winzige Nierensteine (Nierengries). Als Tagesdosis werden 45 bis 60 Gramm des Wurzelstocks als Tee oder als Fertigpräparat empfohlen.

Nebenwirkungen

Die Beeren des Gemüsespargels sollten nicht gegessen werden, denn diese sind für den Menschen leicht giftig und können zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Bei entzündlichen Nierenerkrankungen und bei Ödemen aufgrund von Herz- oder Niereninsuffizienz sollten Gemüsespargelpräparate jedoch nicht eingenommen werden. Bei Gicht ist aufgrund des im Spargel enthaltenen Purins von einem hohen Spargelkonsum abzurate, da Purin zu Harnsäure verstoffwechselt wird.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte vor der Einnahme von Gemüsespargelfertigpräparaten Rücksprache mit einer Ärztin, beziehungsweise einem Arzt gehalten werden. (ls)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Lea Stanke
Quellen:
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Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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