Kornblume – Anwendung, Wirkung und Anbau

Die Kornblume (Centaurea cyanus) gehörte früher zu den Feldern wie das Getreide, und im Sommer mischte sich das Gelb des Korns mit dem Himmelblau der Blüten. Herbizide drängten die Schönheit an den Rand, inzwischen erholt sie sich wieder und steht nicht mehr auf der Liste der bedrohten Arten. Centaurea ist nicht nur eine Schönheit, sondern auch eine altbekannte Heilpflanze.

Steckbrief zur Kornblume

  • Wissenschaftlicher Name: Centaurea cyanus
  • Volksnamen: Zyane, Blaumütze, Hungerblume, Blaufruchtblust, Roggenblume, Sichelblume, Tremse, Zachariasblume, Ziegenbock, Ziegenbein, Weydblum (Weideblume).
  • Familie: Korbblütler
  • Verbreitung: Ursprünglich vermutlich das Mittelmeergebiet, bereits in der Antike durch den Getreideanbau in Westasien und Mitteleuropa verbreitet, offene und nährstoffarme Standorte.
  • Anwendungsgebiete: Entzündungen der Haut und des Rachenraums, Verdauungsprobleme, Harntrieb, Blasen- und Nierenleiden, Wundheilung, Magenbeschwerden.
  • Verwendete Pflanzenteile: Kraut und Blüten
Eine Biene sitzt auf einer Kornblumenblüte und saugt Nektar.
Die Kornblume war lange Zeit vom Aussterben bedroht. Mittlerweile ist sie glücklicherweise wieder häufiger zu sehen. (Bild: Szymon Kaczmarczyk/stock.adobe.com)

Die wichtigsten Fakten

  • Kornblume war in der kleinteiligen Landwirtschaft allgegenwärtig, wurde aber durch Herbizide und das Zerstören von Saumbiotopen selten. Heute gilt sie nicht mehr als gefährdet und ist in Blühstreifen wieder häufiger zu sehen.
  • Die blauen Blüten waren in der Volksmedizin ein Allround-Heilmittel. Neben mittelalterlichem Aberglauben lag dies auch daran, dass sie einfach zu sammeln waren – indessen basierten historische Anwendungen auch auf realen Wirkstoffen.
  • Die blauen Blumen enthalten medizinisch wirksame Stoffe wie Gerbstoffe, Flavonoide, Bitter- und Schleimstoffe.
  • Kornblumenextrakte können Entzündungen hemmen und bei Verdauungsproblemen helfen. Antientzündliche Stoffe machen sie zu einem Mittel gegen Entzündungen der Haut und des Rachenraums.

Kornblume – Inhaltsstoffe

Die auch als “Kornnelke” bekannte Blume enthält diverse Stoffe, die eine heilende Wirkung haben, darunter Gerbstoffe, Flavonoide, Bitter- wie Schleimstoffe. Weitere Substanzen, die in Therapien zum Einsatz kommen, sind:

  • Harze,
  • Wachs,
  • Centaurocyanin,
  • Salicylsäure,
  • Flavonglykoside,
  • Anthocyane,
  • und Glykosid.

Wirkungen

Die über der Erde liegenden Teile der Pflanze treiben Wasser, lindern Blähungen, fördern die Verdauung (Gerbstoffe), hemmen Entzündungen, wirken Bakterien entgegen und unterstützen die Wundheilung. Die Blüten enthalten Polysaccharide, und diese hemmen Entzündungen. Quercetin in der Blume bremst zudem die Produktion von Magensäure und eignet sich gut, um Magenbeschwerden vorzubeugen sowie die damit verbundenen Koliken zu verhindern beziehungsweise zu bremsen. Eine recht aktuelle Studie lässt vermuten, dass Kornblumenextrakte helfen könnten, Brustkrebs vorzubeugen.

Wogegen wird Kornblume eingesetzt?

Wirkstoffe der Kornblume, Tee aus den Blüten, Tinkturen und Extrakte gelten als Mittel gegen:

  • Blasenerkrankungen,
  • Nierenprobleme,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • mindere Probleme in den Gallengängen,
  • Husten,
  • innere Unruhe beziehungsweise Nervosität,
  • Überaktivität
  • und entzündete Augenlider.
Eine Frau steht vor der geöffneten Tür zur Toilette und hält sich die Hände an den schmerzenden Bauch.
Durch die enthaltenen Bitter- und Gerbstoffe kann die Kornblume helfen, die Verdauung in Schwung zu bringen. (Bild: Adiano/stock.adobe.com)

Medizingeschichte der „Kornmutter“

Die Blume trug nicht nur zahlreiche Namen wie Kornmutter, Kornfresser, Kornbeißer, Blaumütze, Ziegenbein, Sichelblume, Hungerblume, Roggen- oder Kaiserblume – sie galt im Mittelalter auch als „Allround-Medizin“.

Der Schwerpunkt lag dabei in der Therapie von Hautverletzungen: Kornblumenauflagen sollten Bisse von Spinnen, Stiche von Skorpionen, Bienen, Wespen sowie Hornissen lindern. Die zerstoßenen Samen galten als Arznei gegen „rote Augen“ (also vermutlich Augenentzündungen) und Mundfäule (wahrscheinlich bakterielle Infektionen im Rachenraum).

Unsere Vorfahren waren also bei der Kornblume weniger von Aberglauben geprägt denn von Erfahrungswerten: Die Kaiserblume enthält antientzündliche Stoffe, und die wirken „Mundfäule“ entgegen und lindern die Auswirkungen von Insektenstichen und Spinnenbissen.

Kornblume als Hausmittel

Tee aus den Blüten, Umschläge mit Blütenbrei und Kornblumensalbe sind noch heute Hausmittel gegen Bindehautentzündung und sollen Tränensäcke lindern. Eine Kompresse mit Kornblumentee lässt sich einfach herstellen:

  1. Geben Sie zwei Teelöffel getrocknete Blüten in eine Tasse mit kochendem Wasser.
  2. Lassen Sie alles zehn Minuten ziehen.
  3. Dann tränken sie ein sauberes Tuch mit der etwas abgekühlten Flüssigkeit und legen dieses auf die Augenpartie.

Getrocknete Blüten und Blätter der Kornblume lassen sich mit anderen Heilkräutern mischen, zum Beispiel mit Pfefferminze, Schafgarbe und Tausendgüldenkraut. Diese ziehen dann in heißem bis kochendem Wasser und dienen als Tee gegen Verdauungsprobleme.

Kornblumenblüten werden auch mit den Blüten von Thymian, Lavendel, Ysop, Wegwarte und Borretsch drei Wochen lang in Alkohol extrahiert. Die so gewonnene Tinktur wird eingenommen gegen Stress und nervöse Zustände und soll die Konzentration steigern. Die empfohlene Dosis beträgt bis zu dreimal täglich je maximal 15 Tropfen.

getrocknete Kornblumenblüten auf einem Holzlöffel.
Aus den getrockneten Blüten und Blättern können unter anderem Tees und Gesichtswasser hergestellt werden. (Bild: bilderhexchen/stock.adobe.com)

Gesichtswasser

Um Gesichtswasser herzustellen, kommen drei Esslöffel Blüten auf 250 Milliliter heißes Wasser. Es soll gegen unreine wie gereizte Haut helfen.

Kornblumenwein

Sie kochen drei bis vier Esslöffel Kornblumenblüten in einem halben Liter Wein und seihen diesen danach ab. Der abgekühlte Wein soll Fieber lindern und als Mundspülung bei entzündeten Schleimhäuten helfen.

Kornblumen in der Küche

Kornblume als Speise ist heute wenig verbreitet, gehörte aber früher zur bäuerlichen Küche. Heute dienen die blauen Blüten in der Regel als Zierde. Die Blütenblätter schmecken würzig und eignen sich gut für Salat oder als Suppenbeilage. Die Kelche enthalten hingegen viele Bitterstoffe und schmecken gewöhnungsbedürftig. Die Blätter werden in der Küche nicht eingesetzt. Sie sind zwar essbar, aber durch ihre Fülle an Gerb- wie Bitterstoffen kaum genießbar.

Kornblumen pflanzen

Kornblumen waren eine Charakterpflanze der kleinteiligen Landwirtschaft und wären weit verbreitet, wenn es keine Herbizide gäbe. So lassen sie sich leicht im Garten anbauen, sind dort eine Zierde und ökologisch sinnvoll. In gekauften Mischungen mit Wildblumensamen sind die Kornblumen sogar beim ersten Versuch oft die einzigen, die überhaupt wachsen.

Ihre Verbreitung auf Getreidefeldern zeigt es bereits: Die Blumen lieben es offen und sonnig. Im schattigen Waldgarten gedeihen sie kaum. Kornblume mag reichlich Humus, einen durchlässigen und etwas kalkhaltigen Boden. Dabei kommt sie auch mit nährstoffarmer Erde gut zurecht und besiedelt ebenso sandige Flächen. Sie ist aber kein Freund von mit Mineraldünger überfrachteten Böden. Nährsalze im Übermaß schaden den Wurzeln. Nicht nur die Herbizide, sondern auch die Überdüngung ist ein Grund, warum wir sie heute so selten auf den Feldern finden.

Kornblumen in einem Gerstenfeld.
Kornblumen benötigen Licht zum Keimen, daher sollten die Samen maximal einen Zentimeter tief in die Erde gesetzt werden. (Bild: Thorsten Schier/stock.adobe.com)

Aussaat

Kornblume keimt bei Kälte. Die beste Zeit der Saat liegt deshalb im März und April. Bis Ende Mai kann zwar immer noch gesät werden, die Blumen bleiben dann jedoch deutlich kleiner. Ausgesät wird direkt ins Freie. Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte circa 30 Zentimeter betragen, denn die blaue Blume ist ein Lichtkeimer. Drücken Sie die Samen höchstens einen Zentimeter tief in die Erde. Ungefähr zwei Wochen nach der Aussaat bilden sich die ersten Keime an der Oberfläche.

Düngen oder nicht?

Auf gängigen Gartenböden braucht die Kornblume keinen zusätzlichen Dünger, zu viele Nährstoffe schaden ihr sogar. Ist der Boden nährstoffarm (was in Deutschland selten vorkommt, meist ist das Gegenteil der Fall), dann hilft es, einige Schaufeln Kuhmist oder Pferdeäpfel im Spätherbst in die Erde einzuarbeiten, bevor im Frühjahr gesät wird. Bitte keinen Mineraldünger benutzen – um die Erde anzureichern, eignet sich für Korn- wie andere Feldblumen Kompost bestens.

Müssen Sie gießen?

Centaurea cyanus erträgt trockenere Plätze ohne Probleme. Bei extremer Dürre sollten Sie aber regelmäßig gießen, bei Hitze am Abend. Weit weniger als Trockenheit mag die Kornblume Staunässe – dann verfaulen die zierlichen Wurzeln. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Haratym, W. et al.: Microstructural and histochemical analysis of aboveground organs of Centaurea cyanus used in herbal medicine, in: Protoplasma, Online-Veröffentlichung September 2019, SpringerLink
  • Escher, Graziela Bragueto et al.: Chemical study, antioxidant, anti-hypertensive, and cytotoxic/cytoprotective activities of Centaurea cyanus L. petals aqueous extract, in: Food and Chemical Toxicology, 118: 439-453, August 2018, ScienceDirect
  • Al-Snafi, Ali Esmail: The pharmacological importance of Centaurea cyanus - A review, in: International Journal of Pharmacy Review & Research, 5/4: 379-384, Januar 2015, ResearchGate
  • Keyvanloo Shahrestanaki, M. et al.: Centaurea cyanus extracted 13-O-acetylsolstitialin A decrease Bax/Bcl-2 ratio and expression of cyclin D1/Cdk-4 to induce apoptosis and cell cycle arrest in MCF-7 and MDA-MB-231 breast cancer cell lines, in: Journal of Cellular Biochemistry, 120(10): 18309-18319, Oktober 2019, PubMed
  • Garbacki, Nancy et al.: Anti-inflammatory and immunological effects of Centaurea cyanus flower-heads, in: Journal of Ethnopharmacology, 68/1–3: 235-241, Dezember 1999 , ScienceDirect

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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