Nierenprobleme – Ursachen und Gegenmaßnahmen

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Nierenkrankheiten – Ursachen und Gegenmaßnahmen

Mit Nierenproblemen ist nicht zu spaßen. Denn wenn die Nierenfunktion erst einmal gestört ist, lassen Probleme mit den anderen Stoffwechselfunktionen nicht lange auf sich warten. Außerdem können Nierenprobleme ein erstes Warnsignal für eine drohende Niereninsuffizienz sein. Das Krankheitsbild führt unbehandelt meist zu einem lebensbedrohlichen Nierenversagen. Umso wichtiger ist es darum, Funktionsstörungen der Niere rechtzeitig zu erkennen. Eine kniffelige Angelegenheit, denn oftmals bleiben die Nierenprobleme über einen langen Zeitraum unentdeckt. Welche Warnsignale Ihnen bei der Früherkennung helfen können und welche Anzeichen auf eine ernste Grunderkrankung hindeuten können, erfahren Sie in diesem Beitrag.


Die Niere

Unsere Niere (lat.: Ren, altgriech.: Nephros) ist für eine gesunde Stoffwechselfunktion unerlässlich. Jedwede Abbauprodukte, die im Zuge des Stoff- und Nährstofftransports im Stoffwechselsystem anfallen, werden zunächst in der Niere gesammelt, bevor sie anschließend über die Harnwege ausgeleitet werden. Die Filterung besagter Abbauprodukte in der Niere unterliegt dabei einem komplexen Mechanismus.

Nierenprobleme können mit Nierenerkrankungen verbunden sein, können aber auch auf andere Krankheiten im Körper hindeuten. (Bild: Romario Ien/fotolia.com)

Nachdem die auszuscheidenden Stoffe zunächst über den Blutkreislauf in die Nierenarterie (Arteria renalis) geleitet wurden, passieren sie zuerst die sogenannte Blut-Harn-Schranke, welche von den Nierenkörperchen (Corpuscula renalis) gestellt wird. In den Nierenkörperchen erfolgt dann im ersten Schritt die Filterung des mit Abbauprodukten versehenen Blutes. Auf diese Weise entsteht der Primärharn, ein noch unkonzentriertes Harnfiltrat, das neben den auszuleitenden Abbauprodukten vor allem große Mengen des abgefilterten Blutplasmas enthält.

An die Nierenkörperchen angeschlossen sind nun die Nierenkanälchen (Tubulis), deren Gesamtheit auch als Tubulussystem bezeichnet wird. Sie filtern im zweiten Schritt letzte, für den Körper verwertbare Bestandteile – hauptsächlich Nährstoffe und Wasser – aus dem Primärharn, welche im Anschluss über die Henlesche Schleife (Ansa nephroni) an die Nierenvene (Vena renalis) überstellt und somit wieder zurück in den Blutkreislauf resorbiert werden. Was übrig bleibt, ist der zum Weitertransport an die Harnwege vorgesehene Sekundärharn. Er entspricht etwa einem Prozent des Primärharns und setzt sich aus folgenden Stoffwechselendprodukten zusammen:

  • Harnstoff (Abbauprodukt des Eiweißsstoffwechsels),
  • Harnsäure (Endprodukt des Purinstoffwechsels),
  • Kreatinin (Abbauprodukt von Kreatin in Muskel- und Nervenzellen),
  • Salze (zum Beispiel Natrium oder Phosphat),
  • Säuren (zum Beispiel Oxalsäure, Zitronensäure, Aminosäuren)
  • und Hormone (zum Beispiel Stresshormone oder Geschlechtshormone).

Die verschiedenen Abbauprodukte stammen jeweils aus unterschiedlichen Körperregionen. Aus diesem Grund können bereits die geringsten Ungereimtheiten in der Nierenfunktion den Stofftransport in besagten Körperregionen beeinträchtigen. Werden die Abbauprodukte nämlich nicht mehr oder nur noch unzureichend von der Niere gefiltert, entsteht im Körper ein Rückstau von Abbaustoffen, der mitunter auch die Funktion entsprechender Organe stören kann. Umgekehrt deutet eine zu hohe Konzentration verschiedener Stoffe auf bestehende Organerkrankungen hin.

Erhöhte Kreatininwerte werden zum Beispiel häufig durch eine Muskelentzündung verursacht. Verschiedene Säurewerte können durch Erkrankungen der Leber entstehen und ein zu hoher beziehungsweise zu niedriger Phosphatwert im Endharn wird mit Fehlfunktionen der Schilddrüse in Verbindung gebracht. Nicht zuletzt sind manche Wertveränderungen auch Anzeichen einer Nierenerkrankung, die zu weitaus schwereren Nierenproblemen als einer bloßen Veränderung der Harnkonzentration führen kann. Mit Blick auf das komplexe Filterungssystem der Niere sind die möglichen Erkrankungen sehr umfangreich.

Oft ist die Hypertonie (Bluthochdruck) mit Nierenerkrankungen verbunden. (Bild: Brian Jackson/fotolia.com)

Ursachen für Nierenprobleme

Geht es um die Ursachen für Nierenprobleme, so muss zwischen vorübergehenden und chronischen Beschwerden unterschieden werden. Wer zum Beispiel tagsüber nicht genug trinkt, dessen Nieren könnten sich kurzfristig mit einem leichten Ziehen zu Wort melden. Das Symptom sollte hier jedoch umgehend wieder verschwinden, sobald der Flüssigkeitsmangel ausgeglichen ist. Anders sieht es bei handfesten Gesundheitsproblemen als Auslöser für die Nierenprobleme aus.

Nierenerkrankungen

Erkrankungen der Niere, die zu Beschwerden wie Nierenschmerzen oder Problemen beim Wasserlassen führen können, sind äußerst vielseitig. Oftmals nehmen die Nierenprobleme hier auch einen schleichenden Verlauf, was bedeutet, dass sie zunächst vereinzelt und relativ schwach ausgeprägt mit einem Einzelsymptom beginnen. Im späteren Krankheitsverlauf intensiviert sich die Symptomatik jedoch stetig, tritt häufiger und in immer kürzeren Abständen auf und zu Beginn gesondert auftretende Symptome ergänzen sich zu einem vielseitigen Symptomkomplex, der dann auch außerhalb der Niere gelegene Begleiterscheinungen nicht mehr ausschließt.

Zu den häufigsten Erkrankungen, die Nierenprobleme auslösen, gehört zum Beispiel die Nierenentzündung (Nephritis). Sie ist oftmals einer nicht oder nur unzureichend ausgeheilten Harnwegsentzündung geschuldet. Die ursächlichen Entzündungserreger steigen in solchen Fällen ungehindert in das Nierenbecken auf und verursachen dort eine entzündliche Folgeinfektion. Typische Infektionserreger sind dabei:

  • Candida Pilze,
  • Clostridien,
  • Enterokokken,
  • Kolibakterien (Escherichia coli),
  • Klebsiellen,
  • Pseudomonien
  • oder Staphylokokken.
In manchen Fällen werden mittels bildgebender Verfahren wie CT oder MRT Informationen über den Zustand der Nieren gesammelt. (Bild: kaliantye/fotolia.com)

Sollte es entzündungsbedingt zu Verletzungen am Nierengewebe gekommen sein, sind auch Blutbeimengungen im Endharn denkbar. Je nach genauer Lokalisation des Entzündungsherdes wird dabei zwischen drei Unterformen der Nephritis unterschieden:

  • Glomerulonephritis – die Entzündung nimmt ihren Anfang in den Nierenkörperchen, kann im späteren Verlauf aber auch andere Teile der Niere erfassen.
  • Interstitielle Nephritis – die Nierenentzündung betrifft primär die Nierenkanälchen und das sie umgebende Gewebe.
  • Pyelonephritis – die häufigste Form der Nierenentzündung, welche das Nierenbecken betrifft und deshalb auch als Nierenbeckenentzündung bekannt ist.

Nun hat nicht jede Nierenentzündung zwangsläufig ihren Ursprung in einer bestehenden Infektion. Beispielsweise können auch Nierensteine (Nephrolithen) zu einer entsprechenden Entzündung führen, wenn die Steine an den Niereninnenwänden reiben und so das Gewebe reizen. Gerade Schmerzbeschwerden im Bereich der Niere sind bei Nierensteinleiden äußerst ausgeprägt. Die Schmerzen werden beim Wasserlassen nicht selten zusätzlich verstärkt.

Eine der schmerzlichsten Erfahrungen in Verbindung mit den Nieren ist das Ausscheiden der Nierensteine. (Bild: freshidea/fotolia.com)

Eine weitere Autoimmunerkrankung, die das Nierengewebe betrifft und dort für weitreichende Entzündungsprozesse sorgt, ist die Sarkoidose. Sie geht mit einer Granulombildung in den Bindegewebsstrukturen von Organen einher, was die Funktionalität der betroffenen Organe stark beeinträchtigt. Bei einer Mitbeteiligung der Niere kann dies nicht nur Entzündungen, sondern auch Störungen im Calciumstoffwechsel und in Folge eine Nierenverkalkung verursachen.

Des Weiteren sind Nierentumore und Erbkrankheiten wie die als Zystenniere bekannte polyzystische Niere (PKD) als Ursache für Nierenentzündungen beziehungsweise Nierenprobleme denkbar. Letztere beschreibt eine genetisch bedingte Nierenerkrankung, bei der es zur Bildung vieler kleiner, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen (Zysten) in der Niere kommt. Ebenfalls erwähnt seien Nierenfehlbildungen und Nierendislokationen wie zum Beispiel:

  • Gekreuzte Nierendystopie,
  • Hufeisenniere,
  • Kelchdivertikel,
  • Markschwammniere,
  • Megakalikose,
  • Nierenagenesie,
  • Nierenhypoplasie
  • oder Wanderniere.

Achtung: Nierenentzündungen fallen bei Laboruntersuchungen meist durch erhöhte Eiweißwerte im Urin auf. Allerdings kann zu viel Eiweiß im Harn auch auf eine Nephrosklerose hinweisen. Darunter versteht man eine durch Bluthochdruck in der Nierenarterie ausgelöste Nierenfunktionseinschränkung, die mit einer erhöhten Eiweißausscheidung verbunden ist.

Um die Therapie zu unterstützen oder vorbeugend – bei Nierenerkrankung spielt die richtige, meistens salzarme Ernährung eine wichtige Rolle. (Bild: exclusive-design/fotolia.com)

Gefäßerkrankungen

Ein weiterer Grund für Nierenentzündungen und damit auch Nierenprobleme können bestimmte Gefäßerkrankungen sein. Abgesehen von Bluthochdruck und Arteriosklerose, die selbstverständlich auch die Nierengefäße betreffen und in Folge deren blutleitende Funktion gefährden können, handelt es sich hier interessanterweise fast ausschließlich um gefäßbasierte Autoimmunerkrankungen.

Bestes Beispiel ist in diesem Zusammenhang Diabetes mellitus Typ 1. Grundsätzlich sind Diabetes-Erkrankungen dafür bekannt, die Nierenfunktion in besonderem Maße überzustrapazieren. Der anhaltend erhöhte Blutzuckerwert sorgt im Verlauf der Krankheit vermehrt für Schäden an den Blutgefäßen. Das betrifft auch die Kapillargefäße der Nierenkörperchen, welche infolgedessen ihrer Filterungsaufgabe immer schlechter nachkommen können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Diabetischen Nephropathie. Patienten mit Diabetes mellitus sind darum relativ schnell nach Ausbruch ihrer Erkrankung auf eine externe und mechanisch im Krankenhaus durchgeführte Blutreinigung (Dialyse) angewiesen, welche die beeinträchtigte Reinigungsfunktionen der Nieren kompensiert.

Es muss nicht erwähnt werden, dass die größte Gefahr einer Diabetes-Erkrankung langfristig ein komplettes Nierenversagen (Niereninsuffizienz) ist. Dabei ist der vollständige Verlust der filtrativen Nierenfunktion nicht mehr fern und es muss gegebenenfalls über eine Nierentransplantation nachgedacht werden. Einige weitere, autoimmune Gefäßerkrankungen, welche die Funktionalität der Niere gefährden und folglich zu Nierenproblemen führen können, sind:

  • Mikroskopische Polyangitis (MPA) – bei dieser Krankheit richtet sich das Immunsystem gegen die Zellwände der Blutgefäße, was zu chronischen Gefäßentzündungen führt, die auch die Niere betreffen.
  • Granulomatöse Polyangitis (GPA) – eine weiter autoimmunologisch bedingte Polyangitis, bei der es krankheitsbedingt zu Granulombildungen im Gefäßsystem kommt; die Gefäßentzündungen gehen hier mit gefährlichen Gewebenekrosen einher.
  • Goodpasture-Syndrom (GPS) – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Autoantikörper gegen die Basalmembran der Blutgefäße bildet, wobei insbesondere Gefäße der Lungen und Nierengefäße betroffen sind.

Sonstige Ursachen

Die Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) ist ebenfalls eine Autoimmunkrankheit, bei der Nierenprobleme als Begleitsymptom nicht ausgeschlossen sind. Das Immunsystem richtet sich hierbei gegen gesundes körpereigenes Zellgewebe, was vor allem das Gewebe der Haut und Organgewebe betrifft. Ist die Niere von der Erkrankung betroffen, bedeutet dies früher oder später massive Funktionsstörungen.

Bei Nierenproblemen ist es wichtig, die verschriebene Menge an Flüssigkeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. (Bild: v.poth/fotolia.com)

Deutlich harmloser ist dagegen ein bestehender Flüssigkeitsmangel als Auslöser von kurzweiligem Nierenziehen. Die Nierentätigkeit ist dann vorübergehend unterfordert und verlangt nach einem gesteigerten Trinkverhalten, das sich mitunter auch durch ein erhöhtes Durstgefühl äußert. Typisch ist das zum Beispiel bei

  • sportlicher Betätigung,
  • Durchfall
  • oder starkem Schweißfluss.

Der Körper verbraucht hier überdurchschnittlich viel Flüssigkeit, weshalb es bei ausbleibender Anpassung des Trinkverhaltens leicht zu einem Ziehen in der Nierengegend kommen kann. Darüber hinaus sind Nierenprobleme im Zuge einer Schwangerschaft denkbar. Hier ist es das ungeborene Kind, das durch sein raumforderndes Wachstum auf die Niere drücken und dabei deren Funktionalität bis zur Geburt beeinträchtigen kann. Bestens bekannt ist dabei der erhöhte Harndrang, unter dem fast alle werdenden Mütter leiden.

Als letzte denkbare Ursache sei schließlich noch Substanzeinfluss erwähnt. Im Bereich der Medikamente führen vor allem Abführmittel, Diuretika und Herzmedikamente Nierenprobleme fast schon serienmäßig als Nebenwirkungen an. Die medikamentösen Wirkstoffe belasten die Nieren dabei entweder durch zusätzliche Filterungsarbeit von ungewöhnlichen Stoffwechselendprodukten oder durch eine stark entwässernde Wirkung. Der zusätzliche Filterungsaufwand sowie die damit einhergehende Schädigung der Nierenelemente gilt darüber hinaus auch für Rauschmittel wie Alkohol oder chemische Drogen.

Manche Nierenprobleme sind auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Begleitsymptome

Nierenprobleme treten entsprechend ihrer sehr unterschiedlichen Ursachen in Begleitung vieler verschiedener Symptome auf. Diese können einerseits sehr eindeutig sein und sofort den Fokus auf eine Nierenproblematik hinleiten, oder aber auch sehr unspezifisch sein und lassen erst bei näherer Betrachtung einen Rückschluss auf eine Beteiligung der Nieren zu. Zu den Leitsymptomen und typischen Veränderungen bei Nierenproblemen gehören:

  • Schmerzen,
  • Veränderung des Urins oder der Urinausscheidung
  • und veränderte Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen.

Schmerzen

Das charakteristische Leitsymptom für Nierenerkrankung sind Schmerzen in den Flanken bis hin zum Unterbauch und Rücken. Jedoch müssen diese je nach Auslöser nicht zwingend auftreten. Einige Nierenerkrankungen, wie beispielsweise die chronische Niereninsuffizienz, manifestieren sich sehr oft in völliger Abwesenheit einer Schmerzsymptomatik.

Treten Schmerzen auf, haben diese aber zumeist ein sehr typisches Bild. Sie lokalisieren sich auf den Flankenbereich und können sowohl in den Unterbauch, als auch in den unteren Rücken ausstrahlen. Sie manifestieren sich oft bei körperlicher Arbeit beziehungsweise Tätigkeiten, die einer Betätigung der Beine bedürfen, wie beispielsweise beim Treppensteigen. Aufgrund dessen werden Nierenschmerzen nicht selten zu Beginn mit Rückenschmerzen verwechselt. Mit zunehmendem Krankheitsprozess bleiben die Schmerzen bestehen und sind auch in Ruhephasen nicht rückläufig. Spätestens wenn die Schmerzen einen kolikartigen Charakter erhalten, dreht sich der Fokus sehr schnell auf ein Nierenproblem.

Zu den typischen Flankenschmerzen gesellen sich häufig auch Beschwerden beim Wasserlassen, die sich in einem Brennen oder starken Blasendruck äußern.

Veränderung des Urins oder der Urinausscheidung

Das Brennen beim Wasserlassen ist nicht das einzige Anzeichen, das auf eine Veränderung im Zusammenhang mit der Urinausscheidung hinweist. Neben diesem als Algurie bezeichneten Symptom existieren noch zahlreiche weitere. Viele Betroffene beschreiben beispielsweise die Pollakisurie, also den häufigen Harndrang mit meist nur sehr geringen ausgeschiedenen Urinmengen. Auch die unphysiologisch hohe Beimengung von Stoffen, die in dieser Konzentration nicht in den Urin gehören, weist auf mögliche Nierenprobleme hin. Hierbei handelt es sich meistens um:

  • Blut oder Blutbestandteile (Hämaturie),
  • Eiweiße (Proteinurie),
  • Fette (Lipidurie)
  • oder Glukose (Glukosurie)

Am eindrucksvollsten und für den Betroffenen am angsteinflößendsten ist die Hämaturie, da die Blutbeimengung ab einer gewissen Konzentration mit dem bloßen Auge erkennbar ist. Alle anderen untypischen Beimengungen lassen sich nur mittels Teststreifen oder Laboruntersuchungen nachweisen. Sie können auf eine Nierenproblematik hinweisen, können aber auch durch ganz andere Erkrankungen hervorgerufen werden. So zum Beispiel die massive Glukosurie bei einer unbehandelten Diabetes-Erkrankung.

Ein wichtiger Faktor, der Nierenprobleme begünstigt, ist Übergewicht. (Bild: karepa/fotolia.com)

Veränderte Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen

Eine der essentiellen Aufgaben der Niere ist es, das durchfließende Blut von Stoffwechselendprodukten, sogenannte harnpflichtige Substanzen, zu filtern und diese Substanzen an den Urin abzugeben. Auf diese Weise wird das Blut von Stoffen gereinigt, die bei den zahlreichen Körperprozessen anfallen und ab einer gewissen Konzentration toxisch auf den Körper wirken können. Sind die Nieren durch diverse Erkrankungen in ihrer Funktion beeinträchtigt, ist infolgedessen auch diese wichtige Filterfunktion eingeschränkt. Dadurch steigt die Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Ammoniak) im Blut (Urämie) und später auch im Gewebe an, was zu einer Verschiebung im Säure-Basen-Haushalt führt und einige, teilweise lebensgefährliche Symptome mit sich bringt.

  1. Haut: Die Substanzen lagern sich in der Haut ab und lösen dort starkem Juckreiz und Trockenheit aus. Außerdem kann die Haut eine grau-fahle Färbung annehmen. Eine verminderte Urinausscheidung führt außerdem zu Ödemen an den Extremitäten.
  2. Atmung: Das Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt versucht der Körper durch einen eigenen Regulationsmechanismus auszugleichen, indem er die Substanzen über die Atemluft ausscheidet. Dadurch verstärkt sich die Atmung (Hyperventilation) und die Atemluft bekommt einen acetonartigen Geruch. Die Hyperventilation bewirkt aber auch gleichzeitig, dass im Verhältnis weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Hieraus kann das Gefühl von Luftnot und Leistungsschwäche resultieren.
  3. Allgemeinzustand: Ein Anstieg der harnpflichtigen Substanzen hat auch Auswirkungen auf das Nervensystem und Gehirn, was sich letztlich in ganz allgemeinen Symptomen äußert:
Die Laboruntersuchung der Urinprobe liefert die ersten Ergebnisse für die Diagnose bei einem Nierenleiden. (Bild: Lothar Drechsel/fotolia.com)

Diagnose

Die Diagnose bei vermuteten Nierenproblemen stützt sich im Wesentlichen auf vier Bereiche:

  1. Anamnese und körperliche Untersuchung:
    Im Gespräch werden Arzt oder Ärztin die Fragen stellen, die sich vor allem auf die möglichen Symptome und Begleitsymptome beziehen. Außerdem werden Betroffene körperlich untersucht. Neben den Vitalwerten (Blutdruck, Puls, Temperatur, Sauerstoffsättigung) wird dabei besonderes Augenmerk auf einen möglichen Klopfschmerz auf Höhe der Nierenlager auf den Flanken gerichtet.
  2. Urinuntersuchung: Im Anschluss werden Betroffene gebeten, eine Urinprobe abzugeben, die mittels Teststreifen oder direkt im Labor auf die Konzentration bestimmter Parameter (Eiweiß, Blutbestandteile, Glukose, Fette, Hormone) hin untersucht wird. Vermuten Arzt oder Ärztin eine Entzündung, kann die Urinprobe auch im Labor auf einem Kulturboden angezüchtet werden, um diverse Bakterienstämme zu identifizieren.
  3. Blutuntersuchung: Das Blut der Betroffenen wird hinsichtlich allgemeiner Entzündungsparameter (CRP, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Blutbild), der Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Ammoniak, Eiweiß) und der Konzentration der Elektrolyte (Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium) untersucht. Zudem kann im Blut die glomeruläre Filtrationsrate bestimmt werden, die Hinweis auf die Funktionstüchtigkeit der Nieren gibt.
  4. Bildgebung: In einer Ultraschalluntersuchung kann das geschulte Auge abgrenzen, ob die Nieren aufgrund von organischen Umbauprozessen (Zysten, Raumforderungen), traumatischen Ereignissen (Nierenprellung) oder Entzündungen Probleme hervorrufen. Je nach Verdacht schließt sich mitunter an eine Ultraschalluntersuchung auch noch ein weiterführendes bildgebendes Verfahren an, wie beispielsweise eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Hierdurch kann unter anderem das Ausmaß bei einer verdächtigen Raumforderung abgeschätzt werden. Mitunter werden auch Nierenbiopsien durchgeführt, um das entnommene Nierengewebe mikroskopisch untersuchen zu können.
Eine heilende Alternative zu Wasser sind die speziell zubereiteten Kräutertees. (Bild: cook_inspire/fotolia.com)

Therapie

Die Ursachen für Nierenprobleme sind sehr vielfältig und entsprechend danach richtet sich der Ansatzpunkt der sehr unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten. Auch im Bereich der Naturheilkunde gibt es einige erfolgversprechende Ansätze. Jedoch sollte man darauf achten, dass diese nur eine unterstützende Wirkung haben. Eine isoliert naturheilkundliche Behandlung von schwerwiegenden Nierenproblemen kann sich sehr schnell zu einer lebensgefährlichen Situation zuspitzen.

Medikamentöse Therapie

Einige Nierenprobleme werden durch Ursachen ausgelöst, die auf den ersten Blick nichts mit der Nierentätigkeit selbst zu tun haben. Hier bringt eine Behandlung der verursachenden Grunderkrankung auch eine Linderung der Nierenprobleme mit sich:

Grunderkrankung medikamentöse Behandlung
Herzinsuffizienz Herzglykoside, Betablocker
Bluthochdruck Antihypertonika
Diabetes mellitus Antidiabetika, Insulin

Die Tätigkeit der Nieren kann durch bestimmte Medikamente angekurbelt werden. Sie haben eine entwässernde und harntreibende Wirkung, bewirken eine erhöhte Urinausscheidung und behandeln Wassereinlagerungen (Ödeme). Die Diuretika sollten vorwiegend in den Vormittagsstunden verabreicht werden, um einer erhöhte Urinproduktion in den Nachtstunden vorzubeugen.

Liegt eine Entzündung in den Nieren oder ableitenden Harnwegen vor, ist das Mittel der Wahl ein entsprechendes Antibiotikum. Dieses kann sowohl als Tablette, als auch als flüssige Infusionslösung über die Vene appliziert werden. Symptomatisch können bei Schmerzen und Fieber Schmerzmittel mit fiebersenkender Komponente Linderung verschaffen.

Bei Nierenproblemen kommen oft Ödeme zustande, die mit dem beeinträchtigten Flüssigkeitshaushalt verbunden sind. (Bild: kei907/fotolia.com)

Operative Therapie

In einigen Fällen reicht die medikamentöse Therapie nicht aus und eine Operation wird notwendig. Natürlich orientiert sich das angewandte Verfahren sehr an der verursachenden Erkrankung. Sind beispielsweise die ableitenden Harnwege blockiert, etwa durch Nierensteine, angeborene Fehlbildungen oder durch gut- oder bösartige Gewebevergrößerungen, kann in einem operativen Verfahren ein Katheter an der betroffenen Stelle eingesetzt werden. Dieser soll einen ungehinderten Abfluss des Harns in die Blase sicherstellen und einen Rückstau verhindern. Ein solcher Katheter kann sowohl in die Harnleiter, als auch in das Nierenbecken eingebracht werden.

Ist das Nierengewebe infolge verschiedener Ursachen irreversibel geschädigt, ist in vielen Fällen eine Nephrektomie, also eine operative Entfernung der Niere unumgänglich. Je nach verursachender Erkrankung erfolgt die Entfernung laparoskopisch über eine kleine Öffnung in der Bauchdecke oder über einen großen Bauch- oder Flankenschnitt. Je nachdem, wie funktionstüchtig die noch verbliebene Niere ist, können Betroffene nach einer entsprechenden Heilungsphase wieder ein normales Leben führen. Mitunter haben sie aber auch Einschränkungen zu erwarten, wenn sie beispielsweise ein Organtransplantat erhalten sollen oder sich infolge der nachlassenden Nierentätigkeit einer regelmäßigen Dialyse unterziehen müssen.

Ernährungs- und Alltagsgewohnheiten

Mit richtiger Ernährung kann man bei Nierenerkrankungen ebenfalls viel ausrichten. So hilft es zum Beispiel bei der Heilungsunterstützung diverser Krankheiten, die ärztlich empfohlene Trinkmenge einzuhalten und für viel Ruhe und wenig Belastung sorgen, aber letztlich muss bei Nierenproblemen ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin konsultiert werden.

Nach einer überstandenen Nierenerkrankung beziehungsweise um weiteren Nierenproblemen vorzubeugen, können Betroffene ferner einige Alltags- und Ernährungsgewohnheiten anpassen, um das Risiko einer erneuten Erkrankung zu minimieren:

  • Reduktion des Körpergewichts: Einige Nierenerkrankungen und viele der Grunderkrankungen, die letztlich auch zu Nierenproblemen führen, werden durch Übergewicht begünstigt. Eine moderate Gewichtsreduktion ist deshalb in jedem Fall ratsam.
  • Ernährung: Die eigene Ernährungsweise sollte bei häufigen Nierenproblemen auch ohne den Fokus auf die Gewichtsreduktion überprüft werden. Eine salzreiche, fettreiche und kohlenhydratreiche Ernährungsweise kann hier nämlich die Wahrscheinlichkeit für Nierenprobleme stark potenzieren. Mitunter ist es schon hilfreich, nur den persönlichen Salzkonsum einzuschränken. Auf Alkohol sollte tunlichst verzichtet werden.
  • Trinkmenge: Der Trinkmenge kommt im Zusammenhang mit Nierenproblemen eine besondere Bedeutung zu. Bei manchen Nierenerkrankungen sollte unbedingt viel getrunken werden, um die Nierentätigkeit anzukurbeln. Wobei es wiederum in anderen Fällen sein kann, dass genau das zu noch mehr Problemen führt. Betroffene sollten sich deshalb unbedingt an die vom Arzt verordnete tägliche Trinkmenge halten.
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Naturheilkunde

Wie schon erwähnt kommt der Naturheilkunde im Zusammenhang mit Nierenproblemen eine unterstützende und vorbeugende Rolle zu. Die Maßnahmen überschneiden sich hier teilweise mit Ernährungsempfehlungen. Vorbeugend bei der Neigung zu Nierenproblemen oder im Anschluss an eine überstandene Nierenerkrankung kann es zum Beispiel helfen, die Ernährung nicht nur hinsichtlich der Zusammensetzung und Kalorienmenge umzustellen, sondern auch gezielt auf Lebensmittel zurückzugreifen, die heilpflanzliche Wirkung auf die Nierentätigkeit haben. Eine entsprechende Lebensmittelwahl kann sich dabei wie folgt gestalten:

  • Senkung des Fettgehalts in der Nahrung durch natürliche Lipidsenker wie Leinsamen, Äpfel, Blaubeeren, Kirschen.
  • Zufuhr von Antioxidantien in Form von Vitamin C (zum Beispiel durch Hagebutten und Zitrusfrüchte), Selen (zum Beispiel durch Paranüsse) und Zink (zum Beispiel durch Haferflocken).
  • Linderung von Nierenschmerzen durch Teekräuter wie Birke, Bärentraube, Goldrute, Hauhechel, Löwenzahn, Wacholder oder Weide.
  • Reinigung und Entgiftung der Niere durch harntreibende Kräuter wie Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Ingwer, Kurkuma, Löwenzahnwurzel, Petersilie oder Sellerie.
  • Anregung und Stärkung der Nierenfunktion durch Kräuter wie Estragon, Grüner Hafer oder Meerrettich.
Löwenzahn gehört zu den Kräutern, die die Naturheilkunde bei Nierenproblemen empfiehlt. (Bild: Madeleine Steinbach/fotolia.com)

Weitere Optionen

Bei Schmerzen und der Neigung zu Ödembildung können die Präparate Sulfur und Rhus toxicodendron, sowie das Schüßler Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) als „heiße Sieben“ Anwendung finden. Zur Unterstützung bei Entzündungen kann Silicea Linderung bringen. Um die Harnbildung anzukurbeln und den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, können die Schüßler Salze Nr. 8 (Natrium chloratum) und Nr. 9 (Natrium phosphoricum) als Tabletten oder Globuli eingesetzt werden. (ma)

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Giovanni Cavagna: Kidney, Fundamentals of Human Physiology, S. 217-249, Springer International Publishing, 2019
  • Wilfried Druml et al.: S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM): Enterale und parenterale Ernährung von Patienten mit Niereninsuffizienz, (Abruf 09.07.2019), AWMF
  • Anna Malkina: Chronische Nierenkrankheiten, MSD Manual, (Abruf 09.07.2019), MSD
  • Anna Malkina: Akute Nierenschädigung (AKI), MSD Manual, (Abruf 09.07.2019), MSD