Wassereinlagerungen – Anzeichen, Ursachen und Therapie

„Oidema“ heißt auf Altgriechisch Schwellung. Wir bezeichnen damit Ansammlungen von Flüssigkeit im Gewebe. Diese führen zu Schwellungen. Ein älterer Begriff für Ödeme im Körper ist Wassersucht. Die wichtigsten Fakten zu Wassereinlagerungen in Kürze:

  • Ödeme haben unterschiedliche Ursachen und treten an verschiedenen Stellen des Körpers auf.
  • Ödeme im Gewebe nahe der Oberhaut sehen wir als äußerliche Schwellungen. Innere Ödeme erkennen wir häufig erst an körperlichen Beschwerden.
  • Ödeme haben meist eine Grunderkrankung zur Ursache wie zum Beispiel eine Herzschwäche, Kreislaufprobleme, Leberzirrhose oder Nierenentzündung.
  • Ödeme müssen nicht krankhaft sein. Die meisten Wasseransammlungen im Körper treten bei gesunden Menschen auf und bilden sich von selbst zurück.

Symptome

Ödeme treten an verschiedenen Körperteilen auf und haben dort jeweils bestimmte Kennzeichen.

Ödeme können unterschiedlichste Ursachen haben und an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine wieder zurück. (Bild: bennytrapp/fotolia.com)

Ödeme an den Füßen

Hier schwellen die Füße an. Oft passen den Betroffenen ihre Schuhe nicht mehr oder die elastischen Bänder von Strümpfen schneiden in die Haut ein.

Schwellungen an den Händen

Wer unter geschwollenen Händen leidet, dem sind oft die Finger zu dick, um einen Ring darüber zu ziehen, der vorher passte, oder die Haut spannt und tut weh, wenn sie eine Faust ballen.

Ödeme im Gesicht

Die Betroffenen sehen aus, als hätten sie eine Schlägerei hinter sich: Die Augenlider schwellen an. Manche sehen auch aus, als hätten sie zugenommen, ohne dass dies der Fall ist. Ihre Wangen werden rund. Oft wirkt das Gesicht aufgedunsen, als hätten sie ein Alkoholproblem. Eine solche Gesichtsschwellung kann sich innerhalb von Minuten bilden. Die Betroffenen sehen aus, als hätte ihnen eine Wespe in die Lippe gestochen.

Hier reagiert der Körper auf einen Reiz, sei es auf Medikamente, auf ein Nahrungsmittel oder auf eine Infektion. Auch körperliche Überanstrengung, große Kälte oder Erschütterung können ein Angioödem auslösen.

Dicke Lippe? Sofort zum Arzt!

Sie sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen, denn das Ödem kann sich lebensgefährlich entwickeln, wenn es sich auf Zunge, Rachen oder Kehlkopf ausdehnt. Dann droht Atemnot, und die kann zur Erstickung führen. Patienten, die schon einmal ein solches Ödem im Gesicht hatten, bekommen deshalb ein Notfallset, das sie immer bei sich führen sollen.

Ödeme im Bauch

Bilden sich Ödeme in der Bauchhöhle, dann sehen die Betroffenen aus, als hätten sie einen „Bierbauch“. Der Bauchumfang schwillt an. Problematisch für die Diagnose: Durch die Ansammlung von Flüssigkeit nehmen die Menschen auch an Gewicht zu, und können so fälschlicherweise schließen, sie wären „fetter“ geworden. Doch der dicke Bauch kommt nicht vom Fett, sondern von Flüssigkeit.

Sammelt sich in der Bauchhöhle Wasser an, so könnte man vom optischen Erscheinungsbild auch Ursachen wie Übergewicht vermuten. (Bild: PeJo/fotolia.com)

Ödeme im Körperinneren

Weniger offensichtlich sind Ödeme an inneren Organen wie Lunge, Gehirn oder in der Kehle. Hier sehen die Betroffenen die Schwellungen selbst nicht, sondern bemerken nur die körperlichen Folgen. Diese sind zudem wenig spezifisch.

Lungenödem

Ein Ödem in der Lunge ist bisweilen die Folge einer unbehandelten Herzschwäche. Hier dringt die überschüssige Flüssigkeit nach und nach in die Lungenbläschen ein. Das Atmen fällt schwer und hört sich blubbernd an, es kann aber auch ein Rasseln entstehen. Vorsicht: Ein fortschreitendes Lungenödem kann zum Atemstillstand führen und so tödlich enden. Ein Lungenödem muss so schnell wie nur möglich behoben werden.

Hirnödem

Im Gehirn sammelt sich übermäßig Flüssigkeit vor allem in folgenden Situationen: Nach einem Schlaganfall, bei einer Hirnentzündung, einer Hirnverletzung und bei der Höhenkrankheit.

Ein Hirnödem zeigt sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Es folgen Irritationen, also eine Störung des Bewusstseins. Eine umgehende Behandlung ist notwendig: Schreitet das Hirnödem fort, kann ein Koma die Folge sein und es drohen sogar der Tod oder lebenslange Behinderungen wie Lähmungen, Blindheit oder extreme psychische Beeinträchtigungen – je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Ödem am Kehldeckel

Dieses Ödem ist ebenso selten wie gefährlich. Durch Allergien oder Infektionen kann ein Glottisödem entstehen. Es zeigt sich durch Atembeschwerden, Pfeifen im Hals, Schluckbeschwerden, eine tiefe oder heisere Stimme. Die Symptome werden immer schlimmer, je stärker der Kehldeckel anschwillt. Ist das Atmen nicht mehr möglich, führt der Sauerstoffmangel zur Bewusstlosigkeit. Der Kreislauf bricht zusammen, und am Ende stirbt der Patient.

Ein Glottisödem – ein Ödem am Kehldeckel – ist ebenso selten wie gefährlich. Die damit einhergehenden Atembeschwerden können tödliche Folgen haben. (Bild: pictworks/fotolia.com)

Ursachen für Ödeme

Wasseransammlungen im Körper sind keine eigene Krankheit, sondern eine Folge von Erkrankungen. Bei Lungenödemen liegt der Ursprung meist in einer Herzschwäche. Andere Ursachen sind Allergien, Störungen des Lymphabflusses, Eiweißmangel, Probleme beim Bluttransport in den Venen oder Nierenschwäche. Manche dieser Erkrankungen werden gefördert durch Alkoholismus, starkes Übergewicht ebenso wie Mangelernährung, Nikotin, Teer und andere im Tabakrauch enthaltene Substanzen.

Ödeme am Knöchel entstehen nicht nur durch Verstauchungen, sondern auch nach langem Stehen oder Sitzen oder auch durch Hitze. Ein Grund zur Besorgnis ist das nicht. Solche Schwellungen gehen von allein zurück.

Sehr viel ernster sind Ödeme als Folge von Lebererkrankungen wie einer Leberzirrhose, von Nierenentzündungen oder Herzklappenfehlern. Auch Krampfadern oder Blutgerinnsel in den Venen können Ödeme verursachen. Selten bilden sich Ödeme darüber hinaus durch Tumore.

Viele Medikamente führen zu Wasseransammlungen im Körper. Dazu gehören Produkte gegen Bluthochdruck wie Diuretika und Kalziumantagonisten, nichtsteroidale Antirheumatika und Antidepressiva. Am bekanntesten ist vermutlich das „Aufschwemmen“ von Patienten, die Kortison zu sich nehmen.

Sind Ödeme gefährlich?

Die meisten Ödeme treten bei gesunden Menschen auf und sind ungefährlich. Viele Frauen sammeln kurz vor der Periode Flüssigkeit an, vor allem im Gesicht, in den Händen und im Körpergewebe. Wir sprechen dann von einem prämenstruellen Ödem.

Wenn wir lange stehen, sammelt sich Flüssigkeit in den Schienbeinen. Das liegt nicht an einer Krankheit, sondern an der Schwerkraft. Wenn wir nachts liegen, bilden sie sich zurück.

Angioödeme – Ödeme im Gewebe

Schwillt bei einem Ödem die Haut an, sammelt sich das Wasser in der Regel in tiefer liegendem Gewebe. Die Blutgefäße der Unterhaut werden löchrig und lassen Wasser aus den naheliegenden Adern hinein. Auch wenn wir die Schwellung außen sehen können, liegt sie tiefer. Am deutlichsten zeigt sie sich an den Schleimhäuten, den Augen oder Lippen.

Histamin-vermittelte Angioödeme sind sowohl allergische als auch solche, die von Medikamenten ausgelöst werden. Dann gibt es noch Angioödeme durch einen C1-Inhibitor-Mangel. Sie sind erblich bedingt. DC1-Inhibitor ist ein Eiweiß, das im Blut zur Immunabwehr dient. Entweder die Patienten bilden diesen Inhibitor nicht in ausreichender Menge oder mit Mängeln. Selten gibt es auch Angioödeme durch einen erworbenen C1-Inhibitor-Mangel.

Ein Angioödem entsteht sehr häufig als Symptom einer Nesselsucht, auch Nesselfieber genannt, von der 20 bis 25 Prozent aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben betroffen sind. Unter einem genetisch bedingten Angioödem leidet indessen nur einer von 100.000 Menschen.

Ein Angioödem kann auch in Verbindung mit einer Nesselsucht auftreten. Im Gegensatz zu einem genetisch bedingten Angioödem ist diese Variante sehr viel häufiger. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Angioödeme bei ACE-Hemmern

Häufig bilden sich solche Ödeme bei einer Behandlung mit ACE-Hemmern, Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Herzschwäche. Bis zu 2,2 Prozent aller damit Behandelten entwickeln ein Angioödem, verstärkt in den ersten drei Wochen der Anwendung, manchmal aber auch viel später. Bei solchen Ödemen, die erst Monate oder Jahre nach der Behandlung auftreten, wird die Ursache häufig nicht erkannt. Zwar ist bekannt, dass die ACE-Hemmer die Ödeme verursachen, doch wir wissen nicht genau, warum das so ist.

Ganz wichtig: Wenn ein ACE-Hemmer bei ihnen Ödeme auslöst, dürfen sie diesen nicht mehr verwenden.

Diagnose

Ödeme können eine ganze Reihe von Ursachen haben. Erst einmal müssen Ärztin oder Arzt deshalb grob eingrenzen, welche es sein könnten. Wird eine Unverträglichkeit gegenüber einem bestimmten Stoff in Lebensmitteln vermutet, wird dem Patienten geraten, diesen zu meiden und zu sehen, ob sich das Ödem daraufhin zurückbildet.

Außerdem werden Betroffene ausführlich dazu befragt, welche Medikamente sie einnehmen. Sind ACE-Hemmer dabei, Antidepressiva oder Cortison, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass hier der Auslöser liegt. Weiter werden oft Allergietests durchgeführt, die zeigen, ob das Ödem eine allergische Reaktion ist. Eine detaillierte Befragung zur Krankengeschichte kann weiteren Aufschluss bringen. Röntgenbilder, Ultraschall, Blut- und Urinproben zeigen die genaue Ursache.

Therapie

Kleinere Ödeme an Füßen und Händen gehen in der Regel von selbst zurück. Bei histamin-bedingten Angioödemen können Ärztinnen und Ärzte Antihistaminika spritzen. Das werden sie auch bei vermuteten ungefährlichen Ansammlungen tun, wenn Augen und Lippen angeschwollen sind, damit die Betroffenen nicht entstellt herum laufen müssen. Schwellungen am Kehlkopf erfordern sofortiges Adrenalinspray und eine Sauerstoffmaske gegen die Atemnot – im Extremfall eine künstliche Beatmung. Arzt oder Ärztin verabreichen dann Antihistaminika per Infusion.

Bei erblichen Angioödemen helfen Antihistaminika nicht und Ärzte können hier nur die Symptome behandeln. Akute Anfälle lassen sich mit einem C1-Inhibitor-Konzentrat behandeln, das den Mangel ausgleicht. Die Betroffenen werden unter den Angioödemen aber immer wieder leiden, da sich gegen die Erbstörung nichts ausrichten lässt. Die behandelnden Ärzte können dem nachhaltig vorbeugen, zum Beispiel durch männliche Hormone wie Danazol, Stanozol und Oxandrolon. Bei Frauen kann aber starker Haarwuchs die Folge sein bis hin zum „Damenbart“, bei Männern drohen Übergewicht und Leberschäden. (Dr. Utz Anhalt)