Yoga

Frau macht Yoga auf einem Berg

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Yoga wird in der westlichen Welt vorwiegend als fernöstliche Entspannungsmethode betrachtet. Mithilfe fließender Bewegungsabläufe, die im Rhythmus mit dem Ein- und Ausatmen durchgeführt werden, soll der Körper gekräftigt und der Geist beruhigt werden.


Die ursprüngliche Lehre des Yoga umfasst jedoch wesentlich mehr als das. Sie ist eine über 5.000 Jahre alte, ganzheitlich ausgerichtete Philosophie, die Körper, Geist und Seele in Harmonie bringen soll, und enthält neben Körper- und Atemübungen zum Beispiel auch Meditationen und Gebete.

Yoga kann man fast überall ausüben. (Bild: Maygutyak/fotolia.com)

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization – WHO) empfiehlt Yoga als einen guten Weg, tägliche Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren. Dadurch soll chronischen, potentiell tödlichen Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes vorgebeugt werden. Um die positiven Effekte von Yoga noch bekannter zu machen, ruft die WHO deshalb seit 2015 jährlich am 21. Juni zum „Internationalen Tag des Yoga“ auf.

Was bedeutet “Yoga”?

Das Wort Yoga stammt aus der alt-indischen Sprache Sanskrit und bedeutet so viel wie „Joch“. Dabei werden Körper und Geist bildlich als zwei Ochsen betrachtet: Beide müssen im Joch zusammengespannt werden, um harmonisch zusammenzuarbeiten. Genau diese Harmonie von Körper und Geist soll durch Yoga erreicht werden.

Geschichtlicher Rückblick

Yoga hat sich über Jahrtausende hinweg in Indien entwickelt und gehört zu den sechs Darshanas. Das sind die klassischen Schulen der indischen Philosophie. Einige der ersten Darstellungen von Yoga-Haltungen sind rund 5.000 Jahre alt. Damit könnte Yoga das älteste Übungssystem der Welt sein, das auch heute noch Anwendung findet.

Zwischen 800 vor Christus und 200 nach Christus entstanden die ersten Schriften über Yoga: Upanishaden, Bhagavad Gita und Yoga Sutra. Ursprünglich war Yoga in der Religiosität angesiedelt. Dies wurde circa 500 vor Christus als Religiöses Yoga bezeichnet.

Später, zwischen 200 vor und 400 nach Christus, entwickelte sich das klassisch-philosophische Yoga. Dies war frei von bestimmten Glaubensgrundsätzen und diente eher dem Alltag und der allgemeinen, nicht auf eine bestimmte Religion bezogenen Spiritualität.

Auch ältere Menschen können Yoga meist noch problemlos erlernen. (Bild:Vasyl/fotolia.com)

Danach entstand das körperorientierte Yoga, ungefähr im 12. Jahrhundert nach Christus. Yoga galt hier vor allem als Mittel zur Selbstentfaltung.

Ende des 19. und im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde Yoga in Deutschland immer populärer. Dabei unterscheiden sich die modernen Yoga-Arten, die hierzulande angeboten werden, meist recht stark von den traditionellen indischen Ausprägungen. Zumeist werden in Deutschland und generell der westlichen Welt eher die Körper- und Atemübungen mit Yoga assoziiert, zum Teil ergänzt um Meditationen. Religiöse Aspekte, Anleitung zur Selbsterkenntnis sowie bestimmte Ernährungsformen fehlen größtenteils.

Verschiedene Arten des Yoga

Aus den Anfängen des Yoga haben sich in den letzten Jahrtausenden verschiedenste Strömungen entwickelt. So gibt es heute diverse Arten des Yoga, wobei jede eine eigene Philosophie und Durchführungsform beinhaltet. Dabei existieren Yoga-Arten, die mehr auf den Geist eingehen und die geistige Konzentration beeinflussen sollen; andere wiederum beschäftigen sich ausführlicher mit dem Körper und der Atmung. Bei allen Yoga-Arten steht jedoch der ganzheitliche Ansatz, die Harmonisierung von Körper und Geist, im Mittelpunkt.

Zu den bekanntesten und in Deutschland beliebtesten Yoga-Arten zählen Hatha-Yoga, Kundalini-Yoga und Vinyasa-Yoga.

Hatha-Yoga ist hierzulande wohl die bekannteste Yoga-Art. Mit Hatha-Yoga sollen Gegensätze im Körper ausgeglichen werden, indem der Sonnen-Atem (Ha) mit dem Mond-Atem (Tha) verbunden wird. Atemübungen, sogenannte Pranayama, spielen deshalb eine wesentliche Rolle. Sie stärken die Lungenkraft, unterstützen die Atmung und sorgen für mehr Lebensenergie. Daneben stehen Körperübungen im Fokus des Hatha-Yoga. Sie werden Asanas genannt und beeinflussen die Muskelaktivität positiv, erhöhen die Flexibilität des Körpers und tragen zu einem guten Körperbewusstsein bei. Mit ihrer Hilfe können Ängste und Stress abgebaut werden. Hatha-Yoga umfasst auch Übungen zur Tiefenentspannung, die sich günstig auf die allgemeine Entspannung auswirken, Stresshormone abbauen und damit stärkend auf das Immunsystem wirken können. In Indien gilt das eher körperbetonte Hatha-Yoga lediglich als Vorbereitung für andere Yoga-Arten, die sich eher auf die geistige Arbeit fokussieren.

In unserer hektischen Zeit profitieren Kinder besonders vom frühzeitigen Erlernen einer Entspannungsmethode wie Yoga. (Bild: New Africa/fotolia.com)

Kundalini-Yoga beschäftigt sich vor allem mit Energie: Die Energie, die den Körper umgibt und durch den Körper fließt, steht im Mittelpunkt dieser Yoga-Art. Kundalini heißt übersetzt „Schlangenkraft“ und bezieht sich auf die Vorstellung, dass im Bereich des Kreuzbeins bei jedem Menschen die Energie in Form einer aufgerollten, schlafenden Schlange zu finden ist.

Mit Hilfe des Kundalini-Yoga soll die Schlange erweckt werden und ihre Energie über bestimmte Bahnen im Körper von der unteren Wirbelsäule Richtung Scheitel verströmen. Mit den Bahnen sind die Chakren (Energiezentren) und Nadis (Energiekanäle) gemeint. Kundalini-Yoga umfasst Übungen zur Reinigung der Energiebahnen, um den Körper wieder in sein natürliches Gleichgewicht zu bringen und auch die verschiedenen Chakren (Energiezentren) zu harmonisieren. Die Übungen sind dynamisch und werden meist als körperlich anstrengend empfunden.

Beim Vinyasa-Yoga werden die Körperübungen fließend in Verbindung mit der Atmung durchgeführt. Das Ergebnis ist im besten Fall eine Art „Flow“ oder Fluss, der Körper und Geist harmonisieren soll. Die Bewegungen sind dynamisch und die verschiedenen Positionen werden in zügigem Wechsel aneinandergereiht.

Wirkung und Anwendungsbereiche für Yoga

Yoga ist ein komplexes System, das den Menschen als Ganzheit von Körper, Seele und Geist betrachtet. Yoga wird in der westlichen Welt vor allem zur Entspannung, sanften Muskelkräftigung und Dehnung eingesetzt. So wird versucht, mit Hilfe bestimmter Übungen den Geist zur Ruhe zu bringen, was letztlich den ganzen Körper günstig beeinflussen kann. Die positive Wirkung des Yoga ist inzwischen wissenschaftlich anerkannt. Dabei soll die Durchblutung – vor allem der inneren Organe – gefördert und der Kreislauf angeregt werden, der Pulsschlag soll sich verlangsamen, die Atmung ruhiger und tiefer werden. Dadurch nimmt in der Regel der Gehalt an Stresshormonen im Blut ab. Außerdem soll Yoga einen günstigen Einfluss auf den Blutdruck haben.

Yoga kommt häufig bei Rückenschmerzen zum Einsatz. Es existieren speziellen Übungen, die den Rücken und die Muskulatur stärken, aber auch gleichzeitig entspannen. Weitere Einsatzbereiche sind Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Personen, die unter Schlafstörungen leiden, profitieren von gezielten Übungen, die ihren Geist beruhigen und somit eine innere Gelassenheit fördern. Auch auf psychische Erkrankungen wie Angst (Angststörung) oder Depression könnte sich Yoga somit positiv auswirken. Hierzu gibt es bereits erste Studien. Nähere Informationen dazu finden Sie in dem entsprechenden Link am Ende dieses Textes.

Während der Schwangerschaft kann Yoga dabei helfen, entspannt und beweglich zu bleiben; bei vielen Anbietern gibt es spezielle Kurse für Schwangere. (Bild: Syda Studios/fotolia.com)

Yoga sorgt für Vitalität, kann das Immunsystem stärken und die Konzentration verbessern. Zudem könnten Yoga-Übungen auch bei Erkrankungen wie zum Beispiel akuten Gelenkentzündungen, Rheuma, bei der Vorbeugung von Herzinfarkten oder der begleitenden Behandlung von Krebs durchaus eine positive Wirkung erzielen; in diesen Fällen gehört Yoga jedoch in die Hand eines erfahrenen Therapeuten beziehungsweise einer erfahrenen Therapeutin.

Wenn Sie Yoga gegen konkrete Beschwerden einsetzen möchten, lassen Sie diese zuvor grundsätzlich von einem Arzt oder einer Ärztin abklären und besprechen Sie, ob Yoga für Sie zur alleinigen oder begleitenden Behandlung in Frage kommt. Weiterhin sollten Sie Ihren Yoga-Lehrer oder Ihre Yoga-Lehrerin vor Kursbeginn über Ihre Beschwerden informieren; so kann er oder sie sicherstellen, dass alle Übungen für Sie geeignet sind und Ihnen gegebenenfalls alternative Übungen anbieten.

Erlernen von Yogatechniken

Jeder kann sich aus der Vielzahl von Yoga-Arten die individuell passende heraussuchen, um zum Beispiel mehr für den Körper und/oder den eigenen Geist zu tun. Dabei empfiehlt es sich, verschiedene Kurse auszuprobieren. Die meisten Yogastudios bieten günstige „Schnupperkurse“ an.

Yoga kann alleine oder auch in der Gruppe durchgeführt werden. Um zuerst die wichtigsten Übungen, deren genaue Ausführung und deren Einsatzbereiche zu erlernen, ist es ratsam, einen Yogakurs zu besuchen. Vereine, Volkshochschulen, aber auch private Lehranstalten oder Privatlehrerinnen und Privatlehrer bieten Yogakurse an. Ist die Basis einmal erlernt, so kann auch zu Hause geübt werden, beispielsweise mit DVDs oder Videos. Hierbei ist es wichtig, beim Ausüben der Asanas achtsam mit dem eigenen Körper umzugehen und ihn nicht zu überlasten. Die eigenen Grenzen sollten akzeptiert und keinesfalls überschritten werden. Mit viel Geduld und regelmäßigem Üben wird der Körper mit der Zeit kräftiger und dehnbarer. Auch bei den Entspannungs- und Meditationsübungen braucht es meist eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man sie beherrscht und davon profitieren kann. Geben Sie sich selbst Zeit zum Erlernen dieser neuen Praxis und versuchen Sie, Leistungsgedanken wenn möglich abzulegen, da sie der Entspannung erfahrungsgemäß im Weg stehen.

Da das klassische Yoga und dessen gesundheitsfördernde Wirkung wissenschaftlich anerkannt ist, übernehmen einige Krankenkassen inzwischen sogar die Kosten für Yogakurse. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob und wenn ja welche Yogakurse finanziell gefördert werden.

Die korrekte Ausführung der Positionen ist im Yoga wichtig und lässt sich am besten in einem Kurs erlernen. (Bild: seventyfour/fotolia.com)

Wann sollte Yoga nicht praktiziert werden?

Während einer akuten fiebrigen Erkältung oder gar Grippe sollte auf Yoga verzichtet werden. Für Schwangere gibt es spezielle Yogaübungen, die jedoch unbedingt unter fachgerechter Anleitung ausgeführt werden sollten. Befragen Sie bei Beschwerden im Zweifelsfall Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin, ob Sie Yoga ausüben dürfen. (sw, kh)

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Carolin Lockstein, Susanne Faust: Relax! Der schnelle Weg zu neuer Energie. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2001
  • N Hartfiel, G Clarke, J Havenhand, u.a.: Cost-effectiveness of yoga for managing musculoskeletal conditions in the workplace, Occupational Medicine, Volume 67, Issue 9, December 2017, academic.oup.com
  • Klatte, Rahel; Pabst, Simon; Beelmann, Andreas; u.a.: Wirksamkeit von körperorientiertem Yoga bei psychischen Störungen, Dtsch Arztebl Int 2016, aerzteblatt.de
  • Koch, Joachim: Yoga: Die positive Kraft des Yoga, Deutsches Ärzteblatt PP 1/2014, aerzteblatt.de
  • Mayo Clinic: Yoga: Fight stress and find serenity (Abruf: 10.10.2019), mayoclinic.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.