Dreh-Schwindel nach dem Essen? Es könnte eine Fleischallergie sein!

Manche Menschen leiden unter einer Fleischallergie, die mit Beschwerden wie Hautausschlag, Atemnot, Schwindel oder gar einem allergischen Schock einhergehen kann. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)
Fabian Peters
Beschwerden nach dem Fleischkonsum können auf eine Allergie hinweisen
Manche Menschen zeigen nach deftigem Essen starke Schwindelattacken, Ausschläge, Atemnot und andere körperliche Reaktionen. Die Ursache kann in diesen Fällen eine Fleischallergie sein. So berichtet das Universitätsklinikum Freiburg in einer aktuellen Mitteilung von einem Patienten, bei dem nach aufwendigen Untersuchungen letztendlich der Nachweis gelang, dass der Verzehr von rotem Fleisch seine heftigen allergischen Reaktionen verursacht hat.

Der Betroffene sei wegen Symptomen wie gelegentlicher innerer Unruhe, Hautausschlag und Atemnot sowie starkem Schwindel der zweimal sogar bis zur Ohnmacht führte in die Ambulanz der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg gekommen, berichtet die Uniklinik. Der Patient habe eine Allergie auf Nahrungsmittelzusatzstoffe vermutet, doch blieben die entsprechenden Tests negativ. In den anschließenden Untersuchungen sei der Nachweis gelungen, dass ein Zucker namens Alpha-Galaktosidase, der auch in Fleisch vorkommt, bei dem Mann zu heftigen allergischen Reaktionen führt. Mit einem neuen Test konnten die Freiburger Mediziner nach eigenen Angaben bei dem Patienten eindeutig eine Fleischallergie diagnostizieren.

Manche Menschen leiden unter einer Fleischallergie, die mit Beschwerden wie Hautausschlag, Atemnot, Schwindel oder gar einem allergischen Schock einhergehen kann. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)
Manche Menschen leiden unter einer Fleischallergie, die mit Beschwerden wie Hautausschlag, Atemnot, Schwindel oder gar einem allergischen Schock einhergehen kann. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Verdacht auf Allergie zunächst nicht bestätigt
Die Untersuchungen auf eine Allergie gegen Nahrungsmittelzusatzstoffe oder bestimmte Lebensmittel zeigten bei dem Patienten ein negatives Ergebnis. Zudem traten laut Aussage von Dr. Sabine Müller, Funktionsoberärztin an der Klinik für Dermatologie und Venerologie und kommissarische Leiterin der Allergie-Ambulanz in Freiburg, die „Reaktionen erst einige Stunden nach einer Mahlzeit auf“, was „für eine allergische Reaktion eigentlich ungewöhnlich“ sei. Dennoch seien die Mediziner dem Verdacht weiter nachgegangen und der Patient habe ein Ernährungstagebuch geführt, um mögliche kritische Lebensmittel zu identifizieren . „Sogar die Rezepte notiert er detailliert“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums.

Anhand der Aufzeichnungen sei deutlich geworden, dass die Beschwerden meist nach dem Verzehr von Fleisch oder Wurstwaren, oft kombiniert mit Alkohol oder körperlicher Anstrengung, auftraten. Anhand der Rezepte seien alle Zutaten von den Ärzten auf ihre Wirkung bei dem Mann getestet worden, ohne positives Ergebnis. Eine Fleischallergie sei zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht sicher nachweisbar gewesen und die üblichen Allergietests mittels einer Fleischlösung blieben negativ, so die Mitteilung der Uniklinik.

Spezieller Zucker Ursache der allergischen Reaktion
Trotzdem blieb weiter der Verdacht auf eine Allergie bestehen, nicht zuletzt weil „allergische Reaktionen in manchen Fällen erst im Zusammenspiel von Allergen und Belastungssituationen“ auftreten, so Dr. Sabine Müller. Die Kombination aus Fleisch und Sport als Ursache der Beschwerden schien daher in dem vorliegenden Fall naheliegend. Auch haben sich in den letzten zehn Jahren laut Mitteilung des Universitätsklinikums die „Berichte über allergische Reaktionen auf rotes Fleisch, etwa von Schweinen und Rindern“, gehäuft. Auf die richtige Spur seien die Forscher allerdings erst gekommen, weil zeitgleich zu dem Freiburger Patienten eine Gruppe von Krebspatienten allergisch auf ein neues Medikament reagiert habe. Die anschließenden Untersuchungen ergaben, dass nur solche Personen betroffen waren, die zuvor einmal von einer Zecke gebissen wurden. Dies führten die Forscher auf den Zucker namens Alpha-Galaktosidase zurück, der von Zecken bei einem Biss mit ihrem Speichel in unseren Körper abgegeben wird.

Antikörper mittels Bluttest nachweisbar
Der identifizierte Zucker befand sich laut Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg nicht nur in dem Krebsmedikament, sondern kommt auch auf Säugetierfleisch vor. Mit einem speziell entwickelten Bluttest seien schließlich Antikörper gegen den Zucker nachweisbar gewesen. „Der neue Test kam für unseren Patienten gerade zur rechten Zeit. Damit konnten wir bei ihm eindeutig eine Fleischallergie diagnostizieren“, betont Dr. Müller. Zwar habe sich der Patient an keinen Zeckenbiss erinnern können, doch „Zeckenbisse werden oft nicht bemerkt, wenn sie keine Hautrötungen verursachen“, so die Aussage der Ärztin.

Provokationstest bestätigt die Diagnose
Im weiteren Verlauf hat sich der Patient einem Provokationstest unterzogen und unter Aufsicht ein eigens dafür zubereitetes Stück Rindfleisch verzehrt und danach eine Runde auf dem Fahrrad-Ergometer trainiert. Laut Angaben der Mediziner ohne Reaktion. Ebenso sei der Verzehr von Schweinefleisch bei gleichzeitiger Belastung ohne Folgen geblieben. In einem dritten Test erhielt der Patient gebratene Schweineniere, da Innereien besonders reich an dem verdächtigen Zucker sind, berichtet das Universitätsklinikum. Dies habe tatsächlich zur Folge gehabt, dass der Mann schon kurz nach dem Verzehr zusammenbrach und die anwesenden Ärzte ihm Antihistaminika, Cortison und Adrenalin gegen den allergischen Schock spritzen mussten. Damit stand die Diagnose fest.

Ernährungsumstellung angeraten
Durch eine entsprechende Ernährungsumstellung lassen sich die Beschwerden der Fleischallergie leicht vermeiden, wobei „die gute Nachricht für Patienten mit Fleischallergie ist, dass sie Geflügel und Fisch bedenkenlos essen können“, betont Dr. Müller. Die schlechte Nachricht sei, „dass man sich zurzeit nicht desensibilisieren lassen kann.“ Zudem müssen Betroffene neben Säugetierfleisch auch Gelatine und manche Medikamente meiden, in denen der Zucker vorkommt, erläutert die Expertin. Eine detaillierte Absprache mit dem behandelnden Arzt sei daher sehr wichtig. Dem Patienten in Freiburg habe die konsequenten Umstellung der Ernährung sehr geholfen und er ist bis heute anfallsfrei geblieben, so die Mitteilung des Universitätsklinikums. (fp)

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